Caesar - Epikur/Stoa

Diskussionen zu den antiken Philosophen, ihren Ideen und ihrer Rezeption

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Caesar - Epikur/Stoa

Beitragvon Julia » Do 2. Sep 2004, 23:11

Hallo, mein Name ist Julia. Ich hoffe ich bin hier richtig, habe nämlich ein Problemchen mit der Philosophie. Um genau zu sein mit Caesar und seinem Verhältnis zu Epikur/Stoa. Kann mir vielleicht jemand weiterhelfen, welcher der beiden Richtungen er anhing und wo ich Material dazu finden kann?
Danke schon mal
Julia
 

Beitragvon Marcus » Mo 21. Feb 2005, 15:15

Caesar selbst hatte ein distanziertes Verhältnis zur Philosophie. Im Unterschied zu vielen seiner Standesgenossen scheint er niemals einen Hausphilosophen gehabt zu haben[42]. Furcht vor Philosophen hatte er natürich auch nicht; von ihm wird die Absicht überliefert, im Rahmen seiner Bildungspolitik liberalium artium doctores, also auch Philosophen, durch Vergünstigungen nach Rom zu holen[43]. Bemerkenswert ist sein Angebot, C. Sextius, später der einzige mehr oder weniger originelle römische Philosoph, in den Senat aufzunehmen[44]. Sextius hat damals abgelehnt, wohl mehr aus Gründen seiner philosophischen Berufung denn aus Opposition[45]. Im Lager der Freunde Caesars gab es viele philosophisch engagierte Männer[46]. Die Philosophie als solche konnte keine klare Anweisung geben; wer Caesar nicht für einen Tyrannnen hielt, konnte als Epikureer und als Stoiker seinen Frieden mit ihm machen. Gerade auch Brutus, der so viel Wert legte auf seine philosophischen Publikationen, war die längste Zeit in der Lage, die Alleinherrschaft zu ertragen und Vorteile daraus zu ziehen[47]; nur Caesars Hinweis auf Brutus' Willensstärke ist eine überraschende Vorwegnahme der philosophisch begründeten constantia oppositioneller Senatoren der Prinzipatszeit[48].

Wenn auch viele ihren philosophischen Glauben mit dem Dienst unter Caesar vereinbaren konnten, so ist andererseits nicht zu übersehen, daß die Philosophie auch beim Kampf gegen Caesar eine gewisse Rolle gespielt hat. Ciceros philosophische Schriften in lateinischer Sprache - durch die Verbreitung philosophischer Bildung in Italien eine ganz neue Dimension erreicht[49] - sind keinesfalls in einem Caesar freundlich gesonnenen Ton verfaßt; sie machen immer wieder deutlich, wenn auch eher nebenbei, daß tyrannische Alleinherrschaft rechtlich nicht zu begründen war. Wer wollte, konnte sich von Cicero in diesem Sinne über Caesars ungesetzliche Stellung im Staate belehren lassen[50]. Vor den Iden des März gab es natürlich Diskussionen über die Rechtfertigung eines Tyrannenmordes - ausgerechnet Favonius hielt damals eine Tyrannenherrschaft für weniger schlimm als einen neuen Bürgerkrieg[51]. Und der Führer der Verschwörung gegen Caesar wurde nicht der stoisch-akademische Brutus, sondern ein bekehrter Epikureer: Cassius, der erst im Jahre 45 zu seinem neuen Glauben konvertiert war[52]; er könnte die Ansicht vertreten haben, daß seine epikureische Seelenruhe besser durch freiheitliche Zustände als durch die Herrschaft Caesars gewährleistet werde[53].


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