aufgistende Gumpen

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aufgistende Gumpen

Beitragvon sinemetu » Di 26. Nov 2019, 22:56

Was heißt aufgisten und was ist ein Gumpen?

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Re: aufgistende Gumpen

Beitragvon Willimox » Mi 27. Nov 2019, 00:03

Bei übermässig konsumiertem Gewürztraminer (letztes Wort) verschwimmt so einiges im Gumpensund. Klar doch, nicht wahr?
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Re: aufgistende Gumpen

Beitragvon medicus » Mi 27. Nov 2019, 09:42

Des medicus Wurzelforschung:

Gumpen sind von Sturzbächen ausgespülte Strudeltöpfe.
https://www.alps-magazine.com/alpenpfad ... abtauchen/

Gist ist Holländisch und bedeutet Hefe--> aufgisten= aufschäumen

Bei den aufschäumenden Schleusen und den Strudeltöpfen wird der Schreiber das muntere Gespräch am Biertische malerisch beschrieben haben.
Willimox noster wird sicher ein Bild dazu posten können. :klatsch:
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Gurgelnder Gumperich und mächtiger Leerschuss.

Beitragvon Willimox » Mi 27. Nov 2019, 11:09

Nun denn:

Weiten wir die Frage, was "aufgistende Gumpen" sein mögen. in den Erika-Fuchs-Kosmos, aus, Erikas Ehemann war ein beachtenswerter Ingenieur:

Bild

Wer steht da auf dem Schiffe und schwingt den Säbel?
Wovor haben die springenden Seeleute (nautae celoces, salientes) so Angst?
Was ist der "Spuk vom Gumpensund"?
Ist es so, dass lexikographisch Sinemetu, gebürtig Brakbekl, selbstgetauft Intrepidus, das Cognomen/den Beinamen "Perturbator Perturbatus Obstinatus" trägt, verliehen von Leuten, die ihn näher kennen?
Ist bekannt, dass Sinemetu unter dem Akronym "IQ-PPP" im Netz scintilliert?

Wie dem auch sei, man blickt - auch über den deutschen Tellerrand hinaus - auf seine Quaestiones, Sätze und Ansätze, die nämlich in den internationalen Sprachraum vorgedrungen sind und nicht im heimischen Gumpensund vergurgeln. Hier ein Beleg:

1. κέλης f (racehorse) - celox m/f Walde denies homoiorhizity and writes κέληξ, Pons: celōx <ōcis> m u. f (celer), TC would be really "fast" with homoiorhizity
2. ἀμφορεύς, m- amphora, f - a real gender changer.
Strange that the Greek vessels are all masculine.
3. παῦσαι - Pausarius (rowing master), my Passow does not lead him. Therefore I can't tell if it's a genus-transe or not.

Furthermore, I did not check the other words, which do not seem to be genus transes, whether they really are not transes, because especially in Greek it often happens that masculina seem to be feminine and they are not, and vice versa.

So this work is a beginning, but not the sought-after one. After all, it quotes in a 13 Ciceronian "philosophical" borrowings, taken here: Oksala, Päivö: The Greek loan words in the prose writings of Cicero. Helsinki 1953. Then it brings a table with 22 pre-Ciceronian "non-philosophical" borrowings together with their places of discovery, often in Plautus.

So there is no tip for a more linguistically oriented work, which only deals with it.
Also interesting: the transvestite - the transe! (Following Franse, because of the end e, right?)

Auch irgendwie wichtig:

Ueber der Herdtafel eines jeden Herdes befindet sich die Gumpe (der Mehlkasten), in welche das zu verarbeitende Mehl gethan und zugleich mit dem erforderlichen Wasser verdünnt rrüd. Die verdünnten Vorrälhe gehen aus einer am Boden ...

„Gumpen, von einem Pferd, das munter ist. Das Pferd g umpt, ist frisch, muthig." Appz. Id. Gumpa auch in a. K. Bair. gampen, gumpen. Popowitsch (Cod.) sagt über Gumpendorf: „Wenn der Name nicht von dem Besitzer herrührt, ... (Appenzeller Wortschatz)

Erstens muss die Menge des Wassers, welches in die Gumpe auf das Mehl gelassen wird, seine gehörige Bestimmung haben. Da dieses Wasser in die Gumpen durch zwey Oeffnungen einfliesst, wovon eine hinten, und die andere vorne ...


