suum cuique

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suum cuique

Beitragvon Odinus Thorus » So 21. Nov 2021, 12:08

.. übersetzt man: "jedem das Seine." Cui steht ja auch im lat. im Dativ, obwohl das keine Argument ist, warum es auch im Deutschen in nämlichem Falle stehen sollte.

Nun finde ich:
Einen jeglichen dünkt sein Weg recht; aber der HERR prüft die Herzen.
Sprüche 21,2


Spontan würde ich vermuten: Einem Jeglichen ...., bzw. jedem, also Dativ. Dünken verlangt aber Akkusativ. "Mich dünkt" sagt man. Aber man fragt grammatisch nach dem Subjekt nicht "Wen dünkt", sondern "wem dünkt", oder... Ich bin unsicher ...

Was für ein Unsinn hier. Dünken ist ausschliesslich mediopassiv. Ich dünke nicht, sondern es dünkt mich etwas. Das Agens ist das Etwas. Der Mensch ist der Erleidende bzw. Erleider des Denkens
https://de.wiktionary.org/wiki/Flexion:d%C3%BCnken
Zuletzt geändert von Odinus Thorus am So 21. Nov 2021, 22:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: suum cuique

Beitragvon medicus » So 21. Nov 2021, 12:15

https://de.wiktionary.org/wiki/d%C3%BCnken
[1] intransitiv, unpersönlich, gehoben, veraltend, mit einem im Akkusativ oder seltener im Dativ stehenden Personalpronomen:
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Re: suum cuique

Beitragvon medicus » So 21. Nov 2021, 12:24

Wo siehst du den Zusammenhang zwischen "suum cuique" und dünken :roll:

Jedem das Seine, lateinisch suum cuique, ist seit antiken philosophischen Theorien der Moral und Politik ein für die Fassung von Begriffen des Rechts und der Gerechtigkeit, insbesondere der Verteilungsgerechtigkeit, vielfach ins Spiel gebrachtes Prinzip (siehe auch Verteilungsprinzip). Es besagt, dass jedem Bürger eines Gemeinwesens das zugeteilt wird (bzw. werden soll), was ihm gebührt, etwa durch gerechte Güterverteilung. Je nach politischer Theorie oder praktischem Bezug werden verschiedene Präzisierungen vorgeschlagen. Der Status eines solchen Prinzips wird unterschiedlich bewertet.


https://de.wikipedia.org/wiki/Jedem_das_Seine
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Re: suum cuique

Beitragvon Odinus Thorus » So 21. Nov 2021, 22:41

medicus hat geschrieben:Wo siehst du den Zusammenhang zwischen "suum cuique" und dünken :roll:

Jedem ist Dativ und einen jeden Akkusativ. Ich hätte "Jedem dünkt sein Weg recht." erwartet und für gutes Deutsch befunden, wenn man schon dünken benutzen will.
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Re: suum cuique

Beitragvon marcus03 » Mo 22. Nov 2021, 09:21

Das Verb "dünken" ist ein Auslaufmodell:
https://books.google.com/ngrams/graph?c ... itive=true

Wenn du heute zu jemandem sagst, dass dir/dich etwas dünke, dann dürfte ihm dünken, dass du
ein dünkelhafter Mensch sein könntest, der unter Standesdünkel leidet oder dünkel-dunkle Absichten hat. :)
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Re: suum cuique

Beitragvon ille ego qui » Mi 24. Nov 2021, 12:15

Das Agens ist das Etwas. Der Mensch ist der Erleidende bzw. Erleider des Denkens


Sonderlich agentiv ist das "etwas" doch wohl nicht ...
Das "etwas" ist in meinen Augen nicht wesentlich agentiver als in "Ich ärgere mich über etwas", was sich diesbezüglich wiederum (dünkt mich/mir) nicht sehr unterscheidet von "Etwas ärgert mich".
(... wobei, vllt muss ich darüber noch mal sinnieren ... ;-) )

Was das alles mit "suum cuique" zu tun hat ... keine Ahnung :D
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Re: suum cuique

Beitragvon cometes » Mi 24. Nov 2021, 13:45

Das es in es dünkt mir/mich ist expletiv und obendrein fakultativ, besitzt auch keine thematische Rolle, schon gar nicht die eines AGENS. Dünken ist ein EXPERIENCER-Verb und die thematische Rolle des EXPERIENCERS kommt dem Dativ bzw. Akkusativ zu, sie beschreibt, wer diese Erfahrung macht. Hier wird also auch nichts erlitten im Sinne eines PATIENS.
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Re: suum cuique

Beitragvon ille ego qui » Mi 24. Nov 2021, 14:38

Danke dir für deine Expertise!! Da klingelt auch bei mir vage etwas ... :D

:-)
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Re: suum cuique

Beitragvon ille ego qui » Mi 24. Nov 2021, 14:43

Wie würdest du - wenn du schon mal da bist - "A ärgert sich über B" beschreiben?
"sich ärgern" kann vielleicht bald etwas mehr, bald etwas weniger aktiv/agentiv (??) gemeint sein ... Aber würdest du es letztlich auch so einschätzen, dass sich der semantische Verbtyp und die vertretenen Rollen mit "B ärgert A" decken?
Danke im Voraus!
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Re: suum cuique

Beitragvon Sapientius » Do 25. Nov 2021, 16:36

Odinus Thorus hat geschrieben:.. übersetzt man: "jedem das Seine." Cui steht ja auch im lat. im Dativ, obwohl das keine Argument ist, warum es auch im Deutschen in nämlichem Falle stehen sollte.


