Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

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Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon Willimox » Do 14. Nov 2019, 13:40

Das Wahrheitsproblem oder "Die Semantik des Terms 'wahr' "
(Ausschnitt aus einem Ethik-Kurs)

1 Traditionell: Die Wahrheit und das Verifikationskriterium

Die Frage, was man unter "Wahrheit" versteht, ist ebenso reizvoll wie schwierig zu "beantworten".

Der Standard-Begriff „Wahrheit“

Traditionellerweise versteht man unter „Wahrheit“ eine bestimmte Eigenschaft von Aussagen. Eine Aussage enthält gedankliche Vorstellungen, ist eine strukturierte Sachverhaltsbehauptung.

Solche Sachverhaltsbehauptungen beziehen sich meistens auf ein Referenzobjekt mit Raum-Zeit-Eigenschaften. Also:

- Element 1: "gedankliche/mentale Vorstellung" mit Ansätzen zu Urteil/Proposition -
- mittels Element 2 , nämlich sprachlich vorliegenden Begriffen, ausgebaut zu
- einer strukturierten Sachverhaltsbehauptung
- Element 3: Referenzobjekt mit Raum-Zeit-Eigenschaften, auf das sich die Aussage bezieht
- Relation: Aussage (E1 u E2) und empirischer (=beobachtbarer) Sachverhalt stehen in Übereinstimmung

"veritas est adaequatio intellectus et rei"; Thomas von Aquin .

Oder:

Wahrheit ist die zentrale Qualität einer Aussage. Diese Qualität ergibt sich
nach der (empirischen) Bestätigung/Verifizierung der Aussage.



2 Untersuchung

2.1 Untersuchen Sie, wie in den folgenden Sätzen der Terminus "Wahrheit" und Mitglieder seines Wortfeldes gebraucht werden.

Bedenken Sie dabei:

- Manche dieser Sätze enthalten nur latent die Wahrheitsbehauptung.
- Fast alle diese Sätze enthalten stillschweigende Voraussetzungen, die man sich verdeutlichen sollte.
- Machen Sie sich bei jedem der folgenden Sätze entsprechende Notizen, am Schluss wollen wir unsere Ergebnisse zusammenfassen.

a) Es ist wahr, dass im Mittelalter an Hexen geglaubt wurde.
b) Es ist wahr, dass im Mittelalter Hexen existierten. Im Mittelalter existierten Hexen.
c) Im Jahre 1918 starb am 21.3.1918 eine Albinomaus in der Hauptstrasse von Gersthofen, dahingerafft von einem Schlaganfall.
c') .-.-. dahingerafft von einem Kugelblitz.

d) Im Jahre 2010 werden die Miaeus mit uns Kontakt aufnehmen.
e) Dieser blonde Exstürmer aus Schwaben war endlich der wahre Trainer der Nationalmannschaft.
f) Es ist wahr, dass man nicht töten soll.
g) Hexen haben meine Frau getötet (Sprecher dieses Satzes: Mensch des Mittelalters; Mensch des 21.Jahrhunderts am Paul-Klee-Gymnasium; .......).
h) Ich bin müde.
i) Wäre Hitler nicht gewesen, dann wäre es vermutlich nicht zum Zweiten Weltkrieg gekommen.
(Problema in Prudentii "de contrafactualitate" :chefren: )
j) Alle Raben sind schwarz.
k) Ich habe von einer roten Kugel geträumt.


Zusammenfassung:

I Der wahre Wissenschaftler weiss, dass er glauben muss.

II Und dafür kann man als Beleg einiges an Problemen anführen:

2.2 Verifikation und Falsifikation:

Nachweis der Wahrheit einer Aussage Nachweis der Falschheit einer Aussage (Widerlegung)

Universelle Urteile (Alle Raben sind schwarz; Jede Veränderung hat eine Ursache ….)
sind nicht strikt verifizierbar:

Singuläre Aussagen wie „dieser Rabe ist schwarz“ aus Reihenuntersuchungen stützen nur die Hypothese H „Alle Raben sind schwarz“. Also: Eine „Verifikation“ im strengen Sinn geschieht nicht.