Ach so, ja, gisten ist Nebenform zu "gischten" und gehört zu "Gischt", so meint der ungrimme Grimm:

GISCHEN, vb., oscitare, singultare.
aus der idg. wurzel ghi- 'gähnen, klaffen', s. Walde-Pokorny 1, 548 ff., mit erweiterung durch das formans -sk- gebildet, vgl. lat. hīsco Walde-Hofmann 648 s. v. hio; in den älteren germ. dialekten entspricht ihm ags. giscian 'to sob, singultire' Bosworth-Toller 1, 478a, mnl. gisscen 'slokken' Verwijs-Verdam 2, 1982, mnd. gischen, gissen, jischen Schiller-Lübben 2, 114b, mit brechung (vgl. nhd. geschen teil 4, 1, 2, 3853) ahd. geskon oscito ahd. gll. 2, 261 St.-S. nebst den intensivbildungen gesgizita oscitavit ebda 1, 449, gesgizunga singultum 1, 393. öfter finden sich, wie auch bei dem abgeleiteten substantiv gischung (s. d.), formen mit ss statt sk, sch, z. b. gissen (aus md. und nd. glossaren des 15. jhs.) neben gischen singultare Diefenbach gl. 536c, die auf ausspracheerleichterung von *gischzen beruhen dürften. ähnlich klingende wörter desselben bedeutungskreises wie heschen, hetschen, heschzen (teil 4, 2, 1266f., vgl. schon ahd. heskazan gll. 1, 412 St.-S.), kischen, keschen (teil 5, 851) u. a. werden rein lautmalende neuschöpfungen (vgl. auch Walde-Pokorny 1, 363) oder lautmalende variationen von gischen sein.
der ursprünglichen bedeutung 'schnappen, gähnen, schlucken' am nächsten steht seit alter zeit der gebrauch im nd., vgl. singultus het gischent unde kumpt underwilen van overvlodigher idelicheit (leere) des lives unde underwilen van overvlodigher vulheit des magen Ortloff v. Bayrland bok d. arstedie (Lübeck 1484) 51a; gischen 'nach luft schnappen, wenn man stark gelaufen ist oder anhaltend starke handarbeit verrichtet hat' Berghaus sprachsch. 1, 571a; im mhd. und älteren nhd. häufig in der bedeutung 'schluchzen, seufzen':
ir rienen unde ir fnissen,
ir sufzen unde ir gissen Elisabeth 4470 Rieger;

Jeremias ... sprach mit einim bitterin gemute irsufzinde unde gischinde Claus Cranc prophet. 161 Ziesemer; gischen singultare Diefenbach gl. 536c (md., 15. jh.), gisszen Diefenbach-Wülcker 626 (obd., v. j. 1421); in dieser bedeutung ist gischen früh erloschen, hielt sich jedoch bis ins 18. jh. mundartlich in der bedeutung 'flüstern, insgeheim reden', vgl. gischen 'sich heimlich etwas sagen', es gischt etwas 'man redet insgeheim von einer sache' Bock id. pruss. (1760) 14; gischen parler tout bas, parler à l'oreille Schrader dtsch - frz. wb. (1781) 548; beachte dagegen: gieschen 'mit lauter stimme sprechen, lärm machen, brüllen' Staub-Tobler 2, 479.

GISCHEN, vb. , fermentare, spumare.
seit frühnhd. zeit belegt, vgl. gyschen spumare (v. j. 1470) Diefenbach ml.-nd.-böhm. wb. 256 und auch später ziemlich selten. den übrigen germ. dialekten, auch dem nd. und nl., ist eine entsprechende form fremd; irrtümlicher ansatz ist ergischen 'aufschäumen' mhd. wb. 1, 536a. eng verwandtes geschen 'spumare' erscheint etwas früher, vgl. gesschende buch von guter speise (md., 14. jh.) in d. zeitschr. f. dtsch. altert. 5, 13 (s. hierzu nhd. gäschen teil 4, 1, 1, 1431, geschen teil 4, 1, 2, 3853), wozu auch das subst. geschikeit Frauenlob 136 Ettm. gestellt wird.
[Bd. 7, Sp. 7562]

