Katzen, Mäuse, Studierte - Futter für Philogelos

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Katzen, Mäuse, Studierte - Futter für Philogelos

Beitragvon Willimox » Do 25. Feb 2021, 15:49

Komik und Witz

Hier vielleicht nicht am rechten Platz, weil griechisch, aber hier wohl eher gelesen. Ein Witz aus einem antiken Witzbuch:

Ein "Studierter" mit stereotyper Flauserei im Kopf und auch sonst nicht besonders lebenskundig hat es mit einer lästigen Maus zu tun. Die an den Folianten (Thomas von Aquin, Plato, Aristoteles, Quintilian) rumknabbert. Mary Beard (Das Lachen im alten Rom) schreibt dazu:

Philogelos 8:
Σχολαστικός θέλων πιάσαι μῦν συνεχώς τά βιβλία αῦτοῦ τρώγοντα κρέας δακών έν τη σκοτίᾳ έκάθισεν …
„Ein Studierter wollte eine Maus fangen, die schon die ganze Zeit an seinen Büchern nagte. Er setzte sich also im Dunkeln hin und kaute Fleisch …“

„Sententiam non completam esse monuit Dawe“ ist der Kommentar in Roger D. Dawes Teubner-Ausgabe.

Andere waren nicht so streng. Vielleicht gab der „scholastikos“ vor, eine Katze zu sein (so Thierfelder 1968, 205). Möglicherweise hält sich der „scholastikos“ für einen „Bücherfresser“, genauso wie die Maus, die ihm Konkurrenz macht. Wenn er nun Fleisch statt Bücher frisst, denkt er, die Maus würde das auch tun.

Gibt es noch andere Theorien plausibler Art?
Zuletzt geändert von Willimox am Di 2. Mär 2021, 18:27, insgesamt 5-mal geändert.
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Re: Gelehrten- und Mausekomik im Philogelos

Beitragvon mystica » Fr 26. Feb 2021, 10:57

Mystica Thrasybulo amico caro et doctissimo s.p.d.

Die Antwort ist denkbar einfach:

Der Scholasticus wollte der Maus drastisch signalisieren, dass er ein Fleischfresser sei, um der Maus Todesangst einzujagen. Die Maus sollte nämlich erkennen, dass sie in unmittelbarer Lebensgefahr wäre, wenn sie eingefangen werden sollte. So hoffte der Scholasticus, wenn die Maus dies realisieren würde, dann würde sie die Bibliothek bzw. Studierstube schleunigst für immer verlassen, sodass die geliebten Bücher vor weiterer Zerstörung verschont blieben.

Warum also immer unzählige spekulative Theorien aufstellen wollen, wenn der gesunde Menschenverstand den o. g. Sachverhalt folgerichtig zu deuten weiß!? :lol:

Dies erinnert mich an Thomas Nagel, der fragte, wie es sei, eine Fledermaus zu sein. Eine unsinnige Frage, weil wir dies nie wissen können. Es sind diese idiotische Fragen der analytischen Philosophie gewesen, die das Hirn vernebelten. Hingegen wurden die existenziellen Grundfragen des menschlichen Daseins lange Zeit beflissentlich nicht thematisiert, weil dann hätte man ja Metaphysik nolens volens betreiben müssen. So aber blieb die analytische Philosophie in ihrem selbst gezimmerten Elfenbeinturm ein Kindergarten vollen Unsinns, den sie nicht einmal bemerkte. :lol:

Jedoch ist schon seit längerer Zeit bei einigen analytischen Philosophen ein erfreuliches Umdenken eingetreten, sodass sie sich mit metaphysischen Problemen und auch besonders mit der Religionsphilosophie kritisch und auch konstruktiv auseinandersetzen.

Vale! Tua amica et studiosa, Mystica :wink:
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Re: Gelehrten- und Mausekomik im Philogelos

Beitragvon Willimox » Fr 26. Feb 2021, 13:29

Danke für diese Deutung. Sie hat den Vorzug, dass sie zu dem lebensunpraktischen, wirklichkeitsverfehlenden Denken des Scholastikus passt. Und sie trifft damit eine zentrale Bedingung für Komik.

Im übrigen bin ich immer wieder verblüfft, mit welcher Oberflächlichkeit/Unkenntnis und mit welchem fast schon komischem Triumphalismus Mysticas in Diskussionen auftreten. Ob das nun das Qualia-Problem oder das Gärtnerproblem ist.

