ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

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ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon philistion » Mi 11. Aug 2010, 15:54

Ein Menschenleben für Athen (nach Euripides)
Kreusa, die Tochter des athenischen Königs Erechtheus, erinnert sich auf eine Frage ihres Sohnes Ion (vgl. W16) hin an eine furchtbare Tat ihres Vaters.
Ion: "Wurden deine Schwestern wirklich vom Vater getötet?"
Kreusa: "Ja, bei den Göttern. Eine wurde geopfert, die übrigen aber töteten sich selbst infolge des Schmerzes. Aber du sollst die ganze Rede hören:
Als einst der Krieg gegen die Athener begonnen worden war, weissagte Apollon dem Erechtheus: 'Wenn eine der Töchter geopfert wird, wirst du die Feinde besiegen.' Obwohl der Vater aber betrübt war, unternahm er das auszuführen, wozu ihm geraten worden war."
Ion: "Wurde es nicht von deiner Mutter verhindert?"
Kreusa: "Nein beim Zeus, aber jene sagte: "Zu Recht verdiente ich wohl die größte Strafe, wenn ich es zugelassen hätte, dass du, o Heimat, in der wir geboren wurden, anstelle eines Lebens zerstört worden wärst.
Version: 2
Grammatik: Verba vocalica - Aorist Passiv (Ind.,Inf.,Part.)

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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon Euripides » Mi 11. Aug 2010, 20:48

Kreusa, die Tochter des athenischen Königs Erechtheus, erinnert sich auf eine Frage ihres Sohnes Ion (vgl. W16) hin an eine furchtbare Tat ihres Vaters.
Ion: "Wurden deine Schwestern wirklich vom Vater getötet?"
Kreusa: "Ja, bei den Göttern. Eine wurde geopfert, die übrigen aber töteten sich selbst infolge des Schmerzes. Aber du sollst die ganze Rede hören:
Als [gen.abs.?] einst der Krieg gegen die Athener begonnen worden war, weissagte Apollon dem Erechtheus: 'Wenn [gen.abs.?] eine der Töchter geopfert wird, wirst du die Feinde besiegen.' Obwohl der Vater aber betrübt war, unternahm er das auszuführen, wozu ihm geraten worden war."
Ion: "Wurde es nicht von deiner Mutter verhindert?"
Kreusa: "Nein beim Zeus, sondern jene sagte (sogar): "Zu Recht wäre ich der größten Strafe würdig, wenn man dich, o Heimat, in der wir gezeugt wurden, für mein Leben zerstören ließe.

Im letzten Satz könnte sich "jene" tatsächlich auf die geopferte Tochter beziehen.
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon Gerontos » Do 12. Aug 2010, 11:15

Hallo philistion und Euripides!

Einen Anmerkung zum letzten Satz:

„Jene“ halte ich eindeutig für die Mutter und sie sagt: „εἰ εἴασα“ = wenn ich zugelassen hätte, „σέ καταλυθῆναι“ = dass du (oh Heimat) zerstört worden wärst (AcI).
Meine Übersetzung des Satzes:
„Nein, bei der Göttin, aber jene sagte: < Zu Recht verdiente ich wohl die größte Strafe, wenn ich es zugelassen hätte, dass du, meine Heimat, in der wir geboren wurden, anstelle einer Seele zerstört worden wärst.“


78 E

1. Das Land wurde von den alten Athenern bepflanzt.
2. Von Themistokles wurden die Mauern des Hafens errichtet.
3. Weil die Athener die Seemacht erworben hatten, wurden die Perser von ihnen besiegt (Herodot berichtet, dass die Perser...besiegt wurden).
4. Nachdem die Perser besiegt worden waren, freuten sich die Griechen über die Befreiung.

