Latein Logo

Latein Menü

Latein Übersetzungen

Latein Hauptseite

Übersetzungen Ausonius
Übersetzungen Vergil
Übersetzungen Martial
 Petron
Übersetzungen Phaedrus
Übersetzungen Hygin
Übersetzungen Sueton

e-latein Poll
Wieso lernt ihr Latein?
Anderer Grund
Aus Interesse / weil ich will
Besser als Französisch / für die Zukunft wichtig
Weil ich muss
Latein Biglogo

Das Archiv

Texte:

Das ist das Archiv für alle Texte, die ich nicht eindeutig zuordnen kann. Um eine gewisse Ordnung beizubehalten, habe ich die einzelnen Texte mit zum Teil willkürlich gewählten Überschriften versehen, damit man schneller zu den Bereichen kommt. Es ist mein Ziel, die Texte allmählich vom ungeordneten Archiv entweder in einzelne Unterbereiche oder hierher zu bringen.

Die Texte sollen sowohl zur Korrektur eigener Arbeiten als auch zur Übung herangezogen werden können. Für Anfragen stehe ich gerne zur Verfügung.


 

Dido trifft Aeneas in der Unterwelt (Aeneis 6, 450ff)

Text:
Inter quas Phoenissa recens a vulnere Dido
errabat silva in magna. Quam Troius heros
ut primum iuxta stetit agnovitque per umbras
obscuram, qualem primo qui surgere mense
aut videt aut vidisse putat per nubila lunam,
demisit lacrimas dulcique adfatus amore est:
"infelix Dido, verus mihi nuntius ergo
venerat exstinctam ferroque extrema secutam.
Funeris heu tibi causa fui! Per sidera iuro,
per superos et si qua fides tellure sub ima est:
Invitus, regina, tuo de litore cessi.
Sed me iussa deum, quae nunc has ire per umbras,
per loca senta situ cogunt noctemque profundam,
imperiis egere suis; nec credere quivi
hunc tantum tibi me discessu ferre dolorem.
Siste gradum teque aspectu ne subtrahe nostro!
Quem fugis? Extremum fato, quod te adloquor, hoc est."

Talibus Aeneas ardentem et torva tuentem
lenibat dictis animum lacrimasque ciebat.
Illa solo fixos oculos aversa tenebat
nec magis incepto vultum sermone movetur,
quam si dura silex aut stet Marpesia cautes.
Tandem corripuit sese atque inimica refugit
in nemus umbriferum, coniunx ubi pristinus illi
respondet curis aequatque Sychaeus amorem.
Nec minus Aeneas, casu percussus iniquo,
prosequitur lacrimis longe et miseratur euntem.


Übersetzung:
Unter ihnen irrte die eben erst verwundete Phoenikierin Dido im großen Wald umher. Sobald der Held aus Troja nahe bei ihr stand und durch die Schatten sie undeutlich wahrnahm, so wie jemand am Anfang des Monats (primo mense) den Mond durch die Nebelschleier aufsteigen sieht oder glaubt, dass er ihn gesehen hat, vergoss er Tränen und sprach mit süßer Liebe: "Unglückliche Dido, eine wahre Botschaft war mir also überbracht worden, dass du tot bist und durch das Eisen dein Leben beedet hast. Ach, ich war der Grund für deinen Tod! Bei den Sternen schwöre ich, bei den Göttern und wenn es tief unter der Erde eine Treue gibt: Gegen meinen Willen, Königin, ging ich von deiner Küste weg. Aber mich haben die Befehle der Götter, die mich nun dazu zwingen, durch diese Schatten zu gehen, diese wegen des Moders rauhe Gegend und die pechschwarze Nacht: Sie trieben mich mit ihren Befehlen! Ich konnte nicht glauben, dass du durch meine Abreise einen so großen Schmerz ertragen hast. Bleibe stehen und entziehe dich nicht meinem Anblick. Vor wem fliehst du? Dies ist das letzte Mal, dass ich mit dir spreche."

Mit solchen Worten versuchte Aeneas den brennenden Sinn und den grimmigen Blick zu mildern und weinte. Jene hielt ihre Augen abgewandt und starrte auf den Boden, und nicht mehr wurde ihre Miene bewegt durch die begonnene Rede, wie wenn harter Marmor dastünde oder harter Stein. Schließlich raffte sie sich auf und flüchtete als Feindin in einen schattigen Hain, wo ojr ehemaliger Gatte Sychaeus jener auf die Sorgen antwortete und die Liebe erwiderte. Trotzdem verabschiedete Aeneas, erschüttert durch das ungerechte Schicksal, unter Tränen und bedauerte sie, als sie wegging.

Zurück nach oben

 

Diogenes

Text:
Mercatores peregrinimagnum lucrum facturi res admirabiles in oppida graeca apportabant. Multi enim cives luxuriae se se dabant et vitam mollem agebant. Virtutem autem vitamque honestam et rectam non quaerebant. Eo tempore Diogenes, qui nulla re se egere demonstrabant, varias contumelias dixit cives suos lacessiturus. Sine dubio eius barba longa, crines promissi, vestimentum simplex et rude homines deterruit. Quod paene omnes res sprevit, imprimis suspicionem civium opulentorum movit.


Übersetzung:
Die fremden Händler wollten einen großen Gewinn erzielen und brachten bewundernswerte Gegenstände in die griechischen Städte. Denn viele Bürger gaben sich dem Luxus hin und wollten ein angenehmes Leben führen. Tugend aber und ein ehrenhaftes und richtiges Leben suchten sie nicht. Zu jener Zeit sprach Diogenes, der offen zeigte, dass er keiner Sache entbehrte, Schmähungen, um seine Mitbürger zu reizen. Zweifellos schreckten sein langer Bart, seine herabhängenden Haare, seine einfache und schmucklose Kleidung die Menschen ab. Weil er fast alle Dinge verachtete, erregte er besonders den Verdacht der wohlhabenden Bürger.

