Wortprofilvergleich

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Wortprofilvergleich

Beitragvon sinemetu » Do 3. Okt 2019, 14:11

Es gab bei uns eine Frau, deren Mann zu lange Zeit in unserer Stadt Bürgermeister war. Ich bin mir nicht sicher, ob die Frau im Leben außer Telefonieren schon andere Dinge gemacht hat. Egal, sie wollte und sollte mit seiner Hilfe auch Bürgermeisterin werden. Aus diesem Gründen habe ich ihre akustischen Äußerungen etwas näher unter die Lupe genommen, und siehe da: Sie konnte Arrangement und Engagement nicht unterscheiden. Mehrmals hab ich gehört, wie sie die beiden Worte offensichtlich verwechselte.
Der Intelligenzgrad eines Menschen ist, unter anderem, an dessen Wortschatz meßbar. Welche Worte gehören zu seinem aktiven, welche Worte zu seinem passiven WS? Man muß nicht die korrekten Ableitungen eines Wortes im Hinterkopf haben, und kann es trotzdem korrekt verwenden. Werden die Worte korrekt verwendet, hat der Sprecher das Konzept hinter dem Wort verstanden. Natürlich ist der WS in jeder kultivierten Sprache riesengroß und es gibt niemanden, der ihn auch nur in einer Sprache annähernd beherrscht, auch deshalb nicht, weil täglich Worte entstehen und geprägt werden. Klar ist, daß der aktive Wortschatz eines Menschen immer kleiner ist, als sein passiver WS. Und der passive WS einer Person ist immer erheblich kleiner als der Gesamtwortschatz einer Sprache. Nun gibt es zwischen dem passiven Wortschatz und dem aktiven eine Zone, in der Wörter rumschwirren, die man zwar schon gehört hat, aber deren Sinn einem noch dunkel ist. Und da es viele, viele Worte gibt, gibt es dann auch oft ein zweites, welches dem ersten relativ ähnlich ist, und welches demzufolge, da man das erste ja noch nicht vollständig begriffen und erfasst hat, mit dem zweiten verwechselt werden kann und wird. Ein typisches Paar etwa sind Präzision und Präzession. Oder Konstanz und Konsistenz. Ich hab hier einmal einen DWDS-Wortprofilvergleich zwischen den Worten Engagement und Arrangement hinkopiert.

Dort sieht man die Menge der Worte, die mit beiden Worten verbunden werden können. Das müßte ungefähr der aktive Wortschatz sein, über den jemand verfügt, der beide Worte nicht unterscheiden kann. Es ist das typische Politsprechblasenvokabular, nur auf einem ganz einfachen Niveau eben. Genau In der Mitte die drei Oberwichtigtuerworte: gesellschaftlich, finanziell und langfristig. Denn all die anderen Worte, die eben nicht mit beiden Worten verbunden werden, und das ist die übergroße Mehrheit, hat der Verwechselt eben noch nicht im Zusammenhang mit je einem der Worte gehört und so abgespeichert. Wenn dem nämlich so wäre, würde sie die Worte nicht verwechseln.

Nun, Worte nicht zu kennen, ist kein Verbrechen. Es gibt so viele. Fremdworte haben darüber hinaus den Nachteil, daß sie sich schlechter mit dem autochthonen Wortschatz verknüpfen lassen. Es gilt ja nicht umsonst die Warnung: Fremdwörter sind Glückssache. Als ich 13 war, und am DDR-Familientisch über die fehlende Reisemöglichkeit diskutiert wurde, sagte ich damals, "Ich möchte auch auch mal Urlaub an der Sorbonne machen." Damals ernste ein lautes Lachen meiner Eltern und meiner größeren Schwester. Mir hat sich dadurch aber die Regel eingebläut, ein Wort erst einmal nachzuschlagen, wenn man unsicher ist. Nichts ist heute leichter als das.
Es gibt verschiedene Gründe, warum Leute Fremdworte benutzen. Man will sich als Glied einer Gilde ausweisen. Man möchte sein Bildung herausstreichen. Man möchte von gewissen Personen z.B. anwesenden Kindern, nicht verstanden werden. Man möchte Überlegenheit demonstrieren. Manchmal aber gibt es auch kein passendes heimisches Wort.
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Quaestor sum, quaerere quaerique possum ...
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