ΕΛΛΑΣ - ΒΟΙΩΤΙΑ|Î¦ÎŸÎšÎ™Σ - 63 Eine philosophische Untersuchung

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ΕΛΛΑΣ - ΒΟΙΩΤΙΑ|ΦΟΚΙΣ - 63 Eine philosophische Untersuchung

Beitragvon philistion » Sa 8. Mai 2010, 16:46

Eine philosophische Untersuchung (nach Xenophon)
Der Philosoph Sokrates unterhält sich mit seinem Freund Euthydemos, der schon oft in Delphi war.
Sokrates: "Immer wenn du, o Euthydemos, nach Delphi angekommen bist, hast du nicht im Heiligtum das ‚Erkenne dich selbst‘ erblickt?"
Euthydemos: "Ich jedenfalls."
S: "Was von beiden (tust du) nun, vernachlässigst du die Inschrift oder kümmerst du dich (darum) und beabsichtigst dich (selbst) zu prüfen, wer (auch immer) du bist? (wörtlich: Kümmerst du dich also nicht um die Inschrift oder kümmerst du dich und beabsichtigst du, dich zu prüfen, wer auch immer du bist?)"
E: "Ich kümmere mich nicht: Ich glaube nämlich ganz genau zu wissen, wie beschaffen ich bin."
S: "Die Pferdezüchter glauben nicht eher ein Pferd zu kennen, bevor sie das, was die Tüchtigkeit eines Pferdes ausmacht, geprüft haben.
Wenn aber von zwei Männern der eine nur seinen Namen kennen sollte, der andere dagegen sich selbst prüfen sollte, wie beschaffen er im Vergleich zur Tüchtigkeit des Menschen ist, von welchem werden wir wohl zu Recht glauben, dass er sich selbst kennt?"
E: "Natürlich von demjenigen, der prüft."
Version: 4
Grammatik: ε-Kontrakta - Präsensstamm Med./Pass. (Ind.,Konj.,Opt.), Prolepsis

Schönes Wochenende noch!
Zuletzt geändert von philistion am Mi 12. Mai 2010, 15:24, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΒΟΙΩΤΙΑ|ΦΟΚΙΣ - 63 Eine philosophische Untersuchung

Beitragvon Gerontos » Sa 8. Mai 2010, 21:08

Hallo philistion!

Ich glaube, dass die Interpretation der Präsensformen in diesem Stück als „Historisches Präsens“ nicht angebracht ist und eine sinnvolle Übersetzung erschwert. Dies ist ja ein Dialog und als „Historisches Präsens“ „wird die Verwendung des Präsens in Erzählungen von Vergangenem – vor allem in historischen Chroniken – bezeichnet.“ (Wikipedia).

Satz 1 : Sehe ich auch als einen Opt. Iterativus an und dies rechtfertigt die Einbeziehung eines „immer“ in die Übersetzung. „βλέπω“ ist in diesem Kontext vielleicht geschickter mit „anschauen“ oder „beachten“ widergegeben.

Satz 3: „πότερος“ besser mitübersetzen, dann muss man aber z.B ein „tun“ ergänzen. Also etwa so:“Was von beiden tust du nun, vernachlässigst du das Epigramm oder kümmerst du dich darum und beabsichtigst, dich selbst zu prüfen, wer du bist?“.

Satz 5: „ πρότερος“ hat einen anderen Bezug und ist treffender mit „eher“ widerzugeben.
„Die Pferdezüchter glauben ein Pferd nicht eher (genau) zu kennen, bevor sie nicht...“.

Zeile 10 u.folgende: „ ὄνομα“ besser wrtl mit „Name“ übersetzen, „ἐαυτὸν“ = „sich selbst“ (Akku), „ὁποῖος“ = Maskulinum, bezieht sich auf das „ὁ“ der vorigen Zeile, dann hast Du wohl „πότερος“ und „ πρότερος“ verwechselt.
Eine sehr wörtliche Übersetzung (die natürlich noch in vernünftiges Deutsch gebracht werden muss):“Wenn von zwei Männern, der eine zwar nur den Namen von sich kennt, der andere aber prüft, ein wie beschaffener er ist in Hinblick auf die menschliche Tugend , welchen (von beiden) halten wir zu Recht für einen, der sich selbst erkennt?“.
„Natürlich den, der sich (selbst) prüft“


63 E

1. Der Ursprung allen Seins wird von den ersten Philosophen gesucht.
2. Sie kümmerten sich um die Seele des Menschen ncht so sehr, wie um den gesamten Kosmos.
3. Lasst uns über ihre Einsichten nachdenken! Wir lernen sie kennen, was sie daüber dachten.
4. Jeder Mensch glaubt doch wohl, das diejenigen, die damals philosophiert haben, sich ernsthaft um die Wahrheit bemühten.

