Hölengleichnis/Rezeptionsgeschichte/Einführung

Diskussionen zu den antiken Philosophen, ihren Ideen und ihrer Rezeption

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Hölengleichnis/Rezeptionsgeschichte/Einführung

Beitragvon CP » Mo 21. Mai 2012, 22:48

Salvete!

Gibt's so was? Kurzgefasst? Neoplatonismus spielt im frühen Islam durchaus noch eine Rolle. in Stichworten: qur'An Gottes Wort oder nur Abglanz d. eigentl. himmlischen qur'An. Möchte mich in die Thematik einlesen. Habe noch ein Script einer Kunstgeschichtevorlesung. Leider etwas mager. Dann Wikipediaartikel. Möchte aber tiefer in die Materie!


CP

Schon wieder!!! Ich weiß, daß man Höle mit "h" schreibt!!! Kann man das nicht ändern?
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Re: Hölengleichnis/Rezeptionsgeschichte/Einführung

Beitragvon Zythophilus » Mo 21. Mai 2012, 23:37

Den Qu'ran als Abglanz eines himmlischen Qu'rans zu interpretieren, mag eine verlockende Möglichkeit sein. Der Mainstream ist es bei Weitem nicht. Ich vermute, dass der, der so etwas versucht und statt eines überzeitlichen, von Allah dirket diktierten Wortes eine zwar inspirierte, aber von Zeitumständen und durchaus weltlichen Interessen geleitete Schrift sehen will, sich vor den Steinen in Deckung bringen muss.
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Re: Höhlengleichnis/Rezeptionsgeschichte/Einführung

Beitragvon consus » Di 22. Mai 2012, 09:51

... statt eines überzeitlichen, von Allah direkt diktierten Wortes eine zwar inspirierte, aber von Zeitumständen und durchaus weltlichen Interessen geleitete Schrift sehen will, sich vor den Steinen in Deckung bringen muss.
Addendum: Man kann nur hoffen, dass sich neben den Bibellesern auch die Koranleser, zu denen natürlich auch Frauen gehören, zunehmend von der historisch-kritischen Methode leiten lassen, damit das unreflektierte und Unheil stiftende, weil zu Dogmatismus führende Reden vom sog. "wahren Wort Gottes" endlich im hellen Licht der Aufklärung verstanden wird. Die Konsequenz wäre ein entspanntes Verhältnis zum Islam.
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Re: Hölengleichnis/Rezeptionsgeschichte/Einführung

Beitragvon Prudentius » Di 22. Mai 2012, 10:35

Es sind so viele Themen angetippt, zu jedem wäre viel zu sagen.

Nicht Qu'ran, sondern Qur'an, das Strichle steht vor dem a und bedeutet den Stimmabsatz, glossal stop, vor dem Vokal, quasi staccato, die semitischen Sprachen haben dafür einen eigenen Buchstaben, wir nicht, aber den Stimmabsatz haben wir auch, wie bei "ver-allgemeinern", nicht ve-rallgemeinern, wie es normal wäre.
Bei uns heißt es Koran, Mohammed, Moslem, wir haben die persische Vokalisation übernommen, das ist seltsam, das Arabische hat ja weder e noch o: Muhammad, Qur'an, Muslim.

Den Qu'ran als Abglanz eines himmlischen Qu'rans zu interpretieren, mag eine verlockende Möglichkeit sein


Das steht wörtlich so im Koran, da ist von einem Tischchen neben Gottes Thron die Rede, auf dem die Urschrift von Anfang der Welt an aufbewahrt wird.

Ansonsten beansprucht der Islam aber nicht, eine neue Religion zu sein, Mohammed ist nichts Besonderes (wohl verehrungswürdig, aber nicht übermenschlich), er steht als letzter in der Reihe der Propheten.

Möchte mich in die Thematik einlesen


- Höhlengleichnis: habe neulich gelesen, wie der moderne Mensch das sieht: er verlässt im Sinne Platons seine Höhle, meint zunächst, in der wahren Sonne zu stehen, merkt aber dann, dass er nur von einer Höhle in die nächste Höhle gelangt ist, usw., er resigniert dann und sagt sich, ganz nach oben kommt er doch nicht.
Empfehlung: meditiere lieber über das Höhlengleichnis!

