Non vana fides. Ut tumulus poiesis. Elegie von Zythophilus.

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Re: Non vana fides. Litotes.

Beitragvon Willimox » So 24. Nov 2019, 21:19

Für Sprachinteressierte, Germanisten und Linguisten und solche, die diese Analyse ohne allzugroßes Murren überstanden haben: Das hier ist eine sehr feine Arbeit...

Laura Neuhaus: Linguistik der Litotes im Deutschen: Syntax, Semantik und Pragmatik einer "nicht uninteressanten" Redefigur. Berlin, Boston : De Gruyter, 2019.

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Dass keine klare Zuordnung eines jeden Adjektivs zu einer bestimmten Gegensatzrelation anzunehmen ist, bestätigt sich auch darin, dass das Präfix unin der Lage ist, verschiedene Gegensatzrelationen abzubilden. Lenz (1995: 35)
geht zwar davon aus, dass die Gegensatzrelationen tendenziell von der Bedeutung des Basisadjektivs der un-Derivation abhängig sind, und greift deverbale
Adjektive (-bar-Suffigierung, Partizipial-Adjektive) als typisch kontradiktorisch
heraus, aber auch hier gibt es graduierte Belege, die in konträrer Gegensatzrelation völlig unmarkiert sind, wie (47) und (48), gerade auch im Litotes-Kontext,
(23) bis (25), hier wiederholt als (49) bis (51).

(47) Depeche Mode waren ihren Zuhörern stets dann am nächsten, wenn sie
besonders unerreichbar schienen. [U09/MAI.01607 Süddeutsche Zeitung]
(48) Nur die verzwickte Handlung um die liebestolle Rosina, den eifersüchtigen
Bartolo und den spanischen Edelmann Almaviva bleibt einigermaßen
unverändert. [U98/DEZ.94412 Süddeutsche Zeitung]
(49) Christoph Rauscher knallte einen nicht ganz unhaltbaren Freistoß aus
über 20 Metern zur 1:0-Führung in die Maschen. [NON09/SEP.18529 Niederösterreichische Nachrichten]
(50) Sehen wir also Bush, Rumsfeld, Cheney und Rice bald auf der Anklagebank? Gar nicht so undenkbar. [HMP09/JAN.00613 Hamburger Morgenpost]
(51) Klaus-Peter Stieglitz, Inspekteur der Luftwaffe, nannte dem Gericht Zahlen,
die das Szenario des entführten Flugzeugs nicht gänzlich unvorstellbar
erscheinen lassen. [BRZ05/NOV.12730 Braunschweiger Zeitung]


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Schrödingers Katze, Kopenhagener Deutung.

Beitragvon Willimox » Mo 25. Nov 2019, 19:02

Nun ja, dieser Thread zur Novemberelegie von Zythophilus offeriert ein paar Beispiele, wie Dichter mit dem Thema Tod und Unsterblichkeit, Materie und Geist, Ernst und Komik umgehen. Oder wie Leser manchmal einen Text "gegen den Strich lesen" können, wenn eine Litotes hereinspielt.

Das naturwissenschaftliche Ich im Leser hat vielleicht Spaß an dieser hübschen Zeichnung. Darauf sieht man das Wartezimmer einer Tierarztpraxis, wo Haustierbesitzer geduldig warten.

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"Was Ihre Katze betrifft, Mr. Schrödinger, habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht."

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Re: Non vana fides. Ut tumulus poiesis. Elegie von Zythophi

Beitragvon Longipes » Mo 25. Nov 2019, 20:06

Ein schöner Lacher zum Abend :lol:
In omnibus requiem quaesiui et nusquam inueni nisi in angulo cum libro.
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Re: Non vana fides. Ut tumulus poiesis. Elegie von Zythophi

Beitragvon Willimox » Mo 25. Nov 2019, 20:51

Salute, Longipes!

Schrödingers Katze geht in eine Bar. Und tut es auch nicht.

Neugierde! Sie könnte Schrödingers Katze getötet haben.

Neu im Angebot: Schrödingers Katzenfutter. Halber Preis.
(Allerdings fifty-fifty, dass die Dose leer ist.)

"Mäh, Mäh!"
"Hei, Schrödingers Schaf, hast du Wolle?"
"Ja, Sir, nein, Sir, drei Säcke gleichzeitig voll und leer."

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man Jokes über Schrödinger in e-Latein liest.
In Serie. Das nutzt sich ab. Und gleichzeitig ist es so.
Bei Intrepidus eher unfreiwillig,

Gesucht:
Schrödingers Katze.
Tot und Lebendig.

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Zuletzt geändert von Willimox am Di 26. Nov 2019, 13:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Non vana fides. Ut tumulus poiesis. Elegie von Zythophi

Beitragvon Zythophilus » Mo 25. Nov 2019, 23:30

Der Schrödinger-Katzen-Witz funktioniert sieben Mal.
Wer weiß noch, warum Schrödinger für einen gewissen Zeitraum so populär in Österreich war, dass praktisch jeder sein Porträt am besten mehrfach besitzen wollte?
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Re: Non vana fides. Ut tumulus poiesis. Elegie von Zythophi

Beitragvon Longipes » Mo 25. Nov 2019, 23:42

Ich wusste es nicht, aber nun bin ich um einen weiteren Österreich-Fun-Fact reicher.
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Österreich, Schülling, Komik, Satz vom Widerspruch

Beitragvon Willimox » Di 26. Nov 2019, 12:51

Zweimal Schrödinger, bevor man ihn besser umtauschte, und danach:

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Valete

Thras.

p.s.

Das alles in diesem Faden wirkt gewiss wie Langstrumpfs Kunterbunt. Aber, es gibt eine Verbindung von Katze, Komik, Litotes, Kipp-phänomene.

Man erinnere sich: Die Litotes in der Totenmonats-Elegie kann potentiell den Textsinn kippen. Ohne das erste Verstehen zu annullieren. Etwa dann wenn man sie als Äquivalent zum modifizierten Komparativ ("allzu, ziemlich") (Neuer Menge § 30, 2) sieht.
Und es hat mit der Komik zu tun, wenn der Satz vom Widerspruch ins Kippen zu geraten scheint. Si wie bei Schrödingers Katze und ihrem LebendigseinTotsein.

Unabhängig davon, Zythophilus schreibt ja schon, sieben Leben hat die Katze.

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Neueste und wohl beste Arbeit zur Litotes, i repeat:

Laura Neuhaus: Linguistik der Litotes im Deutschen: Syntax, Semantik und Pragmatik einer "nicht uninteressanten" Redefigur. Berlin, Boston : De Gruyter, 2019. (partiell eher für Linguistiaficionados, partiell)

:chefren:
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