vergackeiern vrs verkackeiern

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vergackeiern vrs verkackeiern

Beitragvon sinemetu » Mo 30. Sep 2019, 06:52

Ich kannte bislang nur die Vulgärform. Aber rechten Sinn macht nur die g-Form. Weil es ja Sitte bei den Hühnertieren ist, nach dem Legen eines Eies es per Gegackere überall zu verkünden. Dies tut es allerdings auch, wenn es vom Nest vertrieben wurde, und noch gar kein Ei gelegt hatte. Das ist der Sitz im Leben der dt. Trope jemanden vereiern oder vergackeiern.
Das Wort Hühnerkacke ist mit 61300 Findungen bei Google auf dem Lande wie im Netz gegenüber dem literarischen Hühnerkot (20900) okkurenzmäßig klar im Vorteil. Das ist auch im Net so: vergackeiern hat 9370 Googelungen, verkackeiern dagegen 25700, also fast das Dreifache. Das einfache vereiern hat nur 6320.

Was bemerken wir? Das sinntragende Vergackeiern wird von sinnmangelnden Verkackeiern verdrängt, trotz des Gejammers der Orthografen:
Der schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts belegte Ausdruck vergackeiern bedeutet so viel wie »verulken; zum Narren halten; in die Irre führen«. Zugrunde liegt die kindliche Bezeichnung »Gackei« für das Hühnerei und möglicherweise die Vorstellung des Huhns, welches durch Gackern den Anschein erweckt, ein Ei gelegt zu haben, ohne dass dies der Fall ist. Bei der variierenden Schreibweise mit k ist mitunter unklar, ob sie auf mangelnde Kenntnis der richtigen Schreibweise oder auf eine bewusste Transformation in die Vulgärsprache zurückzuführen ist.

https://www.korrekturen.de/beliebte_feh ... iern.shtml

Das hat zum einen damit zu tun, daß immer weniger Leute mit Hühnern zu tun haben, und dadurch mit der Sinnhaftigkeit des Ausdruckes vergackeiern nicht in Berührung kommen. Primär ist also nicht "die mangelnde Kenntnis der richtigen Schreibweise", sondern die Leute erleben den Sitz im Leben des Wortes nicht. Hinzu kommt der Zug zum Derben bei der Volkssprache. Darüber hinaus gilt: Sie lernen das Wort mündlich kennen, und assoziieren von Anfang an falsch, nämlich Kacke statt Gegackere. Das gilt auch für mich, der ich immer Kontakt mit Hühnern hatte, das dem Ausdruck zugrundeliegende Verhalten kannte, und bisher nur das (falsche) Wort verkackeiern kannte.

Inzwischen gibt es ja auch die Kurzform etwas verkacken, im Sinne von etwas verdorben haben. Es hat immerhin 689 Tsd Findungen. Beim DWDS erscheint es erst kurz nach 2000. Das Wort scheint sehr jung zu sein und auf dem Hintergrund von verkackeiern entstanden zu sein. Der Weg von jemanden veräppeln zu etwas verderben ist nicht weit.

Dies wiederum ist seltsam:
https://books.google.com/ngrams/graph?c ... rn%3B%2Cc0
Quaestor sum, quaerere quaerique possum ...
sinemetu
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