die Heliaden

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Re: die Heliaden

Beitragvon ille ego qui » Mi 27. Dez 2017, 18:51

maximas tibi gratias ago, Conse, cum pro omnibus explicationibus tum pro exemplis allatis :-)
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Re: die Heliaden

Beitragvon Lychnobius » Mi 27. Dez 2017, 22:57

Woran mag es eigentlich liegen, dass in der Neuzeit bei gräzisierenden Bildungen mit dem Kompositionsglied -phil- dieses bevorzugt an die zweite Stelle gesetzt wird (wie bei der Käfergattung Hydrophilus), während es ja bei den Griechen selbst überwiegend an der ersten Stelle stand (so, wenn Aristoteles das Pferd wasserliebend nennt: φίλυδρος)?
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Re: die Heliaden

Beitragvon Zythophilus » Mi 27. Dez 2017, 23:17

Ich mutmaße einmal, dass man das tut, damit das, worum es geht, an erster Stelle steht. Somit ist es auch ein bisschen leichter zu ordnen, als wenn man eine ganze Reihe von Ausdrücken mit "phil-" am Anfang hat.
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Re: die Heliaden

Beitragvon ille ego qui » Mi 27. Dez 2017, 23:25

immerhin beschäftigen wir uns bis heute mit der "Philologie", nicht mit der "Logophilie" - obwohl das Wort "Philologie" ganz anders gedacht ist als all die anderen "-logien" (= Lehre von ...), in die sie sich nur ganz scheinbar einreiht.
Tatsächlich muss die semantische Struktur von Komposita mit -phil- am Ende uns von den modernen Sprachen unseres Kulturkreises her recht fremd erscheinen. Im Deutschen beispielsweise lassen sie sich absolut nicht nachahmen.
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Re: die Heliaden

Beitragvon Sokrates » Mi 27. Dez 2017, 23:43

Salvete /Χαίρετε,

dass sich das Omikron als eines der Standardgelenke eines Kompositums herausgebildet hat, unabhängig vom Stamm des Nomens, hat Consus schon hervorragend dargelegt. Bei verbalen Rektionskomposita konkurrieren klassisch-griechisch in der Tat Voranstellung des regierenden Teils und Nachstellung desselben. Mithin wird auch der bloße Akzent in seiner Stellung distinktiv: das Paroxytonon aktivisch θηροτρόφος (vom guten Christenmenschen, der zur Weihnacht den Viechern Fressen darbringt), das Proparoxytonon θηρότροφος passivisch (etwa Romulus)
Dass in der Phase der neuzeitlichen Rückbesinnung eine klarer Überschuss von Komposita genannten Typs mit verbalem Teil im Hinterglied über die Inversen derselben zu beobachten ist, hat offensichtlich sprachpsychologische Gründe: mir ist keine europ. Sprache bekannt, die einer Zusammensetzung, in der der regierende Teil voransteht, den Vorzug gäbe, ja, die so geartet ist, dass sich überhaupt eine Wahl eröffnete.

Lexikographische Gründe würde ich hier nicht aufrufen.
LG,
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Re: die Heliaden

Beitragvon Zythophilus » Do 28. Dez 2017, 01:18

ille hat geschrieben:Immerhin beschäftigen wir uns bis heute mit der "Philologie"
philologia ist wie z.B. philosophia schon eine antike Bildung. Neuzeitlich scheint mir hingegen Philharmonie zu sein.
Wisschenschaften werden in der Neuzeit eher mit -logie gebildet - die Philologie wäre wohl eine "Logologie". Im Deutschen kann man ähnliche Bildungen mit "-lieb" finden (e.g. "tierlieb").
Moderne Bildungen mit -phil oder -philie bezeichnen Vorlieben (e.g. "bibliophil"), die aber auch ins Pathologische (e.g. "nekrophil") gehen können.
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Re: die Heliaden

Beitragvon Lychnobius » Do 28. Dez 2017, 01:50

Danke für die Überlegungen! Die Komposition folgt im Deutschen tatsächlich einer klareren Regelung als im Altgriechischen.
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