63 V Hölzerne Mauern für Athen

1.Als die Perser durch Griechenland gen Athen marschierten, dachten dort viele Menschen darüber nach, was man tun müsse. 2. Den Ratlosen schien es gut, die Pythia zu befragen. 3. Als die Athener zu wissen verlangten, was sie verkünde, forderte diese sie auf: „Baut hölzerne Mauern!“. 4. Themistokles dachte über diesen Orakelspruch nach und sagte: „Männer von Athen, wir machen wohl nichts falsch (wrtl.: wir verfehlen nicht das Richtige), wenn wir Schiffe bauen, um sie gegen die Perser einzusetzen. 5. Dazu wäre es aber nötig, Athen zu verlassen.“

Grüße von Gerontos
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΒΟΙΩΤΙΑ|ΦΟΚΙΣ - 63 Eine philosophische Untersuchung

Beitragvon philistion » Sa 8. Mai 2010, 22:47

Vielen Dank Gerontos, das mit dem historischen Präsens leuchtet ein. Meinst du meine jetzige Version des Satzes in Zeile 10, den du wörtlich übersetzt hast, ist zu frei?

Schönen Abend noch!
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΒΟΙΩΤΙΑ|ΦΟΚΙΣ - 63 Eine philosophische Untersuchung

Beitragvon Gerontos » So 9. Mai 2010, 11:52

Hallo philistion!

Deine Frage:

Meinst du meine jetzige Version des Satzes in Zeile 10, den du wörtlich übersetzt hast, ist zu frei?


Überhaupt nicht. Ich würde noch viel freier übersetzen, etwa so:

"Wenn aber von zwei Männern der eine ledglich seinen Namen kennt, der andere aber sich selbst prüft, wie tugendhaft er ist, von welchen der beiden können wir zu Recht annehmen, dass er sich selbst erkennt?"
Diese Übersetzung ist natürlich nicht "lehrbuchgemäß", also lass deine mal so stehen, nur statt "...,wie es in Bezug... " musst Du "...,wie er in Bezug..." schreiben.

Weiter oben im Text bei den Pferdehändlern sollte noch statt "...geprüft hatten" besser "..geprüft haben" stehen.

Grüße von Gerontos
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΒΟΙΩΤΙΑ|ΦΟΚΙΣ - 63 Eine philosophische Untersuchung

Beitragvon Quintus » Mi 12. Mai 2010, 14:36

Hallo amici,

mein leider etwas verspäteter Vorschlag:


Sokrates: "Immer wenn du in Delphi ankamst, O Euthydemos, hast du nicht das "Erkenne dich (selbst)" im Heiligtum beachtet? (Immer wenn du, o Euthydemos, nach Delphi angekommen bist, hast du nicht im Heiligtum das ‚Erkenne dich selbst‘ erblickt?) "
Euthydemos: Ich jedenfalls.
S: "Was von beiden (tust du) nun, vernachlässigst du die Inschrift oder kümmerst du dich (darum) und beabsichtigst dich (selbst) zu prüfen, wer (auch immer) du bist? (wörtlich: Kümmerst du dich also nicht um die Inschrift oder kümmerst du dich und beabsichtigst du, dich zu prüfen, wer auch immer du bist?)"
E: "Ich vernachlässige (es): Ich glaube nämlich durchaus zu wissen, wie ich beschaffen bin. (Ich kümmere mich nicht: Ich glaube nämlich ganz genau zu wissen, wie beschaffen ich bin.)"
S: "Die Pferdezüchter glauben zwar ein Pferd nicht eher zu kennen, bevor sie [nicht] das, in Bezug zur Tüchtigkeit eines Pferdes, geprüft haben (Die Pferdezüchter glauben nicht eher ein Pferd zu kennen, bevor sie das, was die Tüchtigkeit eines Pferdes ausmacht, geprüft haben).
Wenn aber von zwei Männern
der eine nur den Namen von sich kennt,
der andere aber prüft, wie er in Bezug auf seine menschliche Tugend beschaffen ist,
welchen (von beiden) halten wir zu Recht für einen, der sich selbst erkennt?"
(Wenn aber von zwei Männern der eine nur seinen Namen kennen sollte, der andere dagegen sich selbst prüfen sollte, wie beschaffen er im Vergleich zur Tüchtigkeit des Menschen ist, von welchem werden wir wohl zu Recht glauben, dass er sich selbst kennt?)
E: "Natürlich den, der sich (selbst) prüft." (Von demjenigen, der prüft.)