Zurück nach oben

 

Brutus als Gegner Caesars

Text:
Brutus: Quem fallit, quid Caesar fieri velit? Id solum agit, ut rex fiat, ne finis sit licentiae et libidini suae! Quod si fieret, de libera re publica actum esset! Tullius: Sed quid fiet, si eum hodie sustulerimus? Nonne verendum est, ne vulgus clamet summam inuriam factam esse? Saepe enim fit, ut multitudo eos, quibus vivis suscensuerit, mortuos in caelum tollat. Brutus: Si quis hoc futurum esse credat, erret; nam quis dubitet, quin vulgus quoque eum oderit, de quo in muris hoc scriptum legat: "Brutus, quia reges eiecit, consul primus factus est; hic, quia consules eiecit, rex postremo factus est."


Übersetzung:
Brutus: Wem entgeht, was Caesar will, dass geschieht? Das tut er nur, um König zu werden, damit es keine Grenze seiner Maßlosigkeit und seiner Begierde gibt! Wenn das geschähe, wäre es um die freie Republik geschehen! Tullius: Aber was wird geschehen, wenn wir ihn heute töten? Muss man nicht fürchten, dass das Volk ruft, es sei ein ungeheures Unrecht geschehen? Oft nämlich geschieht es, dass die Menge jene, gegen die es zu ihren Lebzeiten wutentbrannt war, als Tote in den Himmel erhebt. Brutus: Wenn jemand glauben könntem das werde geschehen, so irrt er wohl. Denn wer könnte bezweifeln, dass das Volk auch den hasst, über den man auf Mauern geschrieben lesen kann: "Brutus wurde zum ersten Konsul gemacht, weil er die Könige vertrieben hat, und dieser hier ist schließlich zum König gemacht worden, weil er die Konsuln hinausgeworfen hat."
Caesar und sein Glück

Zurück nach oben

 

Fortes fortuna adiuvat

Text:
Quis dubitet, quin Caesar fortissimus, immo vero audacissimus fuerit? Aliquando, cum praemissis in Asiam copiis Hellespontum parva nave traiceret, decem navibus adversariorum accendentibus non fuga salutem petivit, sed cursum tenuit rectum. Et si quis credat eum iam satis temere egisse, erret - nam Caesar hostium deditionem poposcit! Quis umquam arbitraretur eos Caesare cognito se supplices dedituros esse! Cum certior factus esset Pharnacem regem magna Asiae parte potitum esse, cum tribus legionibus contra eum profectus est. Tum vero cerneres, quantum confectum est. Qua de victoria Caesar amicum quendam hoc nuntio certiorem fecit: "VENI, VIDI, VICI!"


Übersetzung:
Das Glück hilft den Tüchtigen
Wer könnte bezweifeln, dass Caesar der tapferste, ja vielleicht sogar der kühnste Mann gewesen ist? Einst, als er seine Truppen nach Asien vorausgeschickt hatte und den Hellespont auf einem kleinen Schiff überquerte, suchte er sein Heil nicht in der Flucht, als sich zehn Schoffe seiner Gegner näherten, sondern behielt den geraden Kurs bei. Und wenn jemand glaubt, er habe schon ausreichend unüberlegt gehandelt, der irrt: Denn Caesar verlangte die Kapitulation der Feinde.Wer hätte jemals glauben können, dass diese - nachdem sie Caesar erkannt hatten - sich ihm unterwürfig ergeben würden! Als er erfahren hatte, dass Pharnaces sich einese großen Teils Asiens bemächtigt hatte, brach er mit drei Legionen gegen ihn auf. Da freilich hättest du sehen können, wieviel vollbracht wurde. Über diesen Sieg verständigte Caesareinen Freund mit diese Nachricht: "Ich kam, sah, siegte!"

Zurück nach oben

 

Space-Shuttle Columbia kehrt zurück

Text:
COLUMBIA TUTO DESCENDIT:
Navicula spatialis nomine Columbia in aerodronum Floridianum feliciter descedit. Gubernatrix eius erat Eileen Collins, ante quam nulla umquam femina volatui spatiali praefuit. Inter volatum quinque dierum astronautae in orbita circumterranea stationem posuerunt, qua radii Roentgeniani observarentur. Investigatores sperant fore, ut per illam aliquid novi de foraminibus nigris spatii cosmici comperiant.


Übersetzung:
Columbia landete sicher:
Das Raumschiff mit dem Namen Columbia ist sicher zum Weltraumhafen Florida (in Florida) hinabgeflogen (etwas freier kann man auch mit "landen" übersetzen, nur kommt dann der Akkusativ der Richtung nach "in" nicht mehr so gut zur Geldtung). Ihre Lenkerin war Eileen Collins, vor der keine Frau jemals Leiterin eines Raumfluges war. Während des Fluges von fünf Tagen haben die Astronauten einen Satelliten in einer Erdumlaufbahn ausgesetzt, mit dem die Röntgenstrahlen untersucht werden sollen (Konjunktiv!). Forscher hoffen, (es werde geschehen, dass sie) dadurch etwas Neues über die schwarzen Löcher des Weltraum zu erfahren.

Zurück nach oben

 

König Midas

Text:
Midas rex aliquando a Baccho petivit: "Effice, ut, quidquid tetigero, aurum fiat." Deus ei satisfecit et respondit: "Fiat, quod voluisti. Quidquid tetigeris, aurum fiet." Ac profecto aurum fiebat, quidquid rex tetigerat. Cum etiam cibi, quos dentibus conficere parabat, aurei facti essent, periculum erat, ne fame moreretur. Itaque deum imploravit, ut munus re-vocaret, ne omnia, quae tetigisset, aurea fierent. Iussu dei rex tandem aquam Pactoli fluminis intravit visque, qua omnia, quae tetigerat, aurea facta erant, in flumen cessit.


