ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - 70 Ein Kuss für einen Apfel

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ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - 70 Ein Kuss für einen Apfel

Beitragvon philistion » Di 1. Jun 2010, 13:00

Ein Kuss für einen Apfel (nach Longos)
Daphnis und Chloe hüten gemeinsam ihre Herden. Da entdeckt Daphnis am höchsten Zweig eines Baumes einen einzigen noch nicht geernteten Apfel.
Als Daphnis den Apfel sah, sagte er: "Der wartet wohl auf einen verliebten Hirten!" und eilte los, ihn zu pflücken. Obwohl Chloe rief: "Was tust du? Lass' den Apfel! Wenn du ihn pflückst, begibst du dich womöglich in Gefahr.", ließ Daphnis ihn nicht. Chloe verstummte und lief zornig davon, doch Daphnis rannte und brachte ihr den Apfel: "Mädchen, so einen hat Aphrodite empfangen, weil sie die (anderen) Göttinnen bezwang, da sie die Schönste (unter ihnen) war, und mit dem hier ehre ich dich, da du alle Mädchen (mit deiner Schönheit) übertriffst". Da lachte sie und küsste ihn, so dass Daphnis vor Glück überschäumte: denn er bekam etwas Besseres als den Apfel der Aphrodite: Einen Kuss.
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Grammatik: α-Kontrakta - Präsensstamm Aktiv

Das ist heute aber eine romantische Geschichte 8)
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - 70 Ein Kuss für einen Apfel

Beitragvon Platon » Di 1. Jun 2010, 18:21

ὡς] wie, als (εἶδεν ist kein Konjunktiv!)
τοῦτο] ist Subjekt! gemeint ist: τὸ μῆλον
ἂν προσδοκῴη] Optativ mit ἂν -> Potentialis (Optionen: dürfte, könnte, sollte wohl - welche passt?), Akkusativobjekt dazu ποιμένα
τοιοῦτο] nicht τοῦτο!
ἔλαβε (am Schluss)] Daphnis ist Subjekt!

Stilistische Feinheiten:
μὲν ... δὲ] bitte nicht mit "A zwar ... B aber" übersetzen, einfacher: "A ... und B ..." oder "A ... aber B", wenn ein (meist schwacher) Gegensatz vorliegen sollte
Partizipien] Bei einer Erzählung, in der viel passiert, ist es günstiger, die Partizipien (v.a. PCs) entweder wörtlich oder beigeordnet zu übersetzen, dann wird's flüssiger
Potentialis im Konditionalsatz] hier kann oft einfach nur das kleine Wörtchen "wohl" weiterhelfen, keine unnatürlichen Verrenkungen im Dt. machen ;)

Mein Vorschlag:
Als Daphnis den Apfel sah, sagte er: "Der wartet wohl auf einen verliebten Hirten!" und eilte los, ihn zu pflücken. Obwohl Chloe rief: "Was tust du? Lass' den Apfel! Wenn du ihn pflückst, begibst du dich womöglich in Gefahr.", ließ Daphnis ihn nicht.
Chloe verstummte und lief zornig davon, doch Daphnis rannte und brachte ihr den Apfel: "Mädchen, so einen hat Aphrodite empfangen, weil sie die (anderen) Göttinnen bezwang, da sie die Schönste (unter ihnen) war, und mit dem hier ehre ich dich, da du alle Mädchen (mit deiner Schönheit) übertriffst".
Da lachte sie und küsste ihn, so dass Daphnis vor Glück überschäumte: denn er bekam etwas Besseres als den Apfel der Aphrodite: Einen Kuss.
Platon
 

Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - 70 Ein Kuss für einen Apfel

Beitragvon philistion » Di 1. Jun 2010, 19:42

Vielen Dank Platon, v.a. deine Ergänzungen zu meinen stilistischen Fehlern waren sehr nützlich. Das mit dem μὲν - δὲ mache ich wohl schon sehr lange so, ich werde versuchen meine Texte in Zukunft flüssiger zu gestalten.

