Google.Translate

Korrektur und Hilfestellungen bei Übersetzungen für die Schule und das Leben sowie deutsch-lateinische Übersetzungen für Nichtlateiner

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Beitragvon Zythophilus » Di 4. Apr 2017, 14:46

Wieder einmal ein Beweis, besonders peinlich, weil in aller Öffentlichkeit in Cambridgeshire, dass Google.Translate für Lateinübersetzungen, die mehr als ein Wort betreffen, völlig ungeeignet ist. Die sinnlose Wortfolge "locus in domos loci populum" entpuppt sich als "Übersetzung" von "local homes for local people". Wird sich ein Lateinkundiger Bobby finden, der, falls er den Schmierfinken fasst, ihn unter Androhung einer Verstümmelung zwingt, die richtige Version 100mal zu schreiben?
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Re: Google.Translate

Beitragvon cultor linguarum antiquarum » Di 4. Apr 2017, 17:38

Die Qualität des Latein passt zur Schönheit der Häuser.
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Re: Google.Translate

Beitragvon Prudentius » Mi 5. Apr 2017, 08:03

Wenn wir als Korrektoren nicht ebenfalls versagen wollen, dann dürfen wir nicht nur schimpfen, sondern müssen den Programmieren ihre Fehler einsichtig machen, es hat keinen Zweck zu sagen, "Satzkonstruktion nicht erfasst", "Kongruenz nicht erkannt", "Kasusunterschiede verfehlt", denn all das verstehen sie ja nicht; wir müssen mit ihren Begriffen argumentieren, also mit Dateien, Ordnern, Baumdiagrammen; bei "local homes for local people" muss man zwei Ordner unterscheiden, "local homes" und "for local people", und die Ordner-Trennung müsst ihr vom digitalen Code in den L-Grammatik-Code umschreiben, d.h. ihr müsst die Kongruenzrelation durchgehend aktivieren.
Es könnte dann ungefähr so heißen: "Domos nostras nostris civibus (concedamus)!", mit leicht fremdenfeindlichem Einschlag.
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Re: Google.Translate

Beitragvon Zythophilus » Mi 5. Apr 2017, 14:22

Da ich nicht programmieren kann, weiß ich nicht, wie kompliziert es ist, ein Programm so einzurichten, dass es mehr als ein Wort aus dem Englischen, wie im konkreten Fall, oder einer anderen Sprache ins Lateinische zu übersetzen kann. Google.Translate versagt dabei regelmäßig, und auch Übersetzungen in die andere Richtung bringen kaum bessere Resultate. Ich nehme daher an, dass es äußerst kompliziert, wenn nicht zumindest derzeit gar unmöglich ist, und damit auch extrem zeitaufwendig und teuer sein muss.
Ich weiß auch nicht, an wen ich mich wenden müsste, aber ich habe auch nicht die Absicht, so etwas Aufwendiges gratis zu machen. Google verdient damit, mag auch die Nutzung gratis sein, Geld.
Peinlich ist zudem in meinen Augen weniger, dass Google.Translate das nicht schafft, sondern dass andere blind darauf vertrauen und das dann auch in der Öffentlichkeit zur Schau stellen.
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Re: Google.Translate

Beitragvon Prudentius » Do 6. Apr 2017, 09:47

Auch wenn wir keine Programmierer sind, ist es für uns interessant, uns klarzumachen, worin die Aufgabenstellung für das Programmieren besteht; denn offensichtlich hat Google nicht nur schlecht übersetzt, sondern die Aufgabenstellung gar nicht erfasst. Diese kann man so umreißen: der Übersetzer steht vor der Aufgabe, eine vorgefundene Wortreihe der Sprache A in einen Satz der Sprache B überzuführen. Er hat also ein Aggregat von Einzelwörtern vor sich und muss diesen dann Satzteile zuordnen, und nicht nur das, er muss aus den isolierten Einzelstücken ein Netz von Beziehungen herstellen und hat dazu die Hilfsmittel der Grammatik zur Verfügung, wie Kasusrektion und Kongruenz, und am Schluss stellt sich das Erfolgserlebnis ein: "So gibt es einen Sinn". Es ist das, was in der Schulstunde so oft zu hören ist, wenn der Schüler ala Google übersetzt: "Du musst konstruieren!".

Die Maschine kann nicht ermitteln, ob "die Freunde" Subjekt oder Objekt sein muss, und ob "amici" Subjekt oder Genitivattribut ist, und ob "uns" Dativ- oder Akkusativobjekt ist.
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Re: Google.Translate

Beitragvon sinemetu » Do 6. Apr 2017, 18:07

Prudentius hat geschrieben:Die Maschine kann nicht ermitteln, ob "die Freunde" Subjekt oder Objekt sein muss, und ob "amici" Subjekt oder Genitivattribut ist, und ob "uns" Dativ- oder Akkusativobjekt ist.


