victor omnium

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victor omnium

Beitragvon Brakbekl » So 17. Jun 2012, 13:28

Jüngst hatte ich in Prenzlau/Uckermark zu tun und wurde glatt von einem Herrn zwischen Schätzungsweise 30 - 40 Jahren kommunistisch agitiert. Die Diskussion ging unter Marktleuten (Wahrscheinlich Harz-4-Aufstocker) um das sog. "Bürgergeld" ein FDP-Vorschlag, der damit argumentierte, daß die Unterhaltung der Arge teurer sei, als allen bedingungslos das Existenzminimum zu sichern, wie es die Sozialhilfe der alten Bundesrepublik tat. Bislang war ich auch für das BG, weil ich das alles real durchlebt habe, diese Kujoniererei durch das Amt, die mich sehr an den Sozialismus erinnerte, dem es auch immer wichtig war, daß jemand eine "Stelle" hatte, als daß er was Vernünftiges tat, was in der Zwangswirtschaftsordnung Sozialismus/Kommunismus (und mitunter auch heute in Behörden) durchaus nicht dasselbe war und ist. Das Abschreckendste an der dortigen "Behandlung" - das kann ich bestätigen" ist die Von-Oben-herab-Haltung der dortigen "Fallmanager" und anderen Personals gegenüber den "Fällen", und die Beobachtung, daß deren Oberwasser, um nicht zu sagen Hochmut, allein aus der Tatsache stammt, eine "Stelle" innezuhaben, nicht einmal aus einer schwierigen Ausbildung oder sonstigen Hürden, denn dazu hätten sie wohl wenig Grund. Denn meistens verdankt der Chef des Hauses seinen Posten auch nur einer Partei. Exemplarisch ist auch die Trickserei des Amtes, um dem "Fall" irgendeinen Gesetzesverstoß nachzuweisen u.s.w.

Ich persönlich bin schon dafür, daß die Ausdenker dieses Gesetzes belangt werden und die ausführenden Organe in den Knast kommen, wegen öffentlich gemeinschaftlich durchgeführter Freiheitsberaubung, Menschenhandels und Ausbeutung unter dem Schutzschild "öffentliche Hand". Es soll hier nicht vergessen werden, daß es die Sozis waren, die die vorbildliche Sozialhilfe der alten Bundesrepublik abgeschafft und völlig unnötig dieses verdeckte Kapo-System eingeführt haben.

Aber darum geht es hier nicht. Mir geht es darum, daß mich 20 Jahre nach dem Ende des real existierenden Sozialismus jemand vollkommen entwaffnet mit dem Argument: Das (Also DDR und SU und die -zig Mio. Lagertoten, Mao, Mengistu, Pol Pot, Kim, etc. etc.) war alles kein Kommunismus. An diesem Punkte brach ich die Diskussion ab. Man stelle sich einmal vor ein Neonazi hätte öffentlichwirksam behauptet, die Hitlerära wäre kein Nationalsozialismus gewesen. Sie wäre nicht der eigentliche Faschismus gewesen, wegen der Judenmorde uns so. Der eigentliche Faschismus wäre gut. Das würde wohl nirgendwo durchgehen.

Erstaunlicherweise aber stimmten ihm die anderen zu. Ich denke, daß der Diskussionsabbruch hier an dieser Stelle richtig war. Denn mit Religiösen ist jede Diskussion zwecklos. Ich frage mich jetzt, ob es zu verantworten ist, diesen Thesenstreuer und Agitator und seine Sympatisanten mal in den real existierenden Kommunismus hineinzuwünschen - wozu man wissen muß, daß ich des Glaubens und der Meinung bin, daß sich Wünsche erfüllen. Die Chancen stehen, meines Erachtens nach, nicht so schlecht. Gibt es eigentlich einen Gott der Dummheit? vllt ist es Caecus, der Sohn der Prometheus, dem sollte man ein Denkmal errichten!
Zuletzt geändert von Brakbekl am So 17. Jun 2012, 18:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: victor omnium