gischen gehört zur idg. wurzel es- 'wallen, schäumen', s. Walde-Pokorny 1, 208, doch bleibt seine vorgeschichte und bildung im einzelnen dunkel; Pauls erklärung, dasz gischen aus gischt retrograd gebildet ist (Paul-Euling 216), hat gegen sich, dasz kein muster für die neubildung zu finden und gischt später als gischen belegt ist; so liegt es am nächsten, mit Moser (beiträge 41, 479) in gischen eine onomatopoetische umgestaltung von mhd. jësen (gisen mit g und i aus der 3. sg. gist) unter gleichzeitiger anlehnung an zischen zu sehen; vgl. auch mnl. (15. jh.) ghissen als most ocht jonc bier bilbire Hoffmann v. Fallersleben horae belg. 7 (1845) 16.
wie bei gisch (sp. 7560) finden sich formen mit langem stammvokal, vgl. gieschen Conradinus ungerisch sucht (1574) 109, gieschend Heermann unsch. Christmärtyrer (um 1675) c 1b, giescht (: erwischt) ebda b 2b; dazu mundartlich gîschen 'zischend aufbrausen' luxemb. ma. 146b.
1) in älterem sprachgebrauch synonym mit gären, vor allem von der fermentation alkoholischer stoffe: der most ... gischet, scheumet, prodelt, gieret, praust und saust im fasse Mathesius Syrach (1586) 1, 55b:
wann man so unsern saft vermischt,
dasz er wol in der böden gischt,
so wird er denn das bier genandt
Tharäus erberml. klage d. l. frau Gerste 50b Bolte (v. j. 1609);

diese gemänge (aus gesottener hirse) wissen sie dick und dünn, auch gischen zu machen Dapper Africa (1671) 481a; so vereinzelt noch mundartlich, vgl. 'gischen und giren, gären vom weine' Birlinger schwäb.-augsb. wb. 196b; bildlich: so sehr auch bei dem ersten zuflusse protestantischer elemente das bisher ruhige katholische Fulda gor und gischte H. König leben (1840) 1, 35 (König stammte aus Hessen).
2) in der allgemeineren bedeutung 'brodeln, schäumen, aufbrausen', wobei häufig das akustische vorstellungselement heraustritt; als landschaftliches und poetisches wort in dieser bedeutung bis in die gegenwart lebendig, doch nicht eigentlich schriftsprachlich, vgl. mundartlich noch gischen, gisten schäumen Schöpf tirol. 191.
a) als aufwallen von flüssigkeiten, vor allem das von einem gemenge widerstrebender stoffe verursachte: solchen laim greifen die spiritus nicht an, den andern aber, der sonst zum verlutiren gebraucht wird, den greifen sie an, gischt immer und helt dann nicht sehr wol Ercker mineral. ertzt (1580) 68a; dieweil es (das gold) dem gift von natur zuwider ist und dasselbige, so es in einem güldinen becher were, durch sein bräuseln und gischen gleichsamb verrätet Flitner Sphinx (1624) 576; braun gemachte gischende butter Amaranthes frauenz.-lex. 986; (gutes salz musz) im wasser sich leicht, geschwind und ohne gischen zerlassen Chomels öcon. lex. 8, 594b. vom schäumenden wasser häufiger erst seit dem ende des 18. jhs., vorzüglich in gehobener sprache: das wasser ... drewet sich in einen wirbel, es scheumet und gischet J. Agricola sprichw. (1534) z 8a; dasz (bei der meerfahrt) wind und strom um uns pfiffen und gischeten Kosegarten rhapsodien (1790) 2, 62;
das heult,
gepeitscht vom sturm der angst, und schäumt und gischt
dem offnen weltmeer gleich
H. v. Kleist 1, 170 E. Schmidt;

ein guszregen war herniedergerauscht, wallend und gischend schosz das sonst so ruhige wässerlein ... dahin L. Anzengruber ges. w. (1890) 1, 1; die see, die see! wie gischt und schäumt sie! sie kocht! Gorch Fock seefahrt ist not (1914) 195.
b) in speziellerer anwendung, meist poetisch; von schäumendem blut:
(fechterblut,) das einer sauft, wann noch desselben gischen
aus dem verletzten schaumt
Andreas Scultetus bei
Lessing 11, 198 M.;

tiefgebohrt gischt unter der brust ihr die wunde
Voss Virgil (1799) 2, 260.