Hier irrst Du. Man kann inzwischen sehr gut analysieren anhand statistischer Werte und einem immensen Corpus an Texten.
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Re: Google.Translate

Beitragvon marcus03 » Fr 7. Apr 2017, 08:11

Auch mit Quantencomputern wird es mMn nie möglich sein, jeden denkbaren Satz absolut korrekt zu übersetzen, geschweige denn optimal zu übertragen. Dafür ist die menschl. Sprache einfach zu komplex. Es wird immer mehr oder weniger gute/schlechte Übersetzungen geben. Und das ist gut so. Computer haben ohnehin schon genug Arbeisplätze vernichtet und werden es weiter tun. Es müssen ja nicht unbedingt auch noch die der Übersetzer hinzukommen, zumal es sich beim Übersetzen um keine so absolut stupide Tätigkeit handelt wie manche Fabrikarbeit o.ä.

PS:
Es ist schon schlimm genug, wenn z.B. im Turbohandel per Computer an den Weltbörsen demnächst in Nano- oder Pikosekunden enorme Profite gemacht werden ohne jedwede produktive Tätigkeit, sondern nur durch Ausnutzung permanenter Preisschwankungen aller möglicher Basiswerte und deren Verbuchung auf ständig wechselnden Konten. Nirgends anders kann man deutlicher erkennen, wie pervers das Angebot-Nachfrage-Spiel sein kann, wenn man es auf die Spitze treibt.
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Re: Google.Translate

Beitragvon Zythophilus » Fr 7. Apr 2017, 08:23

Bei modernen Sprachen ist Google.Translate, soweit ich es beurteilen kann, meist ein brauchbares Hilfsmittel, um fremdsprachige Texte zu verstehen. Eine literarische Qualität besitzt das Resultat nicht, im Gegenteil. Bei einfachen lateinischen Texten kann man den Inhalt anhand einer solchen Übersetzung auch noch erahnen, während die Übersetzung ins Lateinische regelmäßig Unsinn produziert. Mit großem Aufwand könnte man sicher bessere Übersetzungen erzielen - slawische Sprachen sind ähnlich komplex wie Latein -, aber es gibt offensichtlich zu wenige, die sich diesen Aufwand antun wollen.
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Re: Google.Translate

Beitragvon Zythophilus » Fr 7. Apr 2017, 08:35

Das Resultat muss nicht immer ganz falsch sein. Mit der Eingabe "Er liebt die Freundin." erhält man Qui amat amicam. Der Akkusativ wird als solcher erkannt, obwohl er formgleich mit dem Nominativ ist. Vermutlich wird der eindeutige Nominativ "er" erkannt.
Wieso "Er liebt die Freundin" (ohne Punkt) dilexit amicum und "er liebt die Freundin." amat amicum. als Übersetzung bekommen, weiß ich freilich auch nicht.
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Re: Google.Translate

Beitragvon Prudentius » Sa 8. Apr 2017, 20:42

sinemetu hat geschrieben: Man kann inzwischen sehr gut analysieren anhand statistischer Werte ...


Der Sprung vom Bezeichnenden zum Bezeichneten, vom Bedeutenden zum Bedeuteten, vom Symbol zum Symbolisierten ist unendlich vielfältig, niemals programmierbar. Aber hier bei unserem Beispiel haben die Programmierer nicht einmal den e. Ausgangstext richtig analysiert, mit seiner parallelen Gliederung der beiden Attributgruppen.
L. Übersetzungen programmieren kann man nur, wenn Grammatiker und Programmierer Hand in Hand zusammenarbeiten.

Der Text scheint eine verschlüsselte Botschaft des Hauseigentümers an seinen polnischen Nachbarn zu enthalten, lateinisch deshalb, weil die Polen ja Katholiken sind. :-D

enorme Profite gemacht werden ohne jedwede produktive Tätigkeit


Hallo Marce, das ist eben der Unterschied zwischen "für Geld arbeiten" und "mit Geld arbeiten" :-D ,
ich glaube, du denkst noch moralisch, aber Moral kommt nicht mehr vor in unserer Leitkultur, der Evolutionslehre, statt dessen gilt "survival of the fittest" :-D ,
gute Nacht,
P. :)
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Re: Google.Translate

Beitragvon marcus03 » Sa 8. Apr 2017, 21:25

Prudentius hat geschrieben:statt dessen gilt "survival of the fittest


More precisely: especially the financially fittest and smartest :)
Zuletzt geändert von marcus03 am So 9. Apr 2017, 16:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Google.Translate

Beitragvon Zythophilus » So 9. Apr 2017, 16:15

"survival of the fittest"
kommt nicht von mir, sondern von Prudentius.
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Re: Google.Translate

Beitragvon marcus03 » So 9. Apr 2017, 16:30

Sorry, habs geändert. Das passiert mir oft hier beim Copy%Paste. Keine Ahnung, warum. :?
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Re: Google.Translate

Beitragvon Prudentius » Mo 10. Apr 2017, 07:34

Zythophilus hat geschrieben: ... kommt nicht von mir, sondern von Prudentius.


Von mir kommt es auch nicht, sondern von Darwin :-D .
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Re: Google.Translate

Beitragvon Zythophilus » Mo 10. Apr 2017, 08:49

Darwin screibt auch im e-latein-Forum :eek:
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