Journalistendeutsch

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Journalistendeutsch

Beitragvon sinemetu » Sa 26. Sep 2020, 22:58

Der geringste Teil der Vorschriften ist wissenschaftlich belegbar.

https://www.welt.de/wissenschaft/plus21 ... .216579528

Meint der Leonard Landes "wissenschaftlich begründbar" oder "wissenschaftlich begründet". Oh je, oh je .... oder empfinde hier nur ich ein Präzisionsverlust. Es bewegt sich Richtung "einfache Sprache".
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Re: Journalistendeutsch

Beitragvon marcus03 » So 27. Sep 2020, 05:53

Das ist m.E. nur salopp formuliert. Er will konkret sagen:
Die Berechtigung der Vorschriften ist durch wissenschaftliche Studien...
(abstractum pro concreto, Metonymie)
PS:
Nicht der Journalist ist hier ungenau, sondern der Interviewte.
Die Überschrift entstammt als Zitat offensichtlich dem Interview.
Zitate darf man nicht verändern, auch wenn sie sprachlich unpräzise
oder nicht ganz "sauber" sind.
Zudem handelt es sich um ein Gespräch. Da achtet man nicht auf
absolute Präzision im Ausdruck. Man formuliert spontan ohne genau
über jede Formulierung nachzudenken.
Solche "Lapsus" lassen sich leicht psychologisch oder aus der Situation heraus erklären.
Zuletzt geändert von marcus03 am So 27. Sep 2020, 08:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Journalistendeutsch

Beitragvon sinemetu » So 27. Sep 2020, 09:29

Longipes hat geschrieben:Hier die Nase über mangelhafte Präzision zu rümpfen, dann aber den Urheber der Äußerung noch nicht einmal richtig zu zitieren und alles in einen absurden polemischen Kontext ("einfache Sprache") zu stellen, ist schon beachtlich.

Zugegeben, Langfuss, ich hab den Artikel nicht gelesen, - ich überfliege bei Printmedien oft nur Headlines und lese nur, was näher interessiert - offensichtlich die Gänsefüsschen auch nicht beachtet, wobei mir die Schwierigkeit, Zitat und Fehler, nicht aufgegangen war.
Kritik aber darf nicht nur der üben, der fehlerlos. Dann gäbe es keine Kritik. Es ist aber falsch, so tun, daß ein derartiger "Fehler" Journalisten nicht unterläuft. Wer spricht schon wie gedruckt. Grundsätzlich gilt: Der Mensch ist fehlbar!

Ich hatte hier aber - oberflächlicher Weise - schon einfache Sprache vermutet. Für einfache Sprache ist typisch, daß man auf Feinheiten verzichtet. Verbrechen werden dort nicht begangen, sondern gemacht. Das ist auch nicht verboten und mag an seinem Ort seine Berechtigung haben.
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Re: Journalistendeutsch

Beitragvon Zythophilus » So 27. Sep 2020, 10:33

Die grammatikalische Korrektheit ist ohnedies gegeben. Es ist nur inhaltlich Unfug, von "belegbaren Vorschriften" zu sprechen. Belegbar sollten die Thesen sein, die zu den Vorschriften führen.
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Re: Journalistendeutsch

Beitragvon marcus03 » So 27. Sep 2020, 13:22

Zythophilus hat geschrieben:. Es ist nur inhaltlich Unfug, von "belegbaren Vorschriften" zu sprechen.

In diesem Kontext schon, aber nicht generell.
spontanes Beispiel:
Schon in der Antike gab es solche Vorschriften, die belegbar sind. :)
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Re: Journalistendeutsch

Beitragvon sinemetu » So 27. Sep 2020, 13:47

Das ist doch ein ganz anderer Zusammenhang, Marcus. Vorschriften begründen und belegen sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe.
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Re: Journalistendeutsch

Beitragvon marcus03 » So 27. Sep 2020, 13:51

Die Antwort bezog sich auf die Aussage von Zythophilus. Sie klang apodiktisch.
Er meinte wohl aber auch deinen Kontext.
Ich habe ihn, nicht dich zitiert. :)
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Re: Journalistendeutsch

Beitragvon Tiberis » Mo 28. Sep 2020, 11:49

Longipes hat geschrieben: verfehmte

in einem Beitrag, in dem es um sprachliche Präzision geht, fällt so etwas naturgemäß auf. ;-)
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Re: Journalistendeutsch

Beitragvon marcus03 » Mo 28. Sep 2020, 18:57

Longipes hat geschrieben:was heutzutage leider den meisten Artikeln fehlt: ein aufmerksamer Lektor.

Kein Wunder! Auch im Verlagswesen herrscht großer ökonomischer Druck.
Man spart, wo man glaubt, es zu können. Lektoren kosten Geld.
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