Bei ἂν προσδοκῴη passt ansonsten vielleicht auch "dürfte" nicht schlecht, die Variante "Der wartet wohl.." klingt aber besser.
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - 70 Ein Kuss für einen Apfel

Beitragvon Gerontos » Fr 4. Jun 2010, 21:55

Hallo philistion und Platon!

Nur eine Frage: Wo bleibt in Zeile 1 das "τοῦτο" in der Übersetzung ? Es ist ja Neutrum und ich beziehe es auf den Apfel, auf den sich das Begehren (ἐρῶντα) des Hirten richtet. Also meine Version:"Der wartet wohl auf einen Hirten, der ihn begehrt".

70 E

1. Auch heute verehren viele Menschen die Sappho, weil sie wunderschöne Lieder geschrieben hat.
2. Viele Mädchen eilten zu Sappho. Diese war nämlich den anderen Frauen darin überlegen, Mädchen gut zu erziehen.
3. Manche machten ihr Vorwürfe: “Du lässt die Mädchen laut sein und lachen, auch wenn es sich für diese nicht schickt, dieses zu tun. Weshalb sagst du nicht: „Schweigt, Mädchen!“ ?
4. Und Sappho antwortete: „Ich erlaube es ihnen, weil ich es liebe, wenn Mädchen lachen (wrtl.:weil ich lachende Mädchen liebe).


70 V Pythagoras

1.Polykrates, der auf der Insel Samos als Tyrann herrschte, verhielt sich gegenüber den Wohlhabenden so ungerecht, dass der Weise Pythagoras und andere die Insel verließen und nach Italien auswanderten. 2. Dieser überaus besonnene Mann sagte zu seinen Gefährten: „Jeder von euch muss (so lange?)der Mathematik kundig werden, bis er die Ordnung des Kosmos erkennt.“ 3. Demnach glaubte jener, dass Gott den Menschen ein Vorbild ist. Er sagte, dass Gott den Kosmos nach mathematischen Gesetzen bewegt.
4. Wegen dieser so gearteten Worte bewunderten viele Menschen ihn so, dass sie glücklich eine lange Zeit mit ihm zusammen ihr Leben verbrachten.

Frage zum letzten Satz: „ ... οὕτως ἐθαύμασαν, ὥστε ...“müsste ja wörtlich mit „ sie bewunderten so (sehr), so dass..“ übersetzt werden. Das geht ja aber im Deutschen nicht, daher meine „Vereinfachung“. Ist sie zulässig, wenn nicht, wie dann?

Grüße von Gerontos
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - 70 Ein Kuss für einen Apfel

Beitragvon Platon » Fr 4. Jun 2010, 22:15

Es ist ja Neutrum und ich beziehe es auf den Apfel, auf den sich das Begehren (ἐρῶντα) des Hirten richtet. Also meine Version:"Der wartet wohl auf einen Hirten, der ihn begehrt".


Nur kurz: ἐρᾶν i.S.v. "begehren" zieht für gewöhnlich ein Objekt im Genitiv nach sich, das geht hier also nicht, τοῦτο ist, wie oben schon geschrieben, Subjekt, in der Übersetzung wiedergegeben mit "der ..." (= dieser).

Frage zum letzten Satz: „ ... οὕτως ἐθαύμασαν, ὥστε ...“müsste ja wörtlich mit „ sie bewunderten so (sehr), so dass..“ übersetzt werden. Das geht ja aber im Deutschen nicht, daher meine „Vereinfachung“. Ist sie zulässig, wenn nicht, wie dann?


Ohne jetzt den Text vorliegen zu haben: οὕτως ... ὥστε = "so ..., dass"; bei ὥστε sollte eigentlich das "so" in Klammern angegeben werden (also z.B. ὥστε - (so) dass), denn wenn das korrelierende Adverb schon ein "so" im Hauptsatz notwendig macht, braucht man es im Nebensatz natürlich nicht.
Platon
 

Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - 70 Ein Kuss für einen Apfel

Beitragvon Gerontos » Sa 5. Jun 2010, 10:39

Hallo Platon,

danke für die Antworten.
Mein Denkfehler lag ganz banal darin, dass der im Deutschen männliche Apfel von mir im Griechischen irrtümlicherweise mit dem gleichen Geschlecht versehen wurde und ich deswegen das "τοῦτο" nicht auf ihn beziehen konnte.

