Genitiv

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Genitiv

Beitragvon medicus » Mo 4. Mai 2020, 18:16

Integer vitae scelerisque purus

Was sind das für Genitive? Haben die einen besonderen Namen?
:roll:
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Re: Genitiv

Beitragvon mystica » Mo 4. Mai 2020, 18:38

medicus hat geschrieben:
Integer vitae scelerisque purus

Was sind das für Genitive? Haben die einen besonderen Namen?
:roll:


Genitive bei Adjektiven
Hier handelt es sich wohl um einen "Genitivus objectivus des Sachbetreffs":

§ 135 2. Genitive bei Adjektiven
1. als gen. objectivus bzw. partitivus
integer vitae scelerisque

integer: sog. Gen. "des Sachbetreffs"

Vgl. Rubenbauer (2016): Lateinische Grammatik, 153
"Cum quo enim Deus est, nunquam minus solus est, quam cum solus est. Tunc enim libere fruitur gaudio suo, tunc ipse suus est sibi, ad fruendum Deo in se, et se in Deo". (Beatus Abbas Bernardus Claraevallensis)
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Re: Genitiv

Beitragvon medicus » Mo 4. Mai 2020, 19:29

Danke Mystica, jetzt habe ich den Hinweis auch in meiner Grammatik gefunden. :D
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Re: Genitiv

Beitragvon Sapientius » Mi 6. Mai 2020, 07:32

Was sind das für Genitive? Haben die einen besonderen Namen?
:roll:


Wir sind es gewohnt, nach dem Trennenden zu fragen; ich würde lieber in der umgekehrten Richtung fragen: was haben alle Genitive gemeinsam? Man könnte antworten: sie drücken eine Beziehung oder Relation aus, meistens ein Besitzverhältnis.

"Gen. objektivus" würde ich nur bei Verbalsubstantiven annehmen wie amor, denn nur Verben haben Objekte. Aber man muss querliegende Fälle in irgendeine Schublade ablegen können.
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Re: Genitiv

Beitragvon marcus03 » Mi 6. Mai 2020, 07:52

Der Gen. drückt auch allgemein einen Bereich aus, auf den er sich bezieht.
--> gen. pertinentiae

https://books.google.de/books?id=av93Dw ... hs&f=false

purus sceleris = rein/unbelastet "in Sachen des Verbrechens"
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Re: Genitiv

Beitragvon ille ego qui » Mi 6. Mai 2020, 09:23

Der Gen. drückt auch allgemein einen Bereich aus, auf den er sich bezieht.


Also Moment: Der Genitiv drückt einen Bereich aus, auf den er - also der Genitiv selbst - sich bezieht? Da steige ich ein bisschen aus... ;-)
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Re: Genitiv

Beitragvon marcus03 » Mi 6. Mai 2020, 09:30

Der Gen. drückt auch allgemein einen Bereich aus, auf den er sich bezieht.
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Re: Genitiv

Beitragvon ille ego qui » Mi 6. Mai 2020, 10:17

Nicht eher einen Bereich, auf den sich das Bezugswort bezieht?
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Re: Genitiv

Beitragvon ille ego qui » Mi 6. Mai 2020, 10:19

Die Relation zwischen Bezugswort und Genitivattribut ist ja zu klären.
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Re: Genitiv

Beitragvon Sapientius » Do 7. Mai 2020, 10:31

Was sind das für Genitive? Haben die einen besonderen Namen?


Hallo Medice,
die Antwort auf die Frage bringt eigentlich nicht viel für das Verständnis; es genügt zu wissen, dass der Genitiv eine Beziehung bezeichnet; bei integer wohlbehalten und purus rein bezeichnet der Genitiv diese Beziehung, und damit ist alles gesagt.