[Bd. 7, Sp. 7563]


von schäumender milch:
es gischt die milch der gäulen kuh
so weisz als flockenschnee darzu
Zesen verm. Helikon (1656) 1, 202;


ich bring einen milchasch (-topf) mit, der von fetter sahne gischet
Triller poet. betracht. 1, 622.


c) vor anstrengung, schmerz oder seelischer erregung wie neid, zorn schäumen oder geifern: sie habens alles trotziglich verachtet, unser gespott, und wie die bösen kettenhunde und gischende eber umb sich gebissen und gehauwen theatr. diabol. (1587) 2, 247b; ach, wie geiferts und gischet es (mein töchterlein) mit seinem mündlein Herberger hertzpost. (1613) 1, 281; das maul gischet ihm vor zorn Stieler stammb. (1691) 610;
fort, klepper, bis der schaum um zaum und zügel gischt
Chr. Günther 2, 164 Kr.;

so magst du denn vor neid und ärger gischen,
philisterpack

Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 6, 178;

was nicht die mildeste mahnung hätte vollbringen können, der gischende eifer hatte es vollbracht L. v. François frau Erdmuthens zwillingssöhne 231.
3) bisweilen drängt das akustische bedeutungselement so entscheidend in den vordergrund, dasz gischen synonym mit zischen wird:
unwillig, wie sich feuer gegen wasser
im kampfe wehrt und gischend seinen feind
zu tilgen sucht, so wehret sich der zorn
in meinem busen gegen deine worte
Göthe 10, 86 W.;


raketen rauschten auf, kanonenschläge donnerten, leuchtkugeln stiegen, schwärmer schlängelten und platzten, räder gischten 20, 161. schon seit früher zeit tritt daher gischen gern zusammen mit reimenden schallverben auf, z. b.:
da pfitscht und gischts und laut so fein
Scheit Grobianus 105 ndr.;


zischet, gischet bei Fischer-Tümpel 5, 31b; es zischte und gischte in ihren adern W. Hauff s. w. (1890) 2, 2, 25; deshalb irrig als schallwort aufgefaszt: gäschen oder gischen ... ist ursprünglich blosz nachahmung des lautes, den eine gischende (d. h. schäumende) flüssigkeit hören läszt Maasz-Eberhard synon. (1818) 2, 162.

GISCHERN, vb., intensivbildung zu 1gischen, vgl. gischern 'lechzend schlebauchen' Fulda versuch (1788) 125; gischern 'den odem nach heftigen bewegungen tief und hohl unter herzklopfen heraufholen' Schmid schwäb. 463; literarisch nur ganz vereinzelt: vors erste haben die katzen heute gegisc
hert ..., dasz sie so auf die zunge hauchen wie die hunde Hermes Sophiens reise (1769) 4, 196.

Fragt sich noch, was das "auf" soll in "aufgisten".

So long

:book:

Thras.
(immer gern zur Würdigung Sinemetuscher Ansätze bereit, fast lechzend und schlebauchend nach ihnen, wegen der salienten Komik)

p.s.

Gestern Abend spielte der FC Bayern in Belgrad. In den bisherigen Spielen hat Hansi Flick auf personelle Experimente in der Defensive verzichtet, in Belgrad aber ist er zu Umbauten gezwungen. David Alaba, der zuletzt als linker Innenverteidiger überzeugt hatte und vielen Fans nicht nur in Österreich als ein Heros gilt, ist nicht mitgeflogen. Seine Freundin und er erwarten ihr erstes Kind. Ersetzt hat ihn ein alter Bekannter von Flick: der Innenverteidiger aus der Weltmeisterelf von 2014, Jérôme Boateng.


Serbische Pressestimmen zum Bayernspiel:

"Novosti": Roter Stern sieht übermächtigen FC Bayern: Bayrischer Sechserpack beschert den Rot-Weißen die schlimmste internationale Niederlage der Vereinsgeschichte. Die Bayern waren dafür bekannt, eine sehr starke Mannschaft zu sein, aber das war klassisches Fußballmobbing gegen ein Team, das schwächer war als sie selbst. Robert Lewandowski "schlug" sogar viermal auf die Verteidigung Roter Sterns ein. Der Rote Stern versank gistend im bayerisch gepeitschten Gumpensund.

"Blic Sport": "Rohe, rohe Deutsche! Der Stern hat lange keine solche Lektion erhalten, Lewandowski schreibt in Belgrad Geschichte. Das Wunder ist nicht geschehen. Seit Tagen prahlen die Stars, erzählen Geschichten und erinnern an 1991, als Roter Stern im Halbfinale der Champions League den Bayern das Leben zur Hölle machte. Aber das war nur ein Traum. Stern - Bayern 0:6! Sie wurden vergumpt.


Bild

p.p.s.

Hallo, Medicus!

Unser Intrepidus schaut manchmal in das dwds oder das Grimmsche Wörterbuch hinein. Dann wieder gar nicht nie. Dabei sind das zwei präzise und äußerst taugliche Werkzeuge. Das -de hat keinerlei semantische Füllung, ist eher eine ornamentale Sache. Da hat der von Dir zitierte Zwiebelfisch implizit darauf hingewiesen.
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