Rubenbauer/Hofmann § 108

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Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon LaniusCollurio » Mi 14. Jun 2017, 11:20

Das prädikative Substantiv stimmt mit dem Subjekt immer im Kasus überein, Genus, wo es die Form zulässt, im Numerus, wo es die Bedeutung zulässt.

Handelt es sich hier um eine feste Regel?

Zulassen verstehe ich eher als variabel.

Bsp.: Die Römer sind das stärkste Volk der ganzen Welt.

Somit müsste doch beides möglich sein:

Romani populus fortissimus totius orbis terrarum sunt.
Romani populi fortissimi (...) sunt.

Vielen Dank
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon Christophorus » Mi 14. Jun 2017, 12:18

das ändert aber doch im zweiten Fall die Bedeutung, die Römer sind nun mal ein Volk und nicht mehrere
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon LaniusCollurio » Mi 14. Jun 2017, 12:26

Das ist die Frage.

Italiker, Municipien, Griechen und Spanier galten doch auch irgendwann als Teil des röm. Volkes, wenn man schon vom orbis terrarum spricht, oder nicht :?
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon Tiberis » Mi 14. Jun 2017, 13:26

LaniusCollurio hat geschrieben:Italiker, Municipien, Griechen und Spanier galten doch auch irgendwann als Teil des röm. Volkes

na also, du sprichst ja selbst vom "römischen Volk" (Singular!): die Griechen usw. waren Teil des röm. Volkes und eben nicht der römischen Völker!
abgesehen davon: es gab zwar innerhalb des röm. Staatsgebietes mehrere gentes und somit naturgemäß mehrere nationes, aber eben logischerweise nur einen populus (Staatsvolk, Bevölkerung)
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon Prudentius » Mi 14. Jun 2017, 17:07

... Genus, wo es die Form zulässt,


Mehr Exaktheit in der Formulierung wäre bei der Grammatik wünschenswert: das Genus ist ja beim Substantiv eine Konstante (corpus n.), da gibt es also nichts zuzulassen, andernfalls hat man es mit einem Adjektiv zu tun, nicht mit einem Substantiv; auch was mit "Form" gemeint ist, ist nicht klar.

Dass Kasus und Numerus variabel sind, ist nicht weiter erwähnenswert.

Das prädikative Substantiv stimmt mit dem Subjekt immer im Kasus überein, ...


Das ist eine schlechte Beschreibung der Kongruenz, die Vorstellung der "Übereinstimmung" geht an dem dynamischen Charakter der Kongruenz vorbei, sie ist ja eine gerichtete Kraft, durch einen Pfeil darzustellen, dessen Ausgangs- und Zielpunkt markiert sein müssen; es sollte also heißen: "Das Subjekt bestimmt den Kasus des prädikativen Substantivs".
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon LaniusCollurio » Fr 7. Jul 2017, 13:21

Zum Dativ R.H. §§ 123-129

1. Für die Rettung der Bürger und des Staates deckte der Konsul Cicero die Verbrechen Catilinas auf.

Cicero saluti et civitatis et rei publicae scelera Catilinae patefecit.

Zur Einübung des Dat. Commodi. ----- Wäre auch pro salute möglich?

-------------------------------------------

2. Caesar nützte seinen Soldaten sehr, weil er für sie ein Ackergesetz einbrachte.

Caesar militibus magno usui erat, ut legem agrariam tulit.

Bedeutet "erstarrter Zweckdativ", dass Wortverbindungen wie magno usui esse keiner KNG Kongruenz unterliegen?

------------------------------------------

3. Man legte Cicero die Flucht als Feigheit aus und machte sie ihm zum Vorwurf.

Muss der Satz zwangsläufig mit einer passiven Form des Prädikates stehen ( ignaviae tribuebatur/ deditur ) oder könnte er auch lauten;

Ciceroni fuga ignaviae tribuerat et crimini dedit.