Es gilt „nur“: Die Behauptung ist in einer genügend großen Zahl von Einzelfällen bestätigt worden und bisher noch nicht durch Gegenbeispiele geschwächt.

Partikuläre Urteile sind verifizierbar, aber nicht falsifizierbar. Immerhin mögen sie über eine große Wahrscheinlichkeit verfügen.

Wie steht es um den universalen Satz „Alle Menschen sind sterblich“?

2.3 Andere Probleme:

o Versuchen Sie einige andere Probleme des Wahrheitsbegriffes zu skizzieren.

o Etwa das Problem der intersubjektiven Prüfbarkeit:
Vielleicht zeigen Sie ihre Überlegungen an Satz k „Ich habe von einer roten Kugel geträumt.“


o Welche Aussagen (a …k) aus der obigen Reihe sind prinzipiell überprüfbar? Welche prinzipiell unüberprüfbar? Wo gibt es Grenzfälle?


3 Nicht-Materielles

Dualisten glauben, dass es neben der Materie auch „Geist“ gebe. Dieser sei bei der Erklärung der materiellen Welt bei komplexeren Strukturen ein notwendiges Deutungsmuster.

Materialisten (Naturalisten) sind Monisten. (Es gibt auch Monisten, die glauben, dass alles „Geist“ ist, aber diese Auffassung findet sich sehr selten, so dass man sie vernachlässigen kann.) – Materialisten glauben, man könne mit „materiell“ abgesicherten Beobachtungen, also mit Sätzen, die empirisch verifiziert (material wahr) werden können, alles erklären. Man brauche dazu nicht solche Phänomene wie „Geist“ oder „Gott“ oder ähnliches.

Zumindest seien naturalistische Erklärungen weit weniger problematisch als Erklärungen von Dualisten. Und damit wahr oder zumindest wahrscheinlicher.

Wir betrachten eine typische Argumentation der naturalistischen Art.

Argumentation 1 - Nichtmaterielle Gegenstände gibt es nicht:
1. Nicht-materielle Gegenstände der Art A (Götter, Engel, Gott) anzunehmen, ist problematisch.

2. Der Aspekt X der materiellen Welt (z.B. das hochkomplexe Auge) kann auf die Weise E (Evolution) erklärt werden, ohne auf Gegenstände der Art A Bezug nehmen zu müssen.

3. Von zwei Erklärungen ist diejenige besser, die ohne die Bezugnahme auf problematische Gegenstände auskommt.

4. Also ist die Erklärung E besser als die durch nicht-materielle Gegenstände der Art A.

5. Ist eine Erklärung des Aspekts X der Wirklichkeit der einzige Grund, Gegenstände der Art A anzunehmen, lässt sich X jedoch besser ohne Gegenstände der Art A erklären, dann gibt es diese Gegenstände A mit hoher Gewissheit gar nicht.

6. Also gibt es vernünftigerweise keine nicht-materiellen Gegenstände der Art A.


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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon mystica » Fr 15. Nov 2019, 12:10

Salve optime Willimox!

Hier ein interessantes Argument gegen den Naturalismus bzw. Materialismus, welches Dich vielleicht interessieren dürfte:

"Von dem amerikanischen Mathematiker Norbert Wiener stammt der viel zitierte Satz: "Information ist Information, weder Materie noch Energie." Damit hat er etwas sehr Wesentliches erkannt: Information ist keine materielle Größe.

Stellen wir uns eine Sandfläche am Strand vor. Mit dem Finger schreibe ich einige Sätze in den Sand. Der Inhalt der Information ist verständlich. Dann lösche ich die Information, indem ich den Sand glätte. Nun schreibe ich andere Sätze in den Sand. Ich benutze dabei dieselbe Materie zur Informationsdarstellung wie zuvor. Durch das Löschen und Wiederbeschreiben hat sich die Masse des Sandes zu keinem Zeitpunkt verändert, obwohl zwischenzeitlich unterschiedliche Information dargestellt wurde. Die Information selbst ist also masselos. Die gleiche Überlegung hätten wir auch mithilfe des Speichermediums eines Computers anstellen können.

