Ad Atticum

Das Forum für professionelle Latinisten und Studenten der Lateinischen Philologie

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Ad Atticum

Beitragvon LaniusCollurio » Mo 21. Nov 2016, 16:52

Salvete!

Die erste Hausarbeit steht an und somit auch das erste mir völlig neue Thema, eine Briefanalyse.

Eine 12 Seiten lange/kurze Analyse eines Briefes meiner Wahl zum Thema Ad Atticum.

Wie geht man das Thema an? Wie ist eine solche Analyse zu gestalten?

Im Groben dachte ich an folgenden Aufbau;

Einleitung
-Titel
- Autor
- Textsorte
- etc.

Hauptteil
- Inhalt
-----Kurze Einführung
-----Inhaltsangabe
-----Leitgedanke
-----Sinnabschnitte ( inhaltl. Unterteilung)
Textstruktur
----Argumentationsweise
Sprache
----Auffälligkeiten (Adj., nur Subst.)
----Stilmittel (aber nur dezent)
----Satzbau (Hypotaxe, Parat.)
----Sprachfamilie (Fachsprache etc.)
----Verwendung bestimmter Wörter (Neologismen, Archaismen etc.)
Intention
.
.
.
Schluss

Ich bitte um Ergänzungen.

Alles Gute

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Re: Ad Atticum

Beitragvon Medicus domesticus » Mo 21. Nov 2016, 17:53

Schau dir am besten als Beispiel eine Hausaufgabe zu einem ähnlichen Thema an oder du fragst jemanden, der schon weiter ist. Außerdem gibt es ja die Fachschaften, die oft eine Menge an Material zur Verfügung stellen können...
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Re: Ad Atticum

Beitragvon marcus03 » Mo 21. Nov 2016, 17:56

historischer Kontext, Anlass der Briefes, Tenor des Briefes
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Re: Ad Atticum

Beitragvon Medicus domesticus » Mo 21. Nov 2016, 18:10

Die Briefe an Atticus, einem seiner Förderer und ziemlich guten Freund, der ihn immer unterstützt hat, sei es finanziell, sei es auch in der schweren Zeit seines Exils, zeigen viel über den politischen Background der damaligen Zeit auf. Häufig erkennt man die Gefühlslage Ciceros und erfährt einiges über seine Einstellung und über die politische Situation. Die Briefe sind zeitlich ganz gut eingeordnet. Daraus kannst du viel machen: Wann der Brief geschrieben wurde, welche politische Situation zu dieser Zeit herrschte, in welcher Lage/Situation sich Cicero gerade befand usw.
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Re: Ad Atticum

Beitragvon LaniusCollurio » Mo 21. Nov 2016, 18:49

Ich habe mir schon einige Bücher zum Thema gekauft. Den Rest muss die Bib. hergeben.

Ich denke auch, dass ich dazu einiges schreiben kann.

Dann ist doch mein Aufbau gar nicht so schlecht.
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Re: Ad Atticum

Beitragvon Christophorus » Mo 21. Nov 2016, 20:40

Wir mussten früher z.T. Textstellen aus der Aeneis oder Briefe analysieren bzw. interpretieren. Was meinem Prof. sehr wichtig war, war ein Eingehen auf den textkritischen Apparat, aber das kann ja heute, 25 Jahre später, ganz anders aussehen. Zumal die Analyse ja nur Teil des größeren Ganzen ist.
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Re: Ad Atticum

Beitragvon medicus » Mo 21. Nov 2016, 21:05

Verzeiht mein Unwissen, doctissimi magistri, aber sind nach Jahrhunderten nicht alle Briefe Ciceros längst vielfach analysiert? :book:
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Re: Ad Atticum

Beitragvon Medicus domesticus » Mo 21. Nov 2016, 21:19

medicus hat geschrieben:Verzeiht mein Unwissen, doctissimi magistri, aber sind nach Jahrhunderten nicht alle Briefe Ciceros längst vielfach analysiert? :book:

Natürlich ist das so. Die Crux der Lateinischen Philologie im Hauptaugenmerk auf die Klassiker ist ihre eigene Begrenzung und mangelnde Weiterentwicklung...Dadurch ergibt sich das Problem. Vieles wurde eigentlich im 19./20. Jahrhundert erforscht und dargestellt. Es war eine kreative Zeit. Wir zehren immer noch von dieser Zeit und ihren Professoren.
In der Medizin oder anderen Wissenschaften hat man eine ständige Innovation und neue Themen. Deshalb kann man dies nicht vergleichen.
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Re: Ad Atticum

Beitragvon Prudentius » Mi 23. Nov 2016, 09:16

Medicus domesticus hat geschrieben: ... Die Crux der Lateinischen Philologie im Hauptaugenmerk auf die Klassiker ist ihre eigene Begrenzung und mangelnde Weiterentwicklung.


