Problem mit Relativsatz

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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Medicus domesticus » Di 27. Dez 2016, 21:29

Sokrates hat geschrieben:Also ich meinte deine Kritik der Universität und allen Gedanken, die der akademischen Lehre entspringen. Die angerissenen Themen sind sehr komplex und erschlagen auf den ersten Blick einen kleinen Löwenvers, aber sie sind notwendig, um auch bei scheinbar einfachen Sätzen nicht auf die falsche Variante zu setzen.

Um das ging es mir gar nicht, sondern eher um eine Vereinfachung.
Der Gesamttext, die Geschichte drumherum und der poetische Kontext zeigen eigentlich die Lösung.
Ἔρος δ' ἐτίναξέ μοι φρένας, ὠς ἄνεμος κὰτ ὄρος δρύσιν ἐμπέτων.
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Prudentius » Di 27. Dez 2016, 21:47

Tu comes in clipeo tuleras insigne leonis,
quem velut ad predam distento corpore ponis.


Es soll nicht polemisch gemeint sein, aber es kommt mir vor, dass ihr wie Altplatoniker immer fragt: "was ist es?", also dass ihr nach der platonischen Idee des ewigen Ablativs oder Abl.abs. sucht, während ich lieber wie Newton fragen würde: "Wie funktioniert das?". "distento corpore" fungiert als Adverbiale zu "quem (leonem) ponis", es dimensioniert den Aktionsbereich des ponere; also "mit angespanntm Körper"; und das Verb distento hat seinerseits wieder ein Adverbiale unter sich, eine Zielangabe zum Anspannen, "ad predam", also "mit zum Beutefang angespanntem Körper"; zu ponis gehört also ein erweitertes Adverbiale; und diesem ganzen Komplex ist die Vergleichspartikel velut vorangestellt, die den Sinn des Relativsatzes modifiziert; und "quem ponis", das Hauptverb mit Objekt umschließt klammerartig das Ganze.
Ich denke also, es ist fruchtbarer, sich dieses zwiebelschalenartige Ineinander der einzelnen Komponenten klarzumachen, als sich den Kopf über die Zuordnung der einzelnen Teile zu der grammatischen Nomenklatur zu zerbrechen.
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Medicus domesticus » Di 27. Dez 2016, 21:57

Ich sehe das so, Prudenti
einfach, indem man den gesamten Kontext anschaut.. ;-)
Zuletzt geändert von Medicus domesticus am Di 27. Dez 2016, 23:01, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon medicus » Di 27. Dez 2016, 22:00

Ich würde die nächsten zwei Zeilen so übersetzen? :book:

Sed rex fers aquilam, qui transvolat omnia, claris
Signans indicijs, quod tu cunctis dominaris.

Aber als König trägst du den Adler, der alles überfliegt, mit leuchtenden
Ehrenzeichen zeigst du, dass du alle beherrschst.

http://images.google.de/imgres?imgurl=h ... YQ9QEILjAC
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Medicus domesticus » Di 27. Dez 2016, 22:02

siehe oben,,,der Kontext ist immer die Lösung..
Das heißt: Er wird im Relativsatz wie oben angesprochen. Dh, die Lösung ist da.. :D
Zuletzt geändert von Medicus domesticus am Di 27. Dez 2016, 22:13, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Willimox » Di 27. Dez 2016, 22:04

Hi, Sokrates!
Was für eine gute, tolle Analyse.
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Medicus domesticus » Di 27. Dez 2016, 22:07

Die Analyse ist ok, aber sie kommt nicht auf den Punkt, willimox. Das ist oft das Problem. Der Kontext des Gesamten wird nicht beachtet.
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon medicus » Di 27. Dez 2016, 22:15

Ich hab noch eine Grammatikfrage: fers aquilam, qui transvolat
aquila ist doch feminini generis?
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Medicus domesticus » Di 27. Dez 2016, 22:18

rex -> qui
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon medicus » Di 27. Dez 2016, 22:19

Danke!
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Sokrates » Di 27. Dez 2016, 23:12

Mir scheint, verehrte Freunde des Lateinischen, hier kamen Missverständnisse auf.
Niemals wurde doch an der schon gleich zu Anfang dargebrachten Lösung der Stelle gezweifelt.
Aber wenn Prudentius die syntaktischen Abhängigkeiten auch richtig ausleuchtet, ille vorher von einem abl. abs. im Grenzbereich sprach, dann war die genaue Bestimmung des distento coprore in der Diskussion nicht erkennbar. Und dabei ging es nicht um Nomenklatur, sondern die eigentliche Semantik des Ablativs, die großen Einfluss auf eine Übersetzung hat. Der Kontext gab letzte Gewissheit, ja, aber "nur nach dem Gefühl" den Ablativ zu übersetzen, mag hier richtig gewesen sein, spricht aber doch nur dafür, den Dingen grundsätzlich immer auf den Grund zu gehen.
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Medicus domesticus » Di 27. Dez 2016, 23:40

:thumbup:
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Tiberis » Mi 28. Dez 2016, 00:03

Medicus domesticus hat geschrieben:rex -> qui
:hmmm:
als könig, der über alles hinwegfliegt ???
also ich bin mir nicht so sicher, ob sich qui auf rex bezieht. natürlich ist aquila im antiken latein feminin, dennoch macht ein bezug des rel.satzes auf rex keinen sinn. auch die wortstellung spricht dagegen.
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Sokrates » Mi 28. Dez 2016, 00:15

zum Tiergeschlecht KH § 57, Anm. 9 und 10, vielleicht wurde auf ein natürliches Geschlecht abgezielt und das Subst. comm. ignoriert? Oder im Sinne von: weil du ein König bist, der... (metaph.), trägst du den Adler? Oder eine Art Enallage des Relativsatzes (Rex --> aquila)?
Was den Ablativ angeht: einen Dank an alle eifrigen Philologen und Teilnehmer, auch an unseren Willimox, ich würde sagen haec hactenus :D
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Re: Problem mit Relativsatz

Beitragvon Medicus domesticus » Mi 28. Dez 2016, 00:37

Klar, ist natürlich übertragen gemeint: rex -> aquila -> qui
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