Übersetzung:
König Midas verlangte einst von Bacchus: "Bewirke, dass zu Gold wird, was auch immer ich berührt habe." Der Gott erfüllte seinen Wunsch und antwortete: "Es soll geschehen, was du wolltest. Was auch immer du berührt hast, wird zu Gold werden." Und tatsächlich wurde zu Gold, was auch immer der König berührt hatte, Als auch die Speisen, die er mit den Zähnen beissen wollte, zu Gold wurden, bestand die Gefahr, dass er an Hunger sterbe. Daher flehte er den Gott an, dass er die Gabe widerrufe, damit nicht alles, was er berührt habe, zu Gold werde. Auf Befahl des Gottes betrat der König schließlich das Wasser des Flusses Pactolus und die Kraft, wodurch allesm was er berührt hatte, zu Gold wurde, wich in den Fluss.

Zurück nach oben

 

Die Ermordung Caesars

Text:
Non defuerunt, a quibus Caesar certior fieret coniurationem factam esse. Neque tamen momentibus aures dedit. Sic fieri potuit, ut insidiae multis notae non patefierent. Ea vero nocte, quam secutus est dies caedis, Caesar sibi supra nubes volare visus est, ac repente cubiculi fores sponte patefactae sunt. Hoc ob somnium diu cunctatus quinta demum hora monente Bruto in senatum progressus est. Considentem coniurati circumdederunt, et Tullius Cimber, qui primas partes susceperat, quasi aliquid rogaturus propius accessit. Sed Caesar: "Alio tempore", inquit, "tibi satisfiet." Subito fit impetus in eum. "Ista quidem vis est!" clamat, cum se undique peti videat; Bruto autem irruenti: "Et tu", inquit, "mi fili?"


Übersetzung:
Es fehlte nicht an Leuten, die Caesar davon informierten, dass eine Verschwörung gemacht worden sei. Aber er schenkte den Warnenden keine Aufmerksamkeit (Gehör, Ohren). So konnte es geschehen, dass der vielen bekannte Hinterhalt nicht aufgedeckt wurde. In jener Nacht freilich, welcher der Tag der Ermordung folgte, sah Caesar sich übr den Wolken fliegen, und plötzlich wurden die Türen des Schlafzimmers von selbst geöffnet. Wegen dieses Traumes zögerte Caesar lange, zur fünften Stunde aber brach er wegen des ihn ermahnenden Brutus zum Senat auf. Als er sich setzte, umgaben ihn die Verschwörer, und Tullius Cimber, der die ersten Teile übernommen hatte, ging näher zu ihm hin, als ob er ihn um etwas bitten wolle. Aber Caesar sagte: "Zu einer anderen Zeit wird man es dir gewähren." Plötzlich kommt es zu einem Angriff auf ihn. "Das ist doch Gewalt!" ruft er, als er sieht, dass er von allen Seiten eingeschlossen ist. Als Brutus auf ihn einstürmt, fragt er: "Auch du, mein Sohn?"

Zurück nach oben

 

Plinius der Ältere: Der flüchtige Hirsch

Text:
Cervus placidissimum animal est. Urgentibus canibus ultro confugiunt ad hominem. Catulos exercent cursu et fugere docent, ad praerupta ducunt saltumque demonstrant. Semper in fuga acquiescunt stantesque respiciunt; cum adversarii appropinquaverunt, rursus fuga salutem petunt. Fugiunt autem, latratu canum audito, secunda semper aura, ut vestigia cum ipsis evanescant. Cum erexerunt aures, acerrimi sunt auditus; cum aures remiserunt, surdi. Ceterum animal simplex est et omnibus rebus novis stupens ita, ut equo aut bucula propius accedente hominem iuxta venantem non cernant aut, si cernant, arcum ipsum sagittasque mirentur.
Mares cornua habent solique animalium ea omnibus annis certo veris tempore amittunt. Ista die loca quam maxime invia petunt. Latent cornibus amissis velut inermes. Quamdiu carent cornibus, noctu procedunt ad pabula. Increscentia cornua, solis vapore durant atque arboribus experiuntur. Ubi placuit robur, in aperta prodeunt. Captique iam cervi sunt hedera in cornibus viridante, quae teneris cornibus ex attritu arborum innata est.
Fuerunt aliquando etiam cervae candido colore. Talem fuisse tradunt Q. Sertori cervam. Quam esse fatidicam Hispaniae gentibus persuaserat.


Übersetzung:
Der Hirsch ist ein sehr sanftes Tier. Vor den ihn bedrängenden Hunden fliehen sie sogar zum Menschen. Sie trainieren ihre Kälber und lehren sie zu fliehen, führen sie zu schroffen Felsen und zeigen ihnen die Schlucht. Immer auf der Flucht rasten sie sich aus und wenn sie stehen, blicken sie zurück; wenn sich die Feinde genähert haben, streben sie wieder durch die Flucht die Rettung an. Nachdem sie das Bellen der Hunde gehört haben, fliehen sie immer mit dem Wind, damit sich die Spuren zusammen mit ihnen verflüchtigen. Wenn sie die Ohren üben (spitzen?), ist ihr Gehörsinn sehr scharf. Wenn sie die Ohren herabgelassen haben, sind sie taub. Der Rest des Tieres ist einfältig und staunt über alle neuen Dinge so, dass sie einen mit dem Pferd oder einem Kuh näher kommenden Menschen neben einem Jagenden nicht bemerken oder, wenn sie ihn bemerken, den Bogen selbst und die Pfeile bestaunen.
Die Männchen haben Hörner und als einzige der Tiere verlieren sie diese in allen Jahren zur Zeit des Frühlings. An diesem Tag suchen sie möglichst unwegsame Gegenden auf. Sie verbergen sich, nachdem sie das Geweih verloren haben, als wären sie unbewaffnet. Obwohl sie keine Hörner haben, gehen sie in der Nacht auf die Weide. Die wachsenden Hörner werden durch die Hitze der Sonne und hart und sie erproben sie an Bäumen. Sobald ihnen die Kraft gefiel (... die Kraft es zulässt), gehen sie aufs offene Feld. Es wurden schon Hirsche gefangen mit grünendem Efeu auf den Hörnern, das den weichen Hörnern durch das Anreiben an Bäumen eingepflanzt wurde.
Es gab auch einmal Hirschkühe von weisser Farbe. Quintus Sertorius soll eine solche Hirschkuh besesen haben. Er hatte die Stämme Spaniens davon überzeugt, dass sie die Zukunft voraussagen könne.

