Kater und Katarrh

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Re: Kater und Katarrh

Beitragvon sinemetu » Mo 12. Aug 2019, 14:56

cometes hat geschrieben:Muskelkatarrh (oder Muskelkater) war nie eine fachärztliche Diagnose, das Wort Muskelkater taucht, soweit ich sehe, erst im 20. Jahrhundert auf.

https://books.google.com/ngrams/graph?c ... er%3B%2Cc0
genau: 1860

cometes hat geschrieben:Es liegt also nahe, dass es sich dabei um eine Bildung handelt, die vom verdunkelten Ausdruck einen Kater haben, verkatert sein ihren Ausgang nimmt.

Wenn Muskelkater wirklich auf Katarrh zurückgeht, dann ist die Herkunft aus der Quacksalber-, Heiler-, Bader- oder Trainerszene plausibel, wegen der verblassten altgriechischen Bedeutung.

Die Übertragung vom Alkoholkater mag als Tertium Comparationis die "Nachwirkung" haben. Daß also unter einem entmotivierten "Kater" nur noch "negative Nachwirkung" verstanden wurde.

Der motivierte "Kater" früherer Jahrhunderte ist damit aber nicht begründet. Auch im 15. Jahrhundert lass ich mir nicht eine Erkältung zu einem Alkoholkater hinbiegen...
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Re: Kater und Katarrh

Beitragvon medicus » Mo 12. Aug 2019, 16:54

Der Alkoholkater kratzt im Hirn, der Muskelkater in den Muskeln. :prof2:
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Re: Kater und Katarrh

Beitragvon sinemetu » Mo 12. Aug 2019, 16:59

Hier mal, was Lutz Röhricht dazu sagt:
Bild

Noch interessanter, was er zu Katharine sagt. Kater ist oft von Durchfall begleitet.
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Re: Kater und Katarrh

Beitragvon cometes » Mo 12. Aug 2019, 18:04

https://books.google.com/ngrams/graph?c ... er%3B%2Cc0
genau: 1860


Der Ausreißer vor 1900 ist wohl ein OCR- und/oder Metadatenfehler, für die der Ngram-Viewer neben der Verzerrung durch die Textsortenauswahl, berüchtigt ist. Die Gegenprobe liefert denn auch Ergebnisse für Muskelkater aus dem 19. Jhdt., welche sich, öffnet man die Scans, als Muskelfaser (mit langem s) entpuppen.

***

Die These war zunächst, dass Muskelkater aus dem 20. Jahrhundert stammt, kein terminologisches Pendant Muskelkatarrh (o.ä.) besitzt, das hätte entstellt werden können, also wohl von dem verdunkelten Ausdruck einen Kater haben seinen Ausgang nimmt, der, folgt man Mehlber, älter ist, als zunächst von vielen vermutet. Ich sehe nicht, welchen Vorteil die Annahme, Kater komme von Katarrh, bei der Bildung des Nominalkompositums Muskelkater (womöglich in bestimmten Soziolekten) gegenüber einer Erklärung, die auf die Ähnlichkeit der Beschwerden, also die lexikalische Bedeutung allein, Bezug nimmt, haben sollte.
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Re: Kater und Katarrh

Beitragvon Willimox » Mo 12. Aug 2019, 19:20

Unschlüssig, aber eben deswegen nachvollziehbar präsentiert die GfDS zwei Primärlexeme, nämlich Katarrh und Katzenjammer. Sie stützt sich dabei auf und referiert Küpper, Röhrich, Kluge, Grimm samt deren mehr oder weniger überzeugenden Belegen.

https://gfds.de/einen-kater-haben/

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Re: Kater und Katarrh

Beitragvon sinemetu » Mo 12. Aug 2019, 22:26

zunächst das Jammern einer Katze in der Laufzeit bezeichnet hatte,

So ist das, wenn man kein Deutsch beherrscht. Kredite habe Laufzeiten. Wenn eine Katze (d)rollig ist, bezeichnet man das als Ranz. Es geht also um die Ranzzeit. Leider kennt auch DWDS das Wort Ranz nicht. Es kennt nur Ranzzeit. Hunde sind läufig.

Ich möchte den Katzenjammer draußen halten. Sein Sitz im Leben lässt sich eindeutig bestimmen. Wenn die Katzen rollig sind, trifft es sich oft, daß 3 Kater um eine Dame wetteifern. Dann jaulen die Kater, nicht die Katzen. Das Jaulen ist eine Drohgebärde gegenüber den Mitbewerbern. Kommt es zu dem bei Katzen ausserordentlich kurzen Akt, ist es mit dem Katzenjammer vorbei. Der Jammer ist also vorher.