Ich vermute, dass die Ironiesignale diese Schwächen nicht zudecken sollen und/oder können, jedenfalls nicht beim aufmerksamen Leser.

Beste Grüße an Aquinasleser, mögen sie die Schriften des Aquinaten mit der gebotenen Sorgfalt zu verstehen suchen und seine scholastisch-analytische Argumentationstechnik ausleuchten.
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Re: Gelehrten- und Mausekomik im Philogelos

Beitragvon mystica » Fr 26. Feb 2021, 14:00

Mystica Thrasybulo amico caro et doctissimo s.p.d.

Bitte bedenke, lieber Willimox, dass dies hier kein philosophisches Hauptseminar an der Uni ist und aus diesem Grund sei es mir wohl auch gestattet, dass ich pointiert nach meiner subjektiven Wahrnehmung die Dinge frei darstelle. Denn diese Freiheit nimmst Du Dir ja auch, wenn Du Deine anti-kirchlichen Ressentiments zum Besten gibst oder Dir Dein Hirn zermarterst, wie viel Theorien es über den besagten Scholasticus geben könnte, was eigentlich nur zeigt, dass Du nichts Sinnvolles zu tun hast.

Illa verba Senecae in mentem mihi veniunt, qui ait: "Graecorum iste morbus fuit quaerere, quem numerum Ulixes remigum habuisset, prior scripta esset Ilias an Odyssia, praeterea an eiusdem essent auctoris, alia deinceps huius notae, quae sive contineas, nihil tacitam conscientiam iuvant sive proferas, non doctior videaris sed molestior. [...] Potestne quicquam stultius esse quam quorundam sensus, hominum eorum dico qui prudentiam iactant?" (Cf. Seneca, De Brevitate Vitae, IX et seq.)

Außerdem ist der Heilige Thomas von Aquin wahrlich kein dunkler Denker, sondern er schreibt sehr klar und deutlich über philosophische und theologische Themenkomplexe. Da empfinde ich Dich eher als Σκοτεινός mit Deiner oft sehr verschwurbelten Ausdrucksweise und sophistischen Dialektik, um Dir den Anstrich eines großartigen Intellektuellen im Forum zu geben, der aber leicht durch seine suggestive Rhetorik zu durchschauen ist. :lol:

Greetse! :D Vale! Tua amica et studiosa, Mystica :wink:
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Re: Gelehrten- und Mausekomik im Philogelos

Beitragvon Willimox » Fr 26. Feb 2021, 17:02

Natürlich, liebe Mystica, ist das hier kein philosophisches Seminar. Schon allein deswegen, weil die Frage nach der Komik nicht gerade typisch für eine philosophische Fragestellung ist.

Aber zwischen dem Highbrowdiskurs und Geplänkel in Trumpmanier und noch einfältiger - selten gab es soviel logische Pannen zu beobachten - existiert ein Raum voller Möglichkeiten. Und unterschiedlicher Bandbreiten.

Die Frage, warum man über einen Witz lachen muss oder wann er nicht funktioniert, ist seit einiger Zeit ein ergiebiges (natur-) wissenschaftliches Thema, auch in der Philosophy of mind. Dahin gehört denn auch die Frage nach der (miss-) glückenden Mausekomik.

Um dir mit einer deiner Lieblingsstrategien zu kommen, hier eine persönlich-penetrante Ansprache: Wer in Heilig-Kreuz studiert, sollte die Relevanz des Komikthemas eigentlich kennen. Pater Karl Wallner weiss dir da einiges zu sagen.

Thomas Nagel stellt und beantwortet übrigens die Frage, warum wir uns nicht in das Bewusstsein der Fledermausigen versetzen können, selbst wenn wir ihren Wahrnehmungsapparat biologisch-technisch klassifizieren können. Insofern ist die Formulierung von der "unsinnigen Frage" erstaunlich seltsam, abwegig und leerläufig. Du kannst sicher sein, dass ich mich auf beißende Polemik verstehe. Ich halte es allerdings meist für unfair, sie anzuwenden. Sinemetu ist ein besonderer Fall.

Selbst dann, wenn der Diskussionspartner mal kurz Bieri ins Spiel brachte - vor einiger Zeit - aber nun ja. Bieris qualia-Thema steht ja noch an, es zu entdecken.

