titulus sepulcralis

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Re: titulus sepulcralis

Beitragvon Tiberis » Mi 3. Apr 2019, 13:17

cometes hat geschrieben:gibt sämtliche lateinische Grabinschriften der Provinz Noricum in der Heidelberger Datenbank aus, die einen servus als Errichter nennen.

danke, cometes! das bestätigt jedenfalls meine Vermutung, dass unser Vindillius ein servus gewesen sein könnte. Natürlich bleibt es immer noch eine Vermutung, da der Name BOCONIVS/ VOCONIVS doch recht fraglich ist, wenngleich immerhin möglich.
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Re: titulus sepulcralis

Beitragvon cometes » Mi 3. Apr 2019, 15:26

Was verraten uns in diesem Zusammenhang die Namen hinsichtlich ihrer Stellung im römischen Namenssystem?
Ist Vindill-ius (wohl keltischen Ursprungs) ein Gentilnamen wie in https://edh-www.adw.uni-heidelberg.de/i ... &anzahl=20, so stellt sich m.E. die Frage, ob den ein servus vor seiner Freilassung überhaupt führen durfte. Man kann den Standpunkt vertreten, aus BOCONI SERVVS gehe eben hervor, dass es nicht nur einer war. Zu erwarten wäre aber doch eher ein Rufname vom Typ Cupitus, Sabinus, Maurus (siehe Link oben), oder?
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Re: titulus sepulcralis

Beitragvon Tiberis » Mi 3. Apr 2019, 17:16

vgl. dazu https://edh-www.adw.uni-heidelberg.de/edh/inschrift/HD056594.
Auch hier entspricht der Name des Sklaven einem römischen Gentilnamen. Vindillius ist ein häufiger keltischer Name (Vindo), dem ein römisches Suffix angefügt wurde (Lochner a.a.O. 183), aus welchem Grund auch immer. Mag sein, dass er anderenorts den Status eines nomen gentile hatte, hier aber scheint es sich doch eher um einen Rufnamen zu handeln.
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Re: titulus sepulcralis

Beitragvon cometes » Do 4. Apr 2019, 12:42

Danke für den Hinweis.

Vindillius ist ein häufiger keltischer Name (Vindo), dem ein römisches Suffix angefügt wurde (Lochner a.a.O. 183), aus welchem Grund auch immer.


Auf keltischer Basis wurden mit dem Suffix -ius offensichtlich Pseudogentilizia und Patronyme (aus dem cognomen des Vaters) gebildet.
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Re: titulus sepulcralis

Beitragvon Zythophilus » Mo 24. Jun 2019, 08:44

Was an Abkürzungen und Ligaturen möglich ist, zeigt ein im Außenbereich des National-Historischen Museums von Sofia stehender Grabstein sehr anschaulich (Details wie Entstehungszeit und Fundort weiß ich aktuell nicht):
Besonders interessant ist das M am Ende der dritten Zeile: Neben dem Buchstaben als Abkürzung für menses findet man die Anzahl der Monate, weiters ein kleines D (für dies) und ein X für deren Anzahl.
Dateianhänge
Abküzungen Ligaturen Grabstein sw.PNG
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