Interessanterweise kommt der Katzenjammer im Leben hinterher, als nach dem Geschehen. Ich denke nicht, daß der alkoh. Kater vom Katzenjammer kommt, sondern die Bedeutung Kater (postfaktisches Trauma) ist auf Katzenjammer übergegangen, und zwar erst, als es den alkoh. Kater schon gab!, denn primäre Bedeutung bei Katzenjammer ist dieser selbst, wie oben beschrieben, also muß der alkoh. Kater die sekundäre sein. Das TC wäre das Tier selbst.

Muskelkater ist später, alkoholischer Kater ist früher, TC ist "Nachwirkung" im weitesten Sinne. Es fehlt das medizinische Fachwort, welches dann zu Kater ummotiviert wurde. Katarrh bezweifle ich wegen Sinnlosigkeit und ich vermute Katharsis, oder Katharma, weil diese Bedeutung Sinn macht. Allerdings kann ich keinerlei Beleg vorlegen. Ich stütze mich aber auf folgende Regel:
Ein Wort mit unverstandenem "sinnlosem" Teil kann nur auf einem unverstandenen sinnvollen Wort fussen.

Es ist zu prüfen ob das med. Wort Katarrh auch solche Sachen wie Durchfall bedeuten kann? Bei Franz Passow tut es das nicht! Dann würde das Wort eine sinnvolle Vorlage zu Kater sein. Man müßte dazu die medizinischen alten Schriften durchsehen. Gibt es denn keine frühen medizinischen Arbeiten in dieser Zeit zum Thema Alkohol? Gleichzeitig ist auf Katharsis oder Katharma zu achten.
Zuletzt geändert von sinemetu am Di 13. Aug 2019, 11:31, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Kater und Katarrh

Beitragvon Prudentius » Di 13. Aug 2019, 09:05

Das Doppel-Rho von Katarrh geht auf ein geschwundenes s zurück, rheo fließen aus srheo, skr. sravati, davon auch "strömen", stream, also Assimilation.
Das katharos, rein, hat damit nichts zu tun, es hat ein einfaches Rho.
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Re: Kater und Katarrh

Beitragvon cometes » Di 13. Aug 2019, 13:29

Ich möchte den Katzenjammer draußen halten


Erstens gibt eine rollige Katze jede Menge Laute von sich, die man durchaus als jammervoll bezeichnen kann - https://www.youtube.com/watch?v=FBlznzSJXMY -, zweitens läuft die Argumentation ins Leere, wenn Katzenjammer eine sekundäre Motivierung von Kotzenjammer ist.
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Re: Kater und Katarrh

Beitragvon sinemetu » Di 13. Aug 2019, 13:36

cometes hat geschrieben:Erstens gibt eine rollige Katze jede Menge Laute von sich, die man durchaus als jammervoll bezeichnen kann - https://www.youtube.com/watch?v=FBlznzSJXMY -,

Gut, bei 6:45 wird der fauchende Koitus gezeigt. Es fehlt jedoch das kontrakonkurrente Jaulen der drolliger Kater!


cometes hat geschrieben:...zweitens läuft die Argumentation ins Leere, wenn Katzenjammer eine sekundäre Motivierung von Kotzenjammer ist.

Das klingt sehr interessant ... denn Kotzen + Jammern ist eine zeitbezogen korrekte Beschreibung des Katerablaufes. Zuerst kommt vomere, dann ululare... Dann fehlt aber das Motiv, warum aus einer treffenden allgemein verständlichen Beschreibung eine nicht mehr verständliche Verfremdung zu Kater geworden ist. Sprachniveauhebung?

Vor allem: Es gibt im sächsisch-thüringischen Grenzbereich Gegenden, da "kammo de Katze rein sprachlisch nisch vonner Kotze unnerscheidn" Ich sprach die Sprache leidlich, weil "mene Muddor von da is".
Zuletzt geändert von sinemetu am Di 13. Aug 2019, 17:17, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Kater und Katarrh

Beitragvon Willimox » Di 13. Aug 2019, 14:32

O Gott, was sinemetu aus der Bütt verkündet, mag drollig sein.
It rolls over logic, Beethoven and all this.

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