U=V

Für alle Fragen rund um Latein in der Schule und im Alltag

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Re: U=V

Beitragvon ille ego qui » Di 30. Jun 2020, 08:45

Hahahae, suum cuique!
So ist er halt, im Deutschen wie auch im Lateinischen.

Ich höre ae hier tatsächlich als Diphthong, auch bemüht er sich redlich um ein apikales R - ich kenne im Vergleich sein schwäbisches r. Mir ist allerdings auch schon aufgefallen, dass gerade Nicht-Deutsche das ebenfalls anders hören.

Bene vale!
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Re: U=V

Beitragvon ille ego qui » Di 30. Jun 2020, 21:16

(Ich hatte übrigens eher erwartet, dass jemand anmerkt, dass "quotus quisque" ein kurzes o habe. Hier verspricht - oder irrt - sich Stroh.)


P.S.: Ich habe noch mal reingehört. Das r produziert er schon mit der Zungenspitze. Bei mir klingt das genauso. :D
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Re: U=V

Beitragvon Tiberis » Di 30. Jun 2020, 23:14

ille ego qui hat geschrieben:Das r produziert er schon mit der Zungenspitze

Das wage ich zu bezweifeln. Höre dir bitte einmal an, wie Italiener oder Spanier das r sprechen. Der Unterschied macht sicher.
Noch etwas ist bei Strohs modus dicendi überaus lästig: die extremen Schwankungen der Lautstärke. Ich weiß gar nicht, wie ich meine Lautsprecher einstellen soll: einmal hört man fast gar nichts, und dann schreit er wieder, dass fast die Membran kaputtgeht. :roll:
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Re: U=V

Beitragvon Laptop » Mi 1. Jul 2020, 05:13

Der aufbrausende Kanzelton mag heute schwer erträglich erscheinen, ich glaube aber daß er von älteren Generationen eher als vergnüglich empfunden wurde (und deshalb hatte Stroh damit auch Erfolg). Denn er bedient selbstironisch das alte Klischee des Lateinlehrers der mit erhobenem Zeigefinger auftritt. Leider kommt es mir vor als ob Stroh die Selbstironie wieder vergessen hat. Aber abgesehen von der Aussprache: Was das ganze inhaltlich schwer verdaulich macht, ist daß er die meiste Zeit auf Fehlern herumreitet, und nur vereinzelt mal beiläufig einstreut, wie es eigentlich richtig lauten muß. Ist ein bekannter Psycho-Effekt: Wenn ich jemandem die falsche Vorstellung "Störche sind grün" aus dem Kopf tilgen möchte, rede ich nicht über grüne Störche, sondern über weiße. So richtet sich die Rede eher an die, die ohnehin schon seine Kenntnisse haben, als daß es unterentwickelten Lateinsprechern, wie es fast alle Zuhörer sind, die Hand reicht. Es hat mehr etwas Posierendes, als etwas Handreichendes. Mehr Bühnenauftritt, als nährende Mutterbrust.
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Re: U=V

Beitragvon ille ego qui » Mi 1. Jul 2020, 20:28

Tiberis hat geschrieben:
ille ego qui hat geschrieben:Das r produziert er schon mit der Zungenspitze

Das wage ich zu bezweifeln. Höre dir bitte einmal an, wie Italiener oder Spanier das r sprechen. Der Unterschied macht sicher.
Noch etwas ist bei Strohs modus dicendi überaus lästig: die extremen Schwankungen der Lautstärke. Ich weiß gar nicht, wie ich meine Lautsprecher einstellen soll: einmal hört man fast gar nichts, und dann schreit er wieder, dass fast die Membran kaputtgeht. :roll:


Wir müssen uns ja nicht einigen, was Stroh angeht. Ich persönlich fühlte mich immer sehr von ihm angesprochen und motiviert; ich habe viel von ihm gelernt. Beides sagen viele andere Lateinerinnen und Lateiner auch von sich. Von daher kann man froh sein, dass es einen wie Stroh gibt. Zum Glück kann sich ja jeder bis zu einem gewissen Grad seine LehrerInnen aussuchen.

Klar klingt sein r nicht italienisch; das kann er nicht. Aber hör mal im Vergleich was Deutsches von ihm an.
Im Kapitel zum R macht er es sogar explizit vor. Sein Zungenspitzen-R klingt nun mal so (wenn er nicht gerade - selten - ins schwäbische R zurückfällt).
http://stroh.userweb.mwn.de/scholae/vl_ ... _r_s_x.mp3
(An einer einzigen Stelle macht er hier versehentlich sein deutsches R, da hörst du den Unterschied: "Rosini radice ... contra ...")
Etwas schade, dass jetzt untergeht, was Stroh inhaltlich Wichtiges - und vielen Latein(lehrer)Innen kaum Bewusstes - in den verlinkten Ausschnitten sagt.
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Re: U=V

Beitragvon ille ego qui » Mi 1. Jul 2020, 20:33

Laptop hat geschrieben:Der aufbrausende Kanzelton mag heute schwer erträglich erscheinen, ich glaube aber daß er von älteren Generationen eher als vergnüglich empfunden wurde (und deshalb hatte Stroh damit auch Erfolg). Denn er bedient selbstironisch das alte Klischee des Lateinlehrers der mit erhobenem Zeigefinger auftritt. Leider kommt es mir vor als ob Stroh die Selbstironie wieder vergessen hat. Aber abgesehen von der Aussprache: Was das ganze inhaltlich schwer verdaulich macht, ist daß er die meiste Zeit auf Fehlern herumreitet, und nur vereinzelt mal beiläufig einstreut, wie es eigentlich richtig lauten muß. Ist ein bekannter Psycho-Effekt: Wenn ich jemandem die falsche Vorstellung "Störche sind grün" aus dem Kopf tilgen möchte, rede ich nicht über grüne Störche, sondern über weiße. So richtet sich die Rede eher an die, die ohnehin schon seine Kenntnisse haben, als daß es unterentwickelten Lateinsprechern, wie es fast alle Zuhörer sind, die Hand reicht. Es hat mehr etwas Posierendes, als etwas Handreichendes. Mehr Bühnenauftritt, als nährende Mutterbrust.



