AcI/NcI

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Re: AcI/NcI

Beitragvon LaniusCollurio » Mo 16. Jul 2018, 12:17

marcus03 hat geschrieben:
LaniusCollurio hat geschrieben:iussus est milites pontem aedificare -

Wenn, dann iussum.
Aber so sagt man im Lat. nicht.

http://latin.packhum.org/concordance?q=iussum+est



iubebatur milites pontem aedificare.
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Re: AcI/NcI

Beitragvon Christophorus » Mo 16. Jul 2018, 12:24

Nein! Für die Soldaten gilt in Hinblick auf das transitive Verb das Gleiche wie für die Brücke. Nur dass sie eben mit einer aktiven Handlung beauftragt werden. Und weil sie damit das Subjekt sind, richtet sich das Prädikat nach ihnen, es ist Plural und bei Verwendung des PPP quasi auch maskulinum: iubebantur oder besser iussi sunt.
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Re: AcI/NcI

Beitragvon LaniusCollurio » Mo 16. Jul 2018, 12:33

Ok, danke!
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Re: AcI/NcI

Beitragvon Tiberis » Mo 16. Jul 2018, 22:43

Manchmal wundere ich mich schon, wie selbst die einfachsten Dinge verkompliziert werden. :-o
Dabei lässt sich diese ganze Konstruktion mit iubere (bzw. auch vetare) an vier Mustersätzen gut darstellen.
Wichtig ist , vorab zu klären, ob die Person(en), der/ denen etwas befohlen wird, genannt ist oder nicht.

1) (Aktiv, Befehlsempfänger genannt):
Caesar milites pontem facere iussit.
2) (Aktiv, Befehlsempfänger nicht genannt):
Caesar pontem fieri iussit.
3) (Passiv, Befehlsempfänger genannt):
Milites pontem facere (a Caesare) iussi sunt.
4) (Passiv, Befehlsempfänger nicht genannt):
Pons fieri (a Caesare) iussus est.
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Re: AcI/NcI

Beitragvon Prudentius » Mi 18. Jul 2018, 08:09

Pons fieri (a Caesare) iussus est.


"Der Brücke wurde befohlen, von C. gebaut zu werden", Tiberis, eine weitere Bereicherung der Sammlung von Stilblüten aus der L-Übersetzung? :)
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Re: AcI/NcI

Beitragvon Tiberis » Mi 18. Jul 2018, 09:59

ja, so könnte das jemand allerdings "übersetzen", der sich weder um die o.a. Mustersätze noch um die Wortstellung schert und obendrein noch glaubt, dass einer Brücke etwas befohlen werden kann. :cry:
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Re: AcI/NcI

Beitragvon marcus03 » Mi 18. Jul 2018, 10:37

Prudentius hat geschrieben:"Der Brücke wurde befohlen, von C. gebaut zu werden"

Woraufhin die Brücke mit Befehlsverweigerung reagieren dürfte, ein Fiasko fürchtend: Cäsar als Handwerker! :hairy:

und obendrein noch glaubt, dass einer Brücke etwas befohlen werden kann.

einer Brücke als nicht-existentem Befehlsempfänger. Schon hier beginnt die Absurdität einer wörtl. ÜS.

Quaedam arbores caesae olim se a Caesare in pontem mutari pati iussae sunt.
Quae respondisse feruntur: Noli nos tangere! Si nos tetigeris, ex te lignum in particulas quam minimas concisum faciemus. :lol:
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Re: AcI/NcI

Beitragvon marcus03 » Mi 18. Jul 2018, 16:20

Ich habe Belege im Präsens gefunden:

Quid non ingenio voluit natura licere?
Autumnum sterilis ferre iubetur hiems. (Martial)

Deinde cum alterius populi maiestas conservari iubetur,
de altero siletur, ... (Cicero)
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Re: AcI/NcI

Beitragvon Prudentius » Do 19. Jul 2018, 09:59

Vllt. kann man sich auf dioese Linie einigen:

Pons fieri/aedificari iussus est.


"iussus est": persönliches Passiv, setzt also ein transitiv gebrauchtes iubere voraus, wie "milites iubere", den Soldaten befehlen; dann muss "pons iussus est" beanstandet werden, weil ja nicht gemeint ist, "der Brücke befehlen".
Also muss in dem Satz das iubere intransitiv gebraucht sein: "Es wurde befohlen,...", also unpersönliches Passiv, also "iussum est"; und dann ein ACI als Subjekt; also:
"Pontem fieri iussum est".
Ob das belegt ist, ist eine andere Frage, aber vom System her ergibt es sich so.

Die weitere Frage ist auch noch, ob die Grammatikregeln die Sprache "parkettieren" können, d.h. ohne Überlappungen und ohne Leerstellen abdecken können.
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Re: AcI/NcI

Beitragvon Tiberis » Do 19. Jul 2018, 12:41

Prudentius hat geschrieben:"iussus est": persönliches Passiv, setzt also ein transitiv gebrauchtes iubere voraus, wie "milites iubere", den Soldaten befehlen; dann muss "pons iussus est" beanstandet werden, weil ja nicht gemeint ist, "der Brücke befehlen".

Es kann nicht etwas "beanstandet" werden, was normaler Sprachgebrauch ist, auch wenn die Logik scheinbar etwas anderes nahelegt. "pontem fieri iussum est" ist ein Unding, so drückte man sich eben nicht aus. Vgl. dazu MBS 489,2: " iubere, vetare und prohibere werden im Passiv sogar dann persönlich konstruiert, wenn der Befehl, das Verbot usw. nicht an das Subjekt gerichtet ist..."
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