Zu Thomas, dem Aquinaten: Bei "dunkel" gab es wohl eine missverständliche Formulierung? Natürlich schreibt er klar und präzise wie selten jemand von den TheologInnen. Man sehe sich aber etwa in den "quinque viae" den ontologischen Argumentationsgang an. Da sind dann sehr problematischdunkle Stellen drin. Die aufzuhellen und in ihrer Problematik zu durchleuchten jenseits von gläubiger Übersetzungsandacht, das wär's.

Argumentieren dürfte auf jeden Fall eine für die Universität und für das praktische Leben unabdingbare Forderung sein. Mit Schattierungen natürlich. Und den Diskussionsteilnehmer und seine Argumente nicht ernst zu nehmen ist meistens so kontraproduktiv wie bumerangwertig.

Nochmal
Grüße /greetse
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Re: Gelehrten- und Mausekomik im Philogelos

Beitragvon ClaudiaK » Fr 26. Feb 2021, 19:44

Dann will ich auch mal einen Versuch wagen:

Ich denke, dass der Witz vollständig ist.
Er könnte als Anekdote heuzutage folgendermaßen erzählt werden:

Ein Fabavegetarier hat die ganze Nacht versucht, eigenhändig eine Maus zu fangen. Erschöpft, da es ihm nicht gelungen war, ging er am nächsten Morgen zu seinem Drogisten, bei dem er gewöhnlich auch seine Bohnen kaufte. „Bohnen?“, fragte der Drogist. „Nein,“ gab der Vegetarier zur Antwort und schilderte sein Mauseproblem und seine vergebliche Jagd. „Da muss du etwas anderes probieren“, sagte sein Drogist. Ohne weitere Erklärungen gab er dem Vegetarier ein Stück Speck. Zweifelnd schaute der Vegetarier auf das Fleisch. Der Drogist nickte ihm aufmunternd zu. „Gut, dann probiere ich es mal damit“, sagte der Vegetarier und verabschiedetet sich seufzend. Zu Hause angekommen setzte er sich auf den Boden, um wiederum die Jagd zu beginnen. Er betrachtet mißtrauisch den Speck, schließlich war er Vegetarier, überwand sich aber im Vertrauen auf das Wundermittel, steckte das Fleisch in den Mund und kaute es.
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Re: Gelehrten- und Mausekomik im Philogelos

Beitragvon marcus03 » Fr 26. Feb 2021, 19:54

und seitdem ist er kein Vegetarier mehr, weil er auf den Geschmack von Speck gekommen ist. ;-)

Fabula docet: Mit dem richtigen Speck bekehrt man manchen Vegi! :lol:
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Re: Gelehrten- und Mausekomik im Philogelos

Beitragvon Willimox » Sa 27. Feb 2021, 13:37

Weitere Aktualisierung, etwas für Insider:

Ein philosophisch orientierter Fabavegetarier hat die ganze Nacht versucht, eigenhändig eine Maus zu fangen. Erschöpft, da es ihm nicht gelungen ist, geht er am nächsten Morgen zu seinem Drogisten, bei dem er gewöhnlich auch seine Bohnen kauft. „Bohnen?“, fragt der Drogist. „Nein,“ gibt der Vegetarier zur Antwort und schildert sein Mauseproblem und seine vergebliche Jagd.

„Da musst du etwas anderes probieren“, sagt der Drogist. Ohne weitere Erklärungen gibt er dem Vegetarier ein Stück Speck. Zweifelnd schaut der Vegetarier auf das Fleisch. Der Drogist nickt ihm aufmunternd zu. „Gut, dann probiere ich es mal damit“, sagt der Vegetarier und verabschiedet sich seufzend. Zu Hause angekommen setzt er sich auf den Boden, um wiederum die Jagd zu beginnen. Er betrachtet misstrauisch den Speck, schließlich ist er ja Vegetarier, überwindet sich aber im Vertrauen auf das Wundermittel, steckt das Fleisch in den Mund und kaut es.

Die gelehrte Hauskatze, in ständigem Diskurs-Clinch mit einem Theologiestudenten der fundamentalistischen Art aus dem ersten Stock, pirscht seit 24 Stunden im Vegetarierumfeld herum und beobachtet mit einigem Erstaunen das Procedere dieses Mausefängers. Als sie das Problemlösungsverfahren durchschaut hat, öffnet sie ihr Maul, so dass sie der Grinsekatze aus "Alice im Wunderland" ähnelt, und sagt "Hör mal", wobei sie sich mit der Pfote an die Stirn tippt, "bist eigentlich DU des Teufels?"