Ich mache jetzt Schluss, fahre Rad und denke noch weiter darüber nach, vielleicht greife ich noch was auf,

Gruß P. :)
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Re: Hölengleichnis/Rezeptionsgeschichte/Einführung

Beitragvon Prudentius » Mi 23. Mai 2012, 08:18

endlich im hellen Licht der Aufklärung verstanden wird.


So hell ist das Licht auch wieder nicht, man hat bemerkt, dass die Aufklärung nicht nur mit den Vorurteilen aufräumt, sondern auch mit den Tugenden, Werten, Moral, Geschichte, Tradition, Religion, Kunst, so dass der moderne, aufgeklärte Mensch einen etwas "abgeräumten" Eindruck macht.
Der Westen hat in Afghanistan und Irak, z.B., erfahren müssen, dass das "helle Licht" dort nicht richtig zum Strahlen kommt.

Reden vom sog. "wahren Wort Gottes"


da befinden sich die Muslime ja auf der jüdisch-alttestamentlichen Linie, denn als die Israeliten das goldene Kalb anbeteten, zürnte ihnen Gott und wandte sich von ihnen ab, man spricht ja vom "eifersüchtigen Gott", da ist noch nichts von Anerkennung abweichender religiöser Überzeugungen.

Gruß P. :)
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Re: Höhlengleichnis/Rezeptionsgeschichte/Einführung

Beitragvon consus » Mi 23. Mai 2012, 09:42

Prudentius hat geschrieben:...Der Westen hat in Afghanistan und Irak, z.B., erfahren müssen, dass das "helle Licht" dort nicht richtig zum Strahlen kommt.
Auch im sog. Abendland hat es für diese Entwicklung sehr lange Zeit gebraucht. Wie lange hat es z. B. gedauert, bis sich die Frauenrechte durchsetzten! Und dieser Prozess ist immer noch nicht zur Gänze abgeschlossen. Haben wir da Geduld mit jenen Ländern: einst wird kommen der Tag... Und was Werte, Traditionen u. dgl. angeht, so kann m. E. nicht bestritten werden, dass alle Bereiche unseres materiellen und geistigen Lebens sich an den Menschenrechten orientieren müssen. Da ist es doch nicht schade, wenn so manche traditionelle Vorstellung keinen Bestand mehr haben kann. Um schließlich die Verbindung zur antiken Philosophie herzustellen: Freuen wir uns, dass u. a. die Stoiker so einige Vorarbeit zur Befreiung der Menschheit geleistet haben.
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Re: Hölengleichnis/Rezeptionsgeschichte/Einführung

Beitragvon CP » Fr 25. Mai 2012, 11:54

Zythophilus hat geschrieben:Den Qu'ran als Abglanz eines himmlischen Qu'rans zu interpretieren, mag eine verlockende Möglichkeit sein. Der Mainstream ist es bei Weitem nicht. Ich vermute, dass der, der so etwas versucht und statt eines überzeitlichen, von Allah dirket diktierten Wortes eine zwar inspirierte, aber von Zeitumständen und durchaus weltlichen Interessen geleitete Schrift sehen will, sich vor den Steinen in Deckung bringen muss.



In den ersten Jahrunderten gab es so etwas durchaus, auch wenn sich schon damals die Vertreter dieser Strömung duch eine teilweise signifikant niedrige Lebenserwartung hervortaten.

Wie immer sehr informarmativ in solchen Fragen:

Ibn Warraq, Weshalb ich kein Muslim bin. Das Pseudonym ist aus Gründen der körperlichen Unversehrtheit noch nicht gelüftet.

consus hat geschrieben:
... statt eines überzeitlichen, von Allah direkt diktierten Wortes eine zwar inspirierte, aber von Zeitumständen und durchaus weltlichen Interessen geleitete Schrift sehen will, sich vor den Steinen in Deckung bringen muss.
Addendum: Man kann nur hoffen, dass sich neben den Bibellesern auch die Koranleser, zu denen natürlich auch Frauen gehören, zunehmend von der historisch-kritischen Methode leiten lassen, damit das unreflektierte und Unheil stiftende, weil zu Dogmatismus führende Reden vom sog. "wahren Wort Gottes" endlich im hellen Licht der Aufklärung verstanden wird. Die Konsequenz wäre ein entspanntes Verhältnis zum Islam.


