etymologische Frage

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etymologische Frage

Beitragvon Molly » Sa 3. Mär 2007, 18:50

Ich bin in Vergils Äneis auf das Wort cymbium gestossen, das laut Stowasser vom griech. cymbion abstammt.
Im Niederdeutschen gibt es "Kump" oder "Kumme", alles bedeutet Schale oder Schüssel.
Gibt es da eine Beziehung und weiß vlt jemand Genaueres, zB noch mehr Wörter, die zu dieser Familie gehören könnten?
Es ist nicht dringend und ich bin nur neugierig.
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Beitragvon juergen » Sa 3. Mär 2007, 19:11

κυμβιον ist im Griechischen ein kleiner Becher; bzw κυμβη ein Topf oder Becken. Nun gibt es ja auch den Begriff κυμβαλον und das ist eine Zymbel, also ein Musikinstrument, das ja bekanntlich ähnlich aussieht, wie eine Schüssel, weswegen man auch Becken dazu sagt.
Gruß Jürgen

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Beitragvon Molly » Sa 3. Mär 2007, 19:32

Interessant! Wenn Zimbel( bzw. engl.: cymbal= das steht auf dem Schlagzeugbecken hier neben mir) dazu gehört, gehört dann auch cembalo dazu?
(Als "Schüssel" scheint das Wort auszusterben, dafür lebt es als Musikinstrument weiter. 8) )
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Beitragvon Tiberis » Sa 3. Mär 2007, 20:11

es gibt mehrere musikinstrumente, die zu dieser "familie" gehören; neben cembalo z.b auch das Cimbal, das z.b in der ungarischen volksmusik eine bedeutende rolle spielt.
im lat. gehört hierher das wort "cumba/ cymba" (= boot, kahn)
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Beitragvon consus » Sa 3. Mär 2007, 20:13

Salve, Molly!

Es geht weiter, wenn's beliebt...

mlat. cumbia;
E coomb, combe: Talmulde.

Latein für Biologen:
Zool. F comblette: Klauenspalt des Hirsches;
Zool. cymba: Kahnschnecke;
Bot. cymbaria: Rachenkraut.

Haec hactenus.

Schönes Wochenende!
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Beitragvon Molly » So 4. Mär 2007, 13:26

danke, danke..
das ist eine Marotte von mir: Wörter sammeln!
Ich werde mir alle aufschreiben.
Coomb kannte ich noch gar nicht!
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Beitragvon juergen » So 4. Mär 2007, 13:34

Molly hat geschrieben:das ist eine Marotte von mir: Wörter sammeln!

Oh, da gibt es vorgefertigte Wörtersammelalben.

Guck mal DA

:lol:
Gruß Jürgen

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Beitragvon Molly » So 4. Mär 2007, 13:49

Das Wörtersammeln macht dann aber nicht mehr so viel Spaß! :sad:
Außerdem kann ich dann meine nicht Zeit nicht mehr sinnlos verplempern.
Ich habe noch eine Sammlung mit:
radere, radix, Rettich (Radi, Radieschen ect.), roden, radieren,ausrotten, radikal, ratzekahl (das halte ich mal für eine Verballhornung von radikal...)
...aber ich schau mir gerne den link an, merci!
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Beitragvon juergen » So 4. Mär 2007, 14:05

Übrigens habe ich noch was Nettes, auch wenn es kein Latein ist....

Das Wort "passwort" gab es schon lange, bevor es durch die Computertechnik bekannt(er) wurde. Es ist eine Art Eindeutschung (Lautverschiebung??) des französichen Wortes "passeport".

:)
Gruß Jürgen

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Beitragvon consus » So 4. Mär 2007, 14:52

Dass radix etwas mit radere zu tun, wage ich zu bestreiten, molly optima.
Es gibt allerdings Leute, die das Wort Ratte (Nagetier) mit radere irgendwie in Verbindung bringen. Übrigens spricht man auch manchmal von "Etymogleien"; denn auf dem Felde der Etymologie ist doch einige Vorsicht geboten.
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Beitragvon juergen » So 4. Mär 2007, 15:13

consus hat geschrieben:Übrigens spricht man auch manchmal von "Etymogleien";...

Oder
- Hausfrauenetymologie
- Küchenetymologie (vielleicht in Anlehnung an "Küchenlatein", aber dieser Zusammenhang mag auch nur Küchenetymologie sein...)
Gruß Jürgen

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Beitragvon nighean_neonach » So 4. Mär 2007, 15:16

... offiziell auch "Volksetymologie" http://de.wikipedia.org/wiki/Volksetymologie genannt, wenn z.B. Ortsnamen umgedeutet wurden, da die ursprüngliche Wortherkunft ins Vergessen geraten war.
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Re: etymologische Frage

Beitragvon Gabel » Mo 5. Mär 2007, 10:31

Molly hat geschrieben:Ich bin in Vergils Äneis auf das Wort cymbium gestossen, das laut Stowasser vom griech. cymbion abstammt.
Im Niederdeutschen gibt es "Kump" oder "Kumme", alles bedeutet Schale oder Schüssel.
Gibt es da eine Beziehung und weiß vlt jemand Genaueres, zB noch mehr Wörter, die zu dieser Familie gehören könnten?
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Hier ist der Eintrag aus dem Kluge:

Kumpf Sm "Napf, Gefäß für den Wetzstein" per. obd. (13. Jh.) mhd. kumpf, mndd. kump. Aus vd. *kumpa-; daneben mit -b ae. cumb "Getreidemaß", wohl auch nhd. (reg.) Kumme f. "tiefe Schale", mndd. kumme f. "rundes, tiefes Gefäß". Vergleichbar ist gr. kymbos m./n. "Gefäß, Becher", ai. khumbá- "Gefäß, Topf". Vermutlich liegt überall Entlehnung aus einer unbekannten Substratsprache vor.
can I get a 'quodquod'?
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Re: etymologische Frage

Beitragvon juergen » Mo 5. Mär 2007, 10:54

Molly hat geschrieben:Im Niederdeutschen gibt es "Kump" oder "Kumme", alles bedeutet Schale oder Schüssel.

"Kump" ist keine Schale und auch keine Schüssel, sondern eine Kneipe in Paderborn.

:lol:
Gruß Jürgen

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Beitragvon Molly » Mo 5. Mär 2007, 12:11

matrona sum...
daher auch die Hausfrauenetymologie.
"radere" und "radix" sind 2 Stämme?
Heißt nicht "roden" und "ausrotten" "mit der Wurzel ausreißen"?
radere, rasi rasum heißt zugegeben schaben, radieren oder rasieren.
Bei Ratte rattus rat ect. haben wir allerdings ein ur uraltes Wort, das ich nicht so mir nichts dir nichts in die eine oder andere Schublade stecken möchte.
Zählst du denn rodere, rosi, rosum eher zu radere oder zu radix? (Ich bin noch nicht überzeugt, dass radix und radere keine gemeinsame Wurzel haben, kann aber ebensowenig das Gegenteil beweisen.)

"Der Zauberer
verzaubert hier
die Ratte
in ein Nagetier."
(Robert Gernhardt)
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