Ihr seid alle recht streng. Lateiner picken sich doch gerne Fehler heraus; ich glaube, keiner derer, die hier gerade schreiben, macht das nicht ganz gern und oft ;-) Und klar gehört auch das zum Lehren und Lernen. Hör dir die Vorlesungen an - das Richtige und "Gute" hat hier durchaus seinen verdienten Platz - und lass dich nähren :D

Vale.
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Re: U=V

Beitragvon Veterinaria » Do 2. Jul 2020, 21:00

Salvete,

als Nicht-Altphilologin, aber grundsätzlich am Römertum und römischer Geschichte Interessierte, habe ich auch in die verlinkten Vorträge des Prof. Stroh hineingehorcht: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Latein im Alltag so gesprochen wurde.
Man stelle sich vor, Julius Caesar, hoch zu Pferd, hätte die Ansprachen an seine Legionen vor dem Einsatz so "auf und ab" geschrien - ich habe Zweifel, dass solcher Art Rede den Siegeswillen seiner Soldaten gestärkt hätte!
Auch vom Plebs kann ich mir das nur schwer vorstellen.
Vielleicht die Senatoren in ihren Diskussionen? Eine gewisse "Abgehobenheit" soll ja noch heute gelegentlich in der Rede solcher Kreise vorkommen.

Valete
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Re: U=V

Beitragvon Tiberis » Do 2. Jul 2020, 23:39

Stramentarius edocet Latinam
nos, qualem esse putat, locutionem.
sed, quamquam bene scit loqui Latine,
dicendi ratio mihi improbatur.
gente ex Romulea virum loquentem
si quis perciperet, locutionem
moturam arbitror huic fuisse risum.
Zuletzt geändert von Tiberis am Fr 3. Jul 2020, 11:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: U=V

Beitragvon ille ego qui » Fr 3. Jul 2020, 07:50

... ebenso wie etwa Reich-Ranicki viele zum Lachen gebracht und viele andere mitgerissen hat. Das ist ja - im Falle von Stroh - keine Frage von römisch oder nicht römisch, sondern seines Temperaments und seines persönlichen (sprachunabhängigen) rhetorischen Spleens.

P.S.: Sehr schlimm oder sehr belustigend wäre für die Römer vieles, was wir heute in Bezug auf Latein treiben, nicht zuletzt die iktische Misshandlung ihrer Verse. :D
Zuletzt geändert von ille ego qui am Fr 3. Jul 2020, 09:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: U=V

Beitragvon ille ego qui » Fr 3. Jul 2020, 07:55

Tiberis hat geschrieben:Stramentarius edocet Latinam
nos, qualem esse putat, locutionem.
sed, quamquam bene scit loqui Latine,
dicendi ratio mihi improbatur.
gente ex Romulea virum loquentem
si quis perciperet, locutionem
moturam arbitror ei fuisse risum.


Übrigens interessant: Das pronomen "ei" scheint poetisch sehr selten ("huic" ist das übliche) . Ich fand es vereinzelt bei irgendwelchen "Pseudo-Autoren", dort eher zweisilbig (nur eine Ausnahme).
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Re: U=V

Beitragvon Tiberis » Fr 3. Jul 2020, 11:56

ille ego qui hat geschrieben:Das pronomen "ei" scheint poetisch sehr selten ("huic" ist das übliche) . Ich fand es vereinzelt bei irgendwelchen "Pseudo-Autoren", dort eher zweisilbig (nur eine Ausnahme).

ein netter Versuch, vom Inhalt des Gedichts abzulenken. :D Aber ich stimme zu: huic klingt besser!
(die Stelle wurde somit entsprechend geändert)
:stretch:
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Re: U=V

Beitragvon ille ego qui » Fr 3. Jul 2020, 12:04

Nunc placet carmen - etsi magis forma quam re ;-)
Artem illam animos a re ipsa avocandi a vobis ipsis didici (v. supra) :D
De gustibus, inquam, agitur. Itaque nihil amplius habeo quod addere velim de Valahfrido meo ;-)


(Immo hoc iam respondi ad carminis argumentum:)
... ebenso wie etwa Reich-Ranicki viele zum Lachen gebracht und viele andere mitgerissen hat. Das ist ja - im Falle von Stroh - keine Frage von römisch oder nicht römisch, sondern seines Temperaments und seines persönlichen (sprachunabhängigen) rhetorischen Spleens.

P.S.: Sehr schlimm oder sehr belustigend wäre für die Römer vieles, was wir heute in Bezug auf Latein treiben, nicht zuletzt die iktierende Misshandlung ihrer Verse.
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