"Crux" kann man es nicht nennen, du musst an den Entstehungsgrund der "Klassischen Philologie" denken, das war im ägyptischen Alexandrien der hellenistischen Zeit, da kam das Bewusstsein auf, dass eine große Epoche zu Ende gegangen war, die einmalige Glanzleistungen hervorgebracht hatte, man sah die Gefahr, dass diese untergehen könnten, und so hat man versucht, Texte zu sammeln, zu sichten, zu korrigieren und zu kommentieren, es war die Bibliothek genannt "Museion", bei den Römern entstand der Begriff des "Klassikers", von classis, es entstand eine geistige Bewegung, die man später "Humanismus" nannte, dann auch "Renaissance", eine Begeisterung, eine emotionale Haltung, ein Wertbewusstsein, möchte ich mal sagen, eine Überzeugung, dass die Klassiker uns Werte vermitteln können, etwas, das das Leben trägt; auf ganz verschiedene Arten.
Von daher werden wir die Fixierung auf die Klassiker nicht los. Es gibt freilich Kontroversen, wohin sich die Philologie stellen will, in die Reihe der Geschichtswissenschaften, Geisteswissenschaften, Religion (das Christentum benötigte platonisches Gedanbengut zur eigenen Fundamentierung), Meditation, Kunstwissenschaft?
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Re: Ad Atticum

Beitragvon Medicus domesticus » Mi 23. Nov 2016, 12:01

Nichts gegen deine Argumentation, Prudenti. Ich kenne den "Betrieb" ja auch zur Genüge... ;-)
Du hast es im geschichtlichen dargestellt, nur nützt das heute sehr wenig. Diese Zeit existiert nicht mehr. Griechisch ist faktisch fast tot in der Uni, Latein ist zur reinen Lehrermaschinerie geworden mit mehr, aber eher weniger geeigneten Kandidaten. Die Lateinische Philologie hat es versäumt, dass man moderner, alternativer wird, auch genauso wie andere Sprachen, nicht nur einen kleinen Prozentsatz der lat. Literatur einbezieht und ein paar Pseudo-MA/NL-Institute schafft. Das wird wenig Zukunft haben, zumindest mittelfristig. Das heißt ja nicht, dass man die Klassik vernachlässigen muß, sondern dass man Latein wieder mehr als gesamte Sprache der Epoche anerkennt.
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Re: Ad Atticum

Beitragvon marcus03 » Mi 23. Nov 2016, 12:20

Medicus domesticus hat geschrieben:Die Lateinische Philologie hat es versäumt, dass man moderner, alternativer wird,


Wie stellst du dir das konkret vor?

Medicus domesticus hat geschrieben:Latein ist zur reinen Lehrermaschinerie geworden mit mehr, aber eher weniger geeigneten Kandidaten.

Wie findet man am besten geeignete Kandidaten?
Angeblich gibt es schon Auswahlverfahren vor Studienbeginn.
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Re: Ad Atticum

Beitragvon Medicus domesticus » Mi 23. Nov 2016, 12:28

marcus03 hat geschrieben:Wie stellst du dir das konkret vor?

Der Lehrbetrieb ist z.T. wirklich noch so wie vor 100 Jahren. Zu wenig Augenmerk wird bei den zukünftigen Lehrern auf die didaktischen Fähigkeiten gelegt. Zu wenig praktische Bildung. In der Medizin hat sich da schon vieles geändert. Bereits in meiner Zeit viel Praktiken und Famulaturen/PJ, Hinführung auf die medizinische Tätigkeit im KH. Ich bilde momentan im KH auch junge Ärzte für die Tätigkeit in der Notfallmedizin und Notaufnahme, einschließlich Sonographie aus. Sie dürfen unter Anleitung viel übernehmen an Eigenverantwortung, viele praktische Fortbildungen.
marcus03 hat geschrieben:Wie findet man am besten geeignete Kandidaten?
Angeblich gibt es schon Auswahlverfahren vor Studienbeginn.