Darauf werden wir aber lange warten müssen, vermutlich ewig. Für westliche Muslims ist das eh alles symbolisch gemeint, bis es dann eines Tages doch ernst werden kann. Aber diese Symbolik kennt man ja auch woanders her. Im Spätma. entstand aber der Nominalismus. Und der ist mir lieber.

Prudentius hat geschrieben:
Nicht Qu'ran, sondern Qur'an, das Strichle steht vor dem a und bedeutet den Stimmabsatz, glossal stop, vor dem Vokal, quasi staccato, die semitischen Sprachen haben dafür einen eigenen Buchstaben, wir nicht, aber den Stimmabsatz haben wir auch, wie bei "ver-allgemeinern", nicht ve-rallgemeinern, wie es normal wäre.


Ääh, schreib ich doch! Das Strichle ist das Hamza (A übrigens langes a im Ggstz. zu a kurzes a. Ist aber Privatnotation)
Prudentius hat geschrieben:Bei uns heißt es Koran, Mohammed, Moslem, wir haben die persische Vokalisation übernommen, das ist seltsam, das Arabische hat ja weder e noch o: Muhammad, Qur'an, Muslim.,,


Das dürfte über das Osmanische, das in aller Regel das Persische in Fragen der Aussprache übernimmt zu uns gekommen sein.

Den Qu'ran als Abglanz eines himmlischen Qu'rans zu interpretieren, mag eine verlockende Möglichkeit sein


Das steht wörtlich so im Koran, da ist von einem Tischchen neben Gottes Thron die Rede, auf dem die Urschrift von Anfang der Welt an aufbewahrt wird.


Das steht aber in gewissem Widerspruch zu den mindesten vier Redaktionen des qur'An.

Al-qur'An hat ja so einiges hinter sich:
Konsonantenschrift: Langes Alif wird geschrieben, Alif kann im Worteingang die Bedeutungen kurzes a, i, u haben. v=u, j=i, hier zeigt sich am deutlichsten die Verwandtschaft zu unserem Alphabet. mit Madda geschrieben ist es langes A im Worteingang. Die Konsonanten sind noch nicht punktiert, d. h. es gibt keinen Unterschied zwischen baa, taa, thaa, einen kaum sichtbaren zu nun. Bei anderen Buchstaben, die sich nur duch die Punktation unterscheiden dementsprechend. Kurzvokale sind im "himmlischen" Exemplar auch nicht notiert. Was wir heute so haben, ist Gotteswort mit menschlichen Anmerkungen zu Syntax und Grammatik. Weshalb der im Laufe der Rezeptionsgeschichte mindestens vier mal veränderte Urkoran überhaupt in geschriebener Form vorliegen mußte, ist eh nicht nachvollziehbar: Heilige bücher und Dinge haben so etwas aber an sich.
Ansonsten beansprucht der Islam aber nicht, eine neue Religion zu sein, Mohammed ist nichts Besonderes (wohl verehrungswürdig, aber nicht übermenschlich), er steht als letzter in der Reihe der Propheten.

Er verschlimmbessert Berstehendes aber heftigst: Maria als Schwester des Moses. Meines Erachtens von der Datierung her etwas problematisch. Muslims sehen das anders.

Das Schwein als Speisetabu: Antike Schriftsteller, so Plinius, beschreiben Arabia – felix wie deserta – als ohne Schweine. Archäologische Befunde bestätigen dies. Das ist, wie wenn in einer nordischen Religion, der Verzehr von Zebrafleisch tabuisiert wäre.

Ciao!

Bin aber noch nicht fertig, mit obigem....
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Re: Hölengleichnis/Rezeptionsgeschichte/Einführung

Beitragvon Zythophilus » Mo 28. Mai 2012, 18:22

Dass es dort keine Schweine gab, ist doch eher auf schon frühere Verbote zurückzuführen. Nicht weit davon, in Palästina bzw. Israel gab es sehr wohl Schweine, wie die Stelle Mk 5,11-13 zeigt.
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