unpersönliches Passiv

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unpersönliches Passiv

Beitragvon marcus03 » So 26. Mär 2017, 09:01

Frage: Kann man von assuefieri ein unpersönliches Passiv bilden?

Assuefit ad omnia = Man gewöhnt sich an alles. Kann man das so sagen? Ich glaube, eher nicht.

Gratias praemitto.
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon Medicus domesticus » So 26. Mär 2017, 10:17

Ich kenne kein Beispiel und kann auch keines finden. assuefactus ist belegt als PPP mit Ablativ (scelerum exercitatione assuefactus (Catil.2,9)).
Die Konstruktion mit Dativ und ad aliquid ist sowieso unklassisch. (BS §377 (2) Anm.)
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon marcus03 » So 26. Mär 2017, 10:41

Danke.
Zusatzfrage: Ist der Ablativ nicht etwas ungewöhnlich? Wie könnte man ihn erklären? abl. ??? :?
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon Medicus domesticus » So 26. Mär 2017, 10:45

marcus03 hat geschrieben:Zusatzfrage: Ist der Ablativ nicht etwas ungewöhnlich? Wie könnte man ihn erklären? abl. ???

Das ist der Ablativus instrumentalis bei Verben (siehe BS § 377).
-> RHH § 147 (assuefactus labore assiduo)
Bild
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon marcus03 » So 26. Mär 2017, 10:56

Besten Dank. Macht Sinn: Wer durch etwas gewöhnt wird, ist irgendwann an dieses Etwas gewöhnt.
Offenbar liegt hier eine andere Sichtweise in Lat. vor als im Dt. Der Römer sieht den Weg zum Ergebnis, der dieses einschließt, der Deutsche nur das Ergebnis. Sehe ich das richtig?
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon Medicus domesticus » So 26. Mär 2017, 11:13

In etwa so, ja.
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon marcus03 » So 26. Mär 2017, 11:27

Ein Fall für die geballte Furchtlosigkeit alias sinemetu? ;-)
Fragen wir ihn lieber nicht. Er könnte einen Zusammenhang zw. assuefacere und sus erkennen.
Ersparen wir uns potenzielle "Schweinereien", schon con-sus zuliebe. :lol:
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon Ailourophilos » So 26. Mär 2017, 15:14

RHH §147: "Vom Deutschen abweichende instrumentale Auffassung:

[...]
assue(fac)tus labore assiduo an ständige Arbeit gewöhnt (nachkl. auch Dativ)

[...]

confisus virtute legionis im Vertrauen auf die Tapferkeit der Legion

aber confidere häufiger mit Dativ"

Dasselbe Phänomen mit Dativ in Nicht-Partizipformen und Ablativ im PPP findet sich z. B. auch bei confidere, nur dass der klassisch belegt ist.
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon Prudentius » So 26. Mär 2017, 15:28

marcus03 hat geschrieben:Frage: Kann man von assuefieri ein unpersönliches Passiv bilden?


Man kann so argumentieren: Die Frage ist falsch gestellt, denn die Grammatik sagt: "Aktive Verbformen können ein unpersönliches Passiv bilden", und assuefieri ist keine solche.

assuefactus: pers. P. von assuefacere, "er ist gewöhnt (worden)".
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon Zythophilus » So 26. Mär 2017, 17:51

Prinzipiell sollte assuefit "man gewöhnt sich" schon möglich sein; die Frage ist, ob es tatsächlich vorkommt.
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon marcus03 » Mo 27. Mär 2017, 06:52

Belege gibt es für die Antike nicht.

http://latin.packhum.org/concordance?q=assuefi
http://latin.packhum.org/concordance?q=assuefa
http://latin.packhum.org/concordance?q=adsuefa

Ergo vita illo passivo carente assuefaciendi sumus. :( Proverbium quidem est: (Homo) Omnibus assuefit. ;-)
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon medicus » Mo 27. Mär 2017, 09:32

marcus03 hat geschrieben:Proverbium quidem est: (Homo) Omnibus assuefit


Fährst du gerne Omnibus? ;-)
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Re: unpersönliches Passiv

Beitragvon Prudentius » Mo 27. Mär 2017, 09:48

Zythophilus hat geschrieben:Prinzipiell sollte assuefit "man gewöhnt sich" schon möglich sein;


Das denke ich nicht; "assuefit", er gewöhnt sich, ist ein Passiv; man kann nicht von einem Passiv nochmal ein Passiv bilden.
"cantatur" man singt, von cantamus, z.B.: "itur", man geht, von imus.
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