filum sinemetuanum-ohne Furcht und Adel

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filum sinemetuanum-ohne Furcht und Adel

Beitragvon marcus03 » Sa 21. Sep 2019, 09:58

Ich erlaube mir, diese Seite unserem Ritter ohne Furcht und (T)Adel zu widmen.

Hier ein erster Diskussionsbeitrag:

Was hältst du, omni metu carens, von dieser Etymologie, auf die ich soeben stieß:

1. Spectacula (Spiele) werden, wie ich meine, allgemein Belustigungen genannt, die nicht per se schmutzig sind, sondern durch das, was dort getrieben wird. Sie werden aber so genannt, weil den Menschen dort eine öffentliche Einsicht (publica inspectio) gewährt wird. Sie heißen auch ludicra (Kampfspiele), weil bei den Spielen (ludi) Auftritte stattfinden oder bei Gastmählern (cenae).
2. Der Ursprung der Spiele wird so überliefert: Die Lydier aus Asien hätten sich, unter der Führung König Tyrrhenus‘ übergesiedelt, in Etrurien niedergelassen. Dieser war seinem Bruder im Streben um die Herrschaft gewichen. Daher richteten sie in Etrurien unter anderen Sitten ihres Aberglaubens Spiele unter dem Namen der Religion ein. Daher mieteten die Römer herbeigerufene Künstler, und so sind die ludi nach den Lydi benannt worden. Varro aber sagt (Gramm. 435), ludus sei nach lusus (Spiel) benannt, weil die jungen Männer an Festtagen durch die Aufführung von Spielen das Volk zu erfreuen pflegten. Woher auch jenes Spiel der jungen Männer den Festtagen, Tempeln und der Religion zugerechnet wird.

Isidor von Sevilla (ca. 560-636), Etymologiae (XVIII, 16, 1-3)

"auf Lydisch machen" = ein Spiel machen?
Ob das bei dem gebildetem Römer "subconsciential" präsent war?
"Otho-Normal-Römer" dürfte das bei den Circenses ziemlich wurscht gewesen sein,
solange nur action angesagt war. Oder hat der eine oder andere in der Pause bei "botulus hircanus cum malis subterrestibus tostis" vlt. auch darüber nachgedacht, woher er ganze Circus eigentlich kommt? :lol:
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Re: filum sinemetuanum-ohne Furcht und Adel

Beitragvon medicus » Sa 21. Sep 2019, 13:03

@marcus03, dem neuen Mitglied im Wurzelforscher-Club:
Was wäre hier das tertium comparationis bei den lydischen Spielen? :help:
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Re: filum sinemetuanum-ohne Furcht und Adel

Beitragvon Zythophilus » Sa 21. Sep 2019, 13:08

Wenn wir Isidors Etymologie anerkennen, sollten wir eigentlich "Spyl" schreiben. Leider hat der gute Bischof die hier bekannte Tendenz, gleich und ähnlich Klingendes automatisch als zusammengehörig zu sehen.
Vor der Übernahme des Buchstabens "Y" wurde dieser Laut in griechischen Wörtern tatsächlich mit "V" transkribiert. Wenn man es genau nimmt ist das "V" bzw. spätere "U" doch auch vom griechischen "Y" hergeleitet.
Diese Erkenntnis bringt uns im Falle von ludus freilich nichts, da die altlateinische Form loedus oder loidus eindeutig gegen eine Abstimmung von einem griechischen Wort mit "Y" spricht.
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Re: filum sinemetuanum-ohne Furcht und Adel

Beitragvon marcus03 » Sa 21. Sep 2019, 13:28

Zythophilus hat geschrieben:Leider hat der gute Bischof die hier bekannte Tendenz, gleich und ähnlich Klingendes automatisch als zusammengehörig zu sehen.

Ein Urahn der Furchtlosen? Damit hat dieser nun sogar den bischöflichen Segen. :wink:
Schlage sinemetu zur "antehumen" Kanonisierung mit simultaner Ernennung zum Schutzheiligen der Rhizologen vor. :lol:
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Re: filum sinemetuanum-ohne Furcht und Adel

Beitragvon Willimox » So 22. Sep 2019, 13:21

Peter Filzmeier spricht in solchen Kontexten von einer "rollenden Flipperkugel".

