ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - W19 Der Kopf des Onesilos

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ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - W19 Der Kopf des Onesilos

Beitragvon philistion » So 25. Jul 2010, 12:55

Der Kopf des Onesilos (nach Herodot)
Folgende Geschichte spielt auf Zypern, zur Zeit des Ionischen Aufstandes: Die Erhebung der Ionier war für die zyprischen Griechen ein Signal, sich ebenfalls gegen das persische Joch aufzulehnen.
Weil sie (schon) viele Jahre lang unterdrückt worden waren [eigentl. Part.Präs. aber linear-durativer Aspekt deutet auf Vorzeitigkeit?] hielten es die Kuprier für angemessen, sich aus der Tyrannenherrschaft der Perser zu befreien, mit Außnahme der Amathusier, die sich dadurch von den übrigen unterschieden, dass sie in Bezug auf ihre Herkunft keine Griechen waren.
Diese belagerte nun Onesilos, der Machthaber der Salaminier, zwar für lange Zeit weil er beabsichtigte (sie) zu bestrafen, führte aber (das) nicht zu einem Ende, was er begehrte. Als das große Heer der Perser nämlich nach Zypern gekommen war, beschloss Stesenor, der Herrscher von Kurion, welcher [von den Griechen] unbemerkt (zu) den Persern freundlich war, dem Heer der Feinde zu folgen, nachdem er die Griechen im Stich gelassen hatte. Aber infolge dessen waren die Perser den Zyprioten an Stärke überlegen und als es zur Schlacht kam, sind sowohl viele (anderen) als natürlich auch Onesilos gefallen. Nachdem nun die Amathusier dessen Kopf abgeschnitten hatten, brachten sie (ihn) nach Amathus und hingen (ihn) über den Stadtmauern auf. Lange Zeit später, als der Kopf sich noch immer an derselben Stelle befand und schon hohl geworden war, drangen Bienen ein und wohnten dann in ihm. Als die Amathusier nun wegen diesem ein Orakel befragten, (weis)sagte der Gott, den Kopf, nachdem sie (ihn) herunter genommen hatten, einerseits zu bestatten, andererseits dem Onesilos jedes Jahr wie einem Gott zu opfern.
Version: 3
Grammatik: -

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Zuletzt geändert von philistion am Mo 18. Apr 2011, 21:55, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - W19 Der Kopf des Onesilos

Beitragvon Gerontos » Di 27. Jul 2010, 17:33

Hallo philistion,

man könnte stellenweise noch etwas glatter formulieren, aber ich habe keine Übersetzungsfehler gesehen. Ich hoffe, dass die Kundigen das bestätigen können.

Grüße von Gerontos.
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - W19 Der Kopf des Onesilos

Beitragvon Sokrates » Do 29. Jul 2010, 16:13

Hallo philistion und Gerontos
ich hab mir den Text auch mal angeschaut und hätte ein paar Vorschläge:
Das erste Partizip im Text ist zwar der Form nach Präsens, aber im Griechischen drücken verba infinita ja immer nur einen bestimmten Aspekt aus, sodass das relative Zeitverhältnis nicht zwingend gleichzeitig ist, die absolute Zeitstufe ist heir die Vergangenheit. Der Präsensstamm impliziert einen andauernden, d.h. mit einer gewissen Dauer verbundenen Vorgang (linear-durativer Aspekt), was auch durch die Angabe "viele Jahre" bekräftigt wird. Von Kontext her kann man aber durchaus eine Vorzeitigkeit annhemen:
Als/Weil sie (schon) viele Jahre lang unterdrückt worden waren (Plqperf!) hielten es die Kuprier für angemessen, sich aus der Tyrannenherrschaft der Perser zu befreien, mit Außnahme der Amathusier, die sich dadurch von den übrigen unterschieden, dass sie in Bezug auf ihre Herkunft keine Griechen waren.

Satz 2:
... führte aber (das) nicht zu einem Ende, was er begehrte (=sich vorgenommen hatte)

μάχης γενομένης
ebenso hier:
Man kann entweder annehmen, dass die Schlacht (zumindest deren Beginn) zeitlich vor dem Sterben liegt, also das Part Aor vorzeitig auffassen:
Als/nachdem die Schlacht geschehen war...
oder man interpretiert einen ingressiven Aspekt hinein, dann unter Umständen mit Gleichzeitigkeit (man müsste freilich mehr zur gesamten zeitlichen Abfolge der Schlacht wissen)
Als es zur Schlacht kam...

Einmal fallen die Leute gleich zu Beginn der Schlacht, bei anderen Beispiel werden sie eher nach deren Abschluss gefunden.

Lange Zeit später, als der Kopf sich noch immer an derselben Stelle befand und schon hohl geworden war (hier eindeutig abgeschlossen-vorzeitiges P Aor), drangen Bienen ein und wohnten dann in ihm. (part. coniunctum hier gut mi Parataxe zu übersetzen)

Freut mich, dass ihr schon so weit vorgedrungen seid!

Grüße
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - W19 Der Kopf des Onesilos

Beitragvon philistion » Do 29. Jul 2010, 17:20

Vielen Dank :)

Ich hab nun alle Vorschläge übernommen, μάχης γενομένης interpretiere ich bei genauerem Hinsehen auch als ingressiv, die Übersetzung klingt so ein wenig besser.