Viele Grüße,
Quintus
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΒΟΙΩΤΙΑ|ΦΟΚΙΣ - 63 Eine philosophische Untersuch

Beitragvon waldi » Sa 11. Mär 2017, 13:06

Beitrag von philistion Sa 8. Mai 2010, 15:46
Eine philosophische Untersuchung (nach Xenophon)
Der Philosoph Sokrates unterhält sich mit seinem Freund Euthydemos, der schon oft in Delphi war.

Sokrates: "Immer wenn du, o Euthydemos, nach Delphi angekommen bist, hast du nicht im Heiligtum das ‚Erkenne dich selbst‘ erblickt?"
Euthydemos: "Ich jedenfalls."
S: "Was von beiden (tust du) nun, vernachlässigst du die Inschrift oder kümmerst du dich (darum) und beabsichtigst dich (selbst) zu prüfen, wer (auch immer) du bist? (wörtlich: Kümmerst du dich also nicht um die Inschrift oder kümmerst du dich und beabsichtigst du, dich zu prüfen, wer auch immer du bist?)"
E: "Ich kümmere mich nicht: Ich glaube nämlich ganz genau zu wissen, wie beschaffen ich bin."
S: "Die Pferdezüchter glauben nicht eher ein Pferd zu kennen, bevor sie das, was die Tüchtigkeit eines Pferdes ausmacht, geprüft haben.
Wenn aber von zwei Männern der eine nur seinen Namen kennen sollte, der andere dagegen sich selbst prüfen sollte, wie beschaffen er im Vergleich zur Tüchtigkeit des Menschen ist, von welchem werden wir wohl zu Recht glauben, dass er sich selbst kennt?"
E: "Natürlich von demjenigen, der prüft."

Version: 4
Grammatik: ε-Kontrakta - Präsensstamm Med./Pass. (Ind.,Konj.,Opt.), Prolepsis

Schönes Wochenende noch!

Beitrag von Gerontos Sa 8. Mai 2010, 20:08
Hallo philistion!

Ich glaube, dass die Interpretation der Präsensformen in diesem Stück als „Historisches Präsens“ nicht angebracht ist und eine sinnvolle Übersetzung erschwert. Dies ist ja ein Dialog und als „Historisches Präsens“ „wird die Verwendung des Präsens in Erzählungen von Vergangenem – vor allem in historischen Chroniken – bezeichnet.“ (Wikipedia).

Satz 1 : Sehe ich auch als einen Opt. Iterativus an und dies rechtfertigt die Einbeziehung eines „immer“ in die Übersetzung. „βλέπω“ ist in diesem Kontext vielleicht geschickter mit „anschauen“ oder „beachten“ widergegeben.

Satz 3: „πότερος“ besser mitübersetzen, dann muss man aber z.B ein „tun“ ergänzen. Also etwa so:“Was von beiden tust du nun, vernachlässigst du das Epigramm oder kümmerst du dich darum und beabsichtigst, dich selbst zu prüfen, wer du bist?“.

Satz 5: „ πρότερος“ hat einen anderen Bezug und ist treffender mit „eher“ widerzugeben.
„Die Pferdezüchter glauben ein Pferd nicht eher (genau) zu kennen, bevor sie nicht...“.

