Genitiv-Funktionen

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Genitiv-Funktionen

Beitragvon Matthaeus » Mo 18. Sep 2017, 10:27

Salvete!
Wie erklärt sich eurer Meinung nach der folgende Genitiv?
Ovid führt in am. 2, 9b, 29-30 einen Vergleich an, der seine Ohnmacht gegenüber Amor verdeutlicht:

ut rapit in praeceps dominum spumantia frustra
frena retentantem durior oris equus


von Albrecht: "Wie ein Pferd, dessen Maul sich nicht lenken lässt [...]". Handelt es sich hier um eine Art respectus (den es ja in dieser Bezeichnung nicht gibt), ähnlich einem Akk. Graecus oder Abl. respectus?

Für Erhellungen wäre ich sehr dankbar! :)
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Re: Genitiv-Funktionen

Beitragvon Medicus domesticus » Mo 18. Sep 2017, 11:53

Bei den augusteischen Dichtern und in der späteren Prosa findet man so etwas öfter: Eine Art Genetiv des Bereichs auf das sich das Adjektiv bezieht: durior <-> oris.
Weitere Beispiele im Kühner/Stegmann II.1 § 85 e) (Ausgabe 1912).
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Re: Genitiv-Funktionen

Beitragvon Prudentius » Mo 18. Sep 2017, 15:28

Oder ist es ein possessivus zu frena, etwas weit abgerückt? "... die Zügel des Maules"; denn zu durus passt es nicht besonders: es ist ja nicht das Maul wild, sondern der ganze Gaul, der durchgeht.
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Re: Genitiv-Funktionen

Beitragvon Medicus domesticus » Di 19. Sep 2017, 07:57

siehe dazu Georges unter durus:...mit Genet., durior oris equus, Ov. amor. 2, 9, 30.. Kühner/Stegmann sehen es genauso (mit vielen anderen Beispielen).
Das Pferd ist halt ziemlich hartmäulig [=(von Pferden) am Maul unempfindlich und daher die Zügel nicht spürend und schwer zu lenken].
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