[Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

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[Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon Longipes » Di 14. Jan 2020, 21:50

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Werk: Mirabilia Urbis Romae
Autor: unbekannt
Erscheinungsdatum: ca. 1140
Thema: Beschreibung Roms im 12. Jahrhundert
Maßgebliche Edition: Valentini/Zucchetti (1946)
Kommentierte Edition mit deutscher Übersetzung: Huber-Rebenich/Wallraff/Heyden/Krönung (2014)
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Zuletzt geändert von Longipes am Mi 15. Jan 2020, 00:06, insgesamt 4-mal geändert.
In omnibus requiem quaesiui et nusquam inueni nisi in angulo cum libro.
Ἐν πᾶσιν ἡσυχίαν ἐζήτουν ὀυδὲ ηὗρον αὐτὴν εἰ μή ἐν γωνίᾳ βιβλόν τινα ἀναγιγνώσκων.
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon medicus » Di 14. Jan 2020, 22:21

Salve Longipes, wenn ich deinen Link ,Valentini/Zucchetti (1946) anklicke, erscheint bei mir eine große rote Warnschrift " Gefährliche Webseite blockiert" :x
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon Longipes » Mi 15. Jan 2020, 00:03

Salve medice, offensichtlich sind nicht alle Subdomains und Bereiche der Seite beic.it nach HTTPS sicher. Daher habe ich den Link gelöscht. Vielleicht findet man den Text auch anderswo.
In omnibus requiem quaesiui et nusquam inueni nisi in angulo cum libro.
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon mystica » Mi 15. Jan 2020, 11:21

Salve optime Longipes et omnes Sodales!

Eine prima Idee, den berühmten Pilgerführer Roms "Mirabilia Urbis Romae" gemeinsam zu studieren. :klatsch:

Der lateinische Text kann übrigens bei der Latin Library online unter folgendem Link eingesehen werden:

https://www.thelatinlibrary.com/mirabilia.html

Eine englische Übersetzung des lateinischen Werkes "Mirabilia Romae" kann kostenfrei als PDF unter diesem Link heruntergeladen werden:

https://ia802704.us.archive.org/32/items/marvelsromeorap00nichgoog/marvelsromeorap00nichgoog.pdf

Dieser lateinische Text stammt wohl aus dem 12. Jahrhundert und scheint mir jedoch kein klassisches Latein mehr zu sein. Aus diesem Grund freut es mich aber umso mehr, dass ich auf diese Weise meine rudimentären Kenntnisse des Mittellateinischen verbessern kann.

Vale, valete! Mystica ;-)
Zuletzt geändert von mystica am Mi 15. Jan 2020, 17:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon marcus03 » Mi 15. Jan 2020, 12:05

Es gibt eine deutsche, kommentierte Ausgabe:
Gerlinde Huber-Rebenich / Martin Wallraff et al. (Herausgeber), Mirabilia Urbis Romae – Die Wunderwerke der Stadt Rom. Einleitung, Übersetzung und Kommentar von ... Herder (Freiburg) 2014. [Lateinischer Text und erste vollständige deutsche Übersetzung]
Preis: 26 Euro
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon Longipes » Mo 27. Jan 2020, 20:01

Kaum sind die Ferien vorüber, hat man plötzlich mehrere Wochen keine Zeit mehr – nun aber.
mystica hat geschrieben:Aus diesem Grund freut es mich aber umso mehr, dass ich auf diese Weise meine rudimentären Kenntnisse des Mittellateinischen verbessern kann.

Rudimentär sind auch die Lateinkenntnisse des Verfassers bzw. der Verfasser – von "dem" Mittellatein sollten wir also nicht sprechen.

M.U.R. 1 hat geschrieben:Murus¹ civitatis Romae habet
turres CCCLXI,
turres castella² XLVIIII,
propugnacula VI DCCCC,
portas XII sine Transtiberim³,
posterulas V.
In circuitu vero eius sunt* miliaria XXII,
excepto** Transtiberim et civitas Leoniana.


[Grammatik]
¹) murus statt moenia ist untypisch, aber nachvollziehbar.
²) turres castella ist eine merkwürdige Form; Huber-Rebenich et al. übersetzen sie mit "befestigte Türme" und identifizieren sie als die wehrhaften Türme der mittelalterlichen Leo-Stadt.
³) sine mit dem Akkusativ ist möglich → vgl. den Beitrag von cometes; Transtiberim ist allerdings in indeklinabler Form (Hinweis von Stomachatus) erstarrt.
*) in circuitu ist eine sehr geläufige Form schon in der Antike, müsste aber anders formuliert werden; vgl.
Caes. b.G. 5,13 hat geschrieben:ita omnis insula est in circuitu vicies centum milium passuum.