Zurück nach oben

 

Ein teures Mahl

Text:
Duo fuerunt maximi uniones per omnem aevum; utrumque possedit Cleopatra, Aegypti reginarum novissima. Haec, cum exquisitis Antonius saginaretur epulis, contendit una se cena centiens HS absumpturam esse. Cupiebat discere Antonius - sed fieri posse non arbitrabatur. Ergo - sponsionibus factis - postero die, quo iudicium agebatur, magnificam alias cenam, sed cotidinam Antonio adposuit - irridenti et computationem expostulanti. At illa corollarium id esse dixit - et confirmans solam se centiens HS cenaturam inferri mensam secundam iussit. Ex praecepto ministri unum tantum vas ante eam posuerunt aceti, cuius asperitas in tabem margaritas resolvit. Gerebat in auribus illud vere unicum naturaeopus: itaque (exspectante Antonio, quidnam esset actura) detractum alterum mersit et liquefactum obsorbuit.


Übersetzung:
Es gab zwei sehr große Perlen seit sehr langer Zeit. Beide besaß Kleopatra, die letzte der Königinnen Ägyptens. Als Antonius mit erlesenen Speisen bewirtet wurde, behauptete sie, dass sie in einem Mahl je 100 Sesterzen verzehren würde. Antonius wollte es erfahren (lernen), aber er glaubte, dass man das nicht machen könne (dass das nicht geschehen könne). Am darauffolgenden Tag also, nachdem sie die Wette abgeschlossen hatten und an dem das Urteil gefällt wurde, setzte sie Antonius ein sonst großartiges, (bei ihr) aber gewöhnliches Menü vor, wobei dieser sie auslachte und eine Rechnung verlangte. Aber jene sagte, das sei ein Geschenk, beharrte darauf, dass sie allein 100 Sesterzen verspeisen werde und ließ ein zweites Mahl hereintragen. Wie sie es verlangt hatte, brachten die Diener ein riesiges Gefäß mit Essig und stellten es vor sie hin, dessen Säure Perlen zu Schlamm (Flüssigkeit?) auflöste. Sie trug dieses wahrlich einzigartige Werk der Natur an ihren Ohren. Während Antonius wartete, was sie tun würde, löste sie eine abgenommene auf und schlürfte sie in Form der Flüssigkeit (aufgelöst).

Zurück nach oben

 

aus Ovids "Ars Amatoria"

Text:
Ministra apta notas missas accipiat. Inspice, quodcumque leges, et collige ex ipsis verbis, utrum vir fingat an sollicitus et ex animo roget! Postque brevem moram rescribe! Mora semper amantes incitat, si modo tempus exiguum habet. Sed neque te facilem iuveni roganti promitte neque id nega, quod petit. Fac, ut timeat speretque simul. Scilicet custos obstabit, ne scribere possis. Sed conscia tabellas scriptas portare potest, quas in sinu tepido fascia lata tegat. Si haec quoque custos caveat, illa pro charta tergum praebat; inque corpore suo verba ferat. Littera quoque e lacte recenti tuta est et oculos fallit. Si pulverem carbonis sparseris, leges. Scribite verba munda, sed e mundio et consueta, puellae! Forma sermonis publici placet. Quotiens amator dubius scriptis exarsit! Quotiens lingua barbara formae bonae nocuit!


Übersetzung:
Eine vertrauenswürdige Dienerin soll die geschickten Zeichen (Nachrichten?) empfangen. Schaue, was auch immer du lesen wirst, und schließe aus den Worten selbst, ob der Liebhaber etwas vorspielt oder ob er besorgt ist und aus dem Herzen fragt! Und nach einer kurzen Zeit (Pause, Verzögerung) schreibe zurück! Eine Verzögerung stachelt Liebende immer an, wenn es nur eine kurze Zeitspanne ist. Aber mache dem jungen Liebhaber weder leichtfertigen Versprechungen (= versprich ... nicht, dass du leicht zu haben seist) noch lehne das ab, was er verlangt. Mache, dass er zugleich fürchtet und hofft. Vielleicht hindert dich ein Aufpasser daran, dass du schreiben kannst. Aber eine Mitwisserin kann die beschriebenen Tafeln tragen, die sie in ihrem warmen Schoß mit den getragenen Binden verdeckt. Wenn der Wächter auch darauf aufpassen sollte, bietet jene für das Schriftstück den Rücken (praebat? Ich habe so getan, als stünde hier praebet); und sie soll die Worte in ihrem Körper tragen. Auch ein Brief aus frischer Milch ist sicher und täuscht die Augen. Wenn du Kohlenstaub verstreust, wirst du es lesen. Schreibt elegante Worte, aber ??? (e mundio? ... kenne ich nicht) und gewohnte, Mädchen! Die Form einer allgemeinen Sprache gefällt. Wie oft entbrannte ein unschlüssiger Liebhaber durch Worte! Wie oft schadete eine ungehobelte Sprache einer schönen Figur!

Zurück nach oben

 

Im Zirkus

Text:
Nec te certamen equorum nobilium fugiat! Nam Circus multa commoda novo amori praebet. Ibi nihil opus est digitis, per quos arcana loquaris, nec tibi nota per nutus accipienda est. Nam proximus a puella - nullo prohibente - considere potes. Iunge usque, qua potes, tuum latus lateri eius. Et bene accidit, quod lege loci puella tibi tangenda est. Hic originem sermonis quaeres et verbis publicis in sermonem ingredi potes. Primum studiose requiras, cuius equi veniant. Nec mora! Fave ille, quicumque erit, cui illa favet. Si forte - ut saepius fit - pulvis in gremium puellae deciderit, tibi digitis excutiendus est. Etsi nullus pulvis erit, tamen nullus excute! Quaelibet causa tuo officio apta sit! Respice praeterea, ne is, qui post vos sedebit, tergum molle puellae genu opposito premat. Si pallium nimium demissum in terra iacebit, sume id et sedulus humo tolle! Statim tibi continget, ut - officii pretium! - eius crura tuis oculis videas. Multis iam utile fuit pulvinum manu facili puellae obtulisse. Profuit quoque tenui tabella ventos movisse. Parva enim officia animos leves capiunt. Hos aditus novo amori circus praebit.

