Betrachtung der Tracht

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Betrachtung der Tracht

Beitragvon sinemetu » Do 17. Okt 2019, 16:19

Betrachtung der Tracht

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Betrachten wir die Komposita von Tracht bezüglich ihrer Bedeutung stellen wir fest, daß sie sich in drei Gruppen teilen lassen. Die größte Gruppe meint Kleidung, und die kleinste meint Ernte. Beide Bedeutungen lassen sich auf das Verbum tragen zurückführen. Dann gibt es noch die Worte, die sich auf das Verbum trachten zurückführen lassen. Dahin gehören Betracht, Zwietracht etc.
Das Verbum Tragen, im Sinne von Last tragen wird rhizolog. neben das lat. trahere gestellt. Trachten dagegen, semantisch zu ziehen gestellt, stellte man zu tractare (behandeln) und damit eben auch neben trahere. Ob das niederdeutsche Trecken ein direkt Übernahme aus dem Lateinischen, oder ob es ein altes ie. Wort ist, weiss ich nicht. Es steht lautlich neben den beiden anderen. Für die Herkunft gilt: „Verwandtschaft mit dem unter tragen (s. d.) behandelten Verb und Anschluß an die dort genannte Wurzelerweiterung ie. *dereg- ist wahrscheinlich.“ DWDS

Was man nicht tragen kann, muß man ziehen. Beide Bedeutungen, Tragen und Ziehen assoziieren die Schwere. Bei dem einen ist die Richtung nach oben, bei dem anderen in der Waagerechte.
Bei dem Verbum trachten hat sich die übertragene Bedeutung verfestigt. Niedertracht, Eintracht, Zwietracht hat mit einem Ziehen wohin des Verhaltens zu tun. Weil dies so schwer ist, eben das Verb des Ziehens. Denn es gilt, was man nicht tragen kann muß man ziehen. Das gilt auch für die so hochgehaltene Toleranz. Wenn sie nicht mehr tragbar ist, muß man ziehen.
„Verwandtschaft mit dem unter tragen (s. d.) behandelten Verb und Anschluß an die dort genannte Wurzelerweiterung ie. *dereg- ist wahrscheinlich.“ DWDS

Das ist wieder interessant, belegt es doch, daß bei beiden Worten Trachten und Tragen, als auch bei Trecken der Weg latent assoziativ da ist, denn *dereg steckt im russischen Дорога, eventuell auch im sem. derech. Ziehen und Tragen ist ein Bewegen. Beim Dichten und Trachten geht es um die Motivation, die Bewegung im übertragenen Sinne. Damit gehört der lautliche Unterschied zwischen Tragen und Trachten, wobei das eine konkret, das andere übertragen ist, zu den bedeutungsverändernden Unterschieden.

Eine andre Tracht ist die der Bienen, wenn sie Honig eintragen. Es ist im doppelten Sinn einträchtige Arbeit der Völker. Sie trachten danach, einträchtig, also eines Sinnes, die tägliche Tracht, also den den Eintrag eines Tages, in ihren Stock einzutragen. Verkürzt: Die Bienen trachten einträchtig die tägliche Tracht einzutragen. In diesem Satz kann man die drei Bedeutungen von Tracht verschmelzen sehen.
Quaestor sum, quaerere quaerique possum ...
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Re: Betrachtung der Tracht

Beitragvon marcus03 » Fr 18. Okt 2019, 06:39

sinemetu hat geschrieben:Die Bienen trachten einträchtig die tägliche Tracht einzutragen.

Bald könnte es sich bei den Bienen ausgetrachtet haben.

https://www.wwf.de/themen-projekte/bedr ... efaehrdet/

PS:
Bei uns sagt man auch, wenn sich jemand beeilen soll: Zieh den Trachtenanzug an!
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