Quem ad finem vitam nobis degendam sit

Diskussionen zu den antiken Philosophen, ihren Ideen und ihrer Rezeption

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Quem ad finem vitam nobis degendam sit

Beitragvon Merkur » Sa 31. Jan 2004, 20:08

Hallo!


Mal ne kleine Frage/Denkanregung:

Ist Bildung/Wissen/das streben danach das Ziel des Lebens?



In meinen Augen sprechen mehrere Gründe dafür (egal, ob von der religiösen Seite betrachtet oder nicht):

- der Mensch ist die einzige Spezies, die mit Verstand ausgestattet ist...wieso? wieso sollten wir so ziemlich den einzigen Vorteil, den uns Mutter Natur/Gott geschenkt hat, brach liegen lassen?

- die ganze natur strebt nur danach, ihre Art zu erhalten und versucht dies mit allen mitteln. der Mensch könnte vermutlich heutzutage ohne Wissen/Bildung nicht weiter überleben, da wir von natur aus (i.e. von unsrem ganzen Aufbau usw. [im Vergleich zu manchen tieren sind wir lahm, blind, taub, tollpatschig, ohne guten Riecher usw usf.]) anderen Arten unterlegen sind.



Was denkt ihr?
Merkur
 

Beitragvon Parmenides » Sa 31. Jan 2004, 21:19

>"Wille zur Wahrheit'' heisst ihr's, ihr Weisesten, was euch treibt und brünstig macht?
Wille zur Denkbarkeit alles Seienden: also heisse ich euren Willen!
Alles Seiende wollt ihr erst denkbar machen : denn ihr zweifelt mit gutem Misstrauen, ob es schon denkbar ist.
Aber es soll sich euch fügen und biegen! So will's euer Wille. Glatt soll es werden und dem Geiste unterthan, als sein Spiegel und Widerbild.
Das ist euer ganzer Wille, ihr Weisesten, als ein Wille zur Macht;<
(Nietzsche: Zarathustra, Von der Selbst-Ueberwindung)
Parmenides
 

Beitragvon Merkur » Sa 31. Jan 2004, 22:52

Hi Parmenides :)



Ich tu mich hier etwas schwer mit der Interpretation .... meiner Meinung nach, d.h. so wie ich ihn interpretieren würde, trifft er eigentlich nicht das Thema, sondern liese sich woanders ansiedeln, nämlich bei dem Drang der Menschheit, alles in einer Formel beschreiben zu wollen.
Da ich philosophisch (noch) nicht versiert bin, bitte ich um eine kleine Hilfestellung :wink:


Danke und Gruß
A.
Merkur
 

Beitragvon peregrinus2002 » Sa 31. Jan 2004, 23:27

" ... die ganze natur strebt nur danach, ihre Art zu erhalten und versucht dies mit allen mitteln ... "


Strebt der Mensch wirklich danach seine Art zu erhalten oder
strebt nicht jeder Mensch vielmehr danach sich selbst zu erhalten ??


" ... der Mensch könnte vermutlich heutzutage ohne Wissen/Bildung nicht weiter überleben ... "

Das Wissen um Massenvvernichtungswaffen und Wasserstoffbombe ??
peregrinus2002
 

Beitragvon Merkur » Sa 31. Jan 2004, 23:34

-> Wieso werden dann kinder gezeugt ... doch nicht nur um des Kindergeldes willen, oder?

-> Der Mensch wäre glaube ich, würde er abrupt aufhören, sich zu bilden (die nächste generation wäre ja dann strohdumm), ganz schnell wieder ganz weit unten in der "Evolutionshackordnung"
Merkur
 

Beitragvon Parmenides » So 1. Feb 2004, 00:37

Die vermeintliche Themenverfehlung würde ich wohl aus der Fragestellung folgern; Wie kann ein Streben Ziel sein? Ist nicht das Erstrebte Ziel?