Halten wir darum fest: Information ist keine Eigenschaft der Materie.

Norbert Wiener hat uns gesagt, was Information nicht ist. Nun aber wollen wir wissen, was Information wirklich ist. Weil Information eine nicht-materielle Größe ist, kann ihr Entstehen aus materiellen Prozessen heraus nicht erklärt werden. Was ist der auslösende Faktor dafür, dass es überhaupt Information gibt? Was veranlasst uns dazu, einen Brief, eine Postkarte, eine Gratulation, ein Tagebuch oder einen Aktenvermerk zu schreiben? Die wichtigste Voraussetzung dafür ist unser eigener Wille oder derjenige unseres Auftraggebers. Information beruht immer auf dem Willen eines Senders, der die Information abgibt. Sie ist keine Konstante; absichtsbedingt kann sie zunehmen, und durch Störeinflüsse kann sie deformiert oder zerstört werden.
In der Evolutions- und Molekularbiologie wird ausnahmslos materialistisch gedacht. Dieser Reduktionismus (ausschließliche Erklärung im Rahmen der Materie) ist geradezu zum Arbeitsprinzip erhoben worden. Mithilfe der Informationssätze lässt sich der Materialismus wie folgt widerlegen

Wir alle haben die Fähigkeit, neue Information zu erzeugen. Wir können Gedanken in Briefen, Aufsätzen und Büchern festhalten oder kreative Gespräche führen. Damit erzeugen wir eine nicht-materielle Grösse, nämlich Information. Dass wir zur Speicherung und Weitergabe der Information einen materiellen Träger benötigen, ändert nichts am Wesen der Information.

Daraus können wir eine sehr wichtige Schlussfolgerung ziehen, nämlich, dass wir neben unserem materiellen Körper noch eine nicht-materielle Komponente haben müssen. Die Philosophie des Materialismus, die ihre stärkste Ausprägung im Marxismus-Leninismus und im Kommunismus fand, ist mithilfe der Naturgesetze über Information wissenschaftlich widerlegt".


Quelle:

http://www.0095.info/de/index_thesende3_informationstheorie_widerlegungdesmaterialismus.htm

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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon Willimox » Fr 15. Nov 2019, 12:18

Zu Norbert Wiener: Hast du Die Zeit, Emergenztheorien und Supervenienztheorien zu
visitieren?

Und die Diskussion des Wahrheitsbegriffs ins seiner Semantik, angerissen in der Sequenz, ist meiner Erfahrung nach ergiebig, auch weil dabei auf dogmatischen Vorfestlegungen kein Segen ruht und sich ein entsprechender, demütiger Verzicht sehr bald als zielführender erweist.

Für Interessierte Dirk Kindermann:

http://www.dirkkindermann.com/Wahrheit% ... timate.pdf
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon sinemetu » Sa 16. Nov 2019, 09:53

Willimox hat geschrieben:Das Wahrheitsproblem oder "Die Semantik des Terms 'wahr' "


.. im Deutschen ist Wahrheit nichts anderes als War-heit!
Zuletzt geändert von sinemetu am Sa 16. Nov 2019, 10:40, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon sinemetu » Sa 16. Nov 2019, 10:35

Willimox hat geschrieben:Das Wahrheitsproblem oder "Die Semantik des Terms 'wahr' "
Zumindest seien naturalistische Erklärungen weit weniger problematisch als Erklärungen von Dualisten. Und damit wahr oder zumindest wahrscheinlicher.

.. dem, der so Denken gelernt hat. Das Denken ist doch kulturell bedingt.

Willimox hat geschrieben:Argumentation 1 - Nichtmaterielle Gegenstände gibt es nicht:
1. Nicht-materielle Gegenstände der Art A (Götter, Engel, Gott) anzunehmen, ist problematisch.

Der Voraussetzung trägt die Lösung in sich. Der Satz "Nichtmaterielle Dinge gibt es nicht", stimmt nicht. Ich kenne eine ganze Menge nichtmaterieller Dinge, z.B. Pi

Willimox hat geschrieben:2. Der Aspekt X der materiellen Welt (z.B. das hochkomplexe Auge) kann auf die Weise E (Evolution) erklärt werden, ohne auf Gegenstände der Art A Bezug nehmen zu müssen.

