ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 83 Eine bittere Wahrheit

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ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 83 Eine bittere Wahrheit

Beitragvon philistion » Mo 20. Sep 2010, 17:58

Eine bittere Wahrheit (nach Herodot)
Auf die Frage des reichen Lyderkönigs Kroisos, wen er für den glücklichsten Menschen halte, gibt der Athener Solon, der als Gast bei ihm weilt, eine unerwartete Antwort:
"O Kroisos, alle Weisen haben übereingestimmt, dass keinen der Lebenden einst das Glück beherrscht hat. Dieses erkannte auch ich: Ich habe nämlich schon viele gesehen, die tief stürzten, nachdem sie für kurze Zeit Genuss von angenehmem Wohlstand hatten. Denn das Schicksal hat schon oft, neidisch auf die, denen es gut geht, das übermäßige Glück beendet.[Warum wurde hier ein Partizip Perfekt verwendet?].
Keiner von allen Tagen des Lebens hat einst dasselbe hervorgebracht. So nun, o Kroisos, ist der Mensch ganz ([wie] ein Spielball) des Unglücks. Aber du erscheinst mir sowohl sehr reich als auch Herrscher über viele Menschen zu sein. Aber ich sage noch nicht, dass du glücklich (bist), ehe ich nicht erfahren habe, dass du das Leben schön [/gut?] vollendet hast."
Version: 2
Grammatik: Perfekt Aktiv Ind./Inf./Part. der Verba vocalica; gnomischer Aorist
Zuletzt geändert von philistion am Di 21. Sep 2010, 17:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 83 Eine bittere Wahrheit

Beitragvon Gerontos » Di 21. Sep 2010, 12:46

Hallo philistion,

Zum Satz in Zeile 4/5 . „ἔπαυσεν“ ist ja aktiv und kann nicht, wie Du es getan hast, mit „aufhören“ übersetzt werden (da müsste dann Med/Pass stehen), sondern mit beenden. Das Part.Perf. „ἐζηλωκυῖα“ bezieht sich auf „τύχη“. Meine Übersetzung :
„Denn das Schicksal hat schon oft, neidisch auf die, denen es gut geht, das übermäßige Glück beendet.“
Deine Frage, warum hier das Part.Perf. steht, kann ich auch nicht ganz sicher beantworten.
Lt. Grammatik § 84, 3 drückt es die

„Fortdauer eines Zustandes aus, der sich aus einem abgeschlossenen Vorgang ergeben hat, und kennzeichnet dabei sowohl Gleichzeitigkeit wie auch Vorzeitigkeit“.

Die Interpretation im gegebenen Kontext könnte vielleicht so lauten: Schon immer war das Schicksal neidisch auf die „Wohllebenden“ und ist es auch heute noch. Aber so ganz befriedigt das nicht. Denn der „Neid des Schicksals“ ist doch wohl ein immer währender Zustand, und kein „abgeschlossener und fortdauernder Vorgang“.

Das ist was für die Kundigen!

Das „γεγέννηκεν“ in Zeile 6 kommt m.E. von „γεννάω“ (ich glaube, du hast es von „ γίγνομαι“ hergeleitet) . Wörtliche Übersetzung dann: “Keiner von allen Tagen des Lebens hat einst dasselbe hervorgebracht“ und sehr frei: “Kein Tag des Lebens hat je einem anderen geglichen“ (und so ist es auch heute noch, darum Perfekt?).


83 E

1. Viele Athener sagten: „Solon hat uns gut erzogen und hat uns geholfen.
2. Dank ihm haben wir die Salaminier besiegt.
3. Weil die Soldaten die Feinde besiegt haben, fahren die Fischer (jetzt) ohne Gefahren aufs Meer hinaus.“
4. Es wird berichtet, dass Solon sich viele Länder angeschaut hat.
5. Solon hat einmal folgende Äußerung getan: „Die Göttin der Gerechtigkeit hat (schon immer) diejenigen heimgesucht, die unrechtmäßig gehandelt haben.“

83 V Kroisos

1. Krösus, der sehr mutige Anführer der Lyder, wollte gegen die Perser zu Felde ziehen.
2. Er hoffte nämlich, dieselben möglichst schnell zu unterwerfen, obwohl sie über eine gewaltige Kriegsmacht verfügten. 3. Aber er hatte vor dem Feldzug das Orakel in Delphi befragt, ob der Gott ihm (dieses ?) schnell raten könne (ob der Gott ihm darüber einen schnellen Rat erteilen könne ?). Und der Wahrsager dort verkündete mit dürren Worten: „Krösus, wenn du gegen die Perser zu Felde ziehst, wirst du ein großes Reich zerstören.“ 5. Weil Krösus aber nun nicht gemerkt hatte, wie zweideutig das Orakel war, brach er sofort gegen die Perser auf. 6. Die Perser nun besiegten in kurzer Zeit die Lyder, sodass Krösus für seine Übermut aufs schwerste bestraft wurde.