Nunc incipio tibi dicere, per quas artes puella, quae placuit, capienda est. Hoc enim est opus praecipuae artis. Imprimis tibi fiducia sit cunctas puellas posse capi. Quas cpaies, si tu modo plagas tendis. Femina blande temptata iuveni non repugnat. Utque viro venus furtiva grata est sic puellae. Vir id male dissimulat, illa tectius cupit. E multis puellis vix erit una, quae neget. Eae quouque, quae negant, tamen gaudent, qoud rogate sunt. Ut iam fallaris, repulsa sine periculo est. Sed cur fallaris, cum nova voluptas grata sit?


Übersetzung:
Und du sollst nicht den Wettkampf der edlen Pferde vergessen! Denn der Zirkus bietet viele Vorteile für eine neue Liebe. Dort brauchst du nicht die Finger, um durch geheime Zeichen zu sprechen, und du musst auch keine Zeichen durch das Nicken empfangen. Denn du kannst dich ganz nahe zur Geliebten setzen, da niemand im Weg ist. Bringe so nahe wie du kannst deinen Körper zu ihrem. Und es trifft sich gut, dass du wegen der Verhältnisse des Ortes das Mädchen berühren musst. Hier wirst du den Anfang eines Gespräches suchen und du kannst mit allgemeinen Worten ins Gespräch kommen. Zuerst sollst du eifrig fragen, wessen Pferde kommen. Keine Langsamkeit! Begeistere dich für den - wer auch immer es sein wird -, zu dem sie hält. Wenn vielleicht, wie es (allzu) oft geschieht, Staub auf den Schoß des Mädchens gefallen ist, musst du ihn mit den Fingern wegwischen. Und auch wenn kein Staub sein wird, wische dennoch keinen weg! <so tun als ob *lol*> Jeder beliebige Anlass möge deinem Bestreben dienlich sein! Achte zuvor darauf, dass nicht der, welcher hinter euch sitzen wird, den zarten Rücken der Freundin mit seinem entgegengestellten Knie drückt. Wenn der allzu sehr herabgelassene Rock auf die Erde fällt, nimm´ ihn und hebe ihn eifrig vom Boden auf! Sofort wird es dir gelingen, dass du - als Preis für deinen Dienst - ihre Beine mit deinen Augen siehst. Vielen schon ist es nützlich gewesen, mit williger Hand dem Mädchen ein Sitzkissen angeboten zu haben. Es war auch von Nutzen, mit einem zarten Fächer Wind zugefächelt zu haben. Kleine Gefälligkeiten fangen leichtfertige Gemüter. Diese Zugänge wird der Zirkus für eine neue Affaire bieten.

Nun fange ich an dir zu sagen, durch welche Arten ein Mädchen, das dir gefallen hat, zu bekommen (fangen) ist. Dafür braucht man nämlich eine besondere Kunst. Besonders soll dir Zuversicht geben, dass alle Mädchen gewonnen werden können. Du wirst sie gewinnen, wenn du dich nur anstrengst. Eine schmeichlerisch in Versuchung geführte Frau leistet einem jungen Mann keinen Widerstand. Und wie dem Mann eine heimliche Affäre willkommen ist, so ist sie das auch der Geliebten. Der Mann täuscht das schlecht vor, sie wünscht es verdeckter. Von vielen Mädchen wird kaum eine sein, die es ablehnen könnte. Auch jene, die ablehnen, freuen sich dennoch darüber, dass sie gefragt wurden. Wenn du auch einmal enttäuscht wirst, so ist die Zurückweisung ohne Gefahr. Aber warum solltest du abgewiesen werden, wenn eine neue Liebschaft willkommen ist?

Zurück nach oben

 

Ovid: Metamorphosen (Daedalus und Ikarus)

Text:
Daedalus interea Creten longumque perosus
exilium tactusque loci natalis amore
clausus erat pelago. 'Terras licet' inquit 'et undas
obstruat, at caelum certe patet; ibimus illac!
Omnia possideat, non possidet aera Minos'.
Dixit et ignotas animum dimittit in artes
naturamque novat. Nam ponit in ordine pennas,
a minima coeptas, longam breviore sequente,
ut clivo crevisse putes: sic rustica quondam
fistula disparibus paulatim surgit avenis.
Tum lino medias et ceris adligat imas
atque ita compositas parvo curvamine flectit,
ut veras imitetur aves. Puer Icarus una
stabat et ignarus sua se tractare pericla
ore renidenti modo, quas vaga moverat aura,
captabat plumas, flavam modo pollice ceram
mollibat lusuque suo mirabile patris
impediebat opus. Postquam manus ultima coeptis
imposita est, geminas opifex libravit in alas
ipse suum corpus motaque pependit in aura.

Instruit et natum 'medio' que 'ut limite curras,
Icare,' ait 'moneo, ne, si demissior ibis,
unda gravet pennas, si celsior, ignis adurat.
Inter utrumque vola. Nec te spectare Booten
aut Helicen iubeo strictumque Orionis ensem:
me duce carpe viam!' Pariter praecepta volandi
tradit et ignotas umeris accomodat alas.


