Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof.Radicke

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Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof.Radicke

Beitragvon mystica » So 15. Nov 2020, 15:15

Salvete optimi sodales!

Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof. Dr. Jan Radicke

Bild

Hier ist der Link zum online Seminar zu Horaz im WS 20/21 von Professor Dr. Jan Radicke, lateinische Altphilologie an der Universität Kiel, welches auf YT angeschaut werden kann:

https://www.youtube.com/watch?v=lwsTL_CSoBU

Valete! Mystica :wink:
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Re: Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof.Radic

Beitragvon Laptop » Mo 16. Nov 2020, 01:54

Sehr viel entspannter und geerdeter. Außerdem geht er ohne Umschweife an die detailreiche Aufschlüsselung des Textes und man lernt was am Ende des Tages. Nur, was mir gleich beim 9. Wort der Satire auffällt, die er ja in pronuntiatio restituta liest: warum spricht er "seu" als /soi/? Dann spricht er auch den Stammvokal von clamare kurz, in "clāmat in urbe".
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Re: Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof.Radic

Beitragvon ille ego qui » Mo 16. Nov 2020, 17:50

Das überrascht ja nicht. Wenn einer nicht ausdrücklich Aussprache-Fan ist, brauchst du gar nicht damit zu beginnen, Fehler zu registrieren. Du wirst nicht fertig werden;)
Vielleicht spricht er das a zumindest gespannt... ;-)
Vale!

P.S.: Mit korrekten Vokallängen ist ja ohnehin noch nicht so viel gewonnen, wenn man sich nicht auch um die Quantität der Silben kümmert. Und das tut ja kaum jemand...
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Re: Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof.Radic

Beitragvon Laptop » Mo 16. Nov 2020, 20:08

Das waren die einzigen Fehler, die ich gefunden habe, und möchte das nicht wie ein Fazit gelesen haben. Er spricht ansonsten ja sehr gut. Aber Du hast recht, Aussprachefehler findet man im Allgemeinen wie Muscheln am Strand. Evan Millner z. B. kann ich mir gar nicht mehr anhören, das ist mir dann schon zuviel ...
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Re: Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof.Radic

Beitragvon iurisconsultus » Mo 16. Nov 2020, 21:18

Am Anfang fand ich ihn mühsam, weil er etwas abgehackt und flat­te­rig doziert. Aber nach einer Folge hatte er mich trotzdem, weil er recht informativ ist. :-D
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Re: Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof.Radic

Beitragvon Tiberis » Di 17. Nov 2020, 03:42

Bei dieser fürchterlichen Aussprache hätte Horaz wohl die größte Mühe, seinen eigenen Text wiederzuerkennen. Ich möchte wirklich wenigstens einmal einen deutschen Philologen erleben, bei dem man nicht schon beim ersten lateinischen Wort weiß, aus welchem Land er kommt. Diese extreme Aspirierung insbesondere der Dentale tut geradezu in den Ohren weh. jakthanthibus - horribile auditu!
Und gelesen hat er die Hexameter sowieso wie einen Prosatext. Von Versrhythmus nicht die geringste Spur.
Aber gut, ich will jetzt nicht wieder eine Diskussion um Vers- und Wortakzent beginnen. :roll:
Gehen wir zum Inhaltlichen: Radicke bezeichnet die Satire als "Moralpredigt", was einigermaßen seltsam ist und das Wesen dieser Literaturform nicht trifft. Er verliert kein Wort über die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs "Satire", obwohl gerade das zum Verständnis dieser Form hätte beitragen können.
Überhaupt frage ich mich, an wen sich diese sogenannte online-Vorlesung richtet. Doch nicht etwa an Studenten der klassischen Philologie, von denen man erwarten würde, dass sie z.B. von konjunktivischen Relativsätzen , die Radicke hier langatmig zu erklären versucht, bereits Kenntnis haben ?
Gemessen an dem Anspruch, den ich an eine Vorlesung stelle, war das Gebotene eher schlichte Kost. Dazu kommt noch die stockende, teilweise fahrige Redeweise des Vortragenden, die mitunter den Eindruck mangelnder Vorbereitung erweckt. :sad:
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Re: Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof.Radic

Beitragvon ille ego qui » Do 19. Nov 2020, 14:37

Ich möchte wirklich wenigstens einmal einen deutschen Philologen erleben, bei dem man nicht schon beim ersten lateinischen Wort weiß, aus welchem Land er kommt.


Für Österreicher sicher noch einfacher (ohne Aspiration) :)
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Re: Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof.Radic

Beitragvon mystica » So 22. Nov 2020, 12:00

Tiberis hat geschrieben:Bei dieser fürchterlichen Aussprache hätte Horaz wohl die größte Mühe, seinen eigenen Text wiederzuerkennen. Ich möchte wirklich wenigstens einmal einen deutschen Philologen erleben, bei dem man nicht schon beim ersten lateinischen Wort weiß, aus welchem Land er kommt. Diese extreme Aspirierung insbesondere der Dentale tut geradezu in den Ohren weh. jakthanthibus - horribile auditu!
Und gelesen hat er die Hexameter sowieso wie einen Prosatext. Von Versrhythmus nicht die geringste Spur.
Aber gut, ich will jetzt nicht wieder eine Diskussion um Vers- und Wortakzent beginnen. :roll:
Gehen wir zum Inhaltlichen: Radicke bezeichnet die Satire als "Moralpredigt", was einigermaßen seltsam ist und das Wesen dieser Literaturform nicht trifft. Er verliert kein Wort über die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs "Satire", obwohl gerade das zum Verständnis dieser Form hätte beitragen können.
Überhaupt frage ich mich, an wen sich diese sogenannte online-Vorlesung richtet. Doch nicht etwa an Studenten der klassischen Philologie, von denen man erwarten würde, dass sie z.B. von konjunktivischen Relativsätzen , die Radicke hier langatmig zu erklären versucht, bereits Kenntnis haben ?
Gemessen an dem Anspruch, den ich an eine Vorlesung stelle, war das Gebotene eher schlichte Kost. Dazu kommt noch die stockende, teilweise fahrige Redeweise des Vortragenden, die mitunter den Eindruck mangelnder Vorbereitung erweckt. :sad:


Salve optime Tiberis!

Zu Deiner Kritik an dem Seminar von Professor Dr. Jan Radicke zu Horaz will ich auf einige Punkte hinweisen, die mir wichtig erscheinen:

1.) Professor Radicke wendet sich bei der digitalen Lektüre lateinischer Texte an ein breiteres Publikum von Latein-Interessierten, die er bei YouTube zu erreichen sucht. Sein digitales Seminar soll berühmte lateinische Texte vorstellen und diese auch für Hobbylateiner*Innen transparent werden lassen. Zugleich ist dieses Seminar für Studierende der Latinistik im Grundstudium gedacht, um eine erste Grundlage für die Kenntnis und Analyse lateinischer Texte zu erarbeiten.

Auch gilt es zu bedenken, dass heutzutage bei den meisten Schüler*Innen der Lateinunterricht an den Schulen wegen der geringen Stundenzahl sehr defizitär ist und die meisten Studierenden der Latinistik nicht mehr das umfassende Wissen der alten Sprachen Latein und Altgriechische haben, welches zu Deiner Zeit noch vermittelt wurde. Aus diesem Grund wäre es sehr wünschenswert, wenn Du diese Umstände bei Deiner Kritik mehr berücksichtigen würdest.

2.) Ich denke, dass Professor Radicke sich bei dem digitalen Seminar mehr auf das lateinische Textverständnis konzentriert und nicht so sehr den Fokus auf das Versmaß richtet. Auch ist es die erste Sitzung des online Seminars, die Du Dir angeschaut hast. Auch bin ich mir ziemlich sicher, dass er diese Thematik des Versmaßes noch zur Sprache bringen wird, wie er dies auch in seinem digitalem Leküreseminar zu Vergil getan hat.

3.) Ich weiß nicht, ob es zielführend ist, Professor Radicke als deutschen Altphilologen vorzuwerfen, dass er eine fürchterliche Aussprache beim Lesen lateinischer Texte habe. Ob Horaz ihn nun verstehen würde oder nicht, scheint mir sekundär zu sein. Wir können seine lateinische Aussprache gut verstehen und auch gibt es unterschiedliche Aussprachen im Lateinischen, die wir tolerieren sollten.

4.) Professor Radicke nannte die Satiren des Horaz eine Art "Moralpredigt", aber er sagte auch, dass der Begriff der Satire noch näher zu klären sei, was eine Satire genau bei Horaz bedeutet. Aus diesem Grund ist der Begriff "Moralpredigt" wohl nur als eine erste Arbeitshypothese zu verstehen, die weiterer Explikationen bedarf.

5.) Der Exkurs von Professor Radicke über konjunktivische Relativsätze scheint mir in diesem Rahmen didaktisch sinnvoll zu sein, weil er sich eben an Studierende im Grundstudium und an ein breiteres Publikum von Latein-Interessenten wendet. Es ist eben kein Seminar für Fortgeschrittene und Doktoranden in der Latinistik.

6.) Sein Vortragsstil scheint mir sehr sympathisch und vor allem auch lebendig zu sein. Er liest nicht stur von einem Manuskript ab, sondern er bespricht die Probleme des lateinischen Textes, die ihm spontan in den Sinn kommen. Dies lädt zum Mitdenken und aktivem Nachvollziehen seiner Gedanken ein, was seine hohe didaktische Kompetenz auszeichnet.

7.) Ich hoffe, dass diese Gedanken Dir helfen, das Anliegen von Professor Radicke besser zu verstehen und vielleicht auch mehr zu würdigen.

8.) Wie wäre es, wenn Du einen YouTube Kanal über Horaz eröffnest und uns über die lateinische Dichtkunst belehrst? Ich würde Deine Kanal sofort abonnieren. :D

Vale! Mystica ;-)
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Re: Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof.Radic

Beitragvon Tiberis » So 22. Nov 2020, 16:37

mystica hat geschrieben:
salve!
6.) Sein Vortragsstil scheint mir sehr sympathisch und vor allem auch lebendig zu sein.

In Bezug auf den "sympathischen Vortragsstil" stimme ich dir zu. Radicke ist zweifellos ein guter Lehrer und die Liebe zu seinem Fach ist spürbar. Bezüglich Lebendigkeit bin ich nicht ganz deiner Meinung, dafür ist sein Vortrag zu langsam und stockend. und tatsächlich wäre ich beim Ansehen dieses Videos fast eingeschlafen. :D Das liegt möglicherweise auch daran, dass Radicke in seiner Besprechung dieser Horazsatire ausschließlich Dinge zur Sprache brachte, die jedem Latinisten ohnehin schon längst bekannt sind. In einem Gymnasium kann ich mir eine solche Textanalyse gut vorstellen - ich habe es seinerzeit nicht viel anders gemacht (von der Aussprache einmal abgesehen ;-) ) - , aber von einem Universitätsprofessor würde ich mir doch mehr erwarten, auch wenn, wie du sagst, seine Interpretation sich auch(!)an ein breiteres Publikum wendet.
mystica hat geschrieben:8.) Wie wäre es, wenn Du einen YouTube Kanal über Horaz eröffnest und uns über die lateinische Dichtkunst belehrst? Ich würde Deine Kanal sofort abonnieren

Das ehrt mich, aber meine diesbezügliche Eitelkeit hält sich in Grenzen ;-)
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Re: Horaz, Satire - Digitale Lateinische Lektüre, Prof.Radic

Beitragvon mystica » Mo 23. Nov 2020, 12:45

Salve optime Tiberis, mi amice care!

Tibi gratias ago pro responso tuo, quod me maxime delectavit. Recte enim dixisti professorem Ianum Radicke magistrum bonum et amatorem linguae Latinae esse.

Maxime doleo te nullas pelliculas de Latinis poetis facere velle. Vir doctissimus Latinae Poeticae esse mihi videris, qui nos multa discere possit. Ob eam causam te rogo ut denuo de hac re cogites.

Vale! Tua amica et studiosa, Mystica :wink:
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