felicem natalem

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Beitragvon medicus » Mo 24. Dez 2018, 19:04

Omnibus , qui hoc foro utuntur, felicem Domini natalem exopto. :-D
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Re: felicem natalem

Beitragvon Prudentius » Di 25. Dez 2018, 11:31

Dir auch, lieber Medice, und allen anderen!

Weihnachten ist erstaunlich, aus mehreren Gründen, einmal wegen der seltsamen Diskrepanz, die zwischen der gewaltigen Breitenwirkung dieses Festes besteht und der unbedeutenden Episode, die es in der Bibel darstellt: es ist ja ein ganz später Anhang, der nur in zweien der vier Evangelien vorhanden ist, und eine ganz durchsichtige Konstruktion: der neue König der Juden musste an den klassischen König David angelehnt werden, und der war in Bethlehem geboren; so musste also der Nazarener in Bethlehem geboren sein; die Volkszählung des Augustus und der König Herodes mussten her, der schon 4 v. Chr. gestorben war.
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Re: felicem natalem

Beitragvon medicus » Di 25. Dez 2018, 14:50

Prudentius hat geschrieben:der König Herodes mussten her, der schon 4 v. Chr. gestorben war.

Salve Prudenti, bei Wikipedia lese ich, dass es sich um den Vater besagten Herodes handelte, der 4 v Chr. gestorben war :help:
https://de.wikipedia.org/wiki/Herodes_Antipas
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Re: felicem natalem

Beitragvon Christophorus » Di 25. Dez 2018, 18:32

Auch an dieser Stelle noch einmal die besten Wünsche für alle, ein frohes und friedliches Fest.
Timeo Danaos et donuts ferentes.
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Re: felicem natalem

Beitragvon Zythophilus » Di 25. Dez 2018, 23:46

Die Diskrepanz ist zwischen der Bedeutung des Fests und der relativ unbedeutend wirkenden biblischen Szene ist zwar vorhanden, aber das Faktum, das da gefeiert wird, ist für Christen nicht unbedeutend. Das muss nicht jeder glauben, aber für Christen wird Gott Mensch, und als Mensch wird er auch geboren. Dass die Geburt in Betlehem und das meiste aus Jesu Kindheit theologische Konstrukte sind, spricht auch dafür. Jesu Familie gehörte zwar nicht zu den ganz armen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ein relativ einfacher Jude seiner Zeit überhaupt sein Geburtsdatum wusste. Einfache Römer wussten es jedenfalls oft nicht.

Dass das Weihnachtsfest ohne seine theologischen Aspekte mit ein paar christlichen Versatzstücken eine derartige Entwicklung auch unter Nicht-Christen erfahren hat, steht überhaupt auf einem anderen Blatt.
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Re: felicem natalem

Beitragvon Prudentius » Mi 26. Dez 2018, 09:12

medicus hat geschrieben: ....bei Wikipedia lese ich, dass es sich um den Vater besagten Herodes handelte, der 4 v Chr. gestorben war :help:


Lieber Medice, nach Herodes d. Gr. gab es keine jüdischen Könige mehr, Augustus verweigerte den Herodes-Söhnen die Königswürde, denn er war von deren Treiben nicht angetan. Stattdessen viertelte er das Gebiet und führte 4 Tetrachen ("Vierfürsten") ein, sie sind ja bekannt aus der Passiosngeschichte, da wurde Jesus dem Vierfürsten von Galiläa überstellt; "König der Juden" war bloß noch ein Traum, es war auch ein Spott, stand auf der Kreuzesinschrift, "rex Iudaeorum", das "R. I." von "INRI".
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Re: felicem natalem

Beitragvon marcus03 » Mi 26. Dez 2018, 11:03

Zythophilus hat geschrieben:Das muss nicht jeder glauben, aber für Christen wird Gott Mensch, und als Mensch wird er auch geboren.

Dazu meinte einst Goethe:

Jesus fühlte rein und dachte
Nur den Einen Gott im Stillen;
Wer ihn selbst zum Gotte machte
kränkte seinen heil’gen Willen.


http://www.eslam.de/manuskripte/buecher ... s_kind.htm

vgl:
https://de.wikipedia.org/wiki/Christologie
https://www.bibelwissenschaft.de/wirele ... 14f2f4e55/
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Re: felicem natalem

Beitragvon Lychnobius » Mi 26. Dez 2018, 13:21

marcus03 hat geschrieben:Dazu meinte einst Goethe:

Jesus fühlte rein und dachte
Nur den Einen Gott im Stillen;
Wer ihn selbst zum Gotte machte
kränkte seinen heil’gen Willen.

Es empfiehlt sich, wie ja auch sonst bei poetischen Texten, die Meinung des Autors nicht ohne Weiteres mit der des Erzählers bzw. lyrischen Subjekts zu identifizieren. Die zitierte Passage gehört zu einem Gedicht, als dessen Sprecher der Moslem Chosroes II. vorgestellt wird, der sich an seine Geliebte, die Christin Schirin, wendet. In den Versen wird Bezug genommen auf die 5. Koransure, Verse 110 ff. In die von Goethe selbst redigierten Ausgaben des West-östlichen Divans ist das Gedicht übrigens nicht aufgenommen worden.
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Re: felicem natalem

Beitragvon marcus03 » Mi 26. Dez 2018, 13:46

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Re: felicem natalem

Beitragvon Prudentius » Mi 26. Dez 2018, 20:03

Goethes Religion: Spinoza, und die neuplatonische Tradition, die durch Hegel zu neuer Kraft erwacht war.
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Re: felicem natalem

Beitragvon Prudentius » Do 27. Dez 2018, 18:43

Zythophilus hat geschrieben: ... für Christen wird Gott Mensch, und als Mensch wird er auch geboren.


Auf die Frage, wie man dazu stehe, konnte man früher einfach mit ja oder nein antworten, aber wir Heutigen verfangen uns schon in den Vorfragen; Gott war eine feste Größe im früheren Weltbild, und Menschwerdung erschien als möglich; aber wir haben ein Weltbild, in dem diese Begriffe gar nicht vorkommen; wir brauchen eigentlich eine Umkodierung, um diese Vorstellungen in unserem Gedankenkosmos unterzubringen, eine Art Entmythologisierung oder dergl., aber so etwas ist nicht greifbar.

In ähnlicher Lage war die Kirche ja in der Antike, beim Übergang von der jüdischen zur griechisch-römischen Kultur. Damals war die Kirche flexibel, sie fand eine Symbiose mit der neuplatonischen Vorstellungswelt, das "Eine" oder die Idee des Guten bildete die Spitze der Pyramide, und das Eine trat aus sich heraus und entfaltete sich in dem Vielen, ohne sich selbst zu verlieren. Das Eine entsprach Gott Vater, und der Sohn war das Viele, das daraus hervorging, unter Wahrung der Einheit.

Bis heute greift ja die Kirche bei der Verteidigung der Trinität gegenüber der Kritik vonseiten der strengen Monotheisten, der Juden und des Islams, darauf zurück; der eine Gott entfaltet sich in "Hypostasen", Sohn und Hl. Geist; so heißt es "Credo in unum Deum".
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