Gratiam vobis ago
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon marcus03 » Fr 7. Jul 2017, 14:03

1. Ich denke, in diesem Fall schon.

2. weil= quod
für sie = iis/eis oder pro iis

LaniusCollurio hat geschrieben:dass Wortverbindungen wie magno usui esse keiner KNG Kongruenz unterliegen?

Wie meinst du das genau? magno usui ist doch nach KNG gebildet. :cry:

3.
LaniusCollurio hat geschrieben:Ciceroni fuga ignaviae tribuerat et crimini dedit.

Wenn, dann: fugam
Allerdings ist dann von einer Person die Rede, dem im Prädikat enthaltenen Subjekt (er/ sie hatte ...)

--> Fuga Ciceroni ignaviae versa et crimini data est.
MAN übersetzt man meistens mit Passiv.

Weitere, spezielle Möglichkeiten:
http://www.zeno.org/Georges-1910/A/man?hl=man
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon medicus » Fr 7. Jul 2017, 14:17

LaniusCollurio hat geschrieben:1. Für die Rettung der Bürger


Warum schreibst du "et civitatis"?
Zuletzt geändert von medicus am Fr 7. Jul 2017, 14:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon marcus03 » Fr 7. Jul 2017, 14:21

Er übersetzt wohl mit ET...ET (sowohl ...als auch). Kann man hier m.E. durchaus tun. :)
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon medicus » Fr 7. Jul 2017, 14:25

Sorry, dann ziehe ich meine Frage zurück! :roll: Ich gehöre ja auch nicht in dieses Forum.
Zuletzt geändert von medicus am Fr 7. Jul 2017, 14:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon LaniusCollurio » Fr 7. Jul 2017, 14:36

2. weil= quod
für sie = iis/eis oder pro iis

LaniusCollurio hat geschrieben:dass Wortverbindungen wie magno usui esse keiner KNG Kongruenz unterliegen?

Wie meinst du das genau? magno usui ist doch nach KNG gebildet. :cry:

Militibus magno usui erat vs. miitibus magnis usibus erat.


3.
LaniusCollurio hat geschrieben:Ciceroni fuga ignaviae tribuerat et crimini dedit.

Wenn, dann: fugam
Allerdings ist dann von einer Person die Rede, dem im Prädikat enthaltenen Subjekt (er/ sie hatte ...)

--> Fuga Ciceroni ignaviae versa et crimini data est.
MAN übersetzt man meistens mit Passiv.

Dann bleibe ich erst einmal bei einer pass. Übersetzung für "man".

Gratias
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon LaniusCollurio » Fr 7. Jul 2017, 14:38

medicus hat geschrieben:
LaniusCollurio hat geschrieben:1. Für die Rettung der Bürger


Warum schreibst du "et civitatis"?


O-Ton Dozentin; " Entweder et....et oder gar kein et".
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon marcus03 » Fr 7. Jul 2017, 15:08

LaniusCollurio hat geschrieben:O-Ton Dozentin; " Entweder et....et oder gar kein et".

Und wie soll das ohne ET dann gehen? Damit würde sich der Sinn ändern. (der Bürger des Staates) :?
Frag nochmal nach bei der Dame!
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon Christophorus » Fr 7. Jul 2017, 19:00

medicus hat geschrieben:Sorry, dann ziehe ich meine Frage zurück! :roll: Ich gehöre ja auch nicht in dieses Forum.



das ist doch Unfug, natürlich gehörst du in dieses Forum

allerdings hatte ich gedacht, dass deine Frage auf civitas, civitatis = Bürgerschaft, cives, civium wörtlich - Bürger abzielte

und ich denke, die Dozentin meinte mit et ... et oder gar kein et eher eine dreigliedrige Aufzählung, also Marcus et Gaius et Quintus, aber nicht et Gaius et Quintus ...
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Re: Rubenbauer/Hofmann § 108

Beitragvon medicus » Fr 7. Jul 2017, 19:57

Gratias Christophore. ?
"Wäre es nicht besser "saluti civium et rei puplicae" zu schreiben?
Ist die Bedeutung von civitas und res publica nicht sehr ähnlich?
:help:
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