Futur

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Futur

Beitragvon medicus » Mi 30. Nov 2022, 08:00

Wenn man von Zukünftigem redet, so gebraucht der Deutsche oft, oder meistens, das Präsens, der Lateiner immer das Futur. Gibt es Ausnahmen im Lateinischen?
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Re: Futur

Beitragvon ille ego qui » Mi 30. Nov 2022, 08:32

Wenn in lateinischen Büchern gesagt wird, was später noch behandelt wird, sieht man wohl manchmal ein Präsens (das Buch und sein Inhalt liegen sozusagen überzeitlich vor). Auch wohl bei Tätigkeiten, die gleich beginnen ("Hoc libenter facio"). Risikolos aber alles auch mit Futur möglich.
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Re: Futur

Beitragvon medicus » Mi 30. Nov 2022, 09:35

Gratias ago, quod omnia bene explicavisti.
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Re: Futur

Beitragvon marcus03 » Mi 30. Nov 2022, 10:12

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Re: Futur

Beitragvon Sapientius » Mi 30. Nov 2022, 16:21

Medice, du nimmst dieses Dreierschema für die Zeit zu ernst, als ob es wirklich wäre; es ist nur ein grobes Raster, das wir auf die fließende Welt werfen.

Die Gegenwart gibt es eigentlich gar nicht, da kein leerer Platz zwischen Zukunft und Vergangenheit vorhanden ist. Andererseits kommen wir unser ganzes Leben nie aus der Gegenwart heraus.

Wenn man aber aus praktischen Gründen eine Abgrenzung festlegen sollte, würde ich vorschlagen: Gegenwart: 1000 Jahre.
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Re: Futur

Beitragvon medicus » Mi 30. Nov 2022, 16:42

Danke Sapientius, der medicus irrt zwischen diesen tausend Jahren umher. :was:
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Re: Futur

Beitragvon Tiberis » Mi 30. Nov 2022, 16:42

Sapientius hat geschrieben:Die Gegenwart gibt es eigentlich gar nicht
Gegenwart: 1000 Jahre.

:?

Abgesehen davon, dass es nicht sehr logisch erscheint, für einen Zeitabschnitt, den es "eigentlich" gar nicht gibt, gleich einmal 1000 Jahre zu veranschlagen, stellt sich die Frage, warum 1000 Jahre und nicht 100 oder 100000 ? Und sind die letzten 1000 Jahre gemeint oder 500 in die Vergangenheit und 500 in die Zukunft?
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Re: Futur

Beitragvon medicus » Mi 30. Nov 2022, 16:53

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Re: Futur

Beitragvon marcus03 » Mi 30. Nov 2022, 17:52

Tiberis hat geschrieben:Abgesehen davon, dass es nicht sehr logisch erscheint, für einen Zeitabschnitt, den es "eigentlich" gar nicht gibt, gleich einmal 1000 Jahre zu veranschlagen, stellt sich die Frage, warum 1000 Jahre und nicht 100 oder 100000 ?

"Vor Gott sind 1000 Jahre wie ein Tag" (AT), was immer das heißen mag oder man sich darunter
vorstellen soll und woher wir das wissen können. Theologisches Gedankenkonstrukt auf
Wunschdenkenbasis oder Hirngespinste von Leuten, denen die Fantasie durchgegangen ist ??
Zudem wohl wieder eine typische Leerformel.
Interessant ist der Zeitbegriff für die Ewigkeit (OLAMIN) im Hebräischen.

https://www.bibelwissenschaft.de/wibile ... 5d584db0c/
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Re: Futur

Beitragvon Sapientius » Do 1. Dez 2022, 08:26

Es gibt die Paradoxien des Zeitbegriffs.

Medice, am besten machst du dir klar: Jetzt ist immer und nie.
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Re: Futur

Beitragvon marcus03 » Do 1. Dez 2022, 09:08

Sapientius hat geschrieben:Es gibt die Paradoxien des Zeitbegriffs.

Eine sehr bekannte stammt von Augustinus:

Quid est ergo tempus? Si nemo ex me quaerat, scio.
Si quaerenti explicare velim, nescio.
( Conf. XI, 14)
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Re: Futur

Beitragvon ille ego qui » Do 1. Dez 2022, 15:08

Es gibt die Paradoxien des Zeitbegriffs.

Medice, am besten machst du dir klar: Jetzt ist immer und nie.


Davon würde ich sehr abraten, wenn es gerade darum geht, die Eigenarten verschiedener Sprachen zu lernen und zu verstehen. :D
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Re: Futur

Beitragvon Zythophilus » Sa 10. Dez 2022, 08:26

Dass im Deutschen öfter mal das Futur zugunsten des einfacher zu bildenden Präsens weggelassen wird, fällt natürlich auf. Zumindest in Österreich ist das nicht bloß ein Phänomen der Umgangssprache der Leute, sondern wird im öffentlich-rechtlichen Rundfunk geradezu zelebriert. Korrektes Futur ist da eine Seltenheit. Muss das so sein oder ist es einfach eine Schlamperei, die dort auch praktisch keinem auffällt? Sehr oft wird auch das Perfekt als normale Erzählzeit eingesetzt, wiewohl man zumindest theoretisch den Anspruch erhebt, Hochsprache zu verwenden, und die Verwendung des Präteritums (fast nur "war", "hatte" und ein paar andere häufige Formen) ist generell falsch.
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Re: Futur

Beitragvon marcus03 » Sa 10. Dez 2022, 10:52

Zythophilus hat geschrieben:Dass im Deutschen öfter mal das Futur zugunsten des einfacher zu bildenden Präsens weggelassen wird, fällt natürlich auf

Das hat sich etwas mit Sprachökonomie zu tun v.a. wenn der Kontext eindeutig ist (Zeitangaben wie
morgen, bald etc. oder der Kontext per se)

PS:
Am Imperfekt erkennt der Bayer den weit zu fassenden"Preißn" (= den jenseits des Weißwurstäquators Wohnenden)
Hier opfert er die Sprachökomie, gleicht das aber durch Verkürzungen etwas aus:
I hob des ned gestern gsagt. ;-)
Nie würde er sagen: Des sagte ich gestern nicht.
Täte er es, droht im mancherdorfs der Rauswurf, wenn "er mit sowos niad boild wieda aufhört". :lol:
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Re: Futur

Beitragvon ille ego qui » Sa 10. Dez 2022, 12:56

niad boild


Du bist offensichtlich kein Bayer … :D
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