Das ist nicht so einfach. Die Auswahlverfahren sind ja nur Eingangstests, oft auch nicht.
Die Kommunikationsfähigkeiten usw. spielen da ja nur wenig Rolle. Das macht ja oft den Lehrer aus.
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Re: Ad Atticum

Beitragvon marcus03 » Mi 23. Nov 2016, 13:11

Medicus domesticus hat geschrieben:Zu wenig Augenmerk wird bei den zukünftigen Lehrern auf die didaktischen Fähigkeiten gelegt.

Das hast du sicher Recht.Nur wie?

Medicus domesticus hat geschrieben:Zu wenig praktische Bildung.

Ich denke, das das letztlich an organisatorischen Problemen scheitert. Der ohnehin oft problematische Unterrichtsbetrieb würde das nicht verkraften. Es müsste zuviel radikal umorganisiert werden.
Wenn sich (genervte und überlastete) Lehrer zusätzlich mit immer mehr Praktikanten befassen müssen, dürfte das dem Arbeitsklima nicht unerheblich schaden.
Ich sehe hier einen circulus vitiosus,aus dem es keinen (r)echten Ausweg gibt. Sonst würden die KuMis doch nicht so tatenlos zusehen. Oder liegt es wiedermal nur am nötigen Geld für geeignete Maßnahmen? :nixweiss:
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Re: Ad Atticum

Beitragvon ille ego qui » Mi 23. Nov 2016, 13:59

Medicus domesticus hat geschrieben:Die Briefe sind zeitlich ganz gut eingeordnet. Daraus kannst du viel machen: Wann der Brief geschrieben wurde, welche politische Situation zu dieser Zeit herrschte, in welcher Lage/Situation sich Cicero gerade befand usw.


Den Anfänger gilt es jedoch bei diesen Überlegungen auf die Gefahr des Zirkelschlusses hinzuweisen.
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Re: Ad Atticum

Beitragvon Sokrates » Mi 23. Nov 2016, 15:02

Salvete,

nicht ohne dem Neuntöter viel Erfolg bei der anstehenden Arbeit zu wünschen, möchte ich, da ich mich beim Lesen mehrmals ziemlich wundern musste angesichts der möglicherweise berechtigten, wenigstens durch eigene Erfahrung gerechtfertigten, sicherlich aber erstaunlichen Thesen zu Stand und Zukunft der Klassischen Philologie und eigentlich der Philologie im Allgemeinen, nur ganz am Rande zu diesem Problem äußern:
Es soll diese uralte Wissenschaft nicht mehr zeitgemäß, vielleicht gar nicht mehr in diese Zeit zu bringen sein?
Der Unterricht, der jeder Institution eignet, soll nicht modern und praktisch genug sein?
Nicht, dass ich den so ehrbaren wie erfahrenen Foristen falsche Worte in den Mund legte oder die geschriebenen verdrehte, noch diese Worte für ihre Überzeugung hielt, noch auch leugnete, dass es eine so lautende Meinung wirklich gäbe (diese gibt es vielleicht nicht ohne Grund oder zu Recht), aber verhält es sich nicht genau umgekehrt, nämlich so, dass ein Mangel, wenn dieser Wissenschaft denn einer anhaften sollte, theoretischer Art ist? Müsste die Philologie nicht noch viel mehr, als bisher erfreulicherweise zu sehen ist, aus den lieben Freundinnen, der allgemeinen und historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft, der Philosophie und Logik und in Teilen der Geschichte und der Mathematik, Nutzen ziehen, insofern diese schon Anteil an ihr haben, oder doch Umgang haben, sofern sie noch alleine steht?
Dies alles liegt ja schon ausgebreitet vor denen, die sich mit dieser Aufgabe befassen, aber in die Schulen hat eine solche Meinung kaum Einzug gehalten, wie kann Latein da noch attraktiv sein?
Die Texte sind alt und werden älter, unsere Sicht auf sie, unser Verständnis aber ändert sich und dringt immer weiter.
Vielleicht müsste man dies den Schülern, damit sie Studenten werden, vermitteln?
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