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Re: Gelehrten- und Mausekomik im Philogelos

Beitragvon ClaudiaK » Sa 27. Feb 2021, 17:34

Willimox hat geschrieben:Als sie das Problemlösungsverfahren durchschaut hat, öffnet sie ihr Maul, so dass sie der Grinsekatze aus "Alice im Wunderland" ähnelt, und sagt "Hör mal", wobei sie sich mit der Pfote an die Stirn tippt, "bist eigentlich DU des Teufels?"


„Wieso glaubst du“, fragte der philosophierende Vegetarier „dass der Diabolus in mich gefahren sei?“
Er konnte sich gerade nicht wirklich gut konzentrieren, denn der Speckverzehr hatte seine Körperfunktionen durcheinander gebracht.
„Ganz einfach“, begann die Katze grinsend zu antworten: „deine Mausefangmethode könnte mögliche Zuschauer irritieren.“ Der Vegetarier ist verwirrt: „Wie würdest du denn die Maus fangen.“

Darauf schnurrte die Katze: „Naja. Ich würde es schon auch so wie du machen. Aber ich bin ja auch eine Katze.“ Schnell schob sie zwei kleine Volumina mit den Titeln De venatione murum und De muscipulis in ihr volles Fell. Sie hatte die Rollen mit den lebenspraktischen Ratschlägen dem Mann aushändigen wollen, besann sich aber während sie noch die Antwort gab.

Stattdessen schlug sie vor: „Lass mich den Speck essen, dann fange ich für dich die Maus.“
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Re: Gelehrten- und Mausekomik im Philogelos

Beitragvon Willimox » Sa 27. Feb 2021, 20:07

In der Zwischenzeit hatten sich einige Zuschauer an den Bildschirmen versammelt und beobachteten den Fortgang der Geschichte, so dass eine Art von Metaebene der Observation entstand. Einige rümpften die Nase, wieder andere sagten, sie verstünden hier schon aber gar nix.

Ein germanistisch gebildeter Jungmann namens Weinrich meinte: „Seltsam, wie hier das Imperfekt als Erzähltempus mit dem Präsens wechselt. Die besprochene und die erzählte Welt befinden sich in einem leicht brodelnden Flow.“ „Aha, eine Jungfrau sagt sowas nicht?“, hörte man eine Stimme aus Thüringen.
Ein Altphilologe namens Zythophilus meinte, im Österreichischen wie im sonstigen deutschen Sprachraum sei die Redensart „Bist du des Teufels“ bereits eher antiquarisch unterwegs, sie bedeute etwa so viel wie „Bist Du von Verwirrung gebeutelt und Unverständnis?“ Insofern sei die Frage des Vegetariers eigentlich schon beantwortet, der Vegetarier in ClaudiaKs Beitrag sei aber wahrscheinlich nur philosophisch gebildet, wiewohl ….

Thrasyboulus nickte „Das kann ich bestätigen“ und begann eine Diatribe damit, dass er darauf verwies, er sei kein Anhänger der „diachronen“ Sprachwissenschaft – Mystica, eine junge Elevin der Theologie rief „ Warum immer so kompliziert? Ihr stoßt nicht zu den wahren Fragen vor. Mit eurem Sprachbrimborium erinnert ihr an Heidegger.“ – Thrasyboulos ließ diesen Einwurf an sich abprallen: „Ich darf hier diachrone Belege aufführen, allerdings gibt es keine eindeutige Problemaufhellung, wie das eben so in Wissenschaften ist. Das kirchenlateinische diabolus, . diábolos (διάβολος), eigentlich ‘Verleumder’, zu griech. diabállein (διαβάλλειν) ‘entzweien, verklagen, verleumden, verschmähen’, eigentlich ‘auseinanderwerfen’ , ´verwirren“ ist wohl die Quelle der Entlehnung für das Teufel-Lexem.“

Tiberis und Sapientius hatten sich unterdessen in einem Disput verkeilt: Die Inquisition mit ihrem Teufelsglauben sei ein typisches Produkt totalitären Denkens. Allerdings, sagte Sapientius, allerdings sollte man soziokulturelle Betrachtungen aus Fairnessgründen nicht ausschließen. Immerhin sei es zu Gerichtsverhandlungen gegen Teufelsbündner und Katzenfreunde gekommen. Die Alternative sei ja Lynchjustiz gewesen. Das dürfe man nicht vergessen.