**) Klassisch würde man hier einen Ablativus absolutus erwarten, aber:
Stotz (1998) S. 241 §4.5 hat geschrieben:Bereits in der Spätantike folgt auf praeter oder entsprechend gebrauchtes excepto […] vereinzelt eine Nom[inativ]-Form. Derartiges kommt auch in f[rüh]m[ittel]al[terlichen] Texten aus Spanien vor.


[Inhalt und Interpretation]
Voneinander getrennt werden die hier Aurelianische Stadtmauer und die Leoninische Mauer. Die Bevölkerung Roms war zu dieser Zeit an einem Tiefpunkt, der bewohnte Bereich konzentrierte u.a. auf den Borgo – die Gegend um das Forum war bereits von der Campagna "zurückerobert" worden.
Zuletzt geändert von Longipes am Di 28. Jan 2020, 21:04, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon cometes » Mo 27. Jan 2020, 23:44

³) sine mit dem Akkusativ ist ein sehr elementarer Fehler, der sich nicht mit mittelalterlicher "Freiheit" erklären lässt. Es ist einfach ein Fehler.



Nicht unbedingt. Siehe dazu

Recht gut vertreten ist dagegen noch im hohen MA das seit dem 1. Jh. n. nachgewiesene akkusativische sine; man findet es beispielsweise in den Diplomen deutscher Herrscher des 10. Jh's.

Peter Stotz: Handbuch zur lateinischen Sprache des Mittelalters: Formenlehre, Syntax und Stilistik, § 12.4, S. 253
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon Longipes » Di 28. Jan 2020, 15:36

Danke für diesen Hinweis; von diesem akkusativischen sine habe ich vorher noch nie etwas gehört.
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon marcus03 » Di 28. Jan 2020, 16:29

Es gibt auch einen accusativus absolutus im MA-Latein.
https://books.google.de/books?id=-cMAur ... er&f=false
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon Stomachatus » Di 28. Jan 2020, 18:48

Transtiberim ist indeklinabel.
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon Longipes » Di 28. Jan 2020, 20:53

Stomachatus hat geschrieben:Transtiberim ist indeklinabel.

Du hast völlig Recht.

In der Antike scheint es Transtiberim als zum Substantiv erstarrte Präpositionalkonstruktion noch nicht zu geben. Bei sämtlichen Textstellen in der Phi-Konkordanz handelt es sich noch eindeutig um adverbiale Bestimmungen.

Forcellini kennt Transtiberina regio. Was mich an einen Fehler denken ließ, war der Umstand, dass z.B. aus der Präpositionalkonstruktion pro praetore das Substantiv propraetor, propraetoris m., aus trans Padum gleichermaßen Transpadum, Transpadi n. werden konnte.

Allerdings konnte ich auch in mittelalterlichen Texten bislang nur einen einzigen Beleg für transtiberis finden:
De locis sanctis martyrum et Ecclesiae intus Romae (CPL 2339) hat geschrieben:Basilica quae appellatur sancta maria transtiberis.


Sowohl in anderen mittelalterlichen Quellen als auch in den Mirabilia selbst
Mirabilia Urbis Romae 8 hat geschrieben:Haec sunt loca quae inveniuntur in passionibus sanctorum: [...] in Transtiberim, templum Ravennatium effundens oleum, ubi est Sancta Maria.

findet sich stets die indeklinable Form.
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon Longipes » Di 28. Jan 2020, 21:03

Mithilfe von Stotz (1998) konnte ich auch die Konstruktion in der letzten Zeile klären. (s.o.)
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Re: [Lektüre] Mirabilia Urbis Romae

Beitragvon Longipes » Do 30. Jan 2020, 10:24

[Inhalt und Interpretation]

Zum Verständnis des historischen Kontextes des Pilgerführers empfehle ich folgende Lektüre:
– ESCH, Arnold: Historische Landschaften Italiens, Wanderungen zwischen Venedig und Syrakus, München 2019, S. 80–95 (Kapitel "Die Stadtlandschaft des mittelalterlichen Rom. Wandel und Auflösung des Siedlungsgewebes innerhalb der antiken Stadtmauern").
– REINHARDT, Volker: Die Macht der Schönheit, Kulturgeschichte Italiens, München 2019, S. 92–101 (Kapitel "Roma aeterna: Heilige Jahre und das Problem der Ruinen").
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