Obiges erklärte zunächst das Streben selbst, das ein Streben nach Macht ist.
Wieso werden dann kinder gezeugt

Um der Macht willen.
Strebt der Mensch wirklich danach seine Art zu erhalten oder
strebt nicht jeder Mensch vielmehr danach sich selbst zu erhalten?

Beiden Streben liegt ein einziges, höheres zu Grunde: das nach Macht.

>Freilich, ihr heisst es Wille zur Zeugung oder Trieb zum Zwecke, zum Höheren, Ferneren, Vielfacheren: aber all diess ist Eins und Ein Geheimniss.
Lieber noch gehe ich unter, als dass ich diesem Einen absagte; und wahrlich, wo es Untergang giebt und Blätterfallen, siehe, da opfert sich Leben - um Macht!
...
Der traf freilich die Wahrheit nicht, der das Wort nach ihr schoss vom Willen zum Dasein'': diesen Willen - giebt es nicht!
Denn: was nicht ist, das kann nicht wollen; was aber im Dasein ist, wie könnte das noch zum Dasein wollen!
Nur, wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondern - so lehre ich's dich - Wille zur Macht!
Vieles ist dem Lebenden höher geschätzt, als Leben selber; doch aus dem Schätzen selber heraus redet - der Wille zur Macht!'' -<
(Nietzsche: Zarathustra, Von der Selbst-Ueberwindung)
Parmenides
 

Re: Quem ad finem vitam nobis degendam sit

Beitragvon Juergen » So 1. Feb 2004, 01:40

Merkur hat geschrieben:Mal ne kleine Frage/Denkanregung:

Ist Bildung/Wissen/das streben danach das Ziel des Lebens?

Kurze Frage - kurze Antwort: Nein !

Warum?
Ganz einfach, weil das Ziel nicht erreicht wird. Egal wieviel Bildung/Wissen der Mensch erlangt, er wird doch sterben. - Aus - Ende!

Kurz: shit happens.
Juergen
 

Beitragvon peregrinus2002 » So 1. Feb 2004, 02:31

"Ist Bildung/Wissen/das streben danach das Ziel des Lebens?"

NEIN - DasZiel des Lebens sollte sein, ein GLÜCKLICHER Mensch zu werden.

Wenn dem einen dieses durch ein immenses Anhäufen von Wissen gelingt, dann soll er diesem Trieb nachkommen, wenn dem anderen dieses durch solides handwerkliches Arbeiten gelingt, dann bittteschön...

Zudem ist Wissen immer relativ. Wie definiert man Wissen? Was ist zudem Wissen ohne Gefühl?

Bei der Wannenseekonferenz hatten über achtzig Prozent der Anwesenden promoviert, viele habilitiert; ergo waren diese Menschen hoch gebildet, mit viel Wissen ausgestattet - man beschloß dort den Genozid an den Juden ...

Vielleicht eines der besten Beispiele für die Relativität und Fragwürdigkeit von Wissen - vergleiche in diesem Zusammenhang auch Lessings "Suche nach Wahrheit"
peregrinus2002
 

Beitragvon ivens » So 1. Feb 2004, 20:21

NEIN - DasZiel des Lebens sollte sein, ein GLÜCKLICHER Mensch zu werden.

Ja...aber inwiefern kann ein dummer mensch glücklich werden?
Es gibt so viele Möglichkeiten, einen guten Eindruck zu machen.
Warum lasse ich sie alle ungenutzt?
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Beitragvon Clemens » So 1. Feb 2004, 20:42

Warum sollte er es nicht können?
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Beitragvon ivens » So 1. Feb 2004, 20:48

Sorry...habs falsch formuliert: Bild
Ich wollte sagen, dass auch wissen zum glück führen kann!
Es gibt so viele Möglichkeiten, einen guten Eindruck zu machen.
Warum lasse ich sie alle ungenutzt?
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Beitragvon incisus » Mo 2. Feb 2004, 15:47

ja, aber laut Platon, nicht das Wissen alleine...