Beitragvon Tiberis » So 17. Jun 2012, 15:36

natürlich hat dein gesprächspartner recht. in keinem der von dir genannten ländern gab es jemals eine kommunistische gesellschaftsordnung, auch wenn diese (als fernziel) von den politischen führungen angestrebt wurde. nicht umsonst definierten sich diese staaten als "sozialistisch" (und nicht als "kommunistisch") bzw. als "realsozialistisch", weil man nur zu gut wußte, dass selbst die sozialistische gesellschaft , die phase des "sozialismus", nur in ansätzen realisiert war.
selbstverständlich hat ein terrorregime wie jenes der khmer rouge mit kommunismus etwa so viel zu tun wie die inquisition mit christlicher nächstenliebe. und "den kommunismus" für all die verbrechen verantwortlich zu machen, die in seinem namen geschehen sind, ist zwar in gewissen kreisen beliebt, aber ungefähr so logisch, als würde man Christus oder "den Islam" für all die gräuel verantwortlich machen, die im namen dieser religionen verübt worden sind.
im direkten vergleich dürfte übrigens auch der kapitalismus kaum besser abschneiden: nur schafft es die westlich-kapitalistische propaganda eben immer noch relativ erfolgreich, schlichten gemütern hierzulande das elend in den ländern der dritten welt (und nicht nur dort!) als mehr oder weniger selbst verschuldet, jedenfalls nicht als systemimmanent, darzustellen
der beliebte vergleich mit dem nationalsozialismus hinkt natürlich gewaltig. wohin der nationalsozialismus führen würde, konnte jeder zumindest erahnen, der Hitlers "Mein kampf" gelesen hat. umgekehrt ist die perversion der kommunistischen idee durch Stalin, Pol Pot oder durch wen auch immer aus den werken von Marx und Engels keinesfalls direkt abzuleiten.
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Re: victor omnium

Beitragvon Laptop » So 17. Jun 2012, 16:15

Der repressive Sozialismus der DDR ist schon ein ganz anderer als der Schwedens. Viele grenzen das ab indem sie von “Kommunismus” sprechen, obwohl das streng genommen nicht ganz korrekt ist, da Kommunismus eine politische Idee ist, eine Philosophie ist, keine reale Gesellschaftsordnung wie der Sozialismus. Euer Gespräch ist wohl daran gescheitert, daß ihr den Begriff Kommunismus unterschiedlich bewertet (und definiert). Die Gefahr ist immer in den Sog der Schlagwörter wie “Freiheit”, “Sicherheit”, “Kommunismus”, zu geraten. Genauer gesagt sind wir “Bewertungstiere”, wir bewerten gerne Begriffe, leider auch die ganz abstrakten. Damit laufen wir Gefahr in die Pauschalitätsfalle zu laufen, d. h. wir blenden individuelle Gegebenheiten aus, blenden negative Konsequenzen aus. Z. B. hätte maßlose Freiheit den Verlust jeder Sicherheit zur Folge, maßlose Sicherheit den Verlust jeder Freiheit. “Wohlstand für alle” würde zu Vergeudung und Verschmutzung der Umwelt führen, extremer Umweltschutz zur Verarmung. Sprich, alle diese Dinge sind im Extrem unerträglich, daher darf man sie nicht per se positiv bewerten.
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Re: victor omnium

Beitragvon Brakbekl » So 17. Jun 2012, 16:50

Tiberis hat geschrieben:....der beliebte vergleich mit dem nationalsozialismus hinkt natürlich gewaltig. wohin der nationalsozialismus führen würde, konnte jeder zumindest erahnen, der Hitlers "Mein kampf" gelesen hat. umgekehrt ist die perversion der kommunistischen idee durch Stalin, Pol Pot oder durch wen auch immer aus den werken von Marx und Engels keinesfalls direkt abzuleiten.


ad Tiberim

lege: "Einen Thron will ich mir auferbauen,
kalt und riesig soll sein Gipfel sein,

sein Bollwerk sei ihm übermenschlich Grauen,
und sein Marschall sei die düst’re Pein!

