Wie die Presse mit Tendenzen übertreibt.

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Wie die Presse mit Tendenzen übertreibt.

Beitragvon sinemetu » So 20. Okt 2019, 11:00

Hier die inkarnierte Hysterik: (Anette Dowidelt)
Wie die Deutschen den Regenwald auffressen

Deutsche Firmen kauften in den vergangenen fünf Jahren gut 40.000 Tonnen Rindfleisch bei Fleischkonzernen, die an der Abholzung des brasilianischen Regenwaldes beteiligt sind. Pro Jahr wurden dafür rund 2,5 Quadratkilometer geschützte Naturgebiete in Weideland umgewandelt.

Quelle: https://www.welt.de/politik/article2021 ... essen.html

Hier die Alternativmeldung, auf die wir uns beziehen.

FLEISCHKONSUM IN DEUTSCHLAND
Deutsche essen 60 Kilogramm Fleisch im Jahr

Über 60 Kilo Fleisch werden hierzulande pro Kopf verzehrt - Schwein liegt dabei weit vorne. Deutsche Landwirte erzeugen es im Überfluss.

Zuletzt ist der Fleischverzehr sogar wieder gestiegen, wenn auch laut Statistik der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung BLE um nur 130 Gramm auf 60,15 Kilogramm. Innerhalb der Gruppe der „Omnivoren“ hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Zunächst bewirkte der BSE-Skandal eine massive Verschiebung: Bereits nach dem Bekanntwerden des Rinderwahns in Großbritannien sank der Rindfleischkonsum auch in Deutschland. Als dann 2000 auch in Deutschland das erste an BSE erkrankte Rind entdeckt wurde, halbierte sich der Rindfleischverzehr von zuvor 14 auf dann 7 kg (pro Kopf und Jahr. Bis heute hat sich der Rindfleischverbrauch von der BSE-Krise nicht erholt – es sind weniger als zehn Kilo, die wir im Durchschnitt pro Jahr essen.

Quelle: https://www.fr.de/wirtschaft/fleischkon ... 75062.html

7 kg RF * 80 Mio Ew = 560 Mio kg = 560 Tsd. To Verbr. RF/Jahr
Import aus Brasilien 40 Tsd. To/ in 5 Jahren = 8 Tsd. To/Jahr
Wenn 560 Tsd. 100 % sind, dann sind 8 Tsd. = 1,42 % unseres jährlichen Rindfleischverbrauches kommen also aus Brasilien! Zugleich exportiert D. aber auch 800 Tsd. Rinder. Das ist erheblich mehr, als die aus Brasilien. importierten 8 Tsd. To. Also, wegen 1,42 % kräht sie rum ....

Fläche Bras: 8515707 km^2 und 24 Ew/km^2
Fläche D: 357578 km^2 und 232 Ew/km^2

Bei den Flächenangaben wird es noch lächerlicher:
Zu den Flächenangabe: 2,5 km^2 "geschützte Naturgebiete", das sind 250 Hektar. Die Fußballfeldgröße ist durchschnittlich 0,5 ha. Also sind 2,5 km = 250 ha = 500 Fußballfelder ...

Wo ist eigentlich das Problem, wenn 2,5 ha Regenwald abgeholzt werden? Er kann, so schnell wächst er, alle 20 Jahr abgeholzt werden?

Für brasilianisches Rind wurden im Handel Anfang 2019 rund 2,17 Euro pro Kilogramm veranschlagt, für EU-Rindfleisch 3,74 Euro.
Wo kauft die ein? Rindfleisch gibts bei uns kaum unter 7 Euro pro Kilo, eher 12 Euro.