Es gibt eigentlich keinen Genitivus objektivus / subjektivus; der Genitiv bezeichnet nur eine Beziehung, aber welche, verrät er nicht.
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Re: Genitiv

Beitragvon medicus » Do 7. Mai 2020, 11:25

Sapientius hat geschrieben:es genügt zu wissen, dass der Genitiv eine Beziehung bezeichnet; bei

Danke für diese gute Erklärung. :D
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Re: Genitiv

Beitragvon Tiberis » Do 7. Mai 2020, 14:22

medicus hat geschrieben:
Sapientius hat geschrieben:es genügt zu wissen, dass der Genitiv eine Beziehung bezeichnet; bei

Danke für diese gute Erklärung. :D

naja, wenn das eine Erklärung ist, dann eher eine schwache. Denn jeder Fall - vom abl. abs. vielleicht abgesehen, und auch das nur in grammatischer Hinsicht - steht in irgendeiner "Beziehung" zum Rest des Satzes. Es macht also durchaus Sinn, beispielsweise zwischen einem Objektsgenetiv und einem Genetivattribut zu unterscheiden.
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Re: Genitiv

Beitragvon Sapientius » Fr 8. Mai 2020, 09:51

... wenn das eine Erklärung ist, dann eher eine schwache.


Stärker bin ich nicht, Tiberis, ich kann nichts dafür :-o .

Ich meine aber, dass in diesem Falle die schwache Erklärung die richtige ist, in dem Sinne, dass der Genitiv ganz unspezifisch ist, er ist meist ein substantivisches Attribut zu einem Nomen.
Es ist wahr, alle Kasus bezeichnen Relationen; und doch können wir unterscheiden: Nominativ und Akkusativ bezeichnen Relationen des Prädikats zu den tragenden Säulen des Satzaufbaus, und der Ablativ bezeichnet die Relation des Satzganzen zu seinem Geltungsbereich.

Das "Unspezifische" des Genitivs ist absrtakt gemeint; wenn wir einen konkreten Satz haben, dann beleuchtet das Satzganze die genaue Bedeutung des Genitivs, wir sprechen vom "Kontext"; und dann können wir unterscheiden: partitiv, possessiv, usw.; ich finde es besser zu sagen "partitive Sinnrichtung des Genitivs" als "partitiver Genitiv", aber es ist die eingebürgerte Ausdrucksweise.
Wir bewegen uns hierbei im "hermeneutischen Zirkel", d.h. das Ganze erklärt sich aus den Teilen und die Teile erklären sich aus dem Ganzen; die jeweilige Sinnrichtung des Genitivs ergibt sich aus dem Satz.
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Re: Genitiv

Beitragvon Tiberis » Fr 8. Mai 2020, 16:42

Sapientius hat geschrieben:die jeweilige Sinnrichtung des Genitivs ergibt sich aus dem Satz.

Das sehe ich nicht so. Meistens - von einzelnen Sonderfunktionen einmal abgesehen - bestimmt der Genetiv entweder ein Nomen näher (z.B. gen. qual., Genetivattribut) oder er ist Objekt eines Verbs bzw. der durch ein Nomen ausgedrückten Handlung. Somit ist es im Normalfall ein einzelnes Wort, von dem der Genetiv abhängt, der restliche Satz spielt für die Bestimmung des Genetivs ja keine Rolle und hilft kaum weiter, wenn man über die zwei o.a. Grundfunktionen nicht Bescheid weiß.
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Re: Genitiv

Beitragvon Sapientius » So 10. Mai 2020, 08:34

"Einzelne Wörter" gibt es im Satze nicht, es gibt nur Satzteile, möchte ich meinen, vitae und sceleris sind wesentliche Bestandteile des Subjektsblocks und damit auf das Satzganze bezogen, sie sind ja Mitspieler des "hermeneutischen Zirkels" im Satz.

... er ist Objekt eines Verbs bzw. der durch ein Nomen ausgedrückten Handlung ...


er kann doch auch Subjekt sein, und um das festzustellen, müsen wir das Satzganze in Betracht ziehen!

Tiberis, es lohnt sich nicht, sich darüber zu streiten, ob es einen Genitiv oder mehrere gibt; fest steht, dass bei der Erstlektüre der Genitiv als unspezifisch erscheint, wir müssen ja erst genauer hinschauen, um ihn einzuordnen; der erste Eindruck ist also immer der unspezifische Genitiv, einfach der Genitiv als solcher. Für die L-Didaktik ist es fruchtbarer, dem Schüler zu sagen: "Jetzt musst du die Sinnrichtung finden!", statt "Welcher Genitiv ist es?", mit Verweis darauf, dass alles schon längst geklärt ist und in den Büchern steht.
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