Pelso vrs Plessow

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Pelso vrs Plessow

Beitragvon sinemetu » So 28. Jul 2019, 16:42

Des öfteren bin ich durch eine Ortschaft namens Pelsin gefahren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pelsin
Seit ich seit 2013 im Zusammenhang mit dem Seuso-Schatz
https://de.wikipedia.org/wiki/Seuso-Schatz
weiß, daß der alte Name des Balatons Pelso war, wie inschriftlich auf einem Stück des Schatzes bezeugt, assozierte ich beim Durchfahren der Ortschaft Pelsin den Namen des Plattensees Pelso, aber meine Vernunft sagte mir, 9. Jahrhundert und slavisch, kann nicht mit 4. Jahrhundert und lateinisch zusammenpassen. Dazu die geografischen Entfernung von der Peene an den Plattensee.

Jetzt finde ich diesen Artikel:
http://www.prof-udolph.com/forschung/be ... onien.html
und darin steht unter anderem Interessanten dies:
Den Namen Pelso, die antike Bezeichnung des Balaton/Plattensees, hat man immer wieder mit slavisch pleso „Flußkrümmung zwischen zwei Biegungen, große Tiefe im Fluß, tiefe Stelle in einem Sumpf“, auch „Wiese, die bei Hochwasser überschwemmt wird“ verbunden . Dieses ist schon des öfteren und mit guten Gründen zurückgewiesen worden : die notwendigerweise zu erwartende Liquidametathese ist nicht zu erkennen. Zum andern ist völlig unklar, warum ein alter slavischer Name *Pleso von einem anderen, nämlich Blot-n-, abgelöst worden wäre. Dafür gibt es so gut wie keine einzige Parallele.


Für die Liquidmetathese möchte ich folgende Toponyme liefern:
https://de.wikipedia.org/wiki/Plessow und
https://de.wikipedia.org/wiki/Plessa
Der Ortsname stammt vom altsorbischen Ples(o), was See bedeutet

Der für Pelsin angegebene Name (Schleichenbach) ist mir unerklärlich, weil der dortige Bach vollkommen unbedeutend ist (keine 10 km von Stretense bis in die Peene). Viel prägender ist doch der, zwar nicht sehr große, nicht desto trotz aber vorhandene See in Pelsin. Auch Plessow hat einen See! Jenseits der Penn, vllt 15 km Luftlinie gibt es ein Polzin!

Ich erkenne in den Silben b-l-t und p-l-s keinen echten Widerspruch: Beide haben die Reihenfolge: Labial, Liquid, Dental. Beides könnten auch Versionen sein.
Ich kann es nicht von hier, aber es lohnte sich bestimmt auch einmal das Alter des Wortes Plattensee anzusehen, denn das hat dasselbe Konsonantenmuster, Labial, Liquid, Dental. Eventuell ist das deutsche Wort Plattensee gar nicht von ung. Balaton motiviert, sondern noch von der slav. Form und damit älter als die ung. Variante. Ich hab mich immer gefragt, wie das scheinbar nur in Nordeutschland beheimatete Wort platt nach da unten gelangt ist, wo es doch als einzelnes Adjektiv im nahen Österreich vollkommen unbekannt zu sein scheint, (irre ich?) Und platt/flat scheinen nicht nur germ. sondern indogerm. zu sein. Ich würde dann für pelso einer slav. Identität zustimmen, allerdings stößt sich das etwas mit meinem historischen Wissen zur Genese der Slaven. Aber das kann ja falsch sein. Oder es gibt doch eine füher oft behauptete Verwandschaft zwischen den Venetern und den Wenden/Winden? Denn das Ende des 4. Jahrhunderts ist verd. früh für die Slavisch-These!

Einige Phantasien zum Thema
Es gibt in Ost-Vorpommern, evtuell auch im weiteren Umkreis noch einige mir nicht bekannte, dreisilbige Ortsnamen, mit Betonung auf der 2. Silbe und der unbetonten Endsilbe e. Ich zähle dazu
1. Nadrensee (Penkun) Wiki:
Der Name leitet sich vom plattdeutschen na dreen Seen

2. Stretense (Anklam) Wiki
1243 erstmals urkundlich als „Tristensa“ erwähnt. Der slawische Gründungsname wird als „der Friedreiche“ oder auch als „Rohr“ gedeutet

3. Vitense (Gützkow)
Der Name Vitense leitet sich aus dem altslawischen vitęzĭ für Held ab. dt. Motivierung: Wittensee.

4. Tollense (Fluss - Altentreptow)
Die Tollense (gesprochen [tʰɔˈlɛnzə], von slaw. dolenzia = Talniederung, dol oder dolina = Tal) ist ein Fluss

5. Schalense (Wolgast - in der Lubinschen Karte 1618 noch Schalensee geschrieben, was verdeutscht sein mag)
6. Lutense - der Mittelalterliche Name für das große Achterwasser
Ich vermute, daß Name 1 und 5 auch slav. Ursprungs sind. Bei 1 ist das Silbe Na ist verdächtig slavisch, und die dt. Etymologie, obwohl es dort wirklich drei kleinere Wasserflächen gibt, scheint mir aus der Germanophilie zu stammen.
Die Orte zeichnen sich dadurch aus, daß Nicht-Einheimische konsequent das se am Ende als See lesen und damit anders betonen als die Einheimischen. Nun gibt es ja die Orte namens Schalensee, also hinten lang - wirklich. Man muß nur mal googeln. Selbst wenn ich davon ausgehe, daß Schalense urspr. slavisch war, und nun neu deutsch motiviert zu Schalensee geworden ist, so muß doch gefragt werden, warum Deutsche Muttersprachler einen solchen Ortsnamen wieder reslavsieren sollten? Oder, warum er noch nicht dt, motiviert ist, obwohl seit 1000 Jahren dort Deutsche wohnen? Oder sind die Ortsnamen zu einer frühen Zeit slavisierte ganz alte deutsche Namen? Die Polen kennen ja kein langes e! Da die Lautdynamik sich oft wiederholt in der Geschichte, könnte es sich beim Plattensee um ein germanisiertes slav. Platense handeln, was es im lat. Kontext übrigens gibt: https://www.google.com/search?client=sa ... 8&oe=UTF-8

Ich möchte auch daran erinnern, daß es ein Adelsgeschlecht "von Platen" gibt, also mit langem a im Revier (Rügen) gibt! Wenn man bei den historisierenden Adelsetymologien die lateinische Phantasie wegläßt, kommt auch oft was Slavisches hervor, besonders im besprochenen Gebiet - von Radetzky bis von Platen.
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