78 V Mädchenerziehung in Athen

1. Die Athener hielten es für besser, dass die Töchter zuhause erzogen werden. 2. Die Mutter sagte immer zu ihnen: „ Eifert mir nach! Wenn ihr das tut, werdet ihr nämlich gute Frauen (werden) und einen guten Ruf erwerben.“ 3. Die Männer schätzen es nämlich, wenn ein Mädchen ihnen gehorcht und sich gut um das Hauswesen kümmert. 4. Die jungen Männer werden von den Frauen bewundert, wenn sie sich anschicken, Politik zu gestalten oder gegen Feinde zu Felde zu ziehen.

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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon Platon » Do 12. Aug 2010, 11:53

Ohne den Text jetzt vorliegen zu haben: Natürlich spricht die Mutter, d.h. Praxithea, vgl. http://www.stoa.org/diotima/anthology/praxithea.shtml; im letzten Satz, steht da wirklich "mein Leben"? Das würde keinen Sinn machen (s. Überschrift)!
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon Medicus domesticus » Do 12. Aug 2010, 19:29

Platon hat geschrieben:im letzten Satz, steht da wirklich "mein Leben"? Das würde keinen Sinn machen (s. Überschrift)!


Habe mal kurz in das Textbuch geschaut, Platon hat recht:
Da steht: ....ἀντὶ ψυχῆς μιᾶς. Also von εἷς, μία, ἕν (hier Gen.Sg.f)

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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon Euripides » Do 12. Aug 2010, 21:44

"ψυχῆς μιᾶς"
Vielen Dank, hätte mir auffallen sollen. :)
Bezieht sich "Seele" dann nun aber auf die Tochter oder auf die Mutter in dem Sinne, dass sie ihre Seele aufgrund der geopferten Tochter verlöre? Ich gehe eher von ersterem aus...
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon Euripides » Do 12. Aug 2010, 22:01

Zu 78 V 3.:

heautois-> wenn ein Mädchen ihnen gehorcht
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon philistion » Fr 13. Aug 2010, 10:50

Hallo Amici,

Danke für die vielen Hinweise.
Ist δία nun eigentlich mehrdeutig? Ich ging von Zeus aus, aber es könnte auch "Göttin" bedeuten, oder?
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon Medicus domesticus » Fr 13. Aug 2010, 13:25

philistion hat geschrieben:Hallo Amici,

Danke für die vielen Hinweise.
Ist δία nun eigentlich mehrdeutig? Ich ging von Zeus aus, aber es könnte auch "Göttin" bedeuten, oder?


Nein, da ist ganz klar Zeus gemeint. Im Text steht: οὐ μὰ Δία ....nein, beim Zeus.
μά steht mit Akkusativ und Δία ist der Akk. von Ζεύς. (Vgl. Gemoll unter Ζεύς, da steht dieser Ausdruck wörtlich)
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon Gerontos » Fr 13. Aug 2010, 13:29

Euripides hat geschrieben:

Bezieht sich "Seele" dann nun aber auf die Tochter oder auf die Mutter in dem Sinne, dass sie ihre Seele aufgrund der geopferten Tochter verlöre? Ich gehe eher von ersterem aus...


Dieser Auffassung neige ich jetzt auch zu (anfangs war es umgekehrt). Denn Praxithea (= die Mutter) wird ja bezüglich ihrer Seele nicht wirklich vor eine Alternative gestellt, sie nimmt an ihrer Seele in jedem Fall Schaden, egal, ob sie der Opferung der Tochter zustimmt oder die Zerstörung ihrer Heimat zulässt. Sie befindet sich in der Zwangslage "Tochter oder Heimat" und hat sich für letztere entschieden.