Wer mit gesundem Auge darauf sieht,
soll tödlich blaß und stumm sich wenden,

von blinder, kalter Sterblichkeit ergriffen,
soll das Glück sein Grab bereiten.

Zitat aus: „Des Verzweifelnden Gebet”

- Karl Marx – *
Collected Works, Bd.I.,
International Publishers, 1974

Auch das konnte man lesen, Tiberis! Es war keine Perversion, es war die Wirklichkeit eines Gedankens. Nungut, der Verwirklichungsimpetus von Lyrik ist bekanntlich größer als der von Prosa!

Gut dazu Abraham Lincoln: (ganz unten)

Ihr werdet die Schwachen nicht stärken, indem ihr die Starken schwächt Ihr werdet denen, die ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, nicht helfen, indem ihr die ruiniert, die sie bezahlen. Ihr werdet keine Brüderlichkeit schaffen, indem ihr Klassenhass schürt. Ihr werdet den Armen nicht helfen, indem ihr die Reichen ausmerzt. Ihr werdet mit Sicherheit in Schwierigkeiten kommen, wenn ihr mehr ausgebt als ihr verdient. Ihr werdet kein Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten und keinen Enthusiasmus wecken, wenn ihr dem Einzelnen seine Inititiative und seine Freiheit nehmt. Ihr könnt den Menschen nie auf Dauer helfen, wenn ihr für sie tut, was sie selber für sich tun sollten und können.“

Quelle: http://www.home.pages.at/einspruch/Marxismus.html


Nochwas Tiberis, es ist auch grundfalsch, den Nationalsozialismus theoretisch wie praktisch als Gegenteil oder gar Remedium vom kommunistischen Infect zu betrachten, wie es von interessierter Seite bewußt, von Nachplapperern mangels Bildung getan wird. Erstere sind nur eine spezifische Unterart des Andern. Das sich Brüder mitunter an die Gurgel gehen, ist bekannt, und das sie dieselbe Erziehung genossen, dafür steht, daß sie Brüder sind. Ebenso falsch ist, die Diktion des Kommunismus zu nutzen, d. h. von Kapitalismus und Kommunismus zu reden. Es gibt nämlich nur einen Einzigen, der das Kapital noch mehr liebt, als der Kapitalist, und das ist der Kommunist.
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Re: victor omnium

Beitragvon Willimox » So 17. Jun 2012, 17:23

O dio mio,

das Gedicht "Des Verzweiflenden (sic) Gebet" entstammt der Kategorie
"Gedichte, meinem teuren Vater zu seinem Geburtstage 1837" und beginnt so:

"Hat ein Gott mir alles hingerissen..."

Des Verzweiflenden Gebet.

«Hat ein Gott mir alles hingerissen,
Fortgewälzt in Schicksalsfluch und Joch,
Seine Welten – alles – alles missen!
Eines blieb, die Rache blieb mir doch.»

«An mir selber will ich stolz mich rächen,
An dem Wesen, das da oben thront,
Meine Kraft sei Flickwerk nur von Schwächen,
Und mein Gutes selbst sei unbelohnt!»

«Einen Thron will ich mir auferbauen,
Kalt und riesig soll sein Gipfel sein,
Bollwerk sei ihm übermenschlich Grauen,
Und sein Marschall sei die düst're Pein!»

«Wer hinaufschaut mit gesundem Auge,
Kehre todtenbleich und stumm zurück,
Angepackt vom blinden Todteshauche,
Grabe selbst die Grube sich sein Glück.»

«Und des Höchsten Blitze sollen prallen
Von dem hohen, eisernen Gebäu,
Bricht er meine Mauern, meine Hallen,
Trotzend baut die Ewigkeit sie neu.»

http://tinyurl.com/cy5ynnd

Brakbekl zitiert aus dem Referat eines "anonymen Schülers" ("Die Grundzüge des
Marxismus"),
zitiert (?) eine recht krumm zitierte Gedichtfraktalie,

"Einen Thron will ich mir auferbauen,
kalt und riesig soll sein Gipfel sein,

sein Bollwerk sei ihm übermenschlich Grauen,
und sein Marschall sei die düst’re Pein!