Grüße von Gerontos
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - 70 Ein Kuss für einen Apfel

Beitragvon waldi » So 12. Mär 2017, 11:36

Beitrag von philistion Di 1. Jun 2010, 12:00
Ein Kuss für einen Apfel (nach Longos)
Daphnis und Chloe hüten gemeinsam ihre Herden. Da entdeckt Daphnis am höchsten Zweig eines Baumes einen einzigen noch nicht geernteten Apfel.

Als Daphnis den Apfel sah, sagte er: "Der wartet wohl auf einen verliebten Hirten!" und eilte los, ihn zu pflücken. Obwohl Chloe rief: "Was tust du? Lass' den Apfel! Wenn du ihn pflückst, begibst du dich womöglich in Gefahr.", ließ Daphnis ihn nicht. Chloe verstummte und lief zornig davon, doch Daphnis rannte und brachte ihr den Apfel: "Mädchen, so einen hat Aphrodite empfangen, weil sie die (anderen) Göttinnen bezwang, da sie die Schönste (unter ihnen) war, und mit dem hier ehre ich dich, da du alle Mädchen (mit deiner Schönheit) übertriffst". Da lachte sie und küsste ihn, so dass Daphnis vor Glück überschäumte: denn er bekam etwas Besseres als den Apfel der Aphrodite: Einen Kuss.

Version: 2
Grammatik: α-Kontrakta - Präsensstamm Aktiv

Das ist heute aber eine romantische Geschichte 8)

Beitrag von Platon Di 1. Jun 2010, 17:21
ὡς] wie, als (εἶδεν ist kein Konjunktiv!)
τοῦτο] ist Subjekt! gemeint ist: τὸ μῆλον
ἂν προσδοκῴη] Optativ mit ἂν -> Potentialis (Optionen: dürfte, könnte, sollte wohl - welche passt?), Akkusativobjekt dazu ποιμένα
τοιοῦτο] nicht τοῦτο!
ἔλαβε (am Schluss)] Daphnis ist Subjekt!

Stilistische Feinheiten:
μὲν ... δὲ] bitte nicht mit "A zwar ... B aber" übersetzen, einfacher: "A ... und B ..." oder "A ... aber B", wenn ein (meist schwacher) Gegensatz vorliegen sollte
Partizipien] Bei einer Erzählung, in der viel passiert, ist es günstiger, die Partizipien (v.a. PCs) entweder wörtlich oder beigeordnet zu übersetzen, dann wird's flüssiger
Potentialis im Konditionalsatz] hier kann oft einfach nur das kleine Wörtchen "wohl" weiterhelfen, keine unnatürlichen Verrenkungen im Dt. machen ;)

Mein Vorschlag:
Als Daphnis den Apfel sah, sagte er: "Der wartet wohl auf einen verliebten Hirten!" und eilte los, ihn zu pflücken. Obwohl Chloe rief: "Was tust du? Lass' den Apfel! Wenn du ihn pflückst, begibst du dich womöglich in Gefahr.", ließ Daphnis ihn nicht.
Chloe verstummte und lief zornig davon, doch Daphnis rannte und brachte ihr den Apfel: "Mädchen, so einen hat Aphrodite empfangen, weil sie die (anderen) Göttinnen bezwang, da sie die Schönste (unter ihnen) war, und mit dem hier ehre ich dich, da du alle Mädchen (mit deiner Schönheit) übertriffst".
Da lachte sie und küsste ihn, so dass Daphnis vor Glück überschäumte: denn er bekam etwas Besseres als den Apfel der Aphrodite: Einen Kuss.

Beitrag von philistion Di 1. Jun 2010, 18:42
Vielen Dank Platon, v.a. deine Ergänzungen zu meinen stilistischen Fehlern waren sehr nützlich. Das mit dem μὲν - δὲ mache ich wohl schon sehr lange so, ich werde versuchen meine Texte in Zukunft flüssiger zu gestalten.

Bei ἂν προσδοκῴη passt ansonsten vielleicht auch "dürfte" nicht schlecht, die Variante "Der wartet wohl.." klingt aber besser.