Was sind Erklärungen? Das Denken ist Kultur. Das Auge erklärt das Sehen nicht, sondern maximal den Lichtgang.

Willimox hat geschrieben:3. Von zwei Erklärungen ist diejenige besser, die ohne die Bezugnahme auf problematische Gegenstände auskommt.
4. Also ist die Erklärung E besser als die durch nicht-materielle Gegenstände der Art A.

Auch das "besser" ist kulturell bedingt, es meint nämlich den, der so Denken gewohnt ist.

Willimox hat geschrieben:
5. Ist eine Erklärung des Aspekts X der Wirklichkeit der einzige Grund, Gegenstände der Art A anzunehmen, lässt sich X jedoch besser ohne Gegenstände der Art A erklären, dann gibt es diese Gegenstände A mit hoher Gewissheit gar nicht.

Was hat eine "Erklärung" mit der Wirklichkeit zu tun? Was hat ein Tisch mit dem Worte Tisch zu tun?

Willimox hat geschrieben:
6. Also gibt es vernünftigerweise keine nicht-materiellen Gegenstände der Art A.

Der Schluss ist nicht erlaubt! Von der Existenz von Dingen auf die Existenz von Worten zu schließen, ist nicht zwingend. Die Existenz der Ente beweist auch nicht die Existenz der Gans!

Der Kampf der Materialisten gegen die Gottesidee scheint mir einem Manne zu gleichen, der einen Stock in den Sand steckt, ein Band drum bindet, am anderen Ende wieder einen Stock am Band befestigt, und damit einen Kreis zeichnet, und dann sagt er: Kuck mal, es gibt Pi gar nicht. Wir können einen Kreis auch ohne Pi zeichnen.

Die Materialisten machen bei Ihrem tatsächlichen Kampf gegen die Gottesidee einen groben Fehler. Sie denken, die Idee Gott kam von außen in den Menschen. Und nun wollen Sie ihn aus allen Denkzusammenhängen lösen. Damit erreichen Sie aber nur die, die Nach-Denken, nicht diejenigen, die Vor-denken, also, diejenigen, die zur Begriffsbildung befähigt sind, und die, die gar nicht Denken erreichen Sie überhaupt nicht.
Ihr praktisches Vorgehen ist Zeitdiebstahl und Versklavung: Sie füllen dem Menschen die Zeit so mit "Sorgen des Alltags", daß der Idee keine Zeit mehr bleibt, vom Menschen gedacht zu werden. Und dann, wenn niemand mehr an Gott denkt, halten Sie ihn für wirklich besiegt!
Das Problem bei der Vorstellung und dem praktischen Vorgehen aber ist die Versklavung, die dem Sklaven bewußt wird, und die Idee der Freiheit zitiert, und diese Idee wiederum Gott.
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon Willimox » Sa 16. Nov 2019, 17:35

Du weißt, Intrepidus, dass die bei dir oft zu beobachtende Art der Argumentation diesem Willimox höchst problematisch erscheint. Damit meine ich jetzt nicht pegidanahe Expektorationen. Sondern etwa die Deutung des Marxjugendgedichtes, die Deutung medizinischer Sätze zu Anneliese Michel oder dem Reserl von Konnersreuth, die Gravitationssprachüberlegungen und noch so einiges mehr.
Immerhin scheint hier beim Leib-Seele-Problem mir auch für andere Leser, nicht nur für dich, einiges interessant zu sein.
Daher einige Anmerkungen:

