seit Anbeginn der Zeit

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Re: seit Anbeginn der Zeit

Beitragvon Longipes » Do 14. Jan 2016, 19:51

Man sollte bei dieser beredten Diskussion bedenken, dass es zwar möglich ist, dass es einen Anbeginn tatsächlich nicht gibt, dass er von Menschen aber gedacht wurde und das Wort somit seine Existenzberechtigung hat.
In omnibus requiem quaesiui et nusquam inueni nisi in angulo cum libro.
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Re: seit Anbeginn der Zeit

Beitragvon Prudentius » Fr 15. Jan 2016, 17:18

marcus03 hat geschrieben:[ Vor etwa 13,7 Milliarden Jahren ereignete sich der Urknall. Damit begannen Raum und Zeit.


Was die Entstehung der Materie und des/unseres Universums angeht,...


Viel verstehe ich nicht von all dem, aber mir kommt vor, das klingt hohl, ist nicht solide genug: "Urknall" ist kein wissenschaftlicher Begriff, und Materie gibt es nicht mehr: Meinst du Atomkerne, Elektronen? Es ist populärwissenschaftlich. oder journalistisch gesagt. Ich würde lieber das Problematische herausheben: Bei der Angabe des Termins des Urknalls stellen wir uns also einen Beobachter vor, der außerhalb der Welt steht, eine Zeitachse zieht und bei 13,7 Mrd. Lj. einträgt: "Urknall": ist das nicht eine absurde Vorstellung: wo/wie soll der Standort dieses Beobachters gedacht werden?

Seit Einstein wissen wir: es gibt keine absolute Gleichzeitigkeit: zwei Ereignisse sind für den einen Beobachter gleichzeitig und für den anderen nicht; die Folge ist: "Ereignisse", "Situationen" gibt es auf der Ebene der Lichtgeschwindigkeit gar nicht; es gibt sie nur in unserer mikrokosmischen Nische weit unterhalb der Lichtgeschwindigkeit.
"Gegenstände" gibt es auch nur in unserer Nische: im Bereich der Atomkerne gibt es so etwas schattenhaftes wie Elektronen, die keinen Ort haben, an dem sie festgemacht werden können. Das Atom liegt außerhalb unseres Vorstellungsvermögens, so dass davon nur "Modelle" entworfen werden können.

Was die Wissenschaft uns über den "Anbeginn" zu sagen hat, ist dann doch ungefähr dasselbe, wie es auch die Genesis schon erzählt hat. :)
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Re: seit Anbeginn der Zeit

Beitragvon marcus03 » Fr 15. Jan 2016, 17:49

[
Prudentius hat geschrieben: Meinst du Atomkerne, Elektronen?


Das meine ich. Material als Gegensatz zu reiner Energie. Beim "Urknall" hat sich die Energie so zu sagen materialisiert.

Prudentius hat geschrieben:"Urknall" ist kein wissenschaftlicher Begriff,


Wird aber häufig auch von Wissenschaftler statt Singularität benutzt. Im CERN versucht man einen Miniurknall zu erzeugen, also Temperaturen/Energieniveaus , wie sie beim Urknall geherrscht haben (10 hoch 32 Kelvin).Bis zur 10 hoch minus 44-ten Sekunde ist der Kosmos rekonstruierbar. Was davor war ist noch Spekulation, die aber immer konkretere Züge anzunehmen scheint. (String-Theorie).

Das biblische "Es werde Licht" könnte man in diese Richtung deuten. Licht ist Energie, Energie kann sich in Masse verwandeln, da Masse und Energie nach Einstein äquivalent sind (E=m*c^2).
Leider können wir Menschen Energie nicht denken, obwohl sie allgegenwärtig ist und auch beim Denken verbraucht wird.
Das für mich Faszinierenste überhaupt ist, dass sämtliche "heutige Materie" "am Anfang" als Energie in dieser Singularität auf "engstem Raum" komprimiert war. Aus 10hoch32 Kelvin wurde ein Kosmos mit einer Masse von ca. 10hoch54 kg/10hoch 80 Atomen. Die Singularität war also ein echt schwerer Junge, wenn man ihre Energie in Masse umrechnet. ;-)
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