nullus

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Re: nullus

Beitragvon Odinus Thorus » Di 20. Sep 2022, 15:16

medicus hat geschrieben:
Sapientius hat geschrieben:nolle und malle sind mir auch noch eingefallen.
Warum gehört velle nicht dazu :?


vllt, weil keine Kontraktion vorliegt?
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Re: nullus

Beitragvon Sapientius » Di 20. Sep 2022, 15:28

Nein, sondern weil es ein kurzes e hat.

Aber isse gehört noch dazu, "gegangen sein", kontrahiert aus i-isse.+
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Re: nullus

Beitragvon medicus » Di 20. Sep 2022, 20:17

Wie erkenne ich, dass velle ein kurzes e hat und nolle ein langes o. :?
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Re: nullus

Beitragvon Odinus Thorus » Di 20. Sep 2022, 20:42

medicus hat geschrieben:Wie erkenne ich, dass velle ein kurzes e hat und nolle ein langes o. :?


weil es aus non velle kontrahiert ist, oder...?
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Re: nullus

Beitragvon ille ego qui » Di 20. Sep 2022, 21:34

Ich gehe hier nur auf zwei Punkte ein:

1. Ich habe von Konsonanten im rechten Rand gesprochen in der Tradition derer, die Positionslängen mit mehreren auf einen Vokal folgenden Konsonanten begründen. Alternativ dazu wird heute oft die Positionslänge durch Geschlossenheit der Silbe begründet.

2. Das Deutsche kennt praktisch keine (lautlich!) geminierten Konsonanten. (Ausnahme sind womöglich Zusammensetzungen wie Spinnnadel.) Es handelt sich um die sog. Silbengelenkschreibweise. Ein zunächst rein graphisches Phänomen!
(Das Mittelhochdeutsch kannte noch - ebenso wie das Lateinische - echte, das heißt phonetische Geminaten.)
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Re: nullus

Beitragvon ille ego qui » Di 20. Sep 2022, 21:36

medicus hat geschrieben:Wie erkenne ich, dass velle ein kurzes e hat und nolle ein langes o. :?


Erkennen gar nicht. Man muss es lernen, genau wie die Längen und Kürzen aller anderen Vokale.
Teilweise freilich kann man die Quanität BEGRÜNDEN, was dann wiederum beim Lernen helfen kann.
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Beitragvon ille ego qui » Di 20. Sep 2022, 21:41

Odinus Thorus hat geschrieben:Die Silbe ist ja nur ein mehr oder weniger hilfreiches gedankliches Konstrukt aus der Frühzeit der Sprachbetrachtung.


Zitat einer Erlanger Lingustikprofessoren: "Die Linguistik der Zukunft wird eine Linguistik der Silbe sein. Wir stehen da erst ganz am Anfang."
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Beitragvon ille ego qui » Di 20. Sep 2022, 21:45

Sie soll belegen, dass man bei der Umsetzung von Sprache in Schrift im frühen Rom eine ähnliche Regel wie im heutigen Deutsch hatte, nämlich: Einem geminierten Konsonanten geht IN DER REGEL eine kurzer Vokal voran, (Summa) während einem langen Vokal (sūmere) IN DER REGEL ein einfacher Konsonant folgt.


Eine etwas wirre Regel :D
Die Gesetzmäßigkeiten sind insgesamt doch SEHR unterschiedlich.
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Beitragvon Odinus Thorus » Mi 21. Sep 2022, 08:30

ille ego qui hat geschrieben:
Odinus Thorus hat geschrieben:Die Silbe ist ja nur ein mehr oder weniger hilfreiches gedankliches Konstrukt aus der Frühzeit der Sprachbetrachtung.


Zitat einer Erlanger Lingustikprofessoren: "Die Linguistik der Zukunft wird eine Linguistik der Silbe sein. Wir stehen da erst ganz am Anfang."


Das will ich glauben, schliesslich lebt man/frau ja davon, und hat 6000 Sprachen, deren Silben man/frau betrachten kann... .... ;-)
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Beitragvon marcus03 » Mi 21. Sep 2022, 10:06

Silbe ist gut, Silber besser, Gold noch besser, Palladium am besten:

https://www.finanzen.net/rohstoffe

;-)
Wer in Silben investiert,
den Verstand kaum verliert.
Wer aber Silber kauft,
sich vlt. die Haare rauft.
Kauf also, Investor, drum
weder Silber noch Palladium.
Willst du deine Reserven schonen,
schütze sie mit passenden Optionen.
Denn wenn der Markt läuft gegen dich,
musst klagen nicht ganz so jämmerlich. ;-)
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Beitragvon Sapientius » Mi 21. Sep 2022, 10:34

Das L. unterscheidet lange und kurze Vokale, gibt den Unterschied aber nicht in der Schrift zu erkennen (deshalb ist es z.B. schwierig in der a-Deklination bei -a).

Das D. bezeichnet teilweise den Unterschied.

Manche Sprachen haben nur kurze Vokale, z.B. Polnisch.
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Beitragvon Odinus Thorus » Mi 21. Sep 2022, 11:39

Der Silben- und Lautschatz (Phoneme) der diversen Sprachen ist schon recht unterschiedlich. Es gibt ja Gesichter mit Lippen, die sind derart dominant, dass sie keinen Laut ohne vorheriges M bilden können. Allerdings vermute ich zwischen dem klassischen Latein und dem Deutschen nur minimale Unterschiede. Mir fällt jetzt kein Laut bzw. keine Lautverbindung im Latein ein, den wir nicht sprechen können. Sollte das ll im Lat. etwa schon wie in Spanish ll lj gesprochen worden sein? Wohl kaum, denn dann wäre es auf der iber. Halbinsel nicht zu der Entwicklung gekommen. Auch das Eu sprechen wir nicht mehr als Diphtong, können es aber noch bilden.
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Beitragvon medicus » Mi 21. Sep 2022, 11:50

Odinus Thorus hat geschrieben:Es gibt ja Gesichter mit Lippen, die sind derart dominant, dass sie keinen Laut ohne vorheriges M bilden können.

Kannst du mir einen Link im Internet mit solch einem Gesicht schicken? :roll:
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Re: nullus

Beitragvon Odinus Thorus » Mi 21. Sep 2022, 14:26

medicus hat geschrieben:
Odinus Thorus hat geschrieben:Es gibt ja Gesichter mit Lippen, die sind derart dominant, dass sie keinen Laut ohne vorheriges M bilden können.

Kannst du mir einen Link im Internet mit solch einem Gesicht schicken? :roll:


hier z.B. bei 0:47
https://youtu.be/vPvdOYEKOi4

vllt ist es auch so, dass tendentiell die Gesichter von Etnien, die einen übergrossen Anteil an Nasalen haben von einem überproportionalen Gesichtserker geziert werden. Der Raum, wo die Laute gebildet werden, ist ja nicht identisch.
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Re: nullus

Beitragvon ille ego qui » Mi 21. Sep 2022, 17:42

Nebenbei: Die Quantität des u in ullus (lang!) war mir bekannt, bisher jedoch nicht die Etymologie.
ūllus, a, um, Genet. ūllīus, dichter. auch ūllĭus, Dat. ūllī (Demin. v. unus st. *ūnulus)

Spannend! :-)
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