a) Das Paper ist ein Ausschnitt aus einem Ethikkurs. Es setzt selbstverständlich (Man sehe auf die Fragestellungen) voraus, dass die präsentierten Positionen diskutiert werden.
Dabei sollten dann aber einige Gegenargumente in der gewünschten Diskussion nicht ins Leere laufen. Zum Beispiel:
b) Der Hinweis darauf, dass "rationale Denknormen" kulturell vermittelt sind und daher eben kulturabhängig sind, ist fröhlich zu bejahen. Und dem Sprecher Intrepidus ist offensichtlich nicht klar, dass sein Hinweis auch und ziemlich fett in kulturellen Denkformen eingebettet ist. So what?
c) Dem eliminativen Schluss auf die Nichtexistenz immaterieller Gegenstände eine "petitio principii" entgegenzuhalten, ist ziemlich kurzschlüssig. Die Überschrift dort ist eine Überschrift, die eine typische Argumentation materieller Monisten ankündigt. Diese Argumentation beginnt mit Prämisse 1.
Die Argumentation hat einige Schwachstellen, aber nicht die des Zirkelschlusses.
d) Das Leib-Seele-Problem ist ganz zweifellos auch für eingefleischte, geistskeptische Wissenschaftler eine Herausforderung. Und das ist in deren Argumentation auch ersichtlich.
Dass es plumpe Naturalisten gibt, ist keine Frage. Dass es plumpe Theisten und Metaphysiker gibt, ist auch keine Frage.
Dass ein Intrepidus Perturbator kein gutes Bild abgibt, ist zumindest für mich keine Frage.
e) Das Poppersche Verifikations- und Falsifikationskriterium lässt sich schwer entwerten. Immerhin erlaubt es Theologen und Metaphysikern den Einwand gegenüber Naturalisten, dass eine absolute Verifikation nicht möglich ist. Naturalisten räumen das ein, konstatieren aber, dass ihre Erklärungen Wahrscheinlichkeit beanspruchen und dass sie falsifizierbar sind. Theologische Behauptungen sind das meistens gar nicht.
f) Ein Schwerkranker, der an Hexen und Geister und alternativen Heilmethoden glaubt, sollte möglichst mit einer tradierten westlichen (?) Methode therapiert werden. Willimox würde ihm ohne weiteres den Glauben belassen, die Krankheit sei durch metaphysische Einflüsse entstanden. Er würde aber darauf bestehen, dass der Kranke die bisher erprobte Medizin "parallel zum Geisterglauben" nimmt. Beratern, die eben solche Medizin für untauglich erklären und sie verweigern, sind eliminative Geistmonisten. Und werden mehr oder weniger bewusst schuldig. Mit anderen Worten: Hier liegt der casus knusus.
g) Der Hinweis auf den naturalistischen und verbalen Fehlschluss ist ein deutliches Zeichen dafür, dass man die gegnerische Argumentation nochmals und sorgfältiger lesen sollte. Sonst gilt: tam intrepidus quam caecus.

So long.
Thrasybulus.
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon sinemetu » Sa 16. Nov 2019, 18:02

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Kukk Dir das an Trasyboulos: Das ist ein GottesErweis!
Du siehst die Zahlenfolge, die genau Pi darstellt. Pi ist eine existente Zahl, etwas Nichtmaterielles. Ob sie irgendwoherkommt, oder ein Produkt unseres Geistes/Intellektes ist, darüber streitet man. Man ist sich aber sicher, daß kein Mensch Pi geschaffen hat, und das sie auch niemand genau kennt, weil sie unendlich ist.

Der Kreis ist das Symbol der Unendlichkeit und Wiederkehr. Pi wird auch Kreiszahl genannt. Sie ist zum Symbol des Kreises geworden. Der Kreis hat 360 Grad, was, so denken viele, eine kulturelle Prägung durch die Babylonier ist. Die Ursache dieser Prägung wird die Jahreslänge sein, die man zu der Zeit, als man auf die 360 kam, die genaue Jahreslänge noch nicht wusste, und als man sie dann erkannt hatte, schuf man die 5 Epagomenen epagomenai (αἱ ἡμέραι).

Warum Pi irrational ist, kann man nicht fragen: Sie ist es! Auf jeden Fall kann man an der Anordnung der Zahlen nicht rütteln. Sie ist fest. Viel fester, als alle Materie, die sich in ständigen Wandel befindet.