Übersetzung:
Daedalus, dem inzwischen Kreta und da lange Exil (= das lange Exil auf Kreta ... war) verhasst waren und der von der Liebe zu seinem Geburtsort erfüllt war, war vom Meer eingeschlossen. "Mag er auch die Länder und die Wellen verschließen, der Himmel steht doch gewiss offen; auf diesem Weg werden wir gehen! Alles mag er besitzen, die Luft besitzt Minos nicht." Sprachs und wandte seinen Geist unbekannten Künsten zu und veränderte die Natur. Schon legte er die Federn in eine Ordnung, begonnen bei der kleinsten, sodass eine kürzere auf eine lange folgte, sodass du glauben könntest (konntest), sie sei auf einem Abhang gewachsen: So steigt das Rohr (Grundmaterial für die Hirtenflöte) mit ungleichen Rohren allmählich empor. Dann verband er mit einem Faden die mittleren und mit wachs die inneren und bog die so zusammengestellten Federn zu (mit) einer kleinen Krümmung, um die Vögel nachzahmen. Der Knabe Ikarus stand dabei und unwissend, dass er mit seinen Gefahren spielte, fing er bald mit lachendem Gesicht die Federn, welche die unstete Luft bewegt hatte, bald knetete er das gelbe Wachs mit dem Daumen und behinderte durch sein Spiel das wunderbare Werk des Vaters. Nachdem dem Vorhaben letzte Hand angelegt worden war, brachte der Handwerker die beiden Flügel und seinen Körper selbst ins Gleichgewicht und schwebte in der bewegten Luft.

Er unterrichtete auch den Sohn: "Dass du auf der mittleren Bahn fliegst, Icarus, ermahne ich dicht, damit nicht, wenn du tiefer fliegst, die Welle die Schwingen beschwert, und das Feuer sie verbrennt, wenn du höher fliegst. Fliege zwischen beidem! Ich befehle dir, dass du weder den Bootes anschaust noch die Helice oder das gezückte Schwert des Orion: Nimm den Weg unter meiner Führung." Zugleich teilte er ihm die Vorschriften des Fliegens mit und passte die fremden Schwingen den Schultern an.

Zurück nach oben

 

Phaedrus: Fuchs und Rabe

Text:
Cum corvus caseum de fenestra raptum
comesse vellet celsa in arbore residens,
vulpes hunc vidit, deinde sic coepit loqui:
"O corve, qui nitor est tuarum pennarum!
Quantum decoris corpore et vultu geris!
Si vocem haberes nulla ales prior foret."
At ille stultus dum vult vocem ostendere
emisit ore caseum, quem celeriter dolosa
vulpes avidis dentibus rapuit. Tum demum
ingemuit deceptus stupor corvi.

deceptus sum ... ich bin getäscht worden
stultus eram ... ich war dumm


Übersetzung:
Als ein Rabe das aus einem Fenster geraubte Stück Käse essen wollte und auf einem hohen Baum saß, sah ihn ein Fuchs und begann daraufhin so zu sprechen: "O Rabe, welch Glanz haben deine Federn! Welch große Anmut trägst du in Gestalt und Antlitz! Wenn du eine (schöne) Stimme hättest, wäre dir kein Vogel überlegen." Aber als jener Dummkopf seine Stimme zeigen wollte, ließ er den Käse aus dem Mund fallen, den der listige Fuchs rasch mit gierigen Zähnen packte. Da schließlich seufzte der getäuschte Rabe über seine Dummheit.

Zurück nach oben

 

Vespucci, Aus der neuen Welt

Text:
Nos, quantum potuimus, conati sumus eos dissuadere et ab his pravis moribus dimovere; qui et si eos dimissuros nobis promiserunt. Mulieres (ut dixi) etsi nudae incedant et libidinosissimae sint, earum tamen corpora habent satis formosa et munda. Neque tam turpes sunt, quantum quivis forsan existimare posset, quia, quoniam carnose sunt, minus apparet earum turpitudo; quae scilicet pro maiore perte a bona corporatura qualitate operta est. Mirum nobis visum est, quod inter eas nulla videbatur, quae haberet ubera caduca; et quae parturierant, uteri forma et contractu nihil distinguebantur a virginibus et in reliquis corporum partibus similia videbantur, quae propter honestatem consulto praetereo. Quando se christianis iungere poterant, nimia libidine pulsae omnem pudicitiam contaminabant atque prostituebant.

Vivunt annis centum quinquaginta et raro qegrotant. Et, si quam adversam valetudinem incurrunt, se ipsos cum quibusdam herbarum radicibus sanant. Haec sunt, quae notabiliora apud illos cognovi.

Aër ibi valde temperatus est et bonus; et, ut ex relatione illorum cognoscere potui, numquam ibi pestis aut aegrotatio aliqua, quae a corrupto proderat aere. Et, nisi morte violenta moriantur, longa vita vivunt. Credo, quia ibi semper perflant venti australes et maxime, quem nos Eurum vocamus; qui talis et illis, qualis nobis est Aquilo.

Sunt studiosi piscaturae. Et illud mare piscosum est et omni genere piscium copiosum. Non sunt veneratores. Puto, quia, cum ibi sint multa animalium silvestrium genera - et maxime leonum et ursorum et innumerabilium serpentum aliarumque horridarum atque deformium bestiarum - et etiam cum ibi longe lateque pateant silvae et immensae magnitudinis arbores, non audent nudi atque sine tegminibus et armis tantis se discriminibus exponere.

Regionum illarum terra valde fertilis est et amoena multisque collibus et montibus et infinitis vallibus et maximis fluminibus abundans; et salubribus fontibus irrigua et latissimis silvis et densis vixque penetrabilibus omnique ferarum genere plenis copiosa. Arbores maximae ibi sine cultore perveniunt.Quarum multae fructus faciunt gustui delecttabiles et humanis corporibus utiles, nonnullae vero contra; et nulli fructus ibi his nostris sunt similes. Giguntur et ibi innumerabilia genera herbarum et radicum, ex quibus panem conficiunt et optima pulmentaria. Habent et multa semina his nostris omnino dissimilia.

Nulla ibi metallorum genera habent praeter auri; cuius regiones illae exuberant, licet nihil ex eo nobiscum attulerimus in hac prima nostra navigatione. Id nobis notum fecere incolae, qui affirmabant in mediterraneis magnam esse auri copiam et nihil ab eis aestimari vel in pretio haberi. Abundant margaritis, uti alias tibi scripsi.