Ich finde, man erhöht sein Wissen nicht um die Tugend, und somit der Glückseligkeit willen, sondern es geht doch in erster Linie ums (nackte) Überleben. Jeder muss mit seinem Wissen die Umwelt mehr oder weniger einigermaßen begreifen können, wenn man es nicht kann, wird sich kaum jemand eine reelle Chance für sein Leben vorstellen können... oder? :smile:

Daher müssen dann die andern Aspekte auch dazu kommen: Mut/Willen, und Begierde :D

Kurze Randbemerkung: wir gehen jetzt langsam im Lateinunterricht zu Platon über und ham jetzt einige Grundgedanken seiner Philosophie kennen gelernt. Wie weit ist die denn heutzutage noch ernstzunehmen? Wurde sie durch andere längst überholt, oder ist zeitlos aktuell...
wie gesagt, wir haben letzte Stunde nur son bisschen "erste Tuchfühlung" aufgenommen :)
Zuletzt geändert von incisus am Mo 1. Mär 2004, 21:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon suetonius » Di 3. Feb 2004, 14:49

hm, warum schrecken mich lateinische titel eigentlich so ab?

Der erste thread zum "sinn des lebens":
zum obigen:

ist nicht gerade ein dummer, ein naiver mensch glücklich, weil er wenig von dem problemen anderer mitkriegt.

nehmen wir mal einen bauer im 19ten jahrhundert, dieser interessiert sich nicht für politik oder sonstiges weltgeschehen. er lebt in seiner eigenen kleinen glücklichen(?), aber harten welt.
ganz ohne bildung...wie kann dann bildung der sinn des lebens sein.

klar könnte man den sinn des lebens so definieren:

der sinn des lebens ist sich weiterzuentwickeln, neue technologien...bis zu dem zeitpunkt eo es allen menschen gleich gut geht?

-----------------------------------------------------------------
ich glaube der sinn des lebens ist für jeden selbst zu defineren....

Für mich selbst gesehen gibt es keinen. wir sind kleine dumme tiere, welche auf einmal rational denken konnten.
ein fehler der historie: auf einmal dachten wir, dass wir ALLES erklären mussten, mussten uns entwickeln...die welt erobern, etc...


siehe matrix-->die menschen sind ein virus...
...une tête bien faite et une tête bien pleine...
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Beitragvon Seneca w » Mo 1. Mär 2004, 20:56

"Bildung" ist etwas,dass schon herausgefunden wurde und nur von den (noch) ungebildeten Menschen(z.B.Schulkinder) neu gelernt wird. Zur Arterhaltung wäre dann nicht Bildung wichtig,sondern forschen,erfinden,....
Hätten Ärzte(z.B.) nur ihrer Bildung vertraut,wäre es heute noch Gang und Gebe,Aderlass zu "betreiben",...jeder Arzt hat dies schließlich gelernt,bis einer oder bis MAN langsam dahinter gekommen ist,wie ungesund das eigentlich ist...
Ich glaube,es gibt keinen Sinn des Lebens an sich,der wahre Sinn ist nur individuell zu identifizieren.Jeder hat seinen eigenen Sinn.Für mich ist der Sinn des Lebens,ganz unphilosophisch:BACHMUSIK!!!!!!!!!!!!
Und an 2.Stelle käme dann die Philosophie.Einfach so,ja.
:) :) :)
Die Köpfe, welche die Gabe lichtvoller Klarheit haben, erlangen Beifall;
die verworrenen werden bisweilen verehrt, weil keiner sie versteht.
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Beitragvon incisus » Mo 1. Mär 2004, 21:07

Die vielen Erfindungen etc. waren doch ursprünglich dazu gedacht, uns das Leben zu erleichtern. Doch anstatt es uns einfacher zu machen, wirds doch immer schwieriger.
Aber trotzdem sind wir nicht in der Lage, im Busch, den Wüsten oder sonstwo mit "widrigen" Umständen zu überleben. Da sind uns die Einheimischen (Nomaden, Eskimos etc.) haushoch überlegen, obwohl sie nicht "gebildet" sind ... :shock:
incisus
 

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