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Die Zahlen

Der Umgang der Römer mit Zahlen ist etwas gewöhnungsbedürftig. Im Gegensatz zum lateinischen Alphabet ist nämlich das römische Zahlensystem sehr komplex. Außerdem haben die Römer, wie wir übrigens auch, neben den Grundzahlen noch etliche andere Arten von Zahlen gekannt, deren Bildung auf dem ersten Blick verwirrend erscheint.

Cardinalia: Die "normalen" Zahlenworte (Grundzahlen) sind, von einigen Ausnahmen abgesehen, nicht deklinierbar. Aus insgesamt sieben Zeichen werden sie in Form von Abkürzungen zusammengesetzt, wobei im Normalfall alle Zeichen addiert werden. Lediglich, wenn ein niedrigeres Zeichen vor einem höheren steht, wird es subtrahiert (nur bei I, X und C möglich); außerdem darf ein kleineres Zeichen, das subtrahiert wird, nur vor einem höheren Zeichen stehen, das das Zehnfache des eigenen Wertes nicht übersteigt, also IX, da X das Zehnfache von I ist, nicht jedoch IC. Das wird notwendig, weil ein Zeichen höchstens drei Mal hintereinander geschrieben werden darf. In spätantiker Zeit werden solche Regeln jedoch nicht mehr streng beachtet.

ZeichenWert
I1
V5
X10
L50
C100
D500
M1000

Anders verhält es sich mit den ausgeschriebenen Worten. Hier wird bereits bei Zahlen, deren Einerziffer die Acht ist, von der nächsthöheren Zehnerzahl aus abgezogen, also ist 18 eigentlich 20-2, 28 ist 30-2, .... Eine andere, ebenfalls umständliche Zählweise hat auch das Französische bewahrt: 80 wird als quatre-vingt geschrieben, also 4*20, und bis 100 wird einfach addiert: quatre-vingt-dix ist (4*20)+10=90 - aber auch das nicht einheitlich: Es gibt auch die Zahlen huitante und nonante.

Zur Liste der Cardinalia.



Ordinalia: Die Ordnungszahlen werden verwendet, um Reihenfolgen auszudrücken. Sämtliche Ordnungszahlen werden wie Adjektiva der A/O-Deklination abgewandelt (-us, -a, -um = -us 3). Für sehr hohe Zahlen werden Adverbia numeralia verwendet: bis millesimus (der zwei Mal tausendste). Bei Zusammensetzungen ist die Schreibweise nicht immer einheitlich. Anstelle von vicesimus alter (der 21.) kann man auch unus et vicesimus finden. Bei Zahlen über hundert können Zehner- und Einerstelle mit et mit der Hunderterstelle verbunden werden: centesimus et decimus (der 110.). Auch für einzelne Zahlen kann es andere Formen geben (vigesimus oder vicensimus statt vicesimus oder trigesimus für tricesimus).

Zur Liste der Ordinalia.



Distributiva, auch Einteilungs- oder Verteilungszahlen genannt, werden wie Adjektiva der A/O-Deklination abgewandelt. Sie sind eine lateinische Spezialität. Nach solchen Zahlen kann man mit "wie viele jedes Mal?" fragen. Dass es dafür eigene Zahlen gibt, entspricht dem Hang der Römer zu Genauigkeit. Im Deutschen kann man problemlos sagen, im antiken Rom habe es zwei Konsuln gegeben. Im Lateinischen aber muss man, was ja auch genauer ist, schreiben, es habe je zwei Konsuln gegeben, denn es waren ja zwei in jedem Jahr und nicht insgesamt zwei.

Zur Liste der Distributiva.



Adverbia numeralia beantworten die Frage, zu wievielten Mal etwas geschieht.

Zur Liste der Adverbia numeralia.



Außer den bloßen Tabellen gibt es natürlich noch einiges über die römischen Zahlen zu sagen, wovon der letzte Teil in dieser Gruppe handelt.

Zusätze zu den Zahlenworten.