Si singula, qae ibi sunt, commemorare et de numerosis animalium generibus eorumque multitudine scribere vellem, res esset omnino prolixa et immensa. Et certe credo, quod Plinius noster millesimam partem non attigerit generis psittacorum reliquarumque avium necnon et animalium, quae in iisdem regionibus sunt cum tanta facierum atque colorum diversitate, quod consummatae picturae artifex Policletus in pingendis illis deficeret.


Übersetzung:
So sehr wir konnten, haben wir versucht, ihnen abzuraten und sie von diesen falschen Sitten abzubringen. Und jene versprachen uns das auch, wenn wir sie freilassen würden. Auch wenn die Frauen, wie ich gesagt habe, nackt umhergehen und lüstern sind, haben sie dennoch ausreichend ansehnliche und saubere Körper. Und sie sind nicht hässlich, wie man das vielleicht glauben könnte, und deswegen, weil sie etwas beleibt sind, sind ihre Geschlechtsteile weniger zu sehen; diese werden whl zum Großteil von der guten körperlichen Gestalt bedeckt. Uns erschien es seltsam, dass unter ihnen keine zu sein schien, die herabhängende Brüste hatte. Auch jene, die ein Kind geboren hatten, unterschieden sich der Form und Spitzigkeit überhaupt nicht von den Jungfrauen. Auch bei den übrigen Teilen der Körper zeigte sich Ähnliches, was ich wegen der Anständigkeit absichtlich übergehe. Wenn sie sich den Christen anschließen konnten, gaben sie jedwede Scham auf von allzu großer Lust getrieben und gaben sich preis. Sie leben 150 Jahre lang, werden selten krank, und wenn sie eine Krankheit bekommen, so heilen sie sich selbst mit den Wurzeln gewisser Kräuter. Das sind die erwähnenswerten Dinge, die ich bei jenen erfahren habe.

Das Klima ist dort sehr gemäßigt und gut. Und, wie ich von deren Erzählung erfahren konnte, gab es dort niemals eine Seuche oder eine Krankheit, die von einem verdorbenen Klima herrührte. Und auch wenn sie eines gewaltsamen Todes sterben, leben sie ein langes Leben. Ich glaube, der Grund ist der, dass dort immer südliche Wunde wehen und am meisten der, den wir den "Eurus" (Südostwind) nennen; dieser ist für jene so beschaffen wie für uns der Aquilo (Nordwind).

Sie sind eifrig beim Fischfang. Und dort ist das Meer reich an Fischen und zwar an jeder Art von Fischen. Sie sind keine Jäger. Das ist meiner Meinung nach deshalb so, weil dort viele Waldtierarten leben - und am meisten Löwen, Bären, zahllose Schlangen und andere schreckliche und unförmige Tiere - und auch wenn dort die Wälder weit und breit offenstehen und es eine riesige Zahl von Bäumen gibt, wagen sie nicht nackt und ohne Schutz und Waffen sich solchen Gefahren auszusetzen.

Das Land jener Gegenden ist sehr fruchtbar, lieblich und reich an vielen Hügeln und Bergen und grenzenlosen Tälern und gewaltigen Flüssen. Mit sauberen Quellen bewässert und ertragreich durch sehr weite Wälder, die dicht sind, kaum durchdringbar und voll von wilden Tieren jeder Art. Die größten Bäume wachsen dort ohne Pfleger. Von ihnen machen sie viele geschmacklich köstliche Früchte, die auch für den menschlichen Körper nützlich sind, gewiss keine schädlichen. Und keine Früchte dort sind den unseren ähnlich. Es wachsen dort auch unzählige Arten von Kräutern und Wurzeln, aus denen sie Brot und sehr gute Beilagen machen. Sie haben auch viele Samen, die sich von den unseren völlig unterscheiden.

Sie haben dort keine Arten von Metallen außer Gold; davon diese Gegenden überströmen, wenn wir auch nichts davon mitgenommen haben auf dieser unserer ersten Reise. Davon setzten uns die Einwohner in Kenntnis, die behaupteten, dass es im Binnenland eine große Menge an Gold gebe, dass es ihnen aber nichts bedeute und es keinen Wert habe. Und sie haben einen Überfluss anPerlen, wie ich dir an anderer Stelle geschrieben habe.

Wenn ich jede Einzelheit, die es dort gibt erwähnen und über die zahlreichen Tierarten und deren Menge schreiben wollte, wäre das eine langwierige und ungeheure Angelegenheit. Und gewiss glaube ich, dass unser Plinius nicht auch nur den tausendsten Teil der Art von Papageien und anderen Vögeln und erst recht nicht von Landtieren erwähnt hat, die es in diesen Gegenden gibt mit einer so großen Verschiedenheit von Gestalten und Farben, dass ein Meister der vollendeten Malkunst, Polcletus, bei ihrem Malen scheitern würde.

Zurück nach oben

 

Carmina Burana

Text 1:
O Fortuna velut luna statu variabilis, semper crescis aut decrescis; vita detestabilis nunc obdurat et tunc curat ludo mentis aciem, egestatem, potestatem dissolvit ut glaciem. Sors immanis et inanis, rota tu volubilis, status malus, vana salus semper dissolubilis, obumbrata et velata michi quoque niteris; nunc per ludum dorsum nudum fero tui sceleris. Sors salutis et virtutis michi nunc contraria, est affectus et defectus semper in angaria. Hac in hora sine mora corde pulsum tangite; quod per sortem sternit fortem, mecum omnes plangite!


Übersetzung 1:
O Glück, wie der Mond, vom Stand unsicher, immer wächst und schrumpfst du; das schmähliche Leben macht jetzt hart und bald sorgt das Spiel des Geistes für Schärfe; Armut und Macht löst sie auf wie Eis.
Furchtbares und nichtiges Schicksal, du bewegliches Rad, ein schlechter Stand, unnützes Heil, das immer auflösbar ist, verhüllt und verborgen ist mit, worauf auch immer du dich stützt (stützen wirst); jetzt trage ich durch das Spiel den nackten Rücken deiner Untat.
Das Schicksal des Heils und der Tugend ist mir jetzt feindlich, immer geschwächt und ermattet im Frondienst. In dieser Stunde berührt ohne Verzögerung den Schlag durch das Herz. Weil es durch das Schicksal den Tapferen schlägt, klagt alle mit mir!