Beitrag von Gerontos Fr 4. Jun 2010, 20:55
Hallo philistion und Platon!

Nur eine Frage: Wo bleibt in Zeile 1 das "τοῦτο" in der Übersetzung ? Es ist ja Neutrum und ich beziehe es auf den Apfel, auf den sich das Begehren (ἐρῶντα) des Hirten richtet. Also meine Version:"Der wartet wohl auf einen Hirten, der ihn begehrt".

70 E

1. Auch heute verehren viele Menschen die Sappho, weil sie wunderschöne Lieder geschrieben hat.
2. Viele Mädchen eilten zu Sappho. Diese war nämlich den anderen Frauen darin überlegen, Mädchen gut zu erziehen.
3. Manche machten ihr Vorwürfe: “Du lässt die Mädchen laut sein und lachen, auch wenn es sich für diese nicht schickt, dieses zu tun. Weshalb sagst du nicht: „Schweigt, Mädchen!“ ?
4. Und Sappho antwortete: „Ich erlaube es ihnen, weil ich es liebe, wenn Mädchen lachen (wrtl.:weil ich lachende Mädchen liebe).


70 V Pythagoras

1.Polykrates, der auf der Insel Samos als Tyrann herrschte, verhielt sich gegenüber den Wohlhabenden so ungerecht, dass der Weise Pythagoras und andere die Insel verließen und nach Italien auswanderten. 2. Dieser überaus besonnene Mann sagte zu seinen Gefährten: „Jeder von euch muss (so lange?)der Mathematik kundig werden, bis er die Ordnung des Kosmos erkennt.“ 3. Demnach glaubte jener, dass Gott den Menschen ein Vorbild ist. Er sagte, dass Gott den Kosmos nach mathematischen Gesetzen bewegt.
4. Wegen dieser so gearteten Worte bewunderten viele Menschen ihn so, dass sie glücklich eine lange Zeit mit ihm zusammen ihr Leben verbrachten.

Frage zum letzten Satz: „ ... οὕτως ἐθαύμασαν, ὥστε ...“müsste ja wörtlich mit „ sie bewunderten so (sehr), so dass..“ übersetzt werden. Das geht ja aber im Deutschen nicht, daher meine „Vereinfachung“. Ist sie zulässig, wenn nicht, wie dann?

Grüße von Gerontos

Beitrag von Platon Fr 4. Jun 2010, 21:15

Es ist ja Neutrum und ich beziehe es auf den Apfel, auf den sich das Begehren (ἐρῶντα) des Hirten richtet. Also meine Version:"Der wartet wohl auf einen Hirten, der ihn begehrt".



Nur kurz: ἐρᾶν i.S.v. "begehren" zieht für gewöhnlich ein Objekt im Genitiv nach sich, das geht hier also nicht, τοῦτο ist, wie oben schon geschrieben, Subjekt, in der Übersetzung wiedergegeben mit "der ..." (= dieser).

Frage zum letzten Satz: „ ... οὕτως ἐθαύμασαν, ὥστε ...“müsste ja wörtlich mit „ sie bewunderten so (sehr), so dass..“ übersetzt werden. Das geht ja aber im Deutschen nicht, daher meine „Vereinfachung“. Ist sie zulässig, wenn nicht, wie dann?



Ohne jetzt den Text vorliegen zu haben: οὕτως ... ὥστε = "so ..., dass"; bei ὥστε sollte eigentlich das "so" in Klammern angegeben werden (also z.B. ὥστε - (so) dass), denn wenn das korrelierende Adverb schon ein "so" im Hauptsatz notwendig macht, braucht man es im Nebensatz natürlich nicht.

Beitrag von Gerontos Sa 5. Jun 2010, 09:39
Hallo Platon,

danke für die Antworten.
Mein Denkfehler lag ganz banal darin, dass der im Deutschen männliche Apfel von mir im Griechischen irrtümlicherweise mit dem gleichen Geschlecht versehen wurde und ich deswegen das "τοῦτο" nicht auf ihn beziehen konnte.

Grüße von Gerontos
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