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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon philistion » Fr 13. Aug 2010, 15:49

Es wird also hier eine klassische Aufopferung einer einzelnen Person (zur Ausnahme [oder?] einmal eine Frau) für die Gruppe beschrieben.
Was nun interessant wäre, ist folgendes:
Kann man hier Euripides schon einen etwas kritischeren bzw. humaneren Blick auf diese Aufopferung zugestehen, oder wird dieses Menschenopfer auch von ihm als tugendhaft gepriesen?
Ich dachte, Euripides ging im Vergleich zu z.B. Aischylos schon etwas weg vom rein-mythisch orientierten Weltbild.. ist dem hier auch schon so?
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 78 Ein Menschenleben für Athen

Beitragvon waldi » So 12. Mär 2017, 20:01

Beitrag von Gerontos Do 12. Aug 2010, 10:15
Hallo philistion und Euripides!

Einen Anmerkung zum letzten Satz:

„Jene“ halte ich eindeutig für die Mutter und sie sagt: „εἰ εἴασα“ = wenn ich zugelassen hätte, „σέ καταλυθῆναι“ = dass du (oh Heimat) zerstört worden wärst (AcI).
Meine Übersetzung des Satzes:
„Nein, bei der Göttin, aber jene sagte: < Zu Recht verdiente ich wohl die größte Strafe, wenn ich es zugelassen hätte, dass du, meine Heimat, in der wir geboren wurden, anstelle einer Seele zerstört worden wärst.“


78 E

1. Das Land wurde von den alten Athenern bepflanzt.
2. Von Themistokles wurden die Mauern des Hafens errichtet.
3. Weil die Athener die Seemacht erworben hatten, wurden die Perser von ihnen besiegt (Herodot berichtet, dass die Perser...besiegt wurden).
4. Nachdem die Perser besiegt worden waren, freuten sich die Griechen über die Befreiung.

78 V Mädchenerziehung in Athen

1. Die Athener hielten es für besser, dass die Töchter zuhause erzogen werden. 2. Die Mutter sagte immer zu ihnen: „ Eifert mir nach! Wenn ihr das tut, werdet ihr nämlich gute Frauen (werden) und einen guten Ruf erwerben.“ 3. Die Männer schätzen es nämlich, wenn ein Mädchen ihnen gehorcht und sich gut um das Hauswesen kümmert. 4. Die jungen Männer werden von den Frauen bewundert, wenn sie sich anschicken, Politik zu gestalten oder gegen Feinde zu Felde zu ziehen.

Grüße von Gerontos

Beitrag von Medicus domesticus Do 12. Aug 2010, 18:29

Platon hat geschrieben:
im letzten Satz, steht da wirklich "mein Leben"? Das würde keinen Sinn machen (s. Überschrift)!



Habe mal kurz in das Textbuch geschaut, Platon hat recht:
Da steht: ....ἀντὶ ψυχῆς μιᾶς. Also von εἷς, μία, ἕν (hier Gen.Sg.f)

Gruß,Medicus

Beitrag von Euripides Do 12. Aug 2010, 20:44
"ψυχῆς μιᾶς"
Vielen Dank, hätte mir auffallen sollen. :)
Bezieht sich "Seele" dann nun aber auf die Tochter oder auf die Mutter in dem Sinne, dass sie ihre Seele aufgrund der geopferten Tochter verlöre? Ich gehe eher von ersterem aus...

Beitrag von philistion Fr 13. Aug 2010, 09:50
Hallo Amici,

Danke für die vielen Hinweise.
Ist δία nun eigentlich mehrdeutig? Ich ging von Zeus aus, aber es könnte auch "Göttin" bedeuten, oder?

Beitrag von Medicus domesticus Fr 13. Aug 2010, 12:25

philistion hat geschrieben:
Hallo Amici,

Danke für die vielen Hinweise.
Ist δία nun eigentlich mehrdeutig? Ich ging von Zeus aus, aber es könnte auch "Göttin" bedeuten, oder?



Nein, da ist ganz klar Zeus gemeint. Im Text steht: οὐ μὰ Δία ....nein, beim Zeus.
μά steht mit Akkusativ und Δία ist der Akk. von Ζεύς. (Vgl. Gemoll unter Ζεύς, da steht dieser Ausdruck wörtlich)
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