Und nun trifft es sich, daß genau an der 360 Stelle von Pi eine 6 steht, an der 359 Stelle eine 3 und an der 19-Quadrat-Stelle eine 0. Man kann also sagen. An der 360. Stelle steht eine 360. Das ist in jedem Fall merkwürdig, genauso, wie es merkwürdig ist, daß an der 5. Stelle eine 5 steht. 360 + 5 sind 365, das ist die Jahreslänge.

Was hat das mit Pi zu tun? Gar nichts! Es ist trotzdem bemerkenswert. Jedenfalls hab ich es bemerkt bei meinen Pi-Studien. Es gibt unheimlich viele Methoden, Pi auszurechnen, wahrscheinlich unendlich. Gemeinsames Merkmal aller hinreichend genauen Verfahren ist, daß die Abfolge der Ziffern aller Stellen übereinstimmt. Und überall steht an der 360. Stelle eine 360.
Ist das ein Beweis für Gott? Nein!
Man kann Gott nicht beweisen, vor allem nicht wissenschaftlich*. Das hat nicht nur psychologische Gründe. Ich behaupte jetzt schon, daß alle Versuche, Gott in der Natur oder außerhalb derselben beweisen zu wollen schiefgehen werden. Weil im Beweis implizite etwas gegeben ist, dem sich das Ding Gott unterwerfen müßte, und sei es der Logik. Dies widerspricht aber dem Gedanken, daß Gott das Höchste sei.

Das, was wir hier haben, mit der Koinzidenz von Ordnungs- und Kardinalzahl, ist, was Ari einen Wink oder Hint nennen würde. Es ist etwas, was über Pi steht. Ein Zeichen, über das es vollkommen unsinnig ist, zu sinnieren. Mit solchen Zeichen beschäftigen sich die Rabbini. Die Thora ist voller Zeichen. Man muß erst einmal dahin kommen, sie lesen zu können .....

*"vor allem nicht wissenschaftlich" - Deus superbis resistit humilibus autem dat gratiam
Zuletzt geändert von sinemetu am Sa 16. Nov 2019, 18:49, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon Willimox » Sa 16. Nov 2019, 18:10

Aha. Ein Imago caeca. Nimmst du halt z.B. picr. Steckt auch ein lateinisches Radix drin. :chefren:
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon sinemetu » Sa 16. Nov 2019, 19:04

Willimox hat geschrieben:Aha. Ein Imago caeca.

wennschon Imago, dann eine Imago caeca!
Wieso caeca, siehst Du nichts? Welchen Browser hast Du?
Willimox hat geschrieben:Aha. Ein Imago caeca. Nimmst du halt z.B. picr. :

Nee, Picr hab auch nicht genommen, sondern direktupload...
Zuletzt geändert von sinemetu am Sa 16. Nov 2019, 19:31, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon Willimox » Sa 16. Nov 2019, 19:07

Nun ja ,Intrepidus Perturbatus Perturbator Confusus Saliens Der Text ist jetzt erst da. Du gehst dsrin auf keines der Argumente ein, die so etwas wie Diskussion erfordern und diese dann auch validieren. Stattdessen macht der Perturbator einen seiner superlativischen Hupfe. Und lässt seine Nebelwand aufsteigen. In der Hoffnung, es springe dabei etwas heraus, z.B. medicus oder marcus03.
Sie verfügen über sehr viel Geduld.
:chefren:
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon Willimox » Sa 16. Nov 2019, 19:08

Nun ja ,Intrepidus Perturbatus Perturbator Confusus Saliens. Der Text mit Tabelle ist jetzt erst da. Du gehst darin auf keines der Argumente ein, die so etwas wie Diskussion erfordern und diese dann auch validieren. Stattdessen macht der Perturbator einen seiner superlativischen Hupfe. Und lässt seine Nebelwand aufsteigen. In der Hoffnung, es springe dabei etwas heraus, z.B. medicus oder marcus03.
Sie verfügen über sehr viel Geduld. Und das sagt Thrasybulus nur zweimal. :chefren:
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon medicus » Sa 16. Nov 2019, 19:33

Willimox hat geschrieben:. medicus oder marcus03.Sie verfügen über sehr viel Geduld.