Text 2:
Ver redit optatum cum gaudio, flore decoratum purpureo. aves edunt cantus quam dulciter! revirescit nemus, cantus est amoenus totaliter. Iuvebes ut flores accipiant, et se per odores reficiant. virginis assumant alacriter et eant in prata floribus ornata communiter!


Übersetzung 2:
Der gewünschte Frühling kehrt mit Freude zurück, geschmückt mit einer purpurnen Blüte. Wie süss singen die Vögel! Der Hain ergrünt, der liebliche Gesang ist überall. Wenn die jungen Leute die Blumen pflücken, mögen sie sich durch die Düfte erholen. Die jungen Mädchen sollen sie sich feurig dazunehmen und gemeinsam über die blumengeschmückten Wiesen gehen!



Text 3:
Ecce gratium et optatum ver reducit gaudia. purpuratum floret pratum, sol serenat omnia. iamiam cedant tristia! aestas redit hiemis saevitia. Iam linquescit et decrescit grando, nix et cetera; bruma fugit, et iam sugit ver aestatis ubera. illimens est misera, qui nec vivit nec lascivit sub aestatis dextera. Gloriantur et laetantur in melle dulcedinis, qui conantur, ut utantur praemio Cupidinis. simus iussu Cypridis gloriantes et laetantes pares esse Paridis!


Übersetzung 3:
Siehe, der willkommene und gewünschte Frühling bringt die Freuden zurück. Es blüht das Gras purpurn, die Sonne erleuchtet alles. Schon weicht die Traurigkeit. Der Sommer kehrt zurück, die Strenge des Winters geht jetzt. Schon schmilzt und schwindet der Frost, der Schnee und das übrige. Der Winter flieht, und schon erhebt sich der Frühling, die Fülle des Sommers. Jenem ist der Sinn elend (illi mens! *lol*), der nicht lebt und sich nicht gehen lässt unter dem Versprechen des Fühlings. Es preisen und freuen sich im Honig der Süße jene, die versuchen, welche die Belohnung Cupidos verwenden. Preisen wir uns auf Befehl der Cypris und freuen wir uns darüber, dass wir Paris gleich sind!


Text 4:
In taberna quando sumus,
non curamus,quid sit humus,
sed ad ludum properamus,
cui semper insudamus.
Quid agatur in taberna,
ubi nummus est pincerpa,
hoc est opus,ut quaeratur;
sed quid loquar,audiatur!

Quidam ludunt,quidam bibunt,
quidam indiscrete vivunt.
Sed in ludo qui morantur,
ex his quidam denudantur;
quidam ibi vestiuntur,
quidam saccis induuntur.
Ibi nullus timet mortem,
sed pro Baccho mittunt sortem.

Primo pro nummata vini,
ex hac bibunt libertini:
Semel bibunt pro captivis,
post haec bibunt ter pro vivis,
quater pro Christianis cunctis,
quinquies pro fidelibus defunctis,
sexies pro sororibus vanis,
septies pro militibus silvanis.

Octies pro fratribus perversis,
novies pro monachis dispersis,
decies pro navigantibus,
undecies pro discordantibus,
duodecies pro paenitentibus
tredecies pro iter agentibus.
Tam pro papa quam pro rege
bibunt omnes sine lege.

Bibit era,bibit erus,
bibit miles,bibit clerus,
bibit ille,bibit illa,
bibit servus cum ancilla,
bibit velox,bibit piger,
bibit albus,bibit niger,
bibit constans,bibit vagus,
bibit rudis,bibit magus.

Bibit pauper et aegrotus,
bibit exul et ignotus,
bibit puer,bibit canus,
bibit praesul et decanus,
bibit soror,bibit frater,
bibit anus,bibit mater,
bibit ista,bibit mater,
bibit ista,bibit ille,
bibunt centum,bibunt mille.


Übersetzung 4:

Wenn wir in der Kneipe sind, kümmern wir uns nicht um den Tod, sondern eilen zum Spiel, bei dem wir immer schwitzen. Was im Gasthaus vor sich geht, wo die Münze Kellner ist, das ist nätig, dass man fragt, aber was ich sage, soll man hören!
Einige spielen, einige trinken, einige leben liederlich. Aber wer beim Spiel verweilt, von denen werden einige ausgezogen; einige werden dort eingekleidet, andere mit Säcken angezogen. Dort fürchtet keiner den Tod, sondern man wählt für bacchus das Los.
Zuerst die Weine für die Zeche, daraus trinken die Freigelassenen. Einam trinken sie für die Gefangenen, danach dreimal für die Lebenden, vielmal für alle verstorbenen Christen, fünfmal für die verstorbenen Seligen, sechsmal für die gefallenen Schwestern, sieben Mal für die Raubritter.
Ach mal für die verkehrten Brüder, neun Mal für die versprengten Mönche, zehn Mal für die Seefahrer, elf Mal für die Uneinigen, zwölf Mal für die Bereuenden, dreizehn mal für die Reisenden, und für den Papst ebenso wie für den König trinken alle ohne Maß und Ziel.
Es trinkt die Frau, es trinkt der Mann, es trinkt der Soldat, es trinkt der Gesitliche, es tinkt jener, es trinkt jene, es trinkt der Sklave mit der Magd, es trinkt der Schnelle, es trinkt der Träge, es trinkt der Weisse, es trinkt der Schwarze, es trinkt der Beständige, es trinkt der Unstete, es trinkt der Dumme, es trinkt der Weise.
Es trinkt der Arme und der Kranke, es trinkt der Verbannte und der Unbekannte, es trinkt der Knabe, es trinkt der Weissharige, es trinkt der Bischof und der Dechant, es trinkt die Schwester, es trinkt der Bruder, es trinkt die alte Frau, es trinkt die Mutter, es trinkt diese, es trinkt jener, es trinken hundert, es trinken tausend.

Zurück nach oben