Vergleichssatz

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Vergleichssatz

Beitragvon marcus03 » Do 22. Dez 2016, 18:00

Er war nicht so tapfer wie man geglaubt hatte.

Tam fortis non erat quam putatus erat.

Geht auch:

...quam putatum erat.

Muss man persönlich konstruieren? :nixweiss:
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Re: Vergleichssatz

Beitragvon cultor linguarum antiquarum » Do 22. Dez 2016, 18:58

Salve!

Ich hätte nach Gefühl ein unpersönliches Passiv genutzt, also ''putatum''. Allerdings könnte hier beides richtig sein: Nicht so tapfer, wie er eingeschätzt worden war --> putatus; Nicht so tapfer, wie geglaubt worden war --> putatum.
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Re: Vergleichssatz

Beitragvon Tiberis » Do 22. Dez 2016, 19:46

möglich ist beides, häufiger scheint die unpers. konstruktion zu sein, s.KSt,II,1,707f (§ 127,5,Anm.2,α)
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Re: Vergleichssatz

Beitragvon marcus03 » Do 22. Dez 2016, 19:51

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Re: Vergleichssatz

Beitragvon ille ego qui » Fr 23. Dez 2016, 08:21

quam putatus/putatum erat ...

das klingt ja abscheulich :D

vielleicht putabatur (vs. putabantur) oder putabant/putaverant (mir ist natürlich klar, dass du was passivisches konstruieren wolltest ^^)?
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Re: Vergleichssatz

Beitragvon marcus03 » Fr 23. Dez 2016, 10:40

Wie sähe hier aus:

Er ist nicht so tapfer wie man bisher geglaubt hat.

Tam fortis est quam adhuc putatus/m est.

Grausam? :?
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Re: Vergleichssatz

Beitragvon Prudentius » Fr 23. Dez 2016, 11:49

Wir kommen ja nach der Danksagung, ich fürchte, ille, wir kriegen kein Lob mehr :( .

Geht auch:...quam putatum erat. Muss man persönlich konstruieren?


Das kommt darauf an, was du mit dem Satz sagen willst. Es ist ein Vergleichssatz, eine Gegenüberstellung: es gibt zwei Möglichkeiten, entweder stellst du Wirklichkeit und enttäuschte Erwartung gegenüber, oder sein Verhalten und die allgemeine Erwartung. Im 2. Fall werden also zwei Situationen verglichen, im 1. dieselbe Person in unterschiedlichen Situationen. Im 2. Fall wären unterschiedliche Subjekte angebracht, also unpersönliches Passiv, möchte ich meinen; dagegen spricht aber, dass weder das eine noch das andere Glied des Vergleichs mit einem eigenen Wort vertreten ist.
Im 1. Fall gehen wir von einem gemeinsamen Subjekt für beide Glieder aus, also ist persönliche Konstruktion eher zu empfehlen.
Das Reglement gibt hier keine eindeutige Auskunft, aber ich habe den Eindruck, Tiberis, dass keine der Belegstellen richtig vergleichbar ist; hier haben wir ja zwei parallel gestellte Gliedsätze, das spricht dafür, ein durchgehendes Subjekt anzusetzen.
Bei "Negandum est esse deos", da ist besonderer Nachdruck auf dem Hauptverb, "Dei esse negandi sunt" wäre grausam. Auch bei "Traditum est Homerum caecum fuisse" ist es so.

quam putatus/putatum erat ...das klingt ja abscheulich :D


Dem möchte ich mitsamt dem Smiley zustimmen, ich bin für: "Tam fortis non erat quam credebatur/exspectabatur", das Plusqupf. ist mehr d. Phraseologie.
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Re: Vergleichssatz

Beitragvon Tiberis » Fr 23. Dez 2016, 13:55

Prudentius hat geschrieben:ich bin für: "Tam fortis non erat quam credebatur/exspectabatur"

gefühlsmäßig würde auch ich das imperfekt nehmen, das plpf. klingt tatsächlich furchtbar.
übrigens: wollte man das unpersönlich ausdrücken, müsste man m.e. einen aci anführen, also:
... quam eum esse putatum erat.
besser ist hier also wohl die persönliche konstruktion.
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