Hoc in casu ego hastam iam longe abieci :motzkopp:
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon Willimox » Sa 16. Nov 2019, 20:24

Attamen tibi et patientiae tuae maximam admirationem praestare Thrasybulus cogitur.
:chefren: :hail:
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon marcus03 » Sa 16. Nov 2019, 20:27

sinemetu hat geschrieben:Dies widerspricht aber dem Gedanken, daß Gott das Höchste sei.

Das ist ein menschlicher Gedanke, ein Axiom, das nicht beweisbar ist.

sinemetu hat geschrieben:Man kann Gott nicht beweisen, vor allem nicht wissenschaftlich*

Was heißt hier BEWEISEN? Wann wäre der Beweis erfolgt?
Wunder gelten für viele als Beweis. Wann kann man von Wunder sprechen?
Wieviele Wunder konnte man später erklären oder waren nur Tricks?

sinemetu hat geschrieben:Warum Pi irrational ist, kann man nicht fragen:

Warum nicht? Man kann es sogar beweisen!
Dass die Menge der reellen Zahlen nicht abzählbar ist, kann man beweisen, ebenso, dass es
genauso viele Zahlen zwischen Null und 1 gibt wie reelle Zahlen überhaupt.
Der Begriff der Unendlichkeit lässt sich mathematisch fassen, obwohl er unvorstellbar ist.
Analoges gilt in der Quantenphysik.
Nur bei Singularitäten wie schwarzen Löchern brechen Mathematik und Physik zusammen.
Doch auch das lässt sich zeigen/beweisen.

Beweise werden aus Axiomen abgeleitet, auf denen sie beruhen. Axiome sind nicht beweisbar, sondern nur plausibel, da sie sich bewährt haben. In neuen Kontexten können auch bewährte
Axiome fragwürdig werden und wurden es.

sinemetu hat geschrieben:Pi ist eine existente Zahl,

Was heißt EXISTENT? Sie ist ein Gedankenkonstruktur, das auf den Gesetzen der Logik beruht,
die Menschen entwickelt haben aufgrund von Gehirnstrukturen, die das ermöglichen.
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Re: Wahrheit, Thomas von Aquin, Naturalisten, ......

Beitragvon sinemetu » So 17. Nov 2019, 00:01

marcus03 hat geschrieben:
sinemetu hat geschrieben:Dies widerspricht aber dem Gedanken, daß Gott das Höchste sei.

Das ist ein menschlicher Gedanke, ein Axiom, das nicht beweisbar ist.


Ich zitiere:
marcus03 hat geschrieben:Axiome sind nicht beweisbar, sondern nur plausibel, da sie sich bewährt haben. In neuen Kontexten können auch bewährte Axiome fragwürdig werden und wurden es.



marcus03 hat geschrieben:
sinemetu hat geschrieben:Man kann Gott nicht beweisen, vor allem nicht wissenschaftlich*

Was heißt hier BEWEISEN? Wann wäre der Beweis erfolgt?
Wunder gelten für viele als Beweis. Wann kann man von Wunder sprechen?
Wieviele Wunder konnte man später erklären oder waren nur Tricks?

Was beweist ein Bergauf fließender Bach? Wunder sind Konstrukte unseres Geistes.

marcus03 hat geschrieben:
sinemetu hat geschrieben:Warum Pi irrational ist, kann man nicht fragen:

Warum nicht? Man kann es sogar beweisen!

Man kann beweisen, daß es irrational ist, aber nicht, warum es so ist.


marcus03 hat geschrieben:
sinemetu hat geschrieben:Pi ist eine existente Zahl,

Was heißt EXISTENT? Sie ist ein Gedankenkonstruktur, das auf den Gesetzen der Logik beruht,
die Menschen entwickelt haben aufgrund von Gehirnstrukturen, die das ermöglichen.

[/quote]
Nein, Pi ist so objektiv, daß eine andere Welt ohne Pi nicht denkbar ist. Würde alles zergehen und ins Nichts verschwinden und entstände jenseits eine Wurmloches spontan eine andere Welt, Pi hätte dort auch dieselben Werte.
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