Frage zu Satz 3: Die richtige Zuordnung und Übersetzung von „τάχα“ und „τοῦτο“ ?

Grüße von Gerontos
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Re: ΕΛΛΑΣ - ΑΘΗΝΑΙ - ΑΤΤΙΚΗ - 83 Eine bittere Wahrheit

Beitragvon waldi » So 12. Mär 2017, 20:11

Beitrag von Gerontos Di 21. Sep 2010, 11:46
Hallo philistion,

Zum Satz in Zeile 4/5 . „ἔπαυσεν“ ist ja aktiv und kann nicht, wie Du es getan hast, mit „aufhören“ übersetzt werden (da müsste dann Med/Pass stehen), sondern mit beenden. Das Part.Perf. „ἐζηλωκυῖα“ bezieht sich auf „τύχη“. Meine Übersetzung :
„Denn das Schicksal hat schon oft, neidisch auf die, denen es gut geht, das übermäßige Glück beendet.“
Deine Frage, warum hier das Part.Perf. steht, kann ich auch nicht ganz sicher beantworten.
Lt. Grammatik § 84, 3 drückt es die

„Fortdauer eines Zustandes aus, der sich aus einem abgeschlossenen Vorgang ergeben hat, und kennzeichnet dabei sowohl Gleichzeitigkeit wie auch Vorzeitigkeit“.

Die Interpretation im gegebenen Kontext könnte vielleicht so lauten: Schon immer war das Schicksal neidisch auf die „Wohllebenden“ und ist es auch heute noch. Aber so ganz befriedigt das nicht. Denn der „Neid des Schicksals“ ist doch wohl ein immer währender Zustand, und kein „abgeschlossener und fortdauernder Vorgang“.

Das ist was für die Kundigen!

Das „γεγέννηκεν“ in Zeile 6 kommt m.E. von „γεννάω“ (ich glaube, du hast es von „ γίγνομαι“ hergeleitet) . Wörtliche Übersetzung dann: “Keiner von allen Tagen des Lebens hat einst dasselbe hervorgebracht“ und sehr frei: “Kein Tag des Lebens hat je einem anderen geglichen“ (und so ist es auch heute noch, darum Perfekt?).


83 E

1. Viele Athener sagten: „Solon hat uns gut erzogen und hat uns geholfen.
2. Dank ihm haben wir die Salaminier besiegt.
3. Weil die Soldaten die Feinde besiegt haben, fahren die Fischer (jetzt) ohne Gefahren aufs Meer hinaus.“
4. Es wird berichtet, dass Solon sich viele Länder angeschaut hat.
5. Solon hat einmal folgende Äußerung getan: „Die Göttin der Gerechtigkeit hat (schon immer) diejenigen heimgesucht, die unrechtmäßig gehandelt haben.“

83 V Kroisos

1. Krösus, der sehr mutige Anführer der Lyder, wollte gegen die Perser zu Felde ziehen.
2. Er hoffte nämlich, dieselben möglichst schnell zu unterwerfen, obwohl sie über eine gewaltige Kriegsmacht verfügten. 3. Aber er hatte vor dem Feldzug das Orakel in Delphi befragt, ob der Gott ihm (dieses ?) schnell raten könne (ob der Gott ihm darüber einen schnellen Rat erteilen könne ?). Und der Wahrsager dort verkündete mit dürren Worten: „Krösus, wenn du gegen die Perser zu Felde ziehst, wirst du ein großes Reich zerstören.“ 5. Weil Krösus aber nun nicht gemerkt hatte, wie zweideutig das Orakel war, brach er sofort gegen die Perser auf. 6. Die Perser nun besiegten in kurzer Zeit die Lyder, sodass Krösus für seine Übermut aufs schwerste bestraft wurde.

Frage zu Satz 3: Die richtige Zuordnung und Übersetzung von „τάχα“ und „τοῦτο“ ?

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