Auflösen von Literaturangaben.

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Auflösen von Literaturangaben.

Beitragvon Laptop » Mo 13. Mai 2019, 05:32

Eine Frage zu den klassisch-abgekürzten Literaturangaben, bspw. ‹Sen. Ep. 25.›. Kann man pauschal sagen, mit welchen Casûs sowas aufzulösen ist? Es gibt Situationen da könnte man den Autor im Genitiv oder im Akkusativ, oder auch im Nominativ oder sogar im Ablativ vermuten. Für alle Möglichkeiten könnte man Gründe finden. Gibt es da irgendeine Norm? Hier mal 4 Szenarien mit einer Interpretation, (aber eigentlich will ich keine Interpretation sondern eine klare Norm!):

Szenario 1, wir haben die Literaturangabe eingebettet in einen Satzzusammenhang, bspw.
lege, quaeso, Sen. Ep. 25. Hier würde ich den Autor im Genitiv sehen und das Medium im Akkusativ, richtig?

Szenario 2, wir haben eine typographisch gesetzte Überschrift über einem Zitat, bspw.
Sen. Ep. 38.
Quae facilius intrant, haerent. Hier würde ich den Autor im Nominativ sehen und das Medium im Ablativ, richtig?

Szenario 3, wir haben nur sozusagen eine Notiz in Klammern die nicht in den grammatikalischen Kontext eingebunden ist, bspw.
et sarcinas contrahe (Sen. Ep. 25.) Hier würde ich sowohl Autor als auch Medium im Nominativ sehen, sozusagen eine Aneinanderreihung ohne syntaktische Pflicht, richtig?

Szenario 4, wir haben eine bloße Liste im Anhang mit Literaturangaben,
Sen. Ep. 1.
Sen. Ep. 2.
Sen. Ep. 3. Hier würde ich dasselbe annehmen wie in Szenario 3, richtig?

:? :roll:
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Re: Auflösen von Literaturangaben.

Beitragvon Christophorus » Mo 13. Mai 2019, 15:52

Hm, ich denke, dass man Fall 1 nur unter Philologen so anwenden kann.

Muss ein Autor und muss ein Werk dekliniert werden?

Man sagt zwar auch schon mal, lies den Spiegel. Aber außer, das habe ich im Spiegel gelesen, kann man auch sagen, das steht in "Der Spiegel" auf Seite soundso.

Den Ablativ in Fall 2 kann ich nicht genau nachvollziehen, ein Ablativus loci? Hier würde ich auch das Werk wie in Fall 3 und 4 in den Nominativ setzen.
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Re: Auflösen von Literaturangaben.

Beitragvon Laptop » Mo 13. Mai 2019, 17:13

Hallo Christophorus. Im Fall 2 war mein Verständnis "Seneca (sagt), im 25. Brief: ...". Ist der Ablativ ohne Präp. in nicht möglich?Autor und Medium beide im Nominativ würde grammatikalisch ja wenig Sinn ergeben? Es sei denn man versteht es als Aneinanderreihung wie "letztes Gebäude, 2. Stock, rechter Gang, zweite Tür rechts." Ist das die Norm, die ich suche? Eine Aneinanderreihung von Nominativen, ganz gleich ob Autor oder Werk? Alles im Nominativ?
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Re: Auflösen von Literaturangaben.

Beitragvon Medicus domesticus » Mo 13. Mai 2019, 17:23

Salve Laptop,
Ich denke auch, dass es nicht unbedingt notwendig ist zu deklinieren. Die Abkürzungen kommen aus dem Neuen Pauly, Oxford Classical Dictionary, TLL.
Ich kenne hauptsächlich aus Salzburg Sen. epist.= Seneca, ad Lucilium Epistolae Morales.
In den Überschriften der Oxford-Bücher steht z.B. Seneca im Genetiv und dann das Werk im Nom.
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Re: Auflösen von Literaturangaben.

Beitragvon Christophorus » Mo 13. Mai 2019, 18:00

Medicus domesticus hat geschrieben:Salve Laptop,
Ich denke auch, dass es nicht unbedingt notwendig ist zu deklinieren. Die Abkürzungen kommen aus dem Neuen Pauly, Oxford Classical Dictionary, TLL.
Ich kenne hauptsächlich aus Salzburg Sen. epist.= Seneca, ad Lucilium Epistolae Morales.
In den Überschriften der Oxford-Bücher steht z.B. Seneca im Genetiv und dann das Werk im Nom.


Wenn ich mich richtig an meine Studienzeit erinnere, auch das OLD, OXford Latin Dictionary.
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Re: Auflösen von Literaturangaben.

Beitragvon Laptop » Mo 13. Mai 2019, 18:20

Medicus, ja, ich nenne das mal die syntaxfreie Lesung. Im Allgemeinen hast du sicherlich recht. Aber wie sieht es in diesem Fall aus:
Multum referre, pueros à primis ſtatim annis ad proprietatem vocabulorum adſvefieri: Propria autem vocabula ſint (ut Auguſt. lib. 2. de Doctr. c. 10. inqvit) cum his ipſis rebus ſignificandis adhibentur, propter qvos inventa ſunt: <...>

Liest der gelernte Altphilologe hier "liber" oder "libro", und "capitulum" oder "capitulo"? Es ist für mich verwirrend, weil sich irgendwas sträubt hier nur Nominative zu lesen. Wie siehst Du das?
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Re: Auflösen von Literaturangaben.

Beitragvon Laptop » Fr 17. Mai 2019, 15:18

Sehr geehrter Medicus domesticus ... sind Sie noch da?
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Re: Auflösen von Literaturangaben.

Beitragvon consus » Fr 17. Mai 2019, 20:04

Salve, Laptop!
Die Angabe
(ut Auguſt. lib. 2. de Doctr. c. 10. inqvit)
lese ich so:
"ut Augustinus libro secundo de Doctrina capite decimo inquit"
(i.d.R. ohne die Präposition in).
Hier nur ein Beispiel:
Augustinus libro tertio contra Iulianum, capite primo
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Re: Auflösen von Literaturangaben.

Beitragvon Laptop » Sa 18. Mai 2019, 15:34

So ähnlich hatte ich es auch im Sinn (wobei ich den Fehler gemacht hatte "capitulo"zu lesen). Darf ich zusammenfassen: wenn die Literaturangabe, wie im letzten Beispiel, in einen Satzzusammenhang eingebettet ist, wird sie dekliniert aufgelöst, falls nicht, z. B. in Klammern hinter einem Zitat, oder als Überschrift über einem Zitat, dann wird Autor und Medium beides im Nominativ aufgelöst, bspw. Seneca, Epistola viginti quinque, ... Hoffe das stimmt so. :)
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Re: Auflösen von Literaturangaben.

Beitragvon Tiberis » Sa 18. Mai 2019, 17:57

Laptop hat geschrieben:Seneca, Epistola viginti quinque,


wenn schon lateinisch, dann : epistula vicesima quinta ;-)
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Re: Auflösen von Literaturangaben.

Beitragvon Laptop » Sa 18. Mai 2019, 20:37

Selbstverständlich. Sowas peinliches.
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