Was sagen die anderen zur "vorzeitigen" Übersetzung des Part.Präs. im ersten Satz?
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - W19 Der Kopf des Onesilos

Beitragvon Hermes » So 16. Jan 2011, 15:21

Hallo, noch eine Vokabelkorrektur:
"kathelóntas" im letzten Satz kommt von dem Verb "katheiréw" = ich reinige, also:
Als die Amathusier nun wegen diesem ein Orakel befragten, weissagte der Gott, den Kopf, nachdem sie (ihn) gereinigt hatten, einerseits zu bestatten (alternativ: nach Reinigung) ...
Grüße
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - W19 Der Kopf des Onesilos

Beitragvon Medicus domesticus » So 16. Jan 2011, 16:16

Hallo Hermes,
Ich glaube, du verwechselst da etwas:
καθελόντας kommt von καθαιρέω, das heißt aber nicht reinigen. Reinigen ist καθαίρω ohne έ.

Gruß
:)
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - W19 Der Kopf des Onesilos

Beitragvon Hermes » So 16. Jan 2011, 23:03

stimmt, mein Fehler sorry
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - W19 Der Kopf des Onesilos

Beitragvon Pegasos » Sa 16. Apr 2011, 10:49

:suche:
... Στησήνωρ, ὁ Κουρίου τύραννος ... (3.Satz)
Stesenor war nicht der Herrscher von Zypern, sondern von Kurion, einer Stadt an der SW-Küste auf Zypern. :)
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - W19 Der Kopf des Onesilos

Beitragvon philistion » Mo 18. Apr 2011, 21:54

Danke für den Hinweis, Pegasos :)
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΙΓΑΙΑΙ ΝΗΣΟΙ - W19 Der Kopf des Onesilos

Beitragvon waldi » So 12. Mär 2017, 11:58

Beitrag von Sokrates Do 29. Jul 2010, 15:13
Hallo philistion und Gerontos
ich hab mir den Text auch mal angeschaut und hätte ein paar Vorschläge:
Das erste Partizip im Text ist zwar der Form nach Präsens, aber im Griechischen drücken verba infinita ja immer nur einen bestimmten Aspekt aus, sodass das relative Zeitverhältnis nicht zwingend gleichzeitig ist, die absolute Zeitstufe ist heir die Vergangenheit. Der Präsensstamm impliziert einen andauernden, d.h. mit einer gewissen Dauer verbundenen Vorgang (linear-durativer Aspekt), was auch durch die Angabe "viele Jahre" bekräftigt wird. Von Kontext her kann man aber durchaus eine Vorzeitigkeit annhemen:
Als/Weil sie (schon) viele Jahre lang unterdrückt worden waren (Plqperf!) hielten es die Kuprier für angemessen, sich aus der Tyrannenherrschaft der Perser zu befreien, mit Außnahme der Amathusier, die sich dadurch von den übrigen unterschieden, dass sie in Bezug auf ihre Herkunft keine Griechen waren.

Satz 2:
... führte aber (das) nicht zu einem Ende, was er begehrte (=sich vorgenommen hatte)

μάχης γενομένης
ebenso hier:
Man kann entweder annehmen, dass die Schlacht (zumindest deren Beginn) zeitlich vor dem Sterben liegt, also das Part Aor vorzeitig auffassen:
Als/nachdem die Schlacht geschehen war...
oder man interpretiert einen ingressiven Aspekt hinein, dann unter Umständen mit Gleichzeitigkeit (man müsste freilich mehr zur gesamten zeitlichen Abfolge der Schlacht wissen)
Als es zur Schlacht kam...

Einmal fallen die Leute gleich zu Beginn der Schlacht, bei anderen Beispiel werden sie eher nach deren Abschluss gefunden.

Lange Zeit später, als der Kopf sich noch immer an derselben Stelle befand und schon hohl geworden war (hier eindeutig abgeschlossen-vorzeitiges P Aor), drangen Bienen ein und wohnten dann in ihm. (part. coniunctum hier gut mi Parataxe zu übersetzen)

Freut mich, dass ihr schon so weit vorgedrungen seid!

Grüße
Sokrates

Beitrag von philistion Do 29. Jul 2010, 16:20
Vielen Dank :)

Ich hab nun alle Vorschläge übernommen, μάχης γενομένης interpretiere ich bei genauerem Hinsehen auch als ingressiv, die Übersetzung klingt so ein wenig besser.

Was sagen die anderen zur "vorzeitigen" Übersetzung des Part.Präs. im ersten Satz?

Beitrag von Hermes So 16. Jan 2011, 14:21
Hallo, noch eine Vokabelkorrektur:
"kathelóntas" im letzten Satz kommt von dem Verb "katheiréw" = ich reinige, also:
Als die Amathusier nun wegen diesem ein Orakel befragten, weissagte der Gott, den Kopf, nachdem sie (ihn) gereinigt hatten, einerseits zu bestatten (alternativ: nach Reinigung) ...
Grüße

Beitrag von Medicus domesticus So 16. Jan 2011, 15:16
Hallo Hermes,
Ich glaube, du verwechselst da etwas:
καθελόντας kommt von καθαιρέω, das heißt aber nicht reinigen. Reinigen ist καθαίρω ohne έ.

Gruß
:)

Beitrag von Pegasos Sa 16. Apr 2011, 09:49
:suche:
... Στησήνωρ, ὁ Κουρίου τύραννος ... (3.Satz)
Stesenor war nicht der Herrscher von Zypern, sondern von Kurion, einer Stadt an der SW-Küste auf Zypern. :)
Математику уже за то любить следует, что она ум в порядок приводит.
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