C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Korrektur und Hilfestellungen bei Übersetzungen für die Schule und das Leben sowie deutsch-lateinische Übersetzungen für Nichtlateiner

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C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon cultor linguarum antiquarum » Do 1. Dez 2016, 23:30

Salvete!

Emendationem oro.

Interim Argilius quidam adulescentulus, quem puerum Pausanias amore venerio dilexerat, cum epistulam ab eo ad Artabazum accepisset, eique in suspicionem venisset aliquid in ea de se esse scriptum, quod nemo eorum redisset, qui super tali causa eodem missi erant, vincla epistulae laxavit signoque detracto cognovit, si pertulisset, sibi esse pereundum.

Indessen lockerte ein gewisser junger Argilier, den als Jungen Pausanias in sinnlicher Liebe [sc. schändlich] verehrt hatte, als er einen Brief von diesem an Artabazos erhalten hatte und er zum Verdacht gelangt war, es sei in ihm etwas über ihn geschrieben, weil keiner dieser zurückgekehrt war, die wegen eines solchen Falls ebendahin gesandt worden waren, die Schnüre des Briefes und erkannte nach Entfernung des Siegels, dass er, wenn er [ihn] übergeben hätte, umkäme.

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Re: C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon marcus03 » Fr 2. Dez 2016, 09:45

quem puerum Pausanias amore venerio dilexerat: mit dem P. Knabenliebe/Päderasterie betrieben hatte, in einem päderastischen Verhältnis gelebt hatte

cultor linguarum antiquarum hat geschrieben: keiner dieser

keiner von denen

pereundum esse: dass er sterben müsse/solle=man ihn töten solle
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Re: C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon medicus » Fr 2. Dez 2016, 11:14

Ich habe eine grundsätzliche Frage zu diesem Satz. Hier sind ja , wie häufig in lateinischen Texten, mehrere Nebensätze in den Hauptsatz verschachtelt. Das Subjekt und das Prädikat stehen weit von einander entfernt. Der Leser kann leicht den Faden verlieren und muss zweimal lesen, um den Zusammenhang zu verstehen. Insbesondere für Schüler ist das schwierig. Wäre es zulässig zu übersetzen:
Inzwischen erhielt ein gewisser junger Mann A. einen Brief von Pausanias, dieser.....
(nach allen Nebensätzen):......Er schnürte diesen Brief auf und....
:help:
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Re: C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon marcus03 » Fr 2. Dez 2016, 11:53

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Re: C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon cultor linguarum antiquarum » Fr 2. Dez 2016, 12:55

Gratias.

Medice, ja, das Ganze ist sehr verschachtelt, die Übersetzungen, ich schaue sie mir ja durchaus an, formulieren das gern etwas einfacher. Das ist eben wieder die grundsätzliche Frage, ob man die Struktur des Originaltextes so gut wie möglich erhalten möchte oder einen guten deutschen Text formulieren möchte.

Marce, die Päderastie ist freilich gemeint, wobei laut Georges: „alqm amore Venerio, Nep. Paus. 4, 1: alqm turpius“. Da kommt, wenn es tatsächlich so gemeint ist, schon die Abneigung der Römer durch, wobei die ja sonst bei der Sexualmoral auch nicht sonderlich weit her waren... Und das Gerundiv habe ich nicht als ein solches übersetzt, tatsächlich.

Am Rande: „Diligere“ bedeutet wohl ursprünglich „zerteilen“. Das möchten wir uns doch lieber nicht vorstellen...

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Re: C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon medicus » Fr 2. Dez 2016, 13:37

Nochmal zwei Fragen an die Philologen: War dieser "verschachtelte" Schreibstil in der Antike ein Zeichen von guter Literatur, denn der Mann auf der Straße hat ja sicher nicht so gesprochen?
Und sollen die Schüler möglichst wörtlich übersetzen oder möglichst gutes Deutsch oder hängt das vom jeweiligen Lehrer ab?
:prof2:
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Re: C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon cultor linguarum antiquarum » Fr 2. Dez 2016, 13:58

Unser Lehrer meint: Die Struktur (Wortreihenfolge etc.) möglichst beibehalten und auch sonst möglichst am Originaltext bleiben. Das hat vielleicht den Hintergrund, dass Schüler sonst schnell dazu neigen, sich eine Übersetzung „zusammenzuspinnen“. Und gerade bei philosophischen Texten (wie Seneca) wird dann irgendetwas hineininterpretiert, was vielleicht gar nicht gemeint ist.
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Re: C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon medicus » Fr 2. Dez 2016, 14:27

Ja danke, da stimmt wohl. :D
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Re: C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon Prudentius » Sa 3. Dez 2016, 16:44

quod nemo eorum redisset .... weil keiner dieser zurückgekehrt war


Das ist ein obliquer Konjunktiv, der Inhalt des Verdachts; wird nicht als objektive Tatsache hingestellt, "... zurückgekehrt sei".
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Re: C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon marcus03 » Sa 3. Dez 2016, 17:03

Prudentius hat geschrieben:der Inhalt des Verdachts


Nicht eher der (objektive) Grund für den Verdacht? :?
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Re: C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon Prudentius » Sa 3. Dez 2016, 20:47

Dann müsste Indikativ stehen.
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Re: C. Nepos, LDEDEG, Pausanias, 4,1

Beitragvon cultor linguarum antiquarum » Sa 3. Dez 2016, 21:28

Laut dieser Seite steht ein von einem AcI abhängiger Nebensatz im Konjunktiv.
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