Peter Filzmeier ist ein scharfsinnig-scharfzungiger Politologe aus Österreich. Fürchtenix Brakbekls Sprach- und Gedankenführung wird dem Korpus VR zugeordnet (Vereinfachung & Rhizologismus). Der Exuberanz sprachlicher Mittel direkt proportional: Komikaffiner Gestus, habituell haptische Neigung zu "Bumerang-Schwadronieren" . Nun ja.
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Re: filum sinemetuanum-ohne Furcht und Adel

Beitragvon medicus » So 22. Sep 2019, 13:33

Willimox hat geschrieben:Nun ja.


Er erhält das Forum lebendig. :klatsch:
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Re: filum sinemetuanum-ohne Furcht und Adel

Beitragvon Willimox » So 22. Sep 2019, 13:38

Gewiss. Aber das besagt wenig über die Qualität der Aussagen von Fürchtenix und viel über die (kreative) Duldsamkeit oder Indifferenz vieler Forumsmitglieder. Die Komiknähe mancher Äußerungen aus dem Munde von Fürchtenix hat ihren unbestreitbaren Unterhaltungswert.
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Re: filum sinemetuanum-ohne Furcht und Adel

Beitragvon Stomachatus » So 22. Sep 2019, 14:00

Willimox hat geschrieben:Gewiss. Aber das besagt wenig über die Qualität der Aussagen von Fürchtenix und viel über die (kreative) Duldsamkeit oder Indifferenz vieler Forumsmitglieder. Die Komiknähe mancher Äußerungen aus dem Munde von Fürchtenix hat ihren unbestreitbaren Unterhaltungswert.


Das stimmt.
Ich möchte hinzufügen, dass Anzahl & (mangelnde) Qualität dieser Diskussionen mMn für viele Forumsmitglieder hemmend wirkt.
Je mehr sinemetu, desto weniger Teilnahme seitens seriöser Mitglieder. Das ist leider traurig.
Ohne Moderator ist es unmöglich, Abhilfe zu schaffen.
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Re: filum sinemetuanum-ohne Furcht und Adel

Beitragvon marcus03 » So 22. Sep 2019, 15:03

Stomachatus hat geschrieben:Je mehr sinemetu, desto weniger Teilnahme seitens seriöser Mitglieder.

Dieses Unterforum spielt für den Betrieb hier keine Rolle.
Es läuft nebenher und sorgt für Unterhaltung.
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Re: filum sinemetuanum-ohne Furcht und Adel

Beitragvon sinemetu » So 22. Sep 2019, 16:53

Die Lydier aus Asien hätten sich, unter der Führung König Tyrrhenus‘ übergesiedelt, in Etrurien niedergelassen.
Isidor - sieh oben.

In der Aeneis des Vergil wird angenommen, dass die Etrusker von Troja her kamen. Dies wird durch sprachliche Indizien untermauert, welche die lemnische und die etruskische Sprache in die Nähe der anatolischen Sprache Luwisch rücken

https://de.wikipedia.org/wiki/Lemnische_Sprache

Das Lydische nimmt innerhalb der anatolischen Sprachen eine Sonderstellung ein und ist weniger nahe mit den übrigen bekannten Sprachen verwandt als diese unter sich. So weist sie deutliche Unterschiede zu den mit dem Luwischen eng verwandten Lykischen und Karischen auf. Stärkere Übereinstimmungen scheint es zum Hethitischen und zum (bisher allerdings schlecht erforschten) Palaischen, das im nördlichen Anatolien gesprochen wurde, zu geben.

https://de.wikipedia.org/wiki/Lydische_Sprache

Wenn Etruskisch anatolisch, dann kann es also auch indogermanisch gewesen sein. Übrigens übernehmen Eroberer oft die Sprache der Eroberten. Warum sollen Anäas und seine Sippe, die aus Illion kamen, nicht wirklich Etrusker gewesen sein, die Latium erobert, und dann selber lateinisierten.
Die Altlateinische Form ist kein Argument gegen die Sache. Sprachen können sich schnell wandeln, oder aber auch konservativ lange verharren. Vieles ist Möglich. Mit Sicherheit verbirgt Isidors Volksetymologie irgendetwas. Semantische Gravitation meint, wenn es bei zwei Worten Atraktoren gibt, und sie lautlich aufeinander zusteuern, liegt irgendwo etwas verborgen. In der Zeit Isidors kann es sich allerdings nur noch um ein Echo handeln.
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