Wer mit gesundem Auge darauf sieht,
soll tödlich blaß und stumm sich wenden,

von blinder, kalter Sterblichkeit ergriffen,
soll das Glück sein Grab bereiten.
Zitat aus: „Des Verzweifelnden Gebet”

- Karl Marx – *
Collected Works, Bd.I.,
International Publishers, 1974


übernimmt offensichtlich
den Hinweis auf die "jüdische Provenienz" und und und ....

Marx meint: „Sittlich ist, was der Zerstörung der alten Ausbeutergesellschaft dient...“
Somit ist dies der einzige Wertmaßstab marxistischer Moral. Natürliche Folge ist, dass man jede Schweinerei, jedes Massaker, das zur „Zerstörung der alten Ausbeutergesellschaft dient...“ wunderbar in eine gute Tat umdeuten kann.

Zu Schluss, will ich noch ein Zitat von Abraham Lincoln , dass sehr gut zum Thema passt, vorlesen:

Ihr werdet die Schwachen nicht stärken, indem ihr die Starken schwächt Ihr werdet denen, die ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, nicht helfen, indem ihr die ruiniert, die sie bezahlen. Ihr werdet keine Brüderlichkeit schaffen, indem ihr Klassenhass schürt. Ihr werdet den Armen nicht helfen, indem ihr die Reichen ausmerzt. Ihr werdet mit Sicherheit in Schwierigkeiten kommen, wenn ihr mehr ausgebt als ihr verdient. Ihr werdet kein Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten und keinen Enthusiasmus wecken, wenn ihr dem Einzelnen seine Inititiative und seine Freiheit nehmt. Ihr könnt den Menschen nie auf Dauer helfen, wenn ihr für sie tut, was sie selber für sich tun sollten und können.“

http://www.home.pages.at/einspruch/Marxismus.html

Solchen Murx hat nicht mal Marx verdient, meine ich.
Zuletzt geändert von Willimox am So 17. Jun 2012, 17:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: victor omnium

Beitragvon Brakbekl » So 17. Jun 2012, 17:35

Nunja, Willibald, die "jüdische Provenienz" ist ja nun ganz wichtig, denn daran kann man sofort "Antisemitismus" festmachen, und schon ist der Vogel abgeschossen... :klatsch:

Aber, wie Du sieht, hab ich das dummerweise mit hineinkopierte entfernt, denn es ist vollkommen nebensächlich. Aber was das Gedicht betrifft, ich kann Dich beruhigen. Es ist echt und ist sogar in der MEGA enthalten, hab's selbst dort gelesen.

Kennst Du Ina Seidel? Die schrieb einmal: Im Wort ruht Gewalt, Wie im Ei die Gestalt, Wie das Brot im Korn, Wie der Klang im Horn, Wie das Erz im Stein, wie der Rausch im Wein, Wie der Tod im gift, && der Pfeil der trifft - Mensch! gib Acht, ehe du es sprichst, das du am Worte nicht zerbrichst..

Das Gedicht ist unzählige Male im Netz zu finden... Gott sei Dank.
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Re: victor omnium

Beitragvon Willimox » So 17. Jun 2012, 17:43

Das Gedicht ist unzählige Male im Netz zu finden... Gott sei Dank.
Brakbekl


Na, dann lies es nochmal nach.

I repeat:
Deinen Murx hat nicht mal Marx verdient.
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Re: victor omnium

Beitragvon consus » So 17. Jun 2012, 17:51

Occasione data paullulum notissimum mutandum censui esse distichon hoc:

"Admiror, Vilimox, te non cecidisse ruinis
qui tot scriptorum taedia sustineas."

:lol:
Zuletzt geändert von consus am So 17. Jun 2012, 18:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: victor omnium

Beitragvon Willimox » So 17. Jun 2012, 18:12

Occasionem nactus raro pretermisi, o Conse.
(vide domum Fabii Rufi :wink: )

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