Briefe an Herodot

Diskussionen zu den antiken Philosophen, ihren Ideen und ihrer Rezeption

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Briefe an Herodot

Beitragvon disciplina » So 8. Apr 2012, 19:22

Hallo

Epikur spricht in seinem Brief an Herodot an einer Stelle von der Gesetzlichkeit des Seienden. Wenn ich es richtig verstanden habe, gehört dieser Teil zum ersten Model seiner theoretischen Lehrsätze? Ein zweites Modell besagt, dass die gedanklich messbare Maximalgeschwindigkeit eines bewegten Wahrnehmungsobjektes imm ernoch geringer ist als die unausdenkbare Geschwindigkeit (...)(Epikur, Reclam, 2010, S.131 ff.)

Was aber meint Epikur mit einer gedanklich (sinnlich) messbaren Geschwindigkeit? Inwiefern kann man gedankliche Bilder messen?

Über die daraus entstehenden Sichtbilder schreibt er weiter; daß (sie) unüberbietbare Feinprägungen besitzen, (...) und eine Strömung von der Oberfläche der Körper, die wegen des Materieausstauschs nicht am Masseverlust sichtbar wird: (...) (Epikur, Reclam, 2010, S.13)

Weiter; (...) wenn etwas von den äußeren Gegenständen in uns eindringt, (...) (Epikur, Reclam, 2010, S. 13 ff.)

Eine Strömung von der Oberfläche der Körper? Wenn äußere gegenstände in uns eindringen?

Würde mir dies jemand erklären können? Ich bin auch offen für Bücher und Kommentare zu Epikurs Schriften, um sein Gedankenkonstrukt besser verstehen zu können!

Vielen Vielen Dank
disciplina
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Re: Briefe an Herodot

Beitragvon Prudentius » Mo 9. Apr 2012, 16:01

Hallo,

Ich kann nur ganz allgemein was dazu sagen;
Inwiefern kann man gedankliche Bilder messen?


Nein, aber man kann Bilder gedanklich messen, d.h. als Gedankenexperiment, man stellt sich vor, man habe ein Messgerät und messe eine Bewegung.

Epikur hat eine eigene Wahrnehmungstheorie, nach der von den Gegenständen Bilder, eidola, ausströmen und von unseren Organen aufgenommen werden, er wendet sich damit gegen die platonische Ideenlehre, nach der die Erkenntnis durch die übersinnlichen Ideen erfolge. Das meint er mit Strömung und eindringen.

Das Wesentliche an Epikurs Lehre ist wohl sein Rationalismus, d.h. die Ansicht, dass wir mit dem Verstand zur vollständigen Erfassung der Wahrheit vordringen können, er wendet sich auch gegen die "natürliche Theologie", die göttliche Einwirkung auf Naturereignisse annimmt. Die Details seiner Lehre sind mühsam zu erarbeiten, du musst ja wissen, ob du es dir antun willst.
In Philosophiegeschichten ist das alles zu finden, da gibt es viele und umfangreiche.

Für den Lateiner ist die Lehre Epikurs in dem Lehrgedicht des Lukrez dargestellt, "De rerum natura".

Gruß P. :)
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Re: Briefe an Herodot

Beitragvon disciplina » Di 10. Apr 2012, 09:48

Prudentius hat geschrieben:Hallo,

Ich kann nur ganz allgemein was dazu sagen;
Inwiefern kann man gedankliche Bilder messen?


Die Details seiner Lehre sind mühsam zu erarbeiten, du musst ja wissen, ob du es dir antun willst.
In Philosophiegeschichten ist das alles zu finden, da gibt es viele und umfangreiche.

Das Erlernen des Lateinischen würde ich, wenn man sich nicht nur dem "zufriedenstellenden" Übersetzen widmet, sondern auch ein "prädikatives GV" und eine "Ellipse" erkennen mag ;-) , so manchmal, ebenfalls als "antun" bezeichnen :lol: .
Und dennoch geisel ich mich durch so manchen Satz :pillepalle:

Für den Lateiner ist die Lehre Epikurs in dem Lehrgedicht des Lukrez dargestellt, "De rerum natura".

Gruß P. :)


Grüße
disciplina
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