Richtig, aber die Formel heißt vollständig "suum cuique tribuere", "jedem das Seine zuteilen", und bei "zuteilen" steht auch im D. der Dativ.

"Dünken" ist im D. erlesene Sprache, oder Schnickschnack, für "mir scheint".
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Re: suum cuique

Beitragvon cometes » Do 25. Nov 2021, 21:08

ille ego qui hat geschrieben:Wie würdest du - wenn du schon mal da bist - "A ärgert sich über B" beschreiben?
"sich ärgern" kann vielleicht bald etwas mehr, bald etwas weniger aktiv/agentiv (??) gemeint sein ... Aber würdest du es letztlich auch so einschätzen, dass sich der semantische Verbtyp und die vertretenen Rollen mit "B ärgert A" decken?
Danke im Voraus!


In der Frage stecken viele Probleme semantischer Theoriebildung, daher das Folgende unter Vorbehalt:

In B ärgert A findet sich jedenfalls der EXPERIENCER im Akkusativ, der transitive Gebrauch besitzt aber auch eine kausative Dimension, je eher B den prototypischen Charakter eines AGENS zeigt, also zu bewusster intentionaler Handlung fähig ist, schließlich bewirkt ein solcher B ja durch seine Handlungen, dass A Ärger empfindet, die Konstruktion lässt sich folglich ins Passiv setzen: Der Richter wird vom Angeklagten geärgert. Nicht aber: *Maria wird von der Coronapolitik geärgert. Semantisch steht Die Coronapolitik ärgert Maria der (gelegentlich als) pseudoreflexiv (bezeichneten) Verwendung von sich ärgern in Maria ärgert sich über die Coronapolitik näher.

Eine kausativ-agentive Dimension fehlt dabei, insofern in A ärgert sich über B A ja nicht selbst bewirkt, dass er dann Ärger empfindet, eine Passivierung ist in diesem Fall ebensowenig möglich: *A wird von sich (selbst) [über B] geärgert. Bs thematische Rolle in der Präpositionalphrase ist zumindest die eines STIMULUS, d.h. ihm kommt eine vage Auslösefunktion zu, ob B aber eine intentional handelnde Person, d.h. prototypisches AGENS, ist, die den Ärger kausativ verursacht (Der Richter ärgert sich über den Angeklagten, der ihn ständig mit dummen Bemerkungen provoziert ) oder z.B. ein an sich gar nicht handlungsfähiges unbelebtes Objekt oder ein Sachverhalt (A ärgert sich über die neuen Waffengesetze), ist m.E. sekundär, da die Aussage auf die innere Empfindung des EXPERIENCERs in Subjektposition bei gleichzeitiger Referenzlosigkeit bzw. Unbestimmtheit der thematischen Rolle des Reflexivpronomens fokussiert.
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Re: suum cuique

Beitragvon Sapientius » Sa 27. Nov 2021, 18:01

Wie würde man "Suum cuique" in gendergerechter Sprache ausdrücken? Denn die überlieferte Form enthält nur, was Männern gebührt; "Jeder das Ihre und jedem das Seine", oder "Jeder das Seine", nach dem Muster "Forscherinnen und Wissenschaftler" statt "Forscherinnen und Forscher und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler"?
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Re: suum cuique

Beitragvon marcus03 » Sa 27. Nov 2021, 18:34

Jeder sexuellen Ausprägungsform des Menschen das Ihre :lol:

Das gilt dann auch für alle weiteren phainomena unserer Spezies. ;-)
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Re: suum cuique

Beitragvon ClaudiaK » Sa 27. Nov 2021, 20:02

Sapientius hat geschrieben:Wie würde man "Suum cuique" in gendergerechter Sprache ausdrücken? Denn die überlieferte Form enthält nur, was Männern gebührt


Grammatisch gesehen enthält das Lateinische doch wohl auch das, was Frauen gebührt.
Letztlich ist in einer guten Ehe (aus weiblicher Sicht) sowohl das Seine als auch das Ihre das Ihre / Ihrs / in ihrem Besitz. ;-)
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Re: suum cuique

Beitragvon marcus03 » So 28. Nov 2021, 09:14

ClaudiaK hat geschrieben:Letztlich ist in einer guten Ehe (aus weiblicher Sicht) sowohl das Seine als auch das Ihre das Ihre / Ihrs / in ihrem Besitz. ;-)


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:lol: :lol: :lol:
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