Platon: Parmenides; die fünf obersten Ideen: γένη

Diskussionen zu den antiken Philosophen, ihren Ideen und ihrer Rezeption

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Platon: Parmenides; die fünf obersten Ideen: γένη

Beitragvon Ioscius » Di 20. Dez 2016, 12:02

Hallo,

im Dialog Parmenides werden fünf "Überideen" herausgearbeitet, die von der Idee des Guten abhängen: Seiendes, Bewegung, Ruhe, Selbes, Anderes.

a) Wie ist das zu verstehen, warum ausgerechnet diese vier anderen Begriffe neben dem "Seienden"?
Was zeichnet diese Begriffe aus? Was hängt von diesen vier Dingern ab?

b) In einer Sekundärliteratur heißt es:

"Der Fremde sagt den Vorsokratikern: Ihr wisst wohl schon lange, was Seiendes ist, wir dachten, es zu wissen, stehen jetzt aber ratlos da."
Es wird bemängelt, dass Heidegger die ironie der Stelle nicht wahrnehme, schließlich würden die ionischen Naturphilosophen bei den Sinnesdingen stehen bleiben.
Dagegen stellt Heidegger, in der Nachfolge von Nietzsche, das Sein existentialistisch in Frage
Was bedeutet das?

c) Muss sich Platon nicht selbst - wie wohl die Neuplatoniker - ein überseiendes, nicht als seiend bestimmte Entität ( :D ) (ist es die Idee des Guten?, die schließlich nicht vom "Seiendes" abhängt?) vorgestellt haben, um die nichtseienden, der Mannigfaltigkeit unterworfenen weltlichen, sinnlichen Dinge erklären zu können (a lack of being, wie schwarze Löcher)? ^^

d) ähnlich dazu eine Frage zum Sophistes: Dort wird das Nicht-Sein als ein Anders-Sein beschrieben. Klingt für mich wie ein Taschenspielertrick, um das nicht Seiende zu erklären, ohne auf Nichtseiendes zurückgreifen zu müssen. Es handelt sich lediglich um verschiedenes Seiendes in falscher Konstellation/ falscher Verknüpfung ?
Kritik an strengem numerischen Monismus, Erklärung der Welt nur möglich, wenn man wie Platon mehrere Ideen bzw. diese γένη im Parmenides annimmt?

Danke!
Ioscius
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Re: Platon: Parmenides; die fünf obersten Ideen: γένη

Beitragvon Prudentius » Sa 24. Dez 2016, 17:45

im Dialog Parmenides werden fünf "Überideen" herausgearbeitet, die von der Idee des Guten abhängen: Seiendes, Bewegung, Ruhe, Selbes, Anderes.
a) Wie ist das zu verstehen, warum ausgerechnet diese vier anderen Begriffe neben dem "Seienden"?
Was zeichnet diese Begriffe aus? Was hängt von diesen vier Dingern ab?


Das sind zwei Gegensatzpare, Ruhe/Bewegung, Identität/Verschiedenheit. Platon muss ein Prinzip der Zweiheit einführen, um von der Einheit des Seins zur Vielheit der bunten Welt überleiten zu können.
Das eine Paar bezieht sich mehr auf das Physikalische, das andere auf das Logische.

Lieber Iosci, du wirfst hier Fragen auf, die auf einem unermesslichen Problemkomplex beruhen, was man vllt. das Problem des "Chorismos" der Ideen bezeichnen kann; darüber gibt es eine unendliche kontroverse Diskussion, in der sich unversöhnliche Lager gegenüberstehen; jede philosophische Richtung hat auch irgendwie Stellung zu diesen Fragen bezogen. Kaum jemand kann das Schlachtfeld überschauen.
Ich würde sagen, deine Fragen zu beantworten ist im Moment nicht so wichtig, studiere fleißig weiter, dann siehst du klarer.

Es ist der Hl. Abend, ich wünsche Dir ein frohes Weihnachtsfest,

lgr. P.
Prudentius
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