GROß- oder kleinschreibung?

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Re: GROß- oder kleinschreibung?

Beitragvon Tiberis » So 21. Jul 2013, 22:57

Medicus domesticus hat geschrieben:Angefeindet hat dich hier auch noch keiner..

richtig, mi Medice. alles was ich schrieb, bezog sich ja auf das von mir genannte "schriftstellerforum".
Medicus domesticus hat geschrieben:Aber wie ist es als Lateinlehrer oder in sonstigen schriftlichen Äußerungen?

ich gebe offen zu, dass es situationen gibt, wo ich mich der konvention beugen würde, etwa in einem bewerbungsschreiben. da die verwendung der kleinschreibung in den augen sehr vieler zeitgenossen offenbar als symptom für linkes revoluzzertum, schlechten charakter oder zumindest für notorisch unangepasstes verhalten gilt, wäre sie dort naturgemäß kontraproduktiv. :D
außerdem ging und geht es mir nicht darum, andere zu ermuntern, es mir gleich zu tun; selbstverständlich habe ich mich im unterricht an die gängige norm gehalten. nur in einer sache habe ich in all den jahren erfolgreich "zivilen ungehorsam" geleistet: die völlig unsinnige vorschrift, schulnoten groß zu schreiben, habe ich konsequent missachtet, ohne dass es deswegen irgendwelche probleme gegeben hätte. 8)
Medicus domesticus hat geschrieben:Interessant für mich ist nur, dass du es mit Latein, insbesondere dem klassischen, sehr genau nimmst - ohne Kompromisse, aber mit der eigenen Muttersprache und ihrem schriftlichen Ausdruck eine "Ungenauigkeit" kein Problem ist.

ich glaube, in meinen bisherigen beiträgen zur genüge bewiesen zu haben, dass ich sehr wohl auch in der muttersprache um guten sprachlichen ausdruck, einwandfreie rechtschreibung und um weitgehendes vermeiden von tippfehlern bemüht bin. nachlässigen umgang mit der deutschen sprache kann man mir wohl nicht nachsagen. der vorwurf der ungenauigkeit trifft mich also nicht.
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Re: GROß- oder kleinschreibung?

Beitragvon Pyrrha » So 21. Jul 2013, 23:18

Wieso schreibst du eigentlich am Satzanfang nicht groß, Tiberis? Denn wenn auch in anderen Sprachen die barocke Großschreibung im Allgemeinen abgeschafft wurde, hat sie sich doch an Satzanfängen gehalten, und das erhöht die Lesbarkeit durchaus.
Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?
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Re: GROß- oder kleinschreibung?

Beitragvon Tiberis » So 21. Jul 2013, 23:29

Dieser einwand ist berechtigt. Ich werde mich also bemühen, ihn umzusetzen. Hoffentlich gelingt es mir... :roll:
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Re: GROß- oder kleinschreibung?

Beitragvon Medicus domesticus » Mo 22. Jul 2013, 09:29

Medicus hat geschrieben:...aber mit der eigenen Muttersprache und ihrem schriftlichen Ausdruck...

Ich meinte ja nicht deine unbestrittenen sprachlichen Fähigkeiten, sondern die Konvention im schriftlichen Ausdruck, die wir mit der Groß- und Kleinschreibung in D und Ö (und auch in der CH, Südtirol) einfach haben. Für mich gehört das halt dazu.
Ich möchte aber nicht in Pedanterie verfallen, denn im Prinzip ist es mir egal, wie du schreibst, weil es jeder selbst wissen muß. Die meisten benutzen sowieso diese Kleinschreibung nicht. Der Einwand von Pyrrha ist berechtigt, wenn man z.B.das Englische betrachtet.
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Re: GROß- oder kleinschreibung?

Beitragvon Prudentius » Mo 22. Jul 2013, 10:13

Wir können die Frage in einem ganz pazifischen Geist betrachten, ohne jegliche Polemik oder Animositäten, sie ist ja hochinteressant, es laufen die unterschiedlichsten Tendenzen zusammen, meine Ansicht ist auch korrekturbedürftig, aber ich meine zu erkennen, einmal eine Fluchtbewegung aus der deutschen Tradition und Sprache, wir kritisieren die Klassiker nicht, wir kennen sie gar nicht mehr; wir reformieren die Rechtschreibung und fragen, wie die Schüler am besten zurechtkommen; aber nicht, wie es der Sprache gemäß ist; russische und chinesische Philosophen interessieren sich für Hegel, die unsrigen nicht.
Die Bereitschaft, bestehende Regeln zu ändern, ist im E. und F. weniger da als bei uns; manche lehnen sich dagegen auf, dass man "enough" buchstabieren muss, oder dass es bei "what" ein h nach dem w braucht; die Franzosen halten an ihrem komplizierten Akzent- und Schreibsystem fest; warum? Es ist offensichtlich eine Wertschätzung der eigenen Tradition da, die bei uns fehlt.

Der schon erwähnte frühere Ansatz zur generellen Kleinschreibung im D. fügt sich in eine allgemeine Tendenz der Zeit um den 1. Weltkrieg ein, "Eskapismus" hat man es genannt, "Anywhere, out of the world!" lautete ein Schlagwort, Dadaismus, ungegenständliche Malerei, "Aufbruch" war das Losungswort, das Alte hinter sich lassen; nur über das Ziel war man sich nicht klar.

lgr. P. :)
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