Vor allen Dingen. Am Anfang des Artikels schreibt sie:
Bis zum Jahresende werden fast 10.000 Quadratkilometer verschwinden, fast doppelt so viel Fläche wie 2018

Und dann kommt sie mit 2,4 qkm, die man um ein paar Ecken den Deutschen Verbrauchern in die Schuhe schieben könnte. Da der Deutsche bekanntlich für alles Unheil in der Welt sich zuständig fühlt, funktioniert auch das. Ich finde diese Art von Artikeln reine Propaganda, unangemessen und maßlos in jeder Beziehung. Was meint Ihr dazu! Die Sprache ist dazu da, daß wir die Welt erkennen, nicht daß wir Weltbilder hinbiegen!
Zuletzt geändert von sinemetu am So 20. Okt 2019, 11:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie die Presse mit Tendenzen übertreibt.

Beitragvon medicus » So 20. Okt 2019, 11:27

sinemetu hat geschrieben:Wo ist eigentlich das Problem, wenn 2,5 ha Regenwald abgeholzt werden? Er kann, so schnell wächst er, alle 20 Jahr abgeholzt werden?


Er wächst nicht nach. Es entsteht Weideland.
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Re: Wie die Presse mit Tendenzen übertreibt.

Beitragvon medicus » So 20. Okt 2019, 11:32

sinemetu hat geschrieben:Für brasilianisches Rind wurden im Handel Anfang 2019 rund 2,17 Euro pro Kilogramm veranschlagt, für EU-Rindfleisch 3,74 Euro. Wo kauft die ein? Rindfleisch gibts bei uns kaum unter 7 Euro pro Kilo, eher 12 Euro.

Sie meint die Großmarktpreise.
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Re: Wie die Presse mit Tendenzen übertreibt.

Beitragvon sinemetu » So 20. Okt 2019, 11:33

medicus hat geschrieben:
sinemetu hat geschrieben:Wo ist eigentlich das Problem, wenn 2,5 ha Regenwald abgeholzt werden? Er kann, so schnell wächst er, alle 20 Jahr abgeholzt werden?


Er wächst nicht nach. Es entsteht Weideland.

Doch er wächst nach, z. B. in Deutschland, immer mehr der Weidetierhalter geben auf, gehen lieber irgendwo ins Büro arbeiten, und die Weideflächen, die kaum beackert werden können, werden renaturiert. Auf Deutsch zu Urwald, also nicht aufgeforstet. Dieser Trend wird sich verschärfen und ausweiten....Wenn man hier ein Wiese unbearbeitet liegen lässt, ist sie in 6 Jahren mit bis zu 10 Meter hohen Bäumen und Büschen bestanden. Holunder schießt im 1. jähr auf über 2 Meter.
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Re: Wie die Presse mit Tendenzen übertreibt.

Beitragvon medicus » So 20. Okt 2019, 12:44

Ich meinte, in Südamerika entsteht Weideland, wo der Regenwald abgeholzt wurde.
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Re: Wie die Presse mit Tendenzen übertreibt.

Beitragvon Tiberis » So 20. Okt 2019, 23:29

sinemetu hat geschrieben:Wo ist eigentlich das Problem, wenn 2,5 ha Regenwald abgeholzt werden? Er kann, so schnell wächst er, alle 20 Jahr abgeholzt werden

Soso.
Du vergisst aber etwas ganz Entscheidendes: Die Böden des tropischen Regenwaldes (jedenfalls in Amazonien und Afrika) sind extrem nährstoffarm, was ja auch der Grund ist für die traditionelle Landnutzung durch Wanderfeldbau, bei der die nach Brandrodung gewonnenen Flächen höchstens zwei Jahre agrarisch genutzt werden können (außer bei massivem Einsatz von Düngemitteln). Ein Sekundärwald erreicht in diesen Gegenden selbst nach 25 Jahren erst rund 60% der Biomasse des Primärwaldes. Würde man ihn danach wieder "abholzen" , wäre der Biomasseanteil des nunmehrigen Tertiärwaldes noch wesentlich geringer. Was das für den CO2-Haushalt bedeutet, brauche ich wohl nicht zu erklären.
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