Ein caveat, wie heisst's klassisch?

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Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon Laptop » Fr 24. Mai 2019, 16:53

Wie lautet der klassisch-lateinische Ausdruck vom küchenlateinischen Ausdruck "caveat" (etwas zu beachtendes). Ich würde sagen res cavenda, oder kann man auch einfach cavendum sagen? Ich schätze mal cavendum ist prädikativisch erlaubt "cavendum est, ..." Aber nicht als Nomen, richtig? Und darf man vielleicht res cavenda, was ein wenig klobig ist, auch abkürzen zu cavenda? Eine cavenda?
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon marcus03 » Fr 24. Mai 2019, 17:35

Es gibt keine Belege, soweit ich sehe:
https://latin.packhum.org/concordance?q=cavend
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon Laptop » Fr 24. Mai 2019, 17:48

Ironie? Oder meint Du keine Belege für res cavenda? Micht interessiert vor allem wie man ein korrekt-lateinisches Wort im Deutschen einbauen kann, also statt "folgendes caveat: .." "folgendes cavenda: ..." z. B. Ich bin mir bewusst, dass das ungewöhnlich und nicht gemäß der deutschen Sprachnorm wäre, aber es interessiert mich dennoch.
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon marcus03 » Fr 24. Mai 2019, 18:07

Warum sollte man nicht sagen: Es ist ein absolutes Cavendum.
Man sagt doch auch: ein Veto einlegen, er gab sein Placet etc.

Ich meinte, dass es keine Belege für den adjektivischen Gebrauch gibt.
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon medicus » Fr 24. Mai 2019, 18:42

Laptop hat geschrieben:küchenlateinischen Ausdruck "caveat"

Das Wort wird in Britannien verwendet. Darf man es als Küchenlatein bezeichnen?
https://dict.leo.org/englisch-deutsch/caveat
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon Laptop » Sa 25. Mai 2019, 00:45

Naja, wenn das kein Küchenlatein ist, was dann? Ein lat. Prädikat was als Nomen verwendet wird ist schon um einiges falscher, als das was Hans Wurst sagt "Ich bin generis Masculini, und wolte mit diesem meinem genere feminine in die Stadt hinein." das wird als Beispiel für Küchenlatein genannt.

Marcus03, zu "ein Cavendum". Ich dachte bisher, daß es unlateinisch ist ein Partizip im Neutrum als Nomen zu verwenden, aber so genau weiss ich es eben nicht.
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon marcus03 » Sa 25. Mai 2019, 07:18

Wenn man Adjektive im Neutrum verwenden kann ("Das ist ein Novum"), warum dan nicht auch Partizipien, die auch zu Adjektiven werden können.
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon Tiberis » Sa 25. Mai 2019, 09:38

Laptop hat geschrieben:Ich dachte bisher, daß es unlateinisch ist ein Partizip im Neutrum als Nomen zu verwenden,

einmal davon abgesehen, dass cavendum kein Partizip ist, sondern ein Gerundiv, werden lateinische Partizipia und Gerundiva im Deutschen immer wieder substantivisch gebraucht, wie z.B. Addendum, Erratum, Corrigendum (auch mit K am Anfang) usw. Natürlich entspricht dieser Gebrauch nicht den Kriterien der lateinischen Stilistik, aber er hat sich in Teilbereichen der deutschen Sprache eben "eingebürgert", genauso wie der substantivische Gebrauch von Verbalformen wie Veto, Placet und eben das eingangs genannte Caveat.
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon marcus03 » Sa 25. Mai 2019, 09:45

Tiberis hat geschrieben:einmal davon abgesehen, dass cavendum kein Partizip ist, s

In Grammatiken wird es als Part. Präsens bzw. Futur Passiv bezeichnet.
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon medicus » Sa 25. Mai 2019, 10:46

Cavete Stomachatum, amici! :book:
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon Zythophilus » Sa 25. Mai 2019, 15:22

Was ist an "caveat" so anstößig, wenn man die analog gebildeten Formen "Referat" und "Dezernat" im Deutschen problemlos als Substantive verwendet?
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon marcus03 » Sa 25. Mai 2019, 15:43

Marcus03, zu "ein Cavendum". Ich dachte bisher, daß es unlateinisch ist ein Partizip im Neutrum als Nomen zu verwenden, aber so genau weiss ich es eben nicht.

Dann dürfte es auch kein REFERENDUM oder AKZIDENS etc. geben.
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon Stomachatus » Sa 25. Mai 2019, 17:04

medicus hat geschrieben:Cavete Stomachatum, amici! :book:


:lol:
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon Laptop » Sa 25. Mai 2019, 22:10

Das ergibt Sinn, und mit "Ein Cavendum" in Analogie zu Addendum bin ich zufrieden. Es ist stilistisch sicherlich nicht optimal, aber auch nicht ganz so schräg wie "Caveat".

"Referat" und "Dezernat"

So kann man argumentieren, aber im Grunde ist es das Argument "alles was sich eingebürgert hat, hat seine Existenzberechtigung dadurch dass es Usus ist, ganz egal wie sinnig es auch sein mag." Nur wird es dadurch ja nicht gerade richtiger. Und wenn man es richtiger machen kann, warum dann nicht einmal abseits der Konformität? Beispiel: Jeder Deutsche spricht PayPal aus wie engl. "pay paul", wenn man es korrekt ausspricht wird man blöd angeschaut. Aber soll man deshalb Dinge falsch machen nur weil es Usus ist? Kreuzbrave Einstellung, die ich nicht teile. Wie siehst Du das, Zythophilus.
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Re: Ein caveat, wie heisst's klassisch?

Beitragvon Zythophilus » Di 28. Mai 2019, 05:44

Gerade einen Ausdruck wie "caveat" kann man wahrscheinlich dem Bildungswortschatz zuordnen, d.h. die Herkunft war bekannt, als er sich einbürgerte. Das funktioniert auch im Deutschen mit lateinischen Wörtern (das "Credo" gehört dazu), mit englischen wie den "Dos und Don’ts" und mit deutschen; da können sogar kurze Sätze substantiviert werden, wie das "Vergissmeinnicht" zeigt.
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