Rubenb. Hoff. § 113

Das Forum für professionelle Latinisten und Studenten der Lateinischen Philologie

Moderatoren: Zythophilus, marcus03, Tiberis, ille ego qui, consus, e-latein: Team

Rubenb. Hoff. § 113

Beitragvon LaniusCollurio » Sa 10. Dez 2016, 13:26

Salvete,

ich sinniere einmal mehr über Fragen, die mir viel zu viel Zeit kosten.

§ 113 Lat. Trans., denen dt. Intr. entsprechen.

1. Pers. Verba

fugere - fliehen vor j-n

Regel: lat. Trans. haben ein persönliches Passiv.

(ad)iuvare - helfen im Passiv persönlich
adiuvor - mir wird geholfen

Nun ist doch aber laut der Regel -"lat. Trans. die im dt. intrans. sind (das ist ja hier der Fall), müssen im Passiv unpersönl. übersetzt werden"- adiuvor ein Verbum, dass unpersönlich. übersetzt werden müsste.

2. Unpersönliche Verba

me fugit - es entgeht mir

Warum taucht fugere als pers. Verbum und dann als unpers. Verbum auf?

Neminem vestrum fugit, (...). - Niemandem von euch ist unbekannt, (...).
Non multum me fallit, (...). - Ich weiß genau, (...).

Was ist an dieser Übersetzung unpersönlich? Persönlicher geht es doch gar nicht?

Beste Grüße

Lanius
LaniusCollurio
Consul
 
Beiträge: 366
Registriert: Do 16. Jul 2015, 10:05

Re: Rubenb. Hoff. § 113

Beitragvon marcus03 » Sa 10. Dez 2016, 14:24

LaniusCollurio hat geschrieben:adiuvor ein Verbum, dass unpersönlich. übersetzt werden müsste.

Es wird mir geholfen/Mir wird geholfen/Man hilft mir.

LaniusCollurio hat geschrieben:Non multum me fallit, (...). - Ich weiß genau, (...).

wörtl.:
Es entgeht mir nicht sehr= ich weiß genau (Litotes)
marcus03
Dominus
 
Beiträge: 8987
Registriert: Mi 30. Mai 2012, 06:57

Re: Rubenb. Hoff. § 113

Beitragvon medicus » Sa 10. Dez 2016, 14:34

marcus03 hat geschrieben:Es wird mir geholfen/Mir wird geholfen/Man hilft mir.


Aber auch:"Da werden Sie geholfen." :hammer:

https://www.youtube.com/watch?v=EgCnjyoHIsI
medicus
Augustus
 
Beiträge: 5224
Registriert: Do 9. Dez 2010, 11:39

Re: Rubenb. Hoff. § 113

Beitragvon Prudentius » Sa 10. Dez 2016, 21:11

LaniusCollurio hat geschrieben:Was ist an dieser Übersetzung unpersönlich? Persönlicher geht es doch gar nicht?


Du hast den grammatischen Begriff des Unpersönlichen mit dem gewöhnlichen verwechselt, es kann ja durchaus das grammatisch Unpersönliche etwas ganz Persönliches ausdrücken, wie "Das tut mir leid".

Unter "unpersönlich" versteht die Grammatik eine Verbform, die eine sehr eingeschränkte Endungsvariabilität hat; das gewöhnliche Verb hat ja ein Konjugationskästchen mit 6 Positionen, die drei Personen im Sing. und Plural. Das unpersönliche Verb hat aber keine Pluralformen, und auch keine 1. und 2. Person, Bsp. oportet, decet, paenitet, necesse est. "Unpersönlich" heißt hier also, dass 1. und 2. Person nicht gebildet werden.
Prudentius
Senator
 
Beiträge: 3579
Registriert: Di 24. Mai 2011, 17:01

Re: Rubenb. Hoff. § 113

Beitragvon LaniusCollurio » So 11. Dez 2016, 10:08

Prudentius hat geschrieben:
LaniusCollurio hat geschrieben:Was ist an dieser Übersetzung unpersönlich? Persönlicher geht es doch gar nicht?


Du hast den grammatischen Begriff des Unpersönlichen mit dem gewöhnlichen verwechselt, es kann ja durchaus das grammatisch Unpersönliche etwas ganz Persönliches ausdrücken, wie "Das tut mir leid".

Unter "unpersönlich" versteht die Grammatik eine Verbform, die eine sehr eingeschränkte Endungsvariabilität hat; das gewöhnliche Verb hat ja ein Konjugationskästchen mit 6 Positionen, die drei Personen im Sing. und Plural. Das unpersönliche Verb hat aber keine Pluralformen, und auch keine 1. und 2. Person, Bsp. oportet, decet, paenitet, necesse est. "Unpersönlich" heißt hier also, dass 1. und 2. Person nicht gebildet werden.


kling....verstanden.

Danke
LaniusCollurio
Consul
 
Beiträge: 366
Registriert: Do 16. Jul 2015, 10:05

Re: Rubenb. Hoff. § 113

Beitragvon Prudentius » So 11. Dez 2016, 17:37

LaniusCollurio hat geschrieben:Warum taucht fugere als pers. Verbum und dann als unpers. Verbum auf?


"(un)persönlich" wieder im grammatischen Sinn, von 1.,2.,3. Person; das Verb ist persönlich, wenn das Subjekt in einer der 3 Personen erscheint; unpersönlich ist es, wenn kein solches Subjekt da ist.

"Auftauchen" ist kein guter Ausdruck, es kommt auf die Art der Anwendung an; sag lieber "erscheint" oder dergl.

Lat. Trans., denen dt. Intr. entsprechen.


Es gibt auch das Umgekehrte: "Mihi persuasum est" ~ "Ich bin überzeugt (worden)".

Die Regel über die Passivbildung ist für beide Sprachen die gleiche: transitive Verben bilden ein persönliches Passiv, intransitive ein unpersönliches.
Bei adiuvor hast du die Auswahl, ob du tr. oder intr. übersetzen musst: "Mir wird geholfen" = "Ich werde unterstützt".

Bei Aktiv/Passiv geht es nicht nur um Verbformen, sondern um ganze Sätze, man spricht also besser von "Aktiv- und Passivsatz".

Nützlich ist der Begriff "Umformung": Der Passivsatz ist eine Umformung des Aktivsatzes:
"Die Schüler werden vom Lehrer gelobt" aus "Der Lehrer lobt die Schüler".
"Umformung" bedeutet, die Form ändert sich, der Inhalt nicht.
Prudentius
Senator
 
Beiträge: 3579
Registriert: Di 24. Mai 2011, 17:01

Re: Rubenb. Hoff. § 113

Beitragvon LaniusCollurio » So 11. Dez 2016, 21:08

Sehr schöne Erklärung.

Ich sollte aufhören, zu kompliziert zu denken.

Vielen Dank

Lanius
LaniusCollurio
Consul
 
Beiträge: 366
Registriert: Do 16. Jul 2015, 10:05


Zurück zu Lateinische Philologie



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 6 Gäste