Zeile 10 u.folgende: „ ὄνομα“ besser wrtl mit „Name“ übersetzen, „ἐαυτὸν“ = „sich selbst“ (Akku), „ὁποῖος“ = Maskulinum, bezieht sich auf das „ὁ“ der vorigen Zeile, dann hast Du wohl „πότερος“ und „ πρότερος“ verwechselt.
Eine sehr wörtliche Übersetzung (die natürlich noch in vernünftiges Deutsch gebracht werden muss):“Wenn von zwei Männern, der eine zwar nur den Namen von sich kennt, der andere aber prüft, ein wie beschaffener er ist in Hinblick auf die menschliche Tugend , welchen (von beiden) halten wir zu Recht für einen, der sich selbst erkennt?“.
„Natürlich den, der sich (selbst) prüft“


63 E

1. Der Ursprung allen Seins wird von den ersten Philosophen gesucht.
2. Sie kümmerten sich um die Seele des Menschen ncht so sehr, wie um den gesamten Kosmos.
3. Lasst uns über ihre Einsichten nachdenken! Wir lernen sie kennen, was sie daüber dachten.
4. Jeder Mensch glaubt doch wohl, das diejenigen, die damals philosophiert haben, sich ernsthaft um die Wahrheit bemühten.

63 V Hölzerne Mauern für Athen

1.Als die Perser durch Griechenland gen Athen marschierten, dachten dort viele Menschen darüber nach, was man tun müsse. 2. Den Ratlosen schien es gut, die Pythia zu befragen. 3. Als die Athener zu wissen verlangten, was sie verkünde, forderte diese sie auf: „Baut hölzerne Mauern!“. 4. Themistokles dachte über diesen Orakelspruch nach und sagte: „Männer von Athen, wir machen wohl nichts falsch (wrtl.: wir verfehlen nicht das Richtige), wenn wir Schiffe bauen, um sie gegen die Perser einzusetzen. 5. Dazu wäre es aber nötig, Athen zu verlassen.“

Grüße von Gerontos

Beitrag von Quintus Mi 12. Mai 2010, 13:36
Hallo amici,

mein leider etwas verspäteter Vorschlag:


Sokrates: "Immer wenn du in Delphi ankamst, O Euthydemos, hast du nicht das "Erkenne dich (selbst)" im Heiligtum beachtet? (Immer wenn du, o Euthydemos, nach Delphi angekommen bist, hast du nicht im Heiligtum das ‚Erkenne dich selbst‘ erblickt?) "
Euthydemos: Ich jedenfalls.
S: "Was von beiden (tust du) nun, vernachlässigst du die Inschrift oder kümmerst du dich (darum) und beabsichtigst dich (selbst) zu prüfen, wer (auch immer) du bist? (wörtlich: Kümmerst du dich also nicht um die Inschrift oder kümmerst du dich und beabsichtigst du, dich zu prüfen, wer auch immer du bist?)"
E: "Ich vernachlässige (es): Ich glaube nämlich durchaus zu wissen, wie ich beschaffen bin. (Ich kümmere mich nicht: Ich glaube nämlich ganz genau zu wissen, wie beschaffen ich bin.)"
S: "Die Pferdezüchter glauben zwar ein Pferd nicht eher zu kennen, bevor sie [nicht] das, in Bezug zur Tüchtigkeit eines Pferdes, geprüft haben (Die Pferdezüchter glauben nicht eher ein Pferd zu kennen, bevor sie das, was die Tüchtigkeit eines Pferdes ausmacht, geprüft haben).
Wenn aber von zwei Männern
der eine nur den Namen von sich kennt,
der andere aber prüft, wie er in Bezug auf seine menschliche Tugend beschaffen ist,
welchen (von beiden) halten wir zu Recht für einen, der sich selbst erkennt?"
(Wenn aber von zwei Männern der eine nur seinen Namen kennen sollte, der andere dagegen sich selbst prüfen sollte, wie beschaffen er im Vergleich zur Tüchtigkeit des Menschen ist, von welchem werden wir wohl zu Recht glauben, dass er sich selbst kennt?)
E: "Natürlich den, der sich (selbst) prüft." (Von demjenigen, der prüft.)

Viele Grüße,
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