Der Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, bis zu seiner Absetzung durch Papst Franziskus im Jahr 2017 Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre im Vatikan, ehemals die Heilige Inquisition genannt, hatte die Hand erhoben: „Der Teufel ist ein personales Geschöpf, das in Perversion seiner Willenstranszendenz sich von einem erfüllenden Ziel, der Liebe Gottes, abgewandt hat.“

„So ist es, wer will dagegen sein Wort erheben?“, Bernhard von Clairvaux war das: „Der rechte Glaube glaubt, er disputiert nicht.“

Eine hüstelnde Stimme: „Großinquisitor ist eine historische Einordnung, irgendwo stehen wir in der Kontinuität. Aber wir versuchen heut’ das, was nach damaligen Methoden, zum Teil kritisierbar, gemacht worden ist, jetzt aus unserem Rechtsbewusstsein zu machen. Aber man muss doch sagen, dass Inquisition der Fortschritt war, dass nichts mehr verurteilt werden durfte ohne Inquisitio, das heißt, dass Untersuchungen stattfinden mussten.“ „Hört ihr diesen Ratzinger?“, empörte sich Tiberis.

„The heart of man is the place the devils dwell in: I feel sometimes a hell within myself“, mischte sich ein gewisser Sir Thomas Browne ein. „Wer soll denn das sein?, fragte Sinemetu, der Quaestor.
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Re: Gelehrten- und Mausekomik im Philogelos

Beitragvon medicus » Sa 27. Feb 2021, 20:36

Für alle Freunde der hellischen Katze:
https://www.zazzle.de/lustiger+harter+schwanz+geschenke
:suche:
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Re: Gelehrten- und Mausekomik im Philogelos

Beitragvon Veterinaria » Sa 27. Feb 2021, 21:14

Ein Veterinärwitz zu diesem Thema:

Herr Müller, der glaubte, er sei eine Maus und würde von Katzen verfolgt, suchte Zuflucht in der psychiatrischen Klinik seiner Stadt. Die Dame am Empfang fragte ihn, was sie für ihn tun könnte. "Sie müssen mich verstecken, ich werde von Katzen verfolgt!" Die Empfangsdame fragte ihn, warum er glaube, von Katzen verfolgt zu werden? "Weil ich eine Maus bin!". Worauf die Dame einen Arzt rief und Müller in der Klinik aufgenommen wurde. Nach sechs Monaten und unzähligen Einzel- und Gruppensitzungen hatte der zuständige Arzt das Gefühl, Herr Müller sei geheilt. Er sagte zu ihm: "Wie fühlen Sie sich, Herr Müller?". Dieser antwortete: "Gut, ich weiss jetzt, dass ich keine Maus, sondern ein Mensch bin." Also, dann könnte er nach Hause. Der Arzt begleitete ihn noch bis zum Ausgang, und als er die Türe öffnete, sah Müller auf dem Rasen gegenüber eine grosse Katze sitzen, die zur Türe herüberstarrte und er drehte sich zum Arzt um. Dieser beruhigte ihn, er wisse doch jetzt, dass er keine Maus sei? "Jaja", antwortete Herr Müller, "aber weiss das die Katze auch?"

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Re: Katzen, Mäuse, Gelehrsamkeit und Komik für den Philogelo

Beitragvon Willimox » So 28. Feb 2021, 15:44

Einen herzlichen Gruß in die Runde.

Mit großem Vergnügen haben wir hier in unserer akademischen WG gelesen, was euch zum Philogelos, speziell zur Komik des Gelehrtendaseins einfällt. Wie schön sind doch eure Beiträge, danke an ClaudiaK, Mystica, Medicus, Marcus03, Willimox, Veterinaria.

Wir haben da in unserer akademischen Wohngemeinschaft einen älteren Herrn namens Ehrenfried, der kennt den Philogelos und den Thrasyboulos, den Bruder von Willimox. Außerdem haben wir in unserer WG einen WG-Hund, Lotte heißt er oder sie. Im Stockwerk über uns findet sich eine Theologen-WG, sie hat eine WG-Katze. Wahrscheinlich eine direkte Reaktion auf eher obskure Überlegungen der katholischen Theologie, dass die Katze des großen Verderbers Diabolos Gefährte/in sei.

Einblicke in unser WG-Leben sind auf ihre Weise ohne weiteres philogelosgeeignet, allerdings entwickeln sie ihre Komik nicht unbedingt in der Kürze und ihrer Würze. Hier eine Exempelstory. Vielleicht könnt ihr dazu wohlwollend Stellung nehmen:


Ehrenfried hat ewig lang bei Heinrich Lausberg studiert und ist ungeheuer penibel, fast pingelig.
Er sorgt sich um die Ordnung in der Wohngemeinschaft.
Er arbeitet mit kanariengelben, grasgrünen und rosaroten Post-its, also „vulgo“ mit "Klebezetteln"
Er sagt „vulgo“, wenn er eine gewöhnliche, allgemein gebräuchliche Bezeichnung anführt, dieses „Obergscheidhaferl“ – so wird er von Thrasyboulos genannt, ein Bayer..
Er bildet sich viel ein auf seine persuasiver Rhetorik, die Kunst des Überredens und Überzeugens.
Er arbeitet dabei eher rhetorisch-schriftlich, mit diesen "Klebezetteln".
Kurz:
Er nervt ziemlich herum. Beispiele:

Die letzten, die zu Bett gegangen sind, haben die Lampe nicht ausgemacht.
Am nächsten Tag um 8 Uhr morgens hat sie ein hellrosa Post-it auf ihrem Sockel:
"Ich bin eine Lampe - kein Leuchtturm.
Kein Seefahrer in Gefahren ist von meinem tröstlich-transeunten Lichtstrahl abhängig.
Schaltet mich aus."

Der Nike-Sportschuh von unserem Fünfundvierzigjährigen, auf halber Höhe der Treppe?
"Du tust es nie nur für dich.
Just do it!
Steck mich einfach in das Schuhregal."

Der Sprüharm in der Geschirrspülmaschine?
"Leute, bitte erntet die reichliche Menge an Zitronenkernen und Reiskörnern aus meinen unerklärlich kleinen Bullaugen.“

Der Duschkopf?
"Hallo! Ich bin Kalziumkarbonat - auch bekannt unter meinem gängigeren Namen/vulgo: Kalkstein! Ich bin im Wesentlichen ein parasitäres Mineral, das Wasserdruck stiehlt, indem es die Düsen der Dusche mit Kalkablagerungen verstopft. Zerstören könnt ihr mich, indem ihr Zitronensäure benutzt!
Keine Sorge, ich bin masochistisch veranlagt."

Manchmal geht das dann schon ganz tief ins Absurde. Am Mittwoch betrat der WG-Hund Lotte den Raum mit fünf separaten Post-it-Zetteln, die an ihren Körper geklebt waren:
"Ich habe Würmer."
"Ich habe im Garten heimlich gekackt."
"Bürstet mich."
"Geht mit mir spazieren", und
„Warum habt ihr mich sterilisiert? MEIN KÖRPER GEHÖRT MIR.
Ich trauere um die Welpen, die ich hätte gebären können."

Und dann die Botschaft bei der toten Wespe am Fensterrahmen:
"ICH LIEGE SEIT FÜNF TAGEN HIER.
IN DEN MEISTEN RELIGIONEN
WÜRDE MEINE AUSBLEIBENDE BEERDIGUNG
ALS SAKRILEG ANGESEHEN WERDEN."

Haben Tiere eine Seele? Steht ihnen eine Beerdigung überhaupt zu? Sagt Christus nicht, der Mensch möge sich wie die Vögel des Himmels um nichts sorgen? Warum sich dann um Begräbnisse sorgen? Außerdem: Da geht es nur um den Leib.
Wir könnten in der Theologen-WG nachfragen. Sie hat einiges an Käuzen zu bieten.
Einer von ihnen - er ist auf dem Trip analytische Religionsphilosophie - hat in seinem Zimmer dieses Katzenposter hängen.

Bild
............ VERITAS ODIT MORAS .........
Zuletzt geändert von Willimox am So 28. Feb 2021, 18:31, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Katzen, Mäuse, Gelehrsamkeit und Komik für den Philogelo

Beitragvon medicus » So 28. Feb 2021, 18:16

Willimox hat geschrieben:, danke an ClaudiaK, Mystica, Marcus, Marcus03, Willimox, Veterinaria.

Ubi latet Marcus duplex? Cur tibi ipsi gratias agas, aut est item Willimox duplex in foro :?
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Re: Katzen, Mäuse, Gelehrsamkeit und Komik für den Philogelo

Beitragvon Willimox » So 28. Feb 2021, 18:33

